Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

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MArtin
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von MArtin » 19 Mai 13 9:51

Richtig seekrank zu sein kann man eigentlich nur seinem ärgsten Feind wünschen.

Ich war schon einmal seekrank. Es kam plötzlich und unerwartet, nachdem ich mich nach mehreren Seefahrten schon absolut "seefest" geglaubt hatte.

Zum Glück wird Seekrankheit an Bord nicht irgendwie als "Schande" angesehen, weil so gut wie jeder Seemann schon selbst Bekanntschaft mit der Seekrankheit (Kinetose, http://de.wikipedia.org/wiki/Reisekrankheit ) geschlossen hat.

Mich und 4 weitere Crewmitglieder hat es auf dem Weg von Vava'u nach Tongatapu erwischt. Leider zwangsweise im Bug des Schiffs, denn bei Windstärke 6 war nicht daran zu denken, auf's Gischt überströmte Deck zu gehen, wo sich nur der vertaute Steuermann am Doppelruder der Benneteau festhielt.

Jeglicher Energie beraubt habe ich Stunden lang möglichst regungslos in der Koje gelegen, einen Eimer halb voll mit Erbrochenem neben mir und mit jeder Welle einen Schwall Seewasser von oben durch die undichte Luke ins Gesicht. Es war erbärmlich und niemals zuvor ist mir je so sauschlecht gewesen, habe ich eine so zwingende Apathie erlebt, dass mir jede Bewegung, jede Fokussierung zuviel war. Völlige Schlappheit, schwere Glieder, Gähnen, Müdigkeit und vor allem: Produktive Übelkeit.

Dass der wöchentlich Regatta-erprobte Moorings- Manager und 3 der Mannschaft, die das Segelboot zuvor von NZ nach Tonga überführt hatten ebenfalls seekrank waren, hat mir bewiesen, dass wohl niemand immer vor einer Seekrankheit gefeit ist.
Bis auf Astrid, die putzmunter das Chaos an Bord beherrschte, umherfliegende Gegenstände so gut wie möglich seegangssicher verstaute und Kotzeimer leerte.
Zu allem Überfluß brach dann noch die Kette des Doppelruders, was das Boot bis zum Herauskramen der Notallpinne manövrierunfähig machte.

Als der Wind langsam abflaute, brachte Astrid es fertig, den beiden einzigen Nicht Seekranken auf dem Kardanherd ein Süppchen zu kochen. Allein der Suppengeruch war Folter für meinen Magen.
Ein paar Fotos von Reise und Boot sind unten auf http://www.worldtrip.de/Tonga/Tonga-Tag ... book1.html abgebildet.

Der großen Kotzerei war ein Stunden langer Kampf gegen die Seekrankheit vorausgegangen:
Auf Deck zu bleiben und die Augen fest auf den fernen Horizont zu richten hat den vollen Ausbruch meiner Seekrankheit so lange verhindert, bis wir bei aufstürmendem Wind und wegen hohen Seegangs alle unter Deck mussten.
Da habe ich dann im Schwall erbrochen, noch bevor ich es auf die (schon bekotzte) Toilette schaffte.

Seekrank zu sein war also wahrlich keine schöne Erfahrung und selbst ein restlos entleerter Magen brachte keine Besserung, so wie das oft bei einer Lebensmittelvergiftung der Fall ist.
Linderung kam erst mit Abflauen des Windes, bzw. niedrigerem Seegang, s.a.
-> Gibt es ein Medikament / Mittel gegen Seekrankheit?.

Soweit meine bislang einzige Erfahrung mit Seekrankheit, zu der ich mir auch keine Neuauflage wünsche.

Ist noch jemand schon mal seekrank gewesen? Wie haben andere ihre Seekrankheit erlebt?


LG :)



P.S.
Landkrankheit:
Nach längeren Schifffahrten habe ich auch schon mal das Festland unter meinen Füßen schwankend erlebt: Bei den ersten Schritten an Land und dann über die nächsten 2 Tage verstreut als Sekunden langes Schwanken, so ähnlich wie ein flash back.
Diese "Landkrankheit" war aber weit davon entfernt Überlkeit erzeugen zu können, war eher eine kurze Irritation wie bei einem Erdbeben.

joercan
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von joercan » 19 Mai 13 18:00

Auf Seekrankheit reagiert jeder anders. Ich habe eher Probleme wenn ich unter Deck bin bzw. bestimmte Aufgaben machen muss.
Solange ich oben bin passiert mir nichts. Sonst nehme ich ein Medikament was "Biodramina" heisst -> siehe bitte auch: Gibt es ein Medikament gegen Seekrankheit? .

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mahimahi
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von mahimahi » 23 Mai 13 6:39

Ich bin eigentlich mein Leben lang (zumindest 30 der nun insgesamt 50 Jahre) auf all meinen Segelreisen sehr unanfällig gegenüber Seekrankheit gewesen, was sich aber in bemerkenswerter Weise mit zunehmendem Alter zu ändern scheint.

Jedenfalls war ich nun in den letzten 5 Jahren bereits 3 mal seekrank: Einmal beim Whale Watching in T onga, einmal beim Robben-und-Albatross Watching irgendwo an der bl**den Ostküste N euseelands (in beiden Fällen liess man das Boot mit Wind und Strömung treiben... *Haarrrrr-KillTheCaptain*) und zuletzt auf einer anderthalbstündigen Autofahrt im bergigen Umland von W ellington, die ich auf der Rückbank eines Toyota Geländewagens erleben durfte, während der Fahrer sein Können im "digitalen Autofahren" (Vollgas - Vollbremsung - 90 Grad Kurve - Vollgas - usw.) meinte demonstrieren zu müssen, da er die Zeitvorgabe des Navi-Systems unbedingt unterbieten wollte.

Bei mir sind es ganz klar Gleichgewichtsstörungen, die ich bis zu einem gewissen Grad mit Konzentration (zB auf einen Fixpunkt, der sich nicht bewegt, wie zB der Mast im Boot) und mit Atemtechnik im Zaum halten kann. Unter Deck ist es mit Sicherheit viel schlimmer, als draussen. Ich würde auch (und gerade) bei Sturm immer versuchen, an Deck zu bleiben.

Zum Glück habe ich in allen 3 Fällen nicht das Innerste nach Aussen gekehrt, aber im Toyota war ich seeeeehr kurz davor! Danch kann ich erstmal ein paar Stunden lang nichts essen, aber ein guter warmer Tee hilft, den Magen zu beruhigen.

LG
Mahimahi
Manche Leute sollten einfach besser zuhause bleiben!
(Mahimahi findest du hier.)

nextext
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von nextext » 09 Jun 13 8:46

Bei mir wird es besser umso öfter ich auf einem Schiff bin, also lieber mehrere tage am stück als nur mal kurz.
da ich aber nicht 100 %ig gefeit bin, nehme ich bei Wellen lieber eine ! Tablette gegen Seekrankheit sobald wir auslaufen. da ich ja noch am Ziel tauchen gehen muss und Briefings geben, evtl. einen kurs habe.

bischen müde werde ich davon , aber im Wasser wird man sofort wieder wach, landkrank werde ich immer wenn ich mehrere tage auf dem boot war, ist ein doofes gefühl, aber nicht vergleichbar mit seekrank.

Michael 1973
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von Michael 1973 » 09 Jun 13 18:27

Ich war der Meinung, dass mich die Seekrankheit nicht erwischt.
Bis es dann plötzlich letztes Jahr bei der eher harmlosen Fährverbindung Oslo-Kiel bei allenfalls mäßigen Seegang dann doch soweit war.
Tja, das Vomex war im unzugänglichen Auto und hätte wohl auch nix mehr genützt.
Ich kann nur sagen:
Ekelhaft!


Bis demnächst

Michael

Michael 1973
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von Michael 1973 » 09 Jun 13 18:28

Ich war der Meinung, dass mich die Seekrankheit nicht erwischt.
Bis es dann plötzlich letztes Jahr bei der eher harmlosen Fährverbindung Oslo-Kiel bei allenfalls mäßigen Seegang dann doch soweit war.
Tja, das Vomex war im unzugänglichen Auto und hätte wohl auch nix mehr genützt.
Ich kann nur sagen:
Ekelhaft!


Bis demnächst

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MArtin
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von MArtin » 10 Jun 13 4:59

Ah - da fällt mir ein:
Ich bin schon mal auf einem Tauchgang seekrank geworden:
Der Tauchgang war flach, die Brandung über uns nah & hoch und die Tauchtiefe hat dadurch geschwankt. Das hat man zwar außer durch Blick auf den Tiefenmesser kaum gemerkt, aber beim Auftauchen habe ich in den Regulator erbrochen.
Danach noch ein bisschen schlapp, dann war's wieder gut.


LG :)

jot
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von jot » 10 Jun 13 23:02

Ich hab schon ein paar mal etwas Übelkeit auf Schiffen oder Fähren erlebt (jeweils bei schwerem Seegang), konnte es aber immer kontrollieren und musste mich nie übergeben (was mich bei den ersten Malen noch überrascht hat als der Rest um mich anfing... normalerweise wird mir beim Lesen im Auto schon recht schnell übel).
Der erwähnte Trick mit dem Horizont angucken funktioniert bei mir ganz gut, wird es draußen dunkel oder aus sonstigen Gründen unmöglich den Horizont weiter anzustarren, dann setze oder lege ich mich möglichst schnell hin und schließe die Augen (was auch hilft). Auch die Ernährung soll eine Rolle bei der Anfälligkeit von Seekrankheit spielen, gibt ganze Listen was man essen kann und was nicht.

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Aristo
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Seekrank: Wie ich Seekrankheit erlebt habe

Ungelesener Beitrag von Aristo » 11 Jul 13 19:02

Dachte auch immer das erwischt mich nicht, aber auf einem Bootstrip auf den G alapagos Ineln nach einem wirklich leckeren Abendessen hat es mich dann erwischt...nach endlosen Stunden und dem Einschlafen wars dann wie es gekommen ist wieder verschwunden. Auf dem Schiff hatte ein mitreisender Franzose ein Pflaster gegen Reiseübelkeit -> s.a.: Gibt es ein Medikament / Mittel gegen Seekrankheit? .

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