Tod auf Reisen: Jennys Journey

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der Bär
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von der Bär » 07 Okt 10 20:50

"Ich schreibe dir ne ausführliche mail aus Sierra, versprochen ! Ich hoffe, dass ich dort mal zum Durchatmen komme - mehr als hier!"

Die Mail kam tatsächlich. Etwa vier Wochen später. Sie klang zwar nicht so, als wäre sie zum Durchatmen gekommen - aber sie klang zufrieden. Wenn man sich so lange kennt, so viel miteinander erlebt hat und so oft mails ausgetauscht hat, dann kennt man die Signalwörter. Man weiß, wann man nachhaken muss, wann etwas nicht stimmt. Aber diese Mail gab keinerlei Anlass zur Sorge. Wenige Tage nachdem sie mir aus Sierra Leone geschrieben hatte, war sie tot. Gestorben innerhalb weniger Stunden in einem Krankenhaus in Freetown. An Malaria und einer weiteren Infektionskrankheit, die nie diagnostiziert werden konnte. Das Zitat ist ihr letzter Satz in unserem letzten Skype-Chat gewesen. Kurz danach hat sie den Rechner runtergefahren, ist zum Flughafen gefahren und in das Flugzeug nach Sierra Leone gestiegen, um nie wieder zurückzukehren. Ich habe diesen Chat nie gelöscht. Ich habe ihren Kontakt nie aus meiner Liste gelöscht. Es wäre, als würde ich sie aus meinem Leben löschen. Und von Zeit zu Zeit rufe ich diese Zeilen wieder auf und es ist und bleibt surreal, unfassbar.

Es ist inzwischen rund 6 Wochen her, dass sie plötzlich schwer krank wurde und genauso plötzlich gestorben ist. Sie ist der erste Mensch aus meinem engen Freundeskreis. Aus dem Kreis jener Menschen, die ich mir ausgesucht habe, damit sie mich ein Stück Weg begleiten. Die nicht Verwandtschaft, nicht alt, nicht schwer krank waren. Für eine Freundschaft war unsere Verbindung besonders, eng und intensiv. Wir haben das Gleiche studiert, wir haben über 2 Jahre lang zusammen in einer WG gewohnt, wir haben gemeinsam Diplomarbeit geschrieben. Wenn man zusammen lebt, weiß man mehr voneinander - was andere Freunde nicht wissen. Die Angst vorm Alleinsein in der Dunkelheit. Der dunkle Keller, in den man sich allein nicht traut. Eine tiefe Schnittverletzung mit dickem Verband an der rechten Hand - man hilft sich beim Anziehen. Der Morgen vor Abgabe der Diplomarbeit, nach durchgearbeiteter Nacht. Da hat sie mich gezwungen, mich ins Bett zu legen während sie an meinem Schreibtisch saß und die drei oder vier Seiten Schlußkapitel meiner Diplomarbeit schrieb. Vier Wochen vorher hatte ich das Gleiche mit ihr und für sie getan. Jeder war im Thema des anderen so eingearbeitet, dass das kein Problem war. Unzählige durchgequatschte Nächte, unzählige Flaschen Rotwein, unzählige Bier - wir die letzten Gäste in unserer Eckkneipe.

Und wir sind gereist - zwar nie gemeinsam, aber immer von dem gleichen Fernweh getrieben. Südostasien war unsere gemeinsame Liebe. Dort hatten wir beide unser Herz verloren.

Sie sollte 3 Monate in Westafrika bleiben und in einem Entwicklungshilfeprojekt arbeiten. Irgendwann gab es den vagen Plan, dass ich sie begleite und auch ein berufliches Projekt daraus mache. Aber das blieb immer nur eine Idee.

Es gäbe so viel zu sagen zu ihr, zu dem Tod, zu ihren Plänen, zu der Lebensphase, in der es geschah. Aber es würde alles nur noch unbegreiflicher machen.

Wenn man viel und gerne reist, dann weiß man, dass es für die, die zurückbleiben eine Schreckensvision ist: Der Reisende kehrt nicht zurück. Oder er kehrt als Toter zurück. So wie sie. Um zuhause begraben zu werden. Um den Freunden und der Familie die Möglichkeit zu geben, richtig Abschied zu nehmen. Es ist die Schreckensvision für alle anderen, dass der Reisende krank wird, schwer krank wird, vor allem bei Reisen in Entwicklungsländer oder tropische Länder und stirbt.

Alles, was mit ihrem Tod zusammenhängt, ist so vielschichtig, ich kann es garnicht alles jetzt beschreiben oder aufzählen. Was mich tröstet: Sie wollte unbedingt nach Sierra Leone. Sie war da zufrieden, sie war angekommen. Warum sie ausgerechnet dann sterben muss - diese Frage kann ich mir wahrscheinlich nie beantworten. Aber ich bin froh, dass sie dort gestorben ist, wo sie unbedingt hin wollte. Irgendwas hat sie dahin gezogen, es musste Sierra Leone sein.

Mir ist bewußt, dass das alles meine Reflexionen sind und ich mir das zurechtlege. Eine Antwort wird es nie geben. Wir finden sie nur in uns selbst. Ich habe vor einem Jahr auch eine Reise gemacht, nach Sumatra, in den Regenwald. Es war eine Reise und ein Projekt, das riskant und nicht ungefährlich war. Aber ich wollte es - es gab damals nichts, was mir wichtiger gewesen wäre, es war das einzige, was monatelang für mich zählte. Ich weiß noch, dass ich auch eine Diskussion hatte mit einer Freundin. "Und wenn du nicht zurückkommst - war es das dann wert?" Ich habe damals ohne eine Sekunde nachzudenken gesagt: "Wenn ich dort sterbe, ist es der beste Zeitpunkt und der schönste Platz der Welt für mich."

Vielleicht ist es ja so: Für Reisende, die in ihrer tiefsten Seele Reisende sind, ist es das Schönste, auf einer Reise zu sterben? Und danach ewig auf Reisen zu sein, nie mehr zurückzukehren ? Ein schöner Gedanke, wie ich finde. Er rettet mich, wenn ich abrutsche in die Trauer und den Schmerz um sie.

Seit ich den Anruf bekam und die Stimme einer Freundin sagte, dass sie tot ist, versuche ich, bewußter zu leben. Durchzuatmen.

Le vent te portera.
...and I, I took the one less travelled by, and that has made all the difference. Robert Frost

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Laurenz
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von Laurenz » 10 Okt 10 16:02

Hi Bea,

Dein Beitrag hat mich sehr betroffen gemacht - trotzdem oder gerade deshalb vielen Dank dafür.
Er erinnert mich an den Spruch, den ich auf der Website von Kinga Free Spirit gelesen habe, die ebenfalls auf ihrer Reise in Afrika ganz jung gestorben ist:

„You never know what will come first: a new day or the next life.”

Auch ich finde den Gedanken tröstlich, zu wissen, dass jemand, den ich liebe beim Leben der eigenen Träume gestorben ist. Das gibt mir Kraft, weiter zu leben und erinnert mich daran, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und mein Leben so bewusst wie möglich zu leben, zu gestalten und zu genießen - ganz unabhängig davon, ob ich mich auf Reisen oder daheim befinde.

Ich freue mich für Dich, dass Du eine Freundin hattest, der Du Dich verbunden gefühlt hast und die sich Dir verbunden gefühlt hat - das allein ist schon ein Geschenk, das sie Dir gemacht hat und das Dir niemand mehr nehmen kann.
Ich wünsche Dir viel Kraft für die Zeit der Trauer und Menschen, die diese mit Dir teilen.

Gruß

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Astrid
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von Astrid » 10 Okt 10 16:04

Liebe Bea :)

Auch ohne Jenny gekannt zu haben, haben mich Deine Worte, mit denen Du die Bedeutung, die sie für Dich und Dein Leben hatte und hat, sehr berührt.

Das Akzeptieren des Verlustes von Menschen, die wir lieben, ist eine der Herausforderungen, denen sich jeder von uns im Laufe seines Lebens früher oder später gegenüber sieht. Es ist ein Moment, in dem wir erkennen (müssen), dass wir nichts festhalten können und es Situationen gibt, die sich unserer Kontrolle und unserem Einfluss entziehen.
Der Tod reißt dabei ein großes Loch ganz tief in uns. Der Schmerz ist unendlich groß und die Vorstellung selbst unbeschwert und lebensfroh weiterzuleben erscheint fast unvorstellbar.

Auch ich habe auf unserer Reise bereits mehrfach vom (für mich) plötzlichen Tod von langjährigen Freunden erfahren und mich anschliessend in einem Sammelsurium von mich überwältigenden Gemütszuständen befunden: geschockt, betäubt, verleugnend, wütend, verzweifelt, verletzt, verzweifelt, manchmal sogar schuldig gefühlt.

Gerne würde ich Dich trösten - obwohl ich weiß, dass Trost nichts an der Realität und an Deiner Trauer, die wie eine tiefe Verletzung oder eine schwere Erkrankung ist und ebenso ihre Zeit der Heilung braucht.

Ein Spruch von Alfred Delp, der auf dem Trauerkärtchen des ersten Menschen, den ich in meinem Leben verloren habe, stand und den ich seitdem nie mehr vergessen habe
Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, dann hat sein Leben einen Sinn gehabt.
Niemand geht ohne Spuren zu hinterlassen und dadurch, dass Du Deine Gedanken zum Tod von Jenny und Deinem Umgang mit Deiner Trauer mit uns geteilt hast, ist ihre Spur nur größer geworden. Vielen Dank dafür - auch im Namen von Jenny.

Herzliche Grüße
Astrid
Eine fremde Kultur ergründen zu wollen, ist wie der Versuch, den Horizont zu erreichen... Irgendwann steht man wieder an dem Punkt, an dem man begonnen hat - doch der Blick zum Horizont ist ein anderer. [A. Bokpe]

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Debby

Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von Debby » 04 Dez 10 11:33

Liebe Bea,

mit Bestürzung habe ich beim Stöbern im Forum gerade die tragische Geschichte Deiner Freundin Jenny gelesen.
Das muß ein großer Verlust für Dich gewesen sein, ich fühle sehr mit Dir, denn ich habe auch einen guten Freund auf eine ganz ähnliche Art verloren - er ist nicht mehr von einer Südamerikareise zurück gekommen.

Ich hoffe, dass es Dir inzwischen wieder besser geht und Du Deinen inneren Frieden wieder gefunden hast.

Sei herzlich gedrückt

Debby

Tatu
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von Tatu » 10 Apr 11 17:03

Ich habe geweint beim Lesen. Unfassbar tragisch. Ich wünsche Dir alles Gute und die Kraft, es zu akzeptieren.

Viele Grüße

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der Bär
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von der Bär » 10 Apr 11 23:15

Vielen, lieben Dank für eure Anteilnahme und für eure Beiträge.

Ich habe jetzt monatelang nichts mehr dazu geschrieben. Der Prozess, den ich dabei durchlebt habe, hatte alle Facetten, die auch Astrid beschrieben hat. Ein ständiges Auf- und Ab und es verging kein einziger Tag, an dem ich nicht an Jenny dachte. Und auch jetzt, mehr als ein halbes Jahr nach ihrem Tod ist es für mich immer noch nicht Realität. Ich erwische mich ständig dabei, dass es mir total surreal vorkommt und ich denke: es kann nicht sein. Jenny ist doch nicht tot.

Inzwischen fühle ich mich viel stabiler.Ich schaffe es aber immer noch nicht, unsere unzähligen Mails zu lesen, die wir uns geschrieben haben, wenn wir voneinander getrennt waren. Ich schaffe es nicht mal, eine Postkarte von ihr umzudrehen und auch nur ihre Schrift zu sehen, nicht mal ihre Worte zu lesen. Das alles ist noch viel zu viel für mich.

Ich schreibe gerade jetzt, weil mich etwas sehr bewegt und beschäftigt:
Vergangene Nacht habe ich wieder von Jenny geträumt. Ich war auf ihrer Beerdigung und sie war da. Es war erleichternd und verwirrend zugleich. Jenny selbst war lebendig und Gast auf ihrer eigenen Beerdigung. Ich habe sie gefragt, wie sie sich fühlte, als sie so krank wurde, als sie merkte, dass sie sterben muss, in den Momenten vor ihrem Tod. Sie sagte dazu, dass sie nichts gefühlt hat. Nichts. Einfach nur, dass es jetzt vorbei sein wird.

Ich bin froh über solche Träume. Denn dann fühle ich mich ihr wieder nah.

a quoi ca sert ?
...and I, I took the one less travelled by, and that has made all the difference. Robert Frost

Tiroler
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von Tiroler » 11 Apr 11 15:58

"Ich bin froh über solche Träume. Denn dann fühle ich mich ihr wieder nah."

Sie sind jenny näher als Sie glauben.
Ob es nun Jenny, unsere Eltern,geschwister, Freunde sind...alle diese Menschen sind wie wir bedingst durch gewisse umstände.

Ohne Luft,wasser,Medizin,Nahrung,usw wäre unsere Existenz nicht möglich.
Der Verlust von einem Geliebten Wesen erinnert uns an die vergänglichkeit.
Nichts kann sich lange in einem zustand halten.
Aber auch nichts geht von einem "sein" ins "Nicht-sein" über.
Eine Wolke verschwindet nicht in "nichts" nach einem sturm.
Jede Existenz ist an bedingungen gebunden.
Ihre Freundin kam nicht aus dem "nichts" und ist auch nicht in das "nichts" entschwunden.
Wenn Sie das nächste mal, die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut spüren, dann können Sie an ihre Freundin und an alle anderen Menschen denken die Sie "verloren" haben.
Ohne sonne keine "jenny" und kein "Ich".
Wir sehen nicht das ganze "Bild", und deshalb leiden wir.
Ohne Wasser keine "Jenny" und kein "Ich"

Ich habe furchtbar gelitten als mein opa+stiefvater gestorben ist.
Später habe ich dann erkannt das diese Menschen nur ihre form verändert haben. Wenn ich heute in den spiegel schaue sehe ich auch meinen Opa. Ohne seine "existenz" wäre die meine nicht möglich.
Wir sehen leichter die dinge, die uns trennen von den anderen.
Es gibt bedingungen von denen Ich und Sie und 8 milliarden weitere Menschen abhängig sind (sonne,wasser,erde,nahrung,medizin usw)


Falls Sie wieder von trauer übermannt werden, versuchen Sie mal Jenny in den "nicht-jenny-elementen" zu sehen (z.b in jennys familie, in der natur ohne der es keine jenny geben würde, in ihren erinnerungen)

Alle Menschen (od. haustiere) die wir lieben... sind wie schmetterlinge die zufällig auf unserer Hand landen, sie gehören uns nicht wirklich..aber Sie können uns mit ihren schönen farben..ihrer leichtigkeit erfreuen...aber wenn wir unser Hand schließen um diese freudige begegnung zu verlängern..werden Wir diese schönen Wesen verletzen/zerstören.


Alles was wir tun können ist verstehen und Loslassen.
Die "verlorenen" Menschen sind "nur" in die verwandlung eingegangen, Wir noch nicht. Im grunde haben Wir nur diesen Moment. Und den sollten wir nutzen.


Mögen Sie und alle Wesen frieden finden!

lg Martin

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der Bär
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Tod auf Reisen: Jennys Journey

Ungelesener Beitrag von der Bär » 08 Mai 11 11:16

Lieber Tiroler,


danke für die Zeilen, sie machen Mut! Ich möchte dazu gerne noch etwas erzählen, was mir durch Jennys Tod plötzlich ganz klar geworden ist:

Wir sind alle Energie und die bleibt im Universum. Jennys Körper wurde krank und diese "Hülle" ist daran gestorben, hat nicht mehr weiter funktionieren können. Aber ihr Energie, ihr sonniges Gemüt, das ist weiterhin da. Ich hab mir immer gewünscht, endlich das glauben zu können und darauf vertrauen zu können, dass der Tod nicht das Ende ist. Dass die Menschen weiter da sind, nur in anderer Form und für uns visuell nicht mehr ganz so erfahrbar wie vorher.

Seit Jenny kann ich endlich daran glauben und - das Wichtigste - darauf vertrauen, dass es so ist. Geholfen hat mir dabei ein Schlüsselerlebnis, das sich echt in meine Seele eingebrannt hat:

Beerdigung. Ich stehe in der Leichenhalle, vor mir steht ein riesiges Foto von ihr, sie strahlt. Sie strahlte soviel Lebensfreude aus auf diesem Bild, dass ich den Anblick erstmal nicht ausgehalten habe und es mich innerlich zerrissen hat vor Schmerz. Vor dem Bild stand ihre Urne. Das war so eine krasse Symbolik. Eine Schulfreundin sang "Somewhere over the rainbow" und ich dachte, ich sterbe vor Trauer und Schmerz. Ich weiß noch, dass mir die Knie wegrutschten und ich dachte, ich werde in meinen Tränen weggeschwemmt. Eine einzige große Flut von schlimmen Gefühlen. Ich habe die ganze Zeit nur gedacht: Jenny, warum? Was soll ich ohne dich tun? Es war so schrecklich.

Dann plötzlich schien ein Sonnenstrahl durch die bunten Fenster dieser kleinen Halle. Er schien genau auf mich. Das war der entscheidende Moment. Da plötzlich schoß mir durch den Kopf: Hallo, Jenny. Da bist du ja wieder. Danke, dass du mich nicht allein lässt - es ist grad alles so unerträglich schwer gewesen ohne dich.

Es hat die Szene später am Grab nicht leichter gemacht. Es hat die Wochen und Monate danach nicht leichter gemacht. Aber es war schön, das plötzlich so sicher zu wissen. Es hat mir geholfen.

Und eben ihre Besuche in meinen Träumen. Die zeigen mir auch: sie ist nur eine andere Substanz. Aber sie ist nicht "weg".

Sie ist einfach nur Sternenstaub.
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