Lohnt es sich für's Reisen alles aufzugeben?

Von der Reise-Idee zur Entscheidung. Vom Traum zur Trip-Planung. Vom Chaos zur Reiseorganisation und von der Reisebuchung über Airport-Check-In bis zum Abflug in den Urlaub:
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Während Deine Reisepläne gerne detailliert in Deinem Vorstellungsstrang stehen dürfen, sollen konkrete Reisefragen hier im Info-Pool als einzelne, vom individuellen Reiseplan losgelöste einzelthematische Sachfragen unter aussagekräftigem Betreff und passender Kategorie gestellt- und beantwortet werden. Unbedingt erst WRF-Suchen, denn die meisten Reisevorbereitungsfragen wurden hier schon wiederfindbar beantwortet und brauchen ggf. nur wieder aktualisierend angeschubst zu werden.
Existiert zu einer Deiner Fragen noch kein Thema, dann eröffne bitte ein neues Thema, speziell für Deine genaue Frage, die dann im Betreff stehen sollte. Innerhalb eines Themas bitte nur zum Betreff antworten und statt eines Themenwechsels gleich ein neues Thema aufmachen.
Jede Frage also bitte in ihrem eigenen (einzigen!) Thema behandeln, wie unter 1F-1T in der WRF-Anleitung erklärt. Bitte vor erstem Beitrag lesen!
Danke! :)
Andreas
Kiebitz
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Lohnt es sich für's Reisen alles aufzugeben?

Ungelesener Beitrag von Andreas » 19 Nov 03 1:39

Hallo Astrid, hallo Martin,

Ich freue mich von Herzen, dass es so ein Forum gibt.

Fast jeden Tag schaue ich bei euch rein, weil ich euer Forum gut finde.
Aber möchte ich auch sagen, dass ich doch nur hier bin, weil ich zwei Fragen habe fürs erste.

Vielleicht macht es die ganze Sache einfacher, wenn ich von Anfang an erzähle.
Vor genau zehn Jahren habe ich mit meinem besten Freund geplant, um die ganze Welt zu ziehen.

Wir haben uns alle Informationen zusammen gesucht (wirklich alles), auch angefangen unsere Ausrüstung zu beschaffen.

Leider (und das meine ich nicht böse), hat mein Freund sehr viel Erfolg in seinem Job gemacht und mit der Zeit seine Frau fürs Leben gefunden (und ich gönne es ihm).

Mit der Zeit hat er, unser Ziel, durch die Welt zu ziehen aus den Augen verloren (für ihn sind andere Dinge wichig geworden).

Aber nun stehe ich hier, habe immer noch diesen Wunsch in mir, die Welt zu entdecken, zu erleben.

Nun denn, hat sich mir eine Gelegenheit ergeben, die mir ganz neue Möglichkeiten offenbart.

Mein Arbeitgeber möchte Arbeitsplätze abbauen und würde uns (mir) eine gewisse Abfindung zahlen (es ist für mich eine kleine Summe, da ich nicht lange bei ihm beschäftig war).
Aber doch denke ich daran, mit diesem Geld und dem Geld aus dem Erlös aus meiner Wohnungsauflösung durch die Welt zu ziehen (nochmals, es ist nicht viel).
Ich glaube auch, dass ich in ein oder zwei Jahren wieder hier Köln erscheinen werde (ohne Wohnung und ohne Job, aber mit Familie und Freunden die mich IMMER aufnehmen).

Meine Planung sieht so aus:

Ich möchte nicht mit so einem RSW Ticket reisen, eher mit einem One Way.
Da es einige von euch gibt, die eine genau Vorplanung hören wollt, nun denn:

Köln (Flug) Mexiko (alle Weiteren Verbindungen mit dem Bus, Zug oder Flieger. Immer die billigste Wahl), Belize, Guatemala, Honduras (oder El Salvador), Nicaragua, Costa Rica (ggf Panama), Flug oder Schiff nach Ecuador, weiter über Peru, Bolivien, Chile über Feuerland nach Argentinien.
Flug von Argentinien nach (am liebsten nach Neu Seeland (schön, aber teuer), Australien (auch teuer, doch eine reise Wert) aber vom Geld her eher nach Thailand (wenn nicht, über Indonesien, mit Kutter oder wie auch immer nach Singapur oder Malaysia)).

Thailand ist der Ausgangspunkt für die nächste Etappe (wenn noch Geld da ist) in Richtung Kambodscha, Vietnam, China (mit Hongkong) über Laos zurück nach Thailand.
Ich würde auch gerne nach Indien, doch alles ist wie immer abhängig von so vielem.


Und nun zu meinen zwei Fragen:
Die erste Frage lautet, ich möchte diesen Weg gehen, und doch kann ich mache Nacht nicht schlafen, weil ich diesen Weg alleine gehe soll, weil ich meinen Job hinschmeißen muss (den ich WIRKLICH gerne mache) und weil ich dann keine Heimat mehr habe (denn ich muss hier alles aufgeben, auch wenn ich hier Familie und Freunde habe. Aber ich muss mein Leben (wenn ich es hier wieder aufbauen möchte) wieder von „Null“ beginnen. Aber auch ich habe das Problem (wie Astrid und du): dass meine Eltern (beide) schwer krank sind und einer oder beide sterben könnten. IST ES ALL DIESES WERT?

Und nun eine ganz einfache Frage:

Es geht wie immer ums Geld.
Wenn man länger als 183 Tage nicht in der BRD lebt, bekommt man seine ganze Lohn/Einkomenssteuer zurück.
In meinem Fall ist es doch etwas Geld, nur wie beweise ich es dem Finanzamt. Da ich nirgendwo gemeldet bin.

Andreas

P.S. Ich habe bis zum 31.12.2003 Zeit mich zu entscheiden ob ich den Weg gehe, den ich euch hier geschildert habe oder nicht.
Nach diesem Termin sieht es für so ein vorhaben schlecht aus (zum einen bin ich 35 Jahre alt und kann sagen jetzt oder nie. Zum anderen werde ich nicht diese paar jämmerlichen Euro von meinem Arbeitgeber bekommen).

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Astrid & MArtin
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Für uns hat es sich (trotzdem) gelohnt

Ungelesener Beitrag von Astrid & MArtin » 20 Nov 03 5:07

Lieber Andreas !
Herzlich Willkommen an Board und ein Riesenkompliment für Deine gelungene Vorstellung. :) (Könnte so eigentlich auch noch mal im "Mitglieder stellen sich vor" stehen.)
Fasziniert hat uns vor allem Deine Offenheit, mit der Du Deine bisherige Geschichte auf sehr persönliche Weise erzählt hast.

Auch Deine (un)geplante Reiseroute hört sich durchdacht aber flexibel an und hat schon beim Lesen die Reiselust in uns geweckt.

Ob Reisen die ganzen Unbequemlichkeiten wert ist ? Die Unsicherheit ? Den Abschied ? Die Einsamkeit ? Den Kummer ? Die Sehnsucht ? Das Risiko ? Ob Reisen all das wert ist ?

Natürlich kennen wir die von Dir gestellte Frage. :) Nicht erst seit dem Tod von Martins Vater. :(
Unsere Antwort darauf ist JA und wir haben bislang keinen Tag unserer mehrjährigen Reise bereut - aber Deine Antwort wirst Du selbst finden müssen .
Wenn Reisen Dein sehnlicher Wunsch ist, wenn Dich fremde Menschen und Kulturen faszinieren, wenn Du neugierig bist und die Herausforderung liebst, wenn Du bisher unhinterfragt internalisierte Werte in Frage stellen willst, dann wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem Du entschlossen sein wirst. Die geschilderten äußeren Umstände hören sich eigentlich ganz so an, als seien die Puzzleteile für eine Reise günstig gefallen, oder?

Bei uns hat es vergleichsweise lange gedauert bis wir soweit waren, unsere Existenz in Deutschland (vorübergehend?) aufzugeben und den Schritt in die Ferne zu wagen. Viele haben damals unseren angeblichen Mut bewundert. Dabei hatte es gar keinen Mutes bedurft: Die Zeit war einfach reif für uns und wir sind leichten Herzens losgereist. Erstaunlicherweise war das zu einem Zeitpunkt, als uns viele Möglichkeiten hier in Deutschland offen standen und vor allem unsere Familie dachte: Jetzt sind sie gesettled !
Genau das war der Moment der wirklich freien Entscheidung, den wir brauchten um so zu reisen, wie wir es tun. Inzwischen hören wir das Wort "Neid" häufiger als "Mut". Realistisch betrachtet kennen wir allerdings kaum jemanden, der sich den vielfältigen Entbehrungen des Reiselebens und dem Unbekannten der Ferne tatsächlich längerfristig aussetzen wollte. Auch Dein abenteuerlicher Reiseplan würde neben euphorischer Hochstimmung etliche Tiefen an der Grenze der Erträglichkeit für Dich bereithalten, darüber solltest Du Dir im Klaren sein. Aber seine Grenzen lernt nur kennen, wer sie austestet. Wo und auf welchem Gebiet dies geschieht, ob Du eingefahrene Wege beschreitest oder "the road less traveled" nimmst, bleibt Dir überlassen.
Dein Leben ist ein Geschenk. Nutze es - wofür, kannst nur Du entscheiden.

Erfahrungsgemäß gibt es viele, die nach einer Weile der Reise wieder freudig in die gewohnte Umgebung zurückkehren. Man muss nicht alles aufgeben. Vielleicht lässt sich für den Anfang ein befristetes Arrangement mit Deinem Chef finden. Oder Du kannst Deine Wohnung untervermieten. Auch Freundschaften enden nicht zwangsläufig durch eine räumliche Trennung… Außerdem wirst Du auch unterwegs ohne Schwierigkeit viele Reiseabschnittbegleiter(innen) finden, sodass Einsamkeit unterwegs kein gravierendes Problem darstellen sollte. Und selbst wenn Du um viele Erlebnisse bereichert zurück kommst und wieder bei Null anfangen musst - irgendwie wird es immer weiter gehen. (Uns steht das gleiche Schicksal bevor.)

Der drohende Tod nahe stehender Angehörigen ist vielleicht der wesentlichste Grund dafür, dass Du innerlich (noch) nicht so frei bist, zu gehen. Wichtig ist u.E., dass Du Dich "im Guten" von Deinen Eltern verabschieden kannst und nichts Wesentliches unausgesprochen bleibt. Kannst Du mit dem Schlimmsten rechnen und trotzdem Deinen inneren Frieden behalten? Würden Dich Deine Eltern darin unterstützen können?
Auch wir sind seit unserer Rückkehr länger geblieben als gedacht. Letztendlich, um mit Martins Mutter ihren 80. Geburtstag zu feiern - wer weiß, wie viele gemeinsame Geburtstagsfeiern es noch geben wird?
Danach werden wir jedoch wieder aufbrechen und unser Leben weiter leben.

So, das wäre eine Teilantwort auf Deine erste Frage aus unserer Sicht.

Einzeltickets halten wir in Deiner Situation auch für besser als ein RTW- Ticket.

Wie das mit der Steuerbefreiung geht, ob Du Dich dafür abmelden musst oder wie Du Deine Abwesenheit aus D nachweisen kannst (Ein- und Ausreisereisestempel im Pass?) wissen wir leider auch nicht. Allerdings sind wir guter Hoffnung, dass es hier jemand bis zum 31.12.03 geschrieben haben wird.

Liebe Grüße - wir hören ja sicherlich weiterhin von Dir :)
Astrid & MArtin
Das Sein ändert das Bewusstsein

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kurt

Ungelesener Beitrag von kurt » 20 Nov 03 16:00

Hallo Andreas! Hallo Astrid u. Martin !
Es freut mich das ich beim durchblättern div. Foren immerwieder auf Gleichgesinnte treffe. Auch ich kämpfe schon lange gegen den Virus
"Fernweh". Ich glaube das ich den Kampf jetzt entgültig verloren habe.
Fliege jetzt am 30.11. für 1 Monat nach Vietnam. Dort hoffe ich ein paar
Stunden (bei den div. Transporten ) Zeit zum überlegen habe.
Möchte mich auch bis Ende des Jahres entscheiden !!!
Ich würde einen guten Job u. eventuell auch meine Wohnung aufgeben.
Aber was solls !!! Jeder der das Gefühl kennt , weiß das diese Sachen dann zweitrangig sind. Wenn du sagst jetzt oder nie weil du schon 35 J. bist, muß ich sagen Reisen ist eine Sache der Einstellung u. des Bauchgefühls. Ich bin überigens 45 J. und träume täglich.......
LG an alle Träumer Kurt

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Astrid & MArtin
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Ungelesener Beitrag von Astrid & MArtin » 26 Nov 03 5:48

Hallo Kurt,
mit Deinem Beitrag, hast Du vermutlich vielen hier aus der Seele gesprochen hast.
Allerdings haben wir eher das Gefühl, dass Du einen Kampf „gewonnen“ hast… - ist wohl eine Frage des Blickwinkels .

Die Erfahrungen unterwegs und die Zeit in Vietnam werden Dich Deinen Wünschen ein Stück näher bringen - zumal Du unterwegs auf noch mehr Gleichgesinnte treffen wirst...

Bei unserer Abreise war MArtin übrigens auch gerade 45 - gefährlich schönes Alter

Liebe Grüße
Astrid & MArtin
Das Sein ändert das Bewusstsein

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