Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

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Jah
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von Jah » 27 Dez 07 14:16

Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Von Sandra Schulz und Dimitri Ladischensky

Einmal ganz neu anfangen: Viele sehnen sich nach einem neuen Leben. Aussteiger gelten als mutigere, mündigere, aufgeklärtere Menschen. Doch sind sie das wirklich?

Der Aussteiger ist selbstbezogen. Er kreist um sich, er nimmt sich wichtig, zu wichtig. Ihm geht es allein um sein Heil. Er feiert die maximale Freiheit als maximales Glück und verkennt, dass Ungebundenheit auch Bindungslosigkeit heißt – und Einsamkeit. Wer geht, wohin er will, wann er will, wie er will, übernimmt keine Verantwortung, weder für die Familie noch für die Gesellschaft. Er entsolidarisiert sich und gefällt sich in Systemkritik, dabei macht er es sich leicht, denn er verändert nicht die Welt, in der er lebt. Er flieht vor ihr. Er ist feige.


Der Aussteiger ist materialistisch. Er will besitz- und ballastfrei leben. Kein Haus! Keine Frau! Kein Auto! Doch in seiner Askese ist der Aussteiger so materialistisch wie der Besitzanhäufer. Beide definieren Lebensglück über die Größe des Besitzstandes. Der eine will Glück durch Hamstern, der andere durch Verzicht. Kein Geld macht aber auch nicht glücklich. Selbstbefreiung ist ein innerer Prozess. Innere Freiheit kann man auch in den eigenen vier kreditfinanzierten Wänden erlangen. Äußere Freiheit wiederum ohne wegzurennen. Es gibt in unserem System kein fremdbestimmtes Subjekt, keine Fesseln der Konsumgesellschaft – niemand zwingt uns mitzumachen. Jeder kann den Fernseher ausschalten, das Fitnessstudio kündigen. Um uns zu ändern, müssen wir nicht um die Welt segeln, uns in Klöstern kasteien oder den Lendenschurz umbinden – es ist nur pathetischer. Und frustrierender. Die meisten Südseegesellschaften gestatten weniger Selbstbestimmung als unsere "moderne Sklaverei", die nur eine Enge kennt: die eigenen Zwangsvorstellungen.


Der Aussteiger ist mitteilungsbedürftig. Er muss über sich reden, wieder und wieder, da seine neue Identität durch Kommunikation begründet wird. Da sein Profil erst in Abgrenzung sichtbar wird, neigt er zu Arroganz gegenüber jenen, denen er ein tristes, angepasstes Leben unterstellt. Nicht nur, dass er für sich selbst eine höhere Erkenntnisstufe postuliert, er pathologisiert sein kritisches Gegenüber, indem er abweichende Standpunkte nicht als solche respektiert, sondern Daheimgebliebenen entweder Begrenztheit im Denken unterstellt oder sie als neidzerfressen diffamiert.

Der Aussteiger ist konservativ. Er hat das Optimum schon erreicht. Vorne ist, wo er ist. Das sagt sein Weltbild. Er muss bewahren wollen, denn Veränderung kann nur noch Abstieg sein.

Der Aussteiger ist unsouverän

Der Aussteiger ist gewöhnlich. Er, der sich als Individualist versteht, ist in Wahrheit nur Tier einer Herde von selbst ernannten Individualisten und pflegt mit Hingabe Gruppensprache und Gruppenhabitus. Nicht umsonst gibt es Aussteigerinseln und Aussteigerbuchten, okkupiert von Einzelgängern im Kollektiv, nicht umsonst findet der Aussteiger im Internet sein Forum. Der vermeintliche Individualist sucht Gleichgesinnte und bewegt sich in einem Kosmos, wo er Bestätigung findet statt Widerspruch – nicht anders als die Menschen "im System". Unter Mittvierzigern in der Lebenskrise fühlt er sich wohl, denn die sind wie er: angstvoll, etwas verpasst zu haben, unsouverän.


Der Aussteiger ist inkonsequent. Er nutzt das "böse System", informiert sich im Netz über sein neues Leben, impft sich gegen Hepatitis und Gelbfieber, holt sich Reisekrankenversicherungen, kauft sich Goretex und Wasserentkeimer und besorgt sich Startkapital für den Flug nach Übersee. Und wenn er pleite ist, jobbt er als Animateur im Ferienclub, hält Diavorträge oder schreibt seine Memoiren über den geglückten Ausstieg. Hat er denn je stattgefunden? Wiedereinsteigen muss der Aussteiger in jedem Fall. Ob es die Natur ist, die Gesetze diktiert, der Sturm, die Hitze, das Meer oder die neue Dorfgemeinschaft, anpassen muss sich der Mensch ohnehin. Am Ende hat der Aussteiger die einen Probleme gegen die anderen getauscht, nur sich einzufügen hat er immer noch nicht gelernt.

Der Aussteiger ist ideologisch. Er hat Brücken abgebrochen, unter Opfern. Er kann nicht zurück, darf nicht scheitern. Die Irreversibilität dieses Schrittes zwingt zur Rechtfertigung, der Legitimationsdruck führt zu Verhärtung. Immer, wenn Identität nicht gewachsen ist, sondern neu konstruiert wird, neigt sie zu Radikalität, um sich zu behaupten. Mit der Vehemenz des Konvertiten will der Aussteiger sich und anderen beweisen, dass er richtig liegt. Richtig und falsch, gut und böse werden zu zentralen Kategorien, Grautöne finden keinen Platz. Beseelt von dem Glauben, dass sich aus einer Gemeinschaft von Gutmenschen ein Hort des Guten entwickelt, ignoriert der Aussteiger anthropologische Konstanten. Man kann das liebenswert finden – oder dumm.

Wohin will der Aussteiger zurück? Zum Einzeller?

Der Aussteiger ist nostalgisch. Er will aus der Moderne aussteigen, der technisierten Welt. Weg mit Handy, GPS – weg mit allem, was uns von uns selbst entfremdet hat. Zurück zur Natur, dem selbst gebackenen Brot, dem einfachen, unverfälschten Leben, wie es früher einmal war. Nur: Wann soll das gewesen sein? Auch Rauchzeichen waren einmal neumodisch; auch Kondome, Frauenwahlrecht und Mondlandung galten schon als Zeichen einer degenerierten Gesellschaft. Bisher hatte noch jede Zeit ihre Moderne. Und ihre Aussteiger. Jede Zeit ihre reaktionären Geister, die gegen den Wandel wetterten. Die nicht akzeptieren wollten, dass der Mensch, das mutierende Wesen, immer in vollständiger Übereinstimmung mit sich selbst lebt. Und falls doch nicht: Wann war er denn authentisch, echt? Wohin will der Aussteiger zurück? Was will er sein? Steinzeitmensch? Einzeller im Meer?

Der Aussteiger ist unzufrieden. Wohin er auch reist, die Sehnsucht reist mit. Kaum da, drängt es ihn weiter – oder gar zurück. Er ist ein Mensch, unbegabt für Glück.
von spiegel-online.de! Was denkt ihr dazu?

Es ist voller Ironie, aber ich merke auch, dass es ein Vorwurf ist. Bei einigen Sachen kann ich mich wiederfinden (Einsamkeit, Drang weiter zu gehen, Gemeinschaftsuche trotz Individualismus)!

dieSteffi
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von dieSteffi » 28 Dez 07 10:30

Hallo Jah!

Witzig, habe den Artikel gestern auch gelesen und verlinkt!

Bestimmt trifft diese Beschreibung auf ein paar "Aussteiger" zu. Ist dennoch sehr ueberspitzt und schwarzgemalt und vor allem eine sehr oberflaechliche oder einseitige Betrachtung. Denn was wirklich in den s. g. Aussteigern vor sich geht und was geschah, dass sie diesen Weg waehlten... wer weiss das schon.

Diesem Absatz kann ich allerdings voll zustimmen:
Es gibt in unserem System kein fremdbestimmtes Subjekt, keine Fesseln der Konsumgesellschaft – niemand zwingt uns mitzumachen. Jeder kann den Fernseher ausschalten, das Fitnessstudio kündigen. Um uns zu ändern, müssen wir nicht um die Welt segeln, uns in Klöstern kasteien oder den Lendenschurz umbinden – es ist nur pathetischer. Und frustrierender. Die meisten Südseegesellschaften gestatten weniger Selbstbestimmung als unsere "moderne Sklaverei", die nur eine Enge kennt: die eigenen Zwangsvorstellungen.
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Chen
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von Chen » 28 Dez 07 10:58

Hallo zusammen,

überspitzt. Die angreifende Grundhaltung kommt bei mir - wie du schon sagst, Jah - auch an. Nein, das kann nich auf jeden Reisenden zutreffen...

Nichtdestotrotz spannend - Stoff der Anlass zum nachdenken&hinterfragen gibt.

Weltenbummler-Sein um IN zu sein/als Flucht/mit vor der Realität verschlossenen Augen/einseitig definierten Werten... vs. ein zwangfreies & selbstbestimmtes Leben hier zu Lande (was zumindestens ich schon als schwerer zu gestalten finde, als unterwegs, fernab von Job, festen Strukturen, Erwartungen, Druck...)

Egal wo und in welcher Lebenssituation, es kommt drauf an was man draus macht?! Its all about attitude...

LG
Kerstin
Das wichtigste Stück des Reisegepäcks ist und bleibt ein fröhliches Herz. Hermann Löns

dieSteffi
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von dieSteffi » 28 Dez 07 11:20

Hallo!

Fast vergessen. Hier ist noch ein Artikel zum gleichen Thema: Das Backpacker-Pack

VielSpass
eureSteffi

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Coogar
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von Coogar » 29 Dez 07 4:42

Pffh, Idioten, finde ich.
Hauptsache mal doof verallgemeinert und übertrieben und vom Blickwinkel einiger Journalisten, die meinen, sie lernen Leben durch mal kurz nen Blick auf das anderer werfen.

Ich mag gar nicht auf die einzelnen Aspekte eingehen, das klingt mir alles zu sehr nach frustrierter möchtegern-Provokations-Schreibe.
Leider eine Tendenz, die sich inzwischen in vielen online-Magazinen findet.

Die Coog
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von Milchknilch » 06 Jan 08 20:54

Da hört die Vorstellungskraft wohl an der eigenen Nasenspitze auf, ich kann an diesem Geschreibsel wirklich nichts gutes finden. Noch nicht mal die Ironie finde ich darin.

Und von wegen es gibt keine Fesseln, jeder ist frei, dass ist es doch genau wass der Reisende erkennt. Es mag Menschen geben die schaffen das auch innerhalb Deutschlands, die Masse aber eher nicht.

Für mich klingt das eher wie der Tritt in den Hintern für denjenigen der sich traut mal über den Telerand zu schauen, nach dem Motto "komm ja nie wieder!"
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von MArtin » 08 Jan 08 12:09

Hi :)

Platte provokante Verallgemeinerungen ziehen seit jeher viel Volk an, z.B:
"Der Spiegel-Online-Redakteur ist opportunistisch".

Man sehe sich nur die lange Latte von Kommentaren auf den Backpacker-Artikel an...

Liebe Grüße

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sushi-suse
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von sushi-suse » 12 Jan 08 17:08

traurig...

was ich beim lesen dieses Artikels und auch im neon artikel sehr schade und traurig und auffaellig finde ist, das es scheinbar echt voll IN ist sich staendig und in allem immer mit anderen vergleichen zu muessen. Sich besser dazustellen als "die anderen" .Scheint als wuerde das viel Energie und Spass bringen.

ich hab das bei so vielen gegensaetzlichen Gruppen schon beobachtet... Skifahrer vs Snowboarder am Lift... , NGO mit Freiwilligen unentgeltlich arbeitenden Mitgliedern vs staatlich gefoerderte Hilfsorganisationen mit recht hohem Einkommen der Angestellten, BP vs Pauschalis, Westernreiter vs Dressur- oder Springreiter, jeglicher Teilnehmer am Strassen verkehr...
in den jeweiligen Gruppen gibt es doch ueberall Menshcen die unterschiedliche oder eben sogar gegensaetzliche methoden anwenden um fuer sich selbst froehlich zu sein. Das muss doch nicht immer immer im Kampf ausarten (selbst wenn der "nur" verbal ist.)

Zur Abwechslung mal nicht am gegebenen Beispiel "Reisende oder Urlauber", sondern an dem Beispiel snowboarder skifahrer gehalten: beide wollen den beschneiten Berg mit maximalem Spassfaktor runter, guten Schnee haben, freie Sicht und freie Fahrt, warme Klamotten einen Adrenalinkick, weil es eben genau das macht, Adrenalin freisetzen, und hinterher mit Freunden drueber reden wie schoen es doch war. Und nur weil die einen das besser mit zwei Brettern koennen und die anderen eben mit einem, bricht untereinander ein "Voelker-Krieg" aus der immer wieder und ueberall in Skigebieten zu beobachten ist und mich wirklich nur noch traurig macht.

Was ist denn der Sinn dahinter sich mit anderen anzulegen was nun die "bessere", "richtigere", "coolere" oder "authentischere" weise ist... Ich muss mich doch nicht vergleichen oder beweisen oder auf andere draufstellen, oder mich ueber sie "erheben", auf sie "herunter schauen" um meine eigene Identitaet zu finden, oder doch? Muss man sich seinen Platz in der Welt so, auf diese Weise erkaempfen?

dann kommt beim tieferen hinein denken irgendwann fuer mich auch die Frage was denn eigentlich der Sinn hinter so viele Dingen im Leben ist, wenn nicht sogar die schreckliche Frage nach dem Sinn des Lebens ueberhaupt...

Warum reise ich, warum hab ich dieses oder jenes Hobby, warum finde ich diesen oder jenen Politischen Ansatz gut und richtig, warum bin ich Vegetarier oder eben keiner...

Darf nicht eigentlich jeder selber entscheiden wie er gerne leben moechte? Leben und leben lassen??

Provokation, Ironie, Unterhaltung, Zynismus, Anstoss, Diskussion.... Das alles ist mir irgendwie zu heiss geworden. Ich glaub ich bin vielleicht auch einfach ein Weichei geworden und hab meine harte aeussere Schale mit den giftigen Stacheln dran irgendwo verloren, ups... wo die wohl ist? Auf einer der idyllischen Inseln in Tonga, oder in einem der entlegenen Bergdoerfer im Buerger Kriegs Gebiet auf Timor Leste, oder im ueberfuellten Hostel in Australien oder bei meiner Familie in Dtl, vielleicht an einem Skilift in der Schweiz???

Schubladen denken mag eigentlich nicht wirklich irgend jemand, oder? Und doch tun wir es alle irgendwie. Mit dem Zeigefinger auf "die anderen" zeigen und sich besser fuehlen...
schade das das so normal ist. Ich kann es bei mir aber auch nicht kontrollieren oder gar ganz abstellen. Es macht mich echt nur furchtbar traurig und ich denke dadurch nochmal mehr nach was der Sinn hinter allem ist...

Wo das nur alles noch hinfuehren wird?

suse.

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Milchknilch
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Plan B: Warum Aussteiger unbegabt fürs Glück sind

Ungelesener Beitrag von Milchknilch » 13 Jan 08 14:38

Dein Text gefällt mir gut sushi-suse.
Wobei man in Bezug auf den Einstiegspost glaube ich auch unterscheiden muss. Du sprichst ja von Privatpersonen, und nicht von einem Zeitungartikel, wo man eigentlich davon ausgehen könnte, dass sich der Schreiberling Gedanken macht über das was er schreibt und man ihm dann wohl vorwerfen muss den Leuten einfach nach dem Mund zu schreiben?!?

Aber zurück zu deinem Post, ich musste beim lesen drüber nachdenken wie das bei mir war/ist. Ich musste mich füher genauso abgrenzen und auf andere mit dem Finger zeigen, wie du es beschreibst. Der Grund dafür lag meiner heutigen Ansicht nach, einfach an einem sehr geringen Selbstwertgefühl/Selbstbewusstsein. In so einem Zustand wird einfach jede Aussage, jede Tat die auch nur im geringsten von meiner eigenen abweicht als Gefahr oder Angriff aufgefasst, und dementsprechend scharf wird zurückgeschossen. Ausserdem scheint es zumindest kurzfristig das Selbstbewusstsein aufzupolieren, wenn man in der "besseren" Gruppe ist.

Mein Eindruck ist, dass es in Deutschland extrem viele Leute mit einem verkoksten Selbstbewusstsein gibt.

Im Unterschied dazu, nehme ich viele Dinge heute nicht mehr persönlich. Ich fühle mich nicht mehr angegriffen wenn mir jemand eine negatives Feedback gibt, ich nehme es einfach als seine Meinung entgegen.
Darf nicht eigentlich jeder selber entscheiden wie er gerne leben moechte? Leben und leben lassen??
Natürlich, aber dass kann man doch erst, wenn man aufhört sich ständig mit anderen zu vergleichen, und das hört erst dann auf, wenn man mit sich selbst zufrieden ist, oder?
Provokation, Ironie, Unterhaltung, Zynismus, Anstoss, Diskussion.... Das alles ist mir irgendwie zu heiss geworden. Ich glaub ich bin vielleicht auch einfach ein Weichei geworden und hab meine harte aeussere Schale mit den giftigen Stacheln dran irgendwo verloren
Hmm, ich weiss nicht, ich glaube, ich habe ihn nicht verloren, ich seh ihn nur nicht mehr. Wenn ich mit anderen diskutiere, dann gebe ich immer noch meine Meinung zum besten, mit allen mir zur Verfügung stehenden Argumenten. Aber es ist eben für mich "nur" das: meine Meinung. Wie der Andere das aber auffast, liegt nicht nur an mir, ich kann etwas ganz rational erklären und begründen und er kann es trotzdem, so wie ich früher, als Angriff auffassen. In dem Fall sieht er meinen harte stachlige Schale schon noch ;)
Wo das nur alles noch hinfuehren wird?
Ich hoffe doch schwer, dass es der Mensch irgendwann einmal schafft sich soweit zu entwickeln, dass er den anderen einfach den anderen sein lassen kann. ;)
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