Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
Hier:
Ob als Urlauber oder Hardcore- Traveler: Reisen bildet und ändert das Bewusstsein. Freier Austausch unter Betroffenen.
Hier im Plauderbereich der Reisecommunity aber bitte KEINE konkreten Reiseinfos fragen oder posten, denn die gehören einzelthematisch in den Reise-Info-Pool. sodass sie als Sachthemen ergänzbar, aktualisierbar und für andere hilfreich findbar bleiben. Danke!
wom-bat
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von wom-bat » 13 Jan 11 0:34

Hallo Zusammen,

Jetzt muss ich trotzdem nachfragen: gibt es hier wirklich Leute, welche auf Langzeitreise gehen und sich danach (oder auch schon davor) arbeitslos melden? Wie vereint man das mit so einem Reisevorhaben?
Also so eine Reise erlaube ich mir ja nur, wenn ich über die notwendigen Reserven verfüge, um auch eine gewisse Zeit NACH der Reise überbrücken zu können, oder nicht?

Ist es moralisch nicht verwerflich so was zu tun? Also ich könnte mir das selber nie vorstellen!!

LG
Sam

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MArtin
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 13 Jan 11 4:46

Hallo wom-bat (?) -Sam,

Du bist u.U. sogar gesetzlich verpflichtet, Dich vor Deiner Langzeitreise arbeitslos zu melden, schon um Dir zustehende ALG-Ansprüche zu sichern, siehe
-> ALG-Ansprüche für die Zeit nach der Langzeitreise sichern.
Um nichts Anderes geht es in diversen Threads zur Arbeitslosigkeit hier - und das ist m.E. nicht verwerflich.

Aber Du bist natürlich nicht verpflichtet, Deine erarbeiteten Ansprüche an Arbeitslosengeld nach Reiserückkehr auch in Anspruch zu nehmen. 8) :idea:
Besonders, wenn Du in der beneidenswerten Situation bist, eine nur kurze Arbeitslosigkeitsphase voraussagen zu können. ;)

Während der Reise und in anderen Situationen, in denen Du dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehst, kann natürlich kein ALG bezogen werden, aber darum geht's hier auch nirgends.


LG :)


Deine Frage hatte m.E. nichts mit dem Original-Ttelthema zu tun, deshalb habe ich sie einzelthematisierend abgesplittet. LG

wom-bat
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von wom-bat » 13 Jan 11 12:43

Hi,

Arbeitslosengeld ist ein Gesellschaftliches Netz, eine Sicherheit für den absoluten Notfall. Jemand der sich erlauben kann auf eine Langzeitreise zu gehen, soll sicher nicht davon Gebrauch machen sondern eher bei der Reise kürzer treten!
Beneidenswerte Situation
Die schafft man sich selber, das hat jeder selbst in der Hand! Auch hier, ich gehe wenn's drinnliegt, sonst halt nicht....
Erarbeitete Ansprüche
Wenn alle Zahler so denken würden, könnte das Systen nicht finanziert werden! Wenn jeder seine "Ansprüche" geltend machen würde, dann bräche das System zusammen.

Verstehst du meinen Ansatz?

LG Sam

boppel
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von boppel » 13 Jan 11 22:26

Wenn alle Zahler so denken würden, könnte das Systen nicht finanziert werden!
Keine Sorge, das System ist prinzipiell nicht finanzierbar, ob jetzt ein paar "Weltreisende" das ausnutzen, oder nicht.

Gestern kam in ARD z.B. ein interessanter Bericht darüber, wo unser Geld tatsächlich bleibt (Reportage über den Gründer des Finanzdienstleistungsunternehmens AWD).
Wenn also politisch gewollt und unterstützt, viele Menschen in die Armut getrieben werden (damit einige wenige sich im Reichtum wälzen können), dann muß ich mir über moralische Bedenken, ob ich die von mir finanzierten Sozialsysteme auch in Anspruch nehme wirklich keine Gedanken machen.
Eigentlich eher umgekehrt: Die Politiker können mit dem von mir hart erarbeiteten Geld nicht umgehen, also MUSS ich das Geld so gut wie möglich wieder zurück holen, damit mit diesem Geld nichts "unvernünftiges" angestellt wird ( z.B. erhält China immer noch Entwicklungshilfe und kauft damit inzwischen Europäische Länder auf!!! China ist außerdem der größte Kreditgeber der USA!!! Und das alles mit dem von uns hart erarbeiteten Geld!!!)

Also: Nur kein schlechtes Gewissen! Denn wie sagen die Politiker (die sich mal wieder an ihren Urlaubsort mit der teuren Flugbereitschaft fliegen lassen): Das steht uns zu!

Uns also auch!

Gruß

Boppel

boppel
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von boppel » 13 Jan 11 22:43

ach ja (editieren geht ja leider nicht).

Weshalb hast Du eigentlich ein schlechtes Gewissen?

Weltreisen bildet (Bildung wird in unserem Land doch als Wichtig angesehen), man lernt Sprachen (das wird uns doch immer wieder an's Herz gelegt -> s. Aussagen von Hrn. Öttinger), man lernt andere Kulturen kennen (ist doch nur von Vorteil in unserer Multi-Kulti-Gesellschaft), man kann Interkulturelle "Netzwerke" aufbauen (auch dies ein Grundpfeiler unserer Wirtschaft).

Ich denke, ein Weltreisender arbeitet wesentlcih effektiver als ein Politiker. Während wir auf einer Reise eine Vielzahl von Extraterritorialen Menschen kennen lernen, treffen Politiker meistens nur ganz wenige, auserwählte "Persönlichkeiten". Die Ergebnisse dieser Zusammenkünfte werden in "Klimagipfeln" dann besonders spektakulär offenbar.

Gruß

Boppel

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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 15 Jan 11 8:34

Hallo,

obwohl ich Boppel in vielem bzgl. Verbratung öffentlicher Gelder beipflichten möchte, würde ich es in diesem Fall nicht als Argumentation benutzen wollen.

Obwohl ich Deinen Gedankenansatz nachvollziehen kann, wombat, und obwohl wir in der Vergangenheit mit ähnlichen Gefühlen wie von Dir geschildert, selbst auch schon einiges an Arbeitlosengeld nicht beantragt haben, kann ich Deinen Argumenten nicht völlig zustimmen:
wom-bat hat geschrieben:Arbeitslosengeld ist ... eine Sicherheit für den absoluten Notfall.
Die Natur dieses "Notfalls" und seine "Absolutheit" ist exakt und ausschließlich durch die Anspruchsbedingungen definiert, alles andere ist Deutung.

Die Bedingungen schließen z.B. eine Eigenkündigung ein - unabhägig davon ob sie eingereicht wurde weil man von Mitarbeitern gemoppt oder vom Chef begrabscht wurde, allergisch gegen die Farbe der Bürotapete ist, keine Lust zum Arbeiten hat (wichtiger Unterschied zur Versklavung) - oder, weil man seine Arbeit wegen einer Langzeitreise unterbricht.
Solange man in Folge arbeitssuchend ist und die mit Bedacht fest geschriebenen Bedingungen erfüllt, handelt es sich um einen legitimen Anspruch, dessen Nicht-Wahrnehmung einen ungerechtfertigten Nachteil nach sich zieht.
Vor der Reise ist man gesetzlich verpflichtet sich arbeitssuchend zu melden und nach der Reise reiht man sich wie vorgesehen in das Heer derjenigen ein, die aus vielfältigsten Gründen akut arbeitssuchend sind - und dazu die gesetzlich fest geschriebene Unterstützung bekommen können.

Das kann so verwerflich nicht sein, oder?

Dass es in diesem Prozess sicherlich auch (finanziell) Privilegierte gibt die der staatlichen Hilfen nicht bedürfen und deshalb aus einem eigenem sozialen Gewissen heraus auf sie verzichten können, ist unbestritten und m.E. ehrenvoll.
wom-bat hat geschrieben:Auch hier, ich gehe wenn's drinnliegt, sonst halt nicht...
Wenn jemand nicht die gesetzlichen Bestimmungen als Berechnungsansatz nimmt ob's "drin liegt", sondern darüber hinaus gehend eigene Bedingungen entwickelt, aus denen heraus er sich für's Nicht-Reisen entscheiden will, ist das auch völlig OK. ;)

Die meisten Bestimmungen sind übrigens so ausgelegt, dass sie realistischer Weise davon ausgehen, dass sich Menschen oft wie eine Gauß'sche Verteilungskurve verhalten.
Deshalb kann man mit dem Spruch: "Wenn das jeder machen würde" (z.B. im Rhein zu Fischen) fast alles argumentativ ad Absurdum führen.


Liebe Grüße :)

wom-bat
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von wom-bat » 15 Jan 11 9:52

Hallo Martin,

Deine Argumentation ist logisch, sicherlich rechtlich betrachtet einwandfrei, für mich auch absolUt nachvollziehbar! Jedoch fehlt mir hier die Komponente der Selbstverantwortung. Ich persönlich sehe in erster Linie mich für mich selbst und meine Verwandten verantwortlich, und sehe den Staat als Notanker in der Situation, wenn mein Repertoire an Möglichkeiten ausgeschöpft ist. Damit will ich aber nicht planen und ich finde, als Langzeitreisender sollte man auch einen Effort machen, diese Systeme nicht zu belasten, vor allem aus dem Grund, dass man sich in einer privilegierten Situation befindet! Eventuell spielt hier natürlich noch die Komponente meiner Herkunft eine Rolle, ich konnte schon öfters beobachten, erfahren, dass in der Schweiz die Systeme der sozialen Sicherheit anders interpretiert werden als in Deutschland.

@Bommel: Deine Argumente widerspiegeln viel Wut und zeigen einen grossen Vertrauensverlust deinerseits gegenüber "der Politik"... wäre doch ein Anstoß, diese mit deinen Erfahrungsvorteilen zu verbessern?

LG
Sam

jot
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von jot » 15 Jan 11 13:43

Vielleicht missverstehst du die Situation in Deutschland etwas? Ich glaube du verwechselst Arbeitslosengeld (1) mit Sozialhilfe (verwirrenderweise seit einigen Jahren bei uns "Arbeitslosengeld 2" genannt) und/oder glaubst, dass manche die Reise vom Arbeitslosengeld bezahlen? Hier reist keiner um die Welt und bezieht gleichzeitig Geld vom Staat, das ist gar nicht möglich (selbst wenn man das wollte) da man (abgesehen davon, dass es immer mal einen Überraschungsanruf geben kann) alle wasweissichwieviel Tage persönlich beim Amt erscheinen muss.

Es ist bei uns rechtlich notwendig sich VORHER arbeitslos zu melden, damit die Arbeitsagentur den Arbeitslosengeld-Anspruch ausrechnen kann und dieser Anspruch bei einer Rückkehr gesichert ist (ansonsten verfällt er)... wieso sollte man diesen Anspruch verfallen lassen? Die Arbeitslosenversicherung ist ja genau dafür da, dass man sich über Wasser halten kann wenn es mit der Jobsuche nicht sofort klappt (im seltensten Fall hat man bereits bei Abreise einen Job in der Tasche)... wenn doch, super!

Davon abgesehen sehe ich die Arbeitslosenversicherung tatsächlich (wie der Name schon sagt) als eine Versicherung an (die halt verpflichtend ist) an und habe keinerlei moralische Bedenken diese Versicherung in Anspruch zu nehmen wenn ich sie brauche (habe ja auch über viele Jahre Geld darin eingezahlt - aus diesem eingezahlten Geld wird dann btw auch der Anspruch berechnet). Wenn du krank bist, nimmst du ja auch deine Krankenversicherung in Anspruch und bleibst nicht zuhause um das Gesundheitswesen nicht weiter zu belasten.

Die Arbeitslosenversicherung arbeitet momentan übrigens nach meinem letzten Kenntnisstand mit schwarzen Zahlen (es werden also mehr Beiträge eingezahlt als ausgeschüttet). Das ganze ist nicht zu verwechseln mit oben kurz angesprochenem Arbeitslosengeld 2 (Sozialhilfe), die sich nicht aus Versicherungsbeiträgen sondern aus Steuern finanziert.

jot
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Arbeitslosengeld vor bzw. nach Langzeitreise: Unmoralisch?

Ungelesener Beitrag von jot » 15 Jan 11 13:45

Vielleicht missverstehst du die Situation in Deutschland etwas? Ich glaube du verwechselst Arbeitslosengeld (1) mit Sozialhilfe (verwirrenderweise seit einigen Jahren bei uns "Arbeitslosengeld 2" genannt) und/oder glaubst, dass manche die Reise vom Arbeitslosengeld bezahlen? Hier reist keiner um die Welt und bezieht gleichzeitig Geld vom Staat, das ist gar nicht möglich (selbst wenn man das wollte) da man (abgesehen davon, dass es immer mal einen Überraschungsanruf geben kann) alle wasweissichwieviel Tage persönlich beim Amt erscheinen muss.

Es ist bei uns rechtlich notwendig sich VORHER arbeitslos zu melden, damit die Arbeitsagentur den Arbeitslosengeld-Anspruch ausrechnen kann und dieser Anspruch bei einer Rückkehr gesichert ist (ansonsten verfällt er)... wieso sollte man diesen Anspruch verfallen lassen? Die Arbeitslosenversicherung ist ja genau dafür da, dass man sich über Wasser halten kann wenn es mit der Jobsuche nicht sofort klappt (im seltensten Fall hat man bereits bei Abreise einen Job in der Tasche)... wenn doch, super!

Davon abgesehen sehe ich die Arbeitslosenversicherung tatsächlich (wie der Name schon sagt) als eine Versicherung an (die halt verpflichtend ist) an und habe keinerlei moralische Bedenken diese Versicherung in Anspruch zu nehmen wenn ich sie brauche (habe ja auch über viele Jahre Geld darin eingezahlt - aus diesem eingezahlten Geld wird dann btw auch der Anspruch berechnet). Wenn du krank bist, nimmst du ja auch deine Krankenversicherung in Anspruch und bleibst nicht zuhause um das Gesundheitswesen nicht weiter zu belasten.

Die Arbeitslosenversicherung arbeitet momentan übrigens nach meinem letzten Kenntnisstand mit schwarzen Zahlen (es werden also mehr Beiträge eingezahlt als ausgeschüttet). Das ganze ist nicht zu verwechseln mit oben kurz angesprochenem Arbeitslosengeld 2 (Sozialhilfe), die sich nicht aus Versicherungsbeiträgen sondern aus Steuern finanziert.

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