Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
Hier:
Ob als Urlauber oder Hardcore- Traveler: Reisen bildet und ändert das Bewusstsein. Freier Austausch unter Betroffenen.
Hier im Plauderbereich der Reisecommunity aber bitte KEINE konkreten Reiseinfos fragen oder posten, denn die gehören einzelthematisch in den Reise-Info-Pool. sodass sie als Sachthemen ergänzbar, aktualisierbar und für andere hilfreich findbar bleiben. Danke!
Ohio-Joe
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Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Ungelesener Beitrag von Ohio-Joe » 18 Mai 12 2:43

manchmal habe ich den Eindruck, wir leben in einer verdrehten Welt, in der fehlendes Konsumverhalten gleich gesetzt wird mit Erfolg- und Wertlosigkeit.
Ja, es sind die "Kelinigkeiten", die interessant sind:
Ich sitze oft in der Fussgängerzone und beobachte Leute (und fotografiere sie auch dabei), wie sie ekstatisch vertieft in ihre Handys schauen, wie sie der Welt entrückt sich irgendeine Schaufensterreklame anschauen usw.
Auch interessant: Beobachtet mal Leute, wie oft sie auf ihre Uhr schauen. Je teurer die Uhr, umso öfter wird draufgeschaut!

Ich hatte meine letzte Armbanduhr 2006 - schöne Timex und für günstiges Geld in U S A gekauft.
Irgendwann im Eifer des Gefechtes der ambulanten Pflege war die Uhr weg!
Okay, kaufst du halt ne neue. Aber irgendwie zuckte es mich jedesmal in den Fingern, wenn ich dann ein Objekt gefunden hatte - das Geld wollte ich nicht ausgeben!
Fazit: Seit 2006 trage ich keine Armbanduhr mehr! Warum? Weil überall um mich herum Uhren existieren - und wenn mal nicht, dann frag ich halt jemanden....das fördert zumindest auch die Kommunikation!

So gehts mit vielen anderen Konsumartikeln genauso - nett anzusehen, braucht aber kein Mensch!
Ich habe mittlerweile die Liebe zur Fotografie entdeckt, speziell, den leuten isn Gesicht zu schauen....dabei sind bis jetzt einige interessante Shots rausgekommen.

In dem Stil werde ich auch meine Reise machen....schließlich möchte ich endlich mal wissen, mit wem ich diesen Planeten denn teile...
At home...

boppel
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Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Ungelesener Beitrag von boppel » 22 Mai 12 2:45

Was sind meine Prioritäten, was ist mein Maßstab, mein Wertesystem? Welche Bedeutung messe ich dem Bewertungsmassstab anderer bei?
Der Homo Sapiens muß sich natürlich seinen Urtrieben unterwerfen - das nutzt die Werbung (bzw. auch die "Elite" unserer Gesellschaft) schamlos aus, um uns in die gewünschte Richtung zu treiben.
Klar, wer nicht sozial absteigen möchte (wer bestimmt das eigentlich - das "Soziale Niveau"?) muß arbeiten und Geld ausgeben (wofür eigentlich genau?) oder besteuert werden (damit auch die "Geizigen" nicht ungeschoren davon kommen).

Ich selbst habe miterleben müssen, wie eine unserer Nichten zu mir sagt "So wie Ihr kann ich nicht leben" - weil wir damals "nur" eine Wohnung mit 51 m² hatten - unsere Nichte aber (ohne nennenswertem Einkommen) meinte mit Hilfe sozialer Einrichtungen mindestens 80m² bewohnen zu dürfen :?:
Ich schäme mich aber nicht meines "armseligen" Daseins - denn die großen Augen unserer Nichte vergesse ich nie, als wir mitteilten, daß wir jetzt mal "für ein Jahr weg sind" - große Frage damals: "Wie könnt Ihr Euch das denn leisten?" - Tja, wie wohl? - Nur durch vorherigen "sozialen Abstieg" eben (PISA läßt grüßen).

Gruß

Boppel

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Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Ungelesener Beitrag von Wwoofy » 22 Mai 12 9:37

Hallo Joe und die anderen Rahmensprenger,

herzlichen Glückwunsch zu einem m.E. gewaltigen Schritt!
Ohio-Joe hat geschrieben:...was, nur 1 Zimmer, was ein sozialer Absturz".
Verbunden mit dem Gefühl, in unserem sozialen Gefüge eine Null zu sein!!
Ich hab es aber gleich entlarvt und entsorgt...
Nicht allzu viele schaffen es, sich von der ganzen Manipulation zu Kommerz / Lifestyle / Wertesystem so zu distanzieren, dass sie für sich folgerichtige Entscheidungen auch entgegen propagierter Mainstream- Prioritäten treffen können.

Kennst Du das Video Die Geschichte von Zeug, das dort über den "gefühlten Wertverlust" Gesagte?
Wenn allzu viele Menschen ihren Wert nicht mehr über ihre Konsumkraft definieren würden, täte das gesamte Konzept für unendliches Wachstum ja nicht mehr klappen - und wo kämen wir da hin?
Rund um die Welt?! ;)

Einmal unterwegs, werden die fehlende Timex und die bedarfsgerechte Wohnung wohl nur die ersten Schritte einer fortschreitenden Entwicklung zur Hinterfragung gewesen sein.

Ja ich kenne dieses "mulmige Gefühl".
Je länger und weiter ich mich vom rat race entfernt habe, desto mehr wurde mir möglich - aber umso größer auch die Zahl der systemkonformeren konsumfreudigeren Kritiker und die von ihnen getriggerten Selbstzweifel...

Hier von "Welterfahrenen" wie Steffi, Boppel und Kai soviel Zustimmung zur Verschlankung zu lesen tut mir gut! 8)

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Elaine
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Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Ungelesener Beitrag von Elaine » 22 Mai 12 21:01

Hier werde ich mich auch mal einklinken, und meine Meinung kund tun.
Ich gehören zu den Leuten die mal glaubten Konsum macht glücklich.
Nur wer Konsum hat dem geht es gut.
Dies brachte ich natürlich auch meiner Tochter bei.
Und ich in meiner 90 Qm Wohnung wie oft dachte ich damals oh Gott ich könnte in einer 50 Qm Wohnung nie leben.
Dann kann ich mich ja gleich einsargen lassen.
Dann kam der 22.07.2011 da habe ich mich dann in einem gerade neu aufgemachten Überlebensforum registriert.
Und bei den unendlich vielen Diskussionen ist mir immer mehr aufgefallen das ich eigentlich total unglücklich bin.

Ich habe im grunde genommen für den Konsum gelebt und habe erst in diesem Forum begriffen das das alles da draußen von der Obrigkeit gemacht ist.
Nichts ist ohne Konsum erreichbar so will man das uns weis machen!

Nichts ist da draußen echt.
Nicht mal die Freunde,
wenn die merken man zieht nicht mehr mit dann ist man unten durch und weg sind sie.

Ich habe so gekämpft dafür Sozial aufzusteigen das ich dabei gar nicht gemerkt habe wie ich dabei menschlich abgestiegen bin.
Das Leben war nicht mehr schön es funktionierte nur noch.
Nur auf meinen Trekking Touren war ich glücklich in meinem kleinen Zelt mitten in der Natur.

Aber auf die Idee das man unglücklich ist bin ich gar nicht gekommen, denn das war das richtige Leben.
So wurde mir das bei gebracht so habe ich zu leben.
Es gab nichts anderes.

Und ja ich gehörte auch zu den Menschen die dachten wenn einer sagte ich gehe auf Weltreise der spinnt doch.
Was für ein Spinner!
Man hat diesen Menschen belächelt.
Der lebt doch wirklich in seiner kleinen Welt.

Das dieser Mensch dabei aber glücklich war habe ich gar nicht bemerkt.
Das funkeln in seinen Augen das strahlen seines Gesichts alles fehlgedeutet.


Und jetzt kämpfe ich dafür Sozial abzusteigen sich aus so einem System zu lösen ist wie als wenn man versucht eine Distel aus einem Hunde Hintern zu friemeln.
Fast hoffnungslos da hilft nur noch die Schere.

Ich erlebe es gerade
hier im Forum trifft man auf Verständnis aber in der "wirklichen Welt " auf völliges unverstandniss.

Ich habe mein Leben auf das minimale reduziert, und es macht frei und glücklich, man schläft Abends besser ein und steht morgens erleichtert auf.

Aber wehe man geht in die Welt raus auf die Strasse.

Wenn ich jemanden erzähle ich wasche mit Waschnüssen schütteln die die Kopf ich will denen gar nicht erzählen was ich sonst alles so mache oder vorhabe dann lassen die mich einweisen:-)

Aber steigen wir wirklich sozial ab?
Ja natürlich was den Konsum betrifft.
Jeder einzelne hier in diesem Forum ist entweder dabei auf kleinen Schiffen oder kleinen Autos oder in kleinen Zelten durch die Welt ziehen.
Wir alle haben einen" sozialen Abstieg hinter uns.
Aber ist es wirklich ein sozialer Abstieg, oder sind wir nicht sogar aufgestiegen.
Menschlich wieder aufgestiegen.

Ok wir sind also Konsumtechnisch (Staat)wirklich abgestiegen aber zwischenmenschlich (Menschlichkeit)viel weiter aufgestiegen.

Und nun müssen wir uns jetzt dafür schämen?


Was macht den sozialen Aufstieg aus?

Ja wir sind immer am kämpfen es muss entweder immer weiter nach oben gehen oder aber man muss seine Position die man erreicht hat halten können bzw. man versucht seine Position zu halten.

Ein ewiger Kampf.

Und dann die Rente ein ganz großes Thema, nicht zu vergessen die Rente ,
auch da will man schließlich nicht absteigen ,
also schließt man Versorgungsversicherungen ab und erhöht die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 45 Stunden damit man dann diese Versicherungen finanzieren kann.
Man ist die ganze Zeit am kämpfen am machen und tun dann rennt man am Wochenende auf den Tennisplatz in seiner Freizeit und nimmt heimlich unterricht warum , weil man muss ja weiter kommen.
Nur nicht stehen bleiben und verweilen.
Die Kinder bekommen Nachhilfe sie müssen ja aufsteigen ,das Abitur muss es mindestens sein.
Und so geht das Leben weiter.
Und was verlernt man?
Man verlernt zu leben,
auf seine Gefühle zu hören ,
man verlernt das schöne in der Welt zu sehen.

Man verlernt das lieben, denn lieben bringt einen nicht weiter sondern hindert einem am Aufstieg weil man ja Rücksicht nehmen muss so war es zumindest bei mir.

Gestern in der S-Bahn ich kam gerade von arbeit, und da saßen sie alle die Menschen.
Müde von der Arbeit,
Müde vom Leben,
Müde von der Belastung,
jeder beobachtete jeden,
sind seine Schuhe schöner als meine,
diese Tasche muss ich auch haben,
man bin ich alle und jetzt noch die Kinder .
Sie alle zogen Gesichter als wenn sie zu ihrer eigenen Hinrichtung fuhren.
Und mitten drin ein Rucksacktourist.
Schmuddelig waren seine Füße in den Sandalen, braun gebrannt sein Gesicht , blau seine strahlenden Augen aber er saß da mit aufgerissenen Augen und grinste die ganze Zeit vor sich hin.
Ich schaute ihn an und lächelte und dann wie sollte es anders sein kamen wir ins Gespräch,
Er teilte seine Schokolade mit mir und das waren die spannendsten 45 Minuten S-Bahn fahrt die ich je hatte.
Ich bot Ihm an das er bei mir schlafen könne aber er hatte schon eine Couch und war auf dem Weg dort hin.
Dan stieg er aus und zurück blieb eine Leere im Wagon von Menschen die aufgehört hatten zu leben oder aufgehört hatten das Leben zu genießen.

Und jetzt noch mal die Frage wollen wir das ?

empfinden wir das für schön und ist wirklich der menschliche Abstieg der Preis für den Sozialen Aufstieg ?
Oder eher der persönliche Abstieg weil man von seinem Leben nicht wirklich viel mitzubekommen scheint.

Naja wie auch immer ihr anderen das seht, eure Meinung ist natürlich nicht gleich meine Meinung aber ich bin froh jetzt frei zu sein bzw. frei von den Konsum lasten.
Wie schon oben erwähnt seit Silvester gehe ich abends mit einem lächeln ins Bett und stehe morgens mit einem lächeln wieder auf.
Nach all dem schrecklichen was ich so manches mal erleben musste habe ich jetzt erst begriffen was leben eigentlich ist.

Eines sollte es auf keinen Fall sein nämlich fremdbestimmt und vom Konsum zerfressen.

In diesem Sinne

Lg Elaine

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Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Ungelesener Beitrag von Elaine » 23 Mai 12 15:50

Ich möchte noch was nachfügen vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt es ist nicht immer einfach seine Gefühle anderen mitzuteilen :shock:

Mit der verlorenen Menschlichkeit möchte ich keine anderen Menschen diskriminieren.
Nicht das dieser Eindruck aufkommt :oops:

Mit der verlorenen Menschlichkeit meinte ich nicht das andere Menschen nicht menschlich sind.

Sondern ich wollte damit ausdrücken dass sie nur noch funktionieren , so wie Maschienen, und wie andere das von ihnen erwarten das sie meistens nicht mal mehr selber entscheiden was sie tun oder lassen wollen, das sie ihre Freiheit und Selbstbstimmtheit dafür ablegen dem Konsum zu fröhnen.

Hoffe das ich es jetzt nicht noch Konfuser gemacht habe als es schon war .

Ok dann belasse ich es jetzt mal bei dem und hoffe ich werde richtig verstanden.
Lg Elaine

Ohio-Joe
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Weltreisevorbereitung: Verschlankung = sozialer Abstieg?

Ungelesener Beitrag von Ohio-Joe » 28 Mai 12 17:17

Ich verstehe dich ganz gut - jetzt erst recht, wo ich mein zu Hause nach draussen verlegt habe.

Aber wo ist jetzt mein zu Hause? Nun,da wo ich mich gerade befinde - sei es in einer Stadt, im Wald, auf einem Wanderweg.

Und meine "Moebel", das ist mein Rucksack!
Es ist immer noch sehr ungewohnt, aber so langsam sickert es durch - dieses Gefuehl, das man all die aeusserlichen Dinge nicht braucht.
In dem Zusammenhang faellt mir ein, dass z.B. die letzten 2 Tage mich ganz kirre gemacht haben, weil ich mich in einer bzw. 2 grossen Staedten aufgehalten habe. Dier Stadt ist, nach dem ruhigen Start meiner Reise extrem anstrengend, sie saugt einem jede Menge Energien ab.
Daher bin ich auch froh, morgen wieder draussen zu sein.

Der angebliche soziale Abstieg, von dem ich sprach, ist nur etwas gefuehltes aus der Sicht der anderen und aus der Sicht meiner Konditionierung.
Fuer mich ist es eine Verbesserung - ich fuehle mich gut und bin gluecklich!!

Und ( es wurde im Forum schon mehrfach erwaehnt) ich weiss jetzt schon den Luxus einer Dusche zu schaetzen!!!
Auch die Sache mit dem Internet: Vorher staendig online, eine Selbstverstaendliche - jetzt muss ich erst mal Arbeit investieren, mich im Forum zu melden!

Auf jeden Fall war es eine gute Entscheidung und ich merke, wie sie mir verlorene Energien wieder zurueck bringt.
At home...

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