Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Worüber man in der Welt-Reise-Community sonst noch spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)

Moderatoren: Der_Felix, der Bär, WRF-Moderatoren - "Teamgeister"

Benutzeravatar
Coogar
WRF-Moderator
Beiträge: 758
Registriert: 28 Jun 05 18:29
Wohnort: Córdoba, Argentinien

Warum reist man lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von Coogar » 26 Mai 09 2:32

Luther hat geschrieben: Es gibt Menschen, die bleiben ihr Leben lang single. Die, die das freiwillg und aus Überzeugung tun, habe ich mal in einer Untersuchung gelesen, sind aber eine ausgesprochene Minderheit. Fast alle leben also lieber mit Partner.

Und wer lieber mit einem Partner als alleine lebt, der reist wohl auch lieber mit Partner anstatt alleine.
Was zu beweisen wäre.
Ich denke nicht, dass die Mehrheit unbedingt lieber mit Partner lebt, ich denke eher, dass die Gesellschaft es auferlegt. Selbst in toleranten und liberalen Nationen geht man immer noch davon aus, dass Leben mit Partner erstens der Natur entspricht und zweitens erstrebenswert sei.
Ersteres mag zutreffen, aber nur in einem zeitlich begrenzten Rahmen. Biologisch gesehen dürften wir alle ab einem gewissen Alter keine Sehnsucht mehr versprüren, uns zusammenzuschließen.
Warum es ansonsten erstrebenswert sein sollte, keine Ahnung. Für manche mag es ja das Nonplusultra sein, aber ich denke, viele wären glücklicher, wenn sie es fertigbrächten sich von all den Hollywood-Schmonzetten zu verabschieden.

Selbst wenn Du irgendwo gelesen hast, dass die freiwilligen überzeugten Singles in der Minderheit sind, halte ich die Schlussfolgerung, dass fast alle lieber mit Partner leben, für übereilt. Für manche bedeutet es vielleicht einfach nur, den blöden Kommentaren der Verwandtschaft zu entgehen oder das Gefühl zu haben dazuzugehören, die Angst es nicht alleine zu schaffen oder (endlich) geliebt oder gebraucht zu werden, wo vielleicht von anderen Seiten Mangel besteht. Das trifft zB häufig auf Opfer häuslicher Gewalt zu und ich bezweifle rgendwie, dass die ernsthaft glücklich sind.

Davon abgesehen, Nicht-allein-Reisen muss ja nicht zwangsläufig einen Partner beinhalten, sondern es könnte auch ein/e gute/r Freund/in sein oder vielleicht ein Familienmitglied (Bruder, Schwester, Cousin/e etc.).
Die Familienvariante stelle ich mir spannend vor (und will sie auch umsetzen). Hat jemand Erfahrung damit? -> http://www.reise-forum.weltreiseforum.d ... hp?t=16176
What is the use of straining after an amiable view of things, when a cynical view is most likely to be the true one?
G.B.Shaw

Benutzeravatar
Lohas
WRF-Spezialist
Beiträge: 397
Registriert: 28 Feb 09 0:36
Wohnort: Dublin

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von Lohas » 26 Mai 09 7:19

Guten Morgen,

ich gebe Luther in einem Punkt Recht
Ich kann es nicht statistisch belegen, aber ich meine, mir wären weit mehr Paar-Reisende als Allein-Reisende begegnet. Und viele von letzteren sind sicher nur deshalb allein, weil sie keinen geeigneten Partner gefunden oder an der Hand haben.
Natürlich wäre es für die meisten schön, einen Partner an der Seite zu haben, der das Fernweh teilt. Und hätte ich diesen Partner an der Hand, würde ich mich freuen, nicht alleine reisen zu müssen.
Aber wer hat schon das Glück?

Für mich ich es aber auch ein Unterschied, ob nicht alleine weil mit Partner oder ob mit einem Freund.
Zweiteres kann ich mir gar nicht vorstellen. Dann doch lieber alleine. Vielleicht bin ja auch nur ich so verquer, aber ich glaube, in einer Beziehung bin ich kompormissbereiter als in einer Freundschaft unterwegs. Liegt vielleicht aber auch daran, dass ich in meinem Freundeskreis wirklich niemandem habe, mit dem ich mir so eine Reise vorstellen könnte.

Allerdings muss ich noch der statistischen Einschätzung widersprechen. Es gibt mehr Paar-Reisende, das ist richtig. Unter den Weltreisenden sind (zumindest laut einer Statistik, die ich mal gesehen habe) Singles klar in der Mehrheit. Leider finde ich gerade nicht mehr die Website :cry:
Memento mori - In omnia paratus.

layla
WRF-Spezialist
Beiträge: 808
Registriert: 13 Sep 06 13:57
Wohnort: Österreich

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von layla » 26 Mai 09 15:04

mit einem Freund/Freundin könnte ich mir auch nicht vorstellen zu reisen. außerdem gibts sowieso keinen in meinem freundeskreis der diese faszination teilt. die meisten schaffens grad mal bis zur adria im sommer.
sehe das auch wie lohas in einer freundschaft bin ich nicht so kompromissbereit wie in einer partnerschaft. ich denke wenn ich mit einer freundin reisen würde, würden wir sicher nach einigen wochen getrennte weg gehehen.

Goldi
WRF-Förderer
Beiträge: 199
Registriert: 26 Okt 07 15:28
Wohnort: Ratingen NRW

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von Goldi » 26 Mai 09 21:47

Davon abgesehen, Nicht-allein-Reisen muss ja nicht zwangsläufig einen Partner beinhalten, sondern es könnte auch ein/e gute/r Freund/in sein oder vielleicht ein Familienmitglied (Bruder, Schwester, Cousin/e etc.).
Die Familienvariante stelle ich mir spannend vor (und will sie auch umsetzen). Hat jemand Erfahrung damit?
Zur Familienvariante: -> http://www.reise-forum.weltreiseforum.d ... hp?t=16177

Ähnliches mit Gruppenreisen. Konflikte nahmen im laufe der Zeit immer mehr zu (Abenteuer Jugendfreizeit zu immer kleiner werdenden Grüppchen, bis hin zur Erkenntnis, besser reist es sich alleine).

Wer mal in meinen Vorstellungsthread geschaut hat, weiß ja dass ich überzeugter Single bin und ich das Alleinsein immer mehr zu schätzen gelernt habe. Und ich lebe gut damit. Ich gebe Coogar vollkommen recht, wenn sie eine Lanze für die Alleinstehenden in dieser Welt bricht. Alleinstehende sind inzwischen das was früher homosexuelle gewesen sind. Bemitleidenswerte, nicht angepasste Egomanen. Homosexuelle sind ja noch insofern irgendwie sozialere Wesen, weil sie in Partnerschaften leben. Wenn ich mir den ganzen Singlemarkt angucke wird deutlich, wie wie Alleinreisende, Alleinstehende gesehen werden. Z.B. ist die soganannte Singleparty ja nichts anderes als eine Antisingleparty. Eine Art Umerziehungslager für beziehungs- oder kontaktgestörte Menschen.

Was mich besonder überrascht. Wenn ich im Bekanntenkreis erzähle, dass ich alleine Lateinamerika bereisen will, bekomme ich ständig (insbesondere von Frauen) zu hören: und dann nimmste Dir eine rassigen Latina mit nach Hause. Damit verschaffen sie mir auch noch das Gefühl, dass ich sowas wie ein notgeiler Sextourist bin.

Reisen als Single, Reisen als hetero oder homosexualles Paar, Reisen in der Gruppe, mit der Familie, mit Freunden, mit Oppa und/oder Omma, mit den Nachbarn oder überhaupt nicht reisen. Soll doch jeder so reisen oder nicht wie es ihm liegt auf dass er glücklich wird und beim reisen oder nicht reisen das Gefühl von Extase erreicht ohne Land und Leute nachhaltig zu schädigen.

In diesem Sinne. Gute Reise

Benutzeravatar
der Bär
WRF-Moderator
Beiträge: 632
Registriert: 24 Nov 06 14:05
Wohnort: leider in Nordhessen

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 27 Mai 09 1:09

Hey, Coogie,

du sprichst mir aus der Seele, Baby! :D

Ich denke nicht, dass die Mehrheit unbedingt lieber mit Partner lebt, ich denke eher, dass die Gesellschaft es auferlegt. Selbst in toleranten und liberalen Nationen geht man immer noch davon aus, dass Leben mit Partner erstens der Natur entspricht und zweitens erstrebenswert sei.
Ersteres mag zutreffen, aber nur in einem zeitlich begrenzten Rahmen. Biologisch gesehen dürften wir alle ab einem gewissen Alter keine Sehnsucht mehr versprüren, uns zusammenzuschließen.
Warum es ansonsten erstrebenswert sein sollte, keine Ahnung. Für manche mag es ja das Nonplusultra sein, aber ich denke, viele wären glücklicher, wenn sie es fertigbrächten sich von all den Hollywood-Schmonzetten zu verabschieden.
Das sehe ich sehr ähnlich und muss sagen - ohne irgendwelchen glücklich verheirateten Paaren zu nah treten zu wollen - ich finde: die Ehe ist ein Auslaufmodell. Was nicht heißen soll, dass sie nicht auch funktioniert. Aber ich meine, die Ehe als eine Art gesellschaftliche Institution hat sich einfach auf Dauer nicht bewährt. Das sieht man in meinen Augen daran, dass 50 Prozent der Ehen inzwischen geschieden werden. Laut einer Statistik, die mir vor ein paar Monaten mal in die Hände gefallen ist. Es hat wahrscheinlich jahrhundertelang nur deshalb so nach außen gewirkt, dass sie als Modell das Nonplusultra ist, weil es a) genügend wirtschaftliche, soziale und religiöse Gründe dafür gab und der Druck auch entsprechend hoch war. Interessanterweise (wie ich finde) funktioniert sie mit zunehmender Liberalisierung unserer Gesellschaft offenbar immer weniger.

Ich behaupte mal ganz provokant, dass ich mindestens genauso viel unzufriedene Paare/Ehepaare kenne, wie Singles, die nicht unbedingt gerne Singles sind. Wenn ich mir so anschaue, was in meinem weiteren Bekanntenkreis so unter nach außen glücklich wirkenden/sich glücklich gebenden Paaren so abspielt, dann hab ich manchmal das Gefühl, das sind die Drehbuchvorlagen für Vorabendsoaps. Aber keiner kriegts hin, sich zu trennen. Weil: als Single ist man ja immer der Exot, das Zebra in der Arktis und selbst gewählt ist dieser Zustand sowieso nie, sondern immer irgendwie aufgezwungen und geduldet.

DAS ist tatsächlich immer noch so, trotz o. g. Scheidungsraten und trotz Liberalisierung und es wird wahrscheinlich auch noch ein paar Jahrhunderte dauern, bis dieses gesellschaftliche Stigma verschwunden ist.

HAHAHA, a propos Hollywood-Schmonzette:
ich hab mich grad gefragt, wieviele Kinogänger wohl hinterher behaupten würden, dass die Handlung in einem richtigen Actionknaller absolut realitätsgetreu dargestellt war. Mir fällt grad kein Beispiel ein - keine Ahnung, Bruce Willis rettet die Welt in "Armageddon" und opfert sich selbst oder sowas. War das der Willis? Egal, soll nur ein Beispiel sein.

Interessanterweise glauben aber alle, dass die rosarotromantischen Hollywoodplüschschmonzetten sich genauso auch im realen Leben bitte schön, vor allem im Beziehungsleben, zu wiederholen und abzuspielen haben.
...and I, I took the one less travelled by, and that has made all the difference. Robert Frost

Benutzeravatar
der Bär
WRF-Moderator
Beiträge: 632
Registriert: 24 Nov 06 14:05
Wohnort: leider in Nordhessen

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 27 Mai 09 1:12

sorry, es ist schon spät, deshalb:

ich wollte ja eigentlich noch den Bogen schlagen und mal die Frage in die Gemeinde werfen:

wieviele Paare haben sich eigentlich nach einer katastrophal missglückten Reise getrennt? Wär ja auch mal ein interessanter Diskussionsansatz .

Gute Nacht!

der Bär
...and I, I took the one less travelled by, and that has made all the difference. Robert Frost

Benutzeravatar
der Bär
WRF-Moderator
Beiträge: 632
Registriert: 24 Nov 06 14:05
Wohnort: leider in Nordhessen

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 28 Mai 09 9:17

Guten Morgen,


ich hab die Frage, nach den Paaren, die eine Reise nicht als Paar überstanden haben, in einem getrennten Thread aufgeworfen:

Reisen als Paar - Trennung bei Rückkehr
Astrid hat mich netterweise drauf hingewiesen, dass das wohl thematisch Sinn machen würde!

Die Spiele sind eröffnet - ääääh.....die Diskussion.. -> -> http://www.reise-forum.weltreiseforum.d ... hp?t=16175

:D

euer Bär
...and I, I took the one less travelled by, and that has made all the difference. Robert Frost

picfreak
Kiebitz
Beiträge: 9
Registriert: 23 Okt 09 17:03

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von picfreak » 23 Mär 10 12:38

Ich schließe mich da an, du bist ja eigentlich nie so richtig alleine, außer du willst es. Gerade als Backpacker trifft man so schnell Leute und kommt ins Gespräch. Dabei behältst du dir aber deine eigene Flexibilität und kannst dich aber dennoch jemanden anschließen. 8) Aber zum alleine Reisen musst du dich mit dir selbst wohlfühlen. So kann man echt eine Menge über sich selbst lernen.

Outback_Laura
Kiebitz
Beiträge: 6
Registriert: 30 Mai 10 11:27

Warum reist jemand lieber alleine statt zu zweit?

Ungelesener Beitrag von Outback_Laura » 30 Mai 10 11:58

Ich reise auch am liebsten alleine, war auch schon immer eher ein Einzelgänger. Mich stressen andere Menschen eher, als dass sie mir nützen :roll: , der Einzige den ich immer um mich haben mag, ist mein Freund. Da er aber noch studiert und nicht das nötige Kleingeld hat, reise ich eben alleine. Wenn gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, gibt es damit auch kein Problem.

Ich will tun und lassen was ich will, wo ich will und wie ich will. Mag mich nicht nach andern richten und hab auch keine Lust, dauernd vollgelabert zu werden. Wenn ich labern will, dann find ich schon jemanden, ansonsten mach ich am liebsten mein eigenes Ding - allein. Mit einer Gruppe unterwegs zu sein wäre für mich der absoute Horror :D

Antworten

Zurück zu „Allgemeiner Austausch - Selbsthilfegruppe Fernweh & Heimweh“