Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
Hier:
Ob als Urlauber oder Hardcore- Traveler: Reisen bildet und ändert das Bewusstsein. Freier Austausch unter Betroffenen.
Hier im Plauderbereich der Reisecommunity aber bitte KEINE konkreten Reiseinfos fragen oder posten, denn die gehören einzelthematisch in den Reise-Info-Pool. sodass sie als Sachthemen ergänzbar, aktualisierbar und für andere hilfreich findbar bleiben. Danke!
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Julchen
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Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von Julchen » 11 Mai 06 23:52

Hallo Ihr alle, :D

Ich finde, alles was eine Person auf unsachlich und verletzende Weise angreift, fuer eine Freundschaft nicht in Ordnung. Sowas, wie Du schreibst, gehoert dazu, finde ich!

Eine Freundschaft, die nur auf einer gemeinsamen Vergangenheit aufbaut, aber fuer die Gegenwart keine Toleranz zeigt, hat meiner Meinung nach wenig Substanz.

Ich denke auch, dass nicht alle Menschen imer tolerant sein koennen. Mir stellen sich zum Beispiel die Nackenhaare hoch, wenn ich auf eine Horde knipsender Japaner treffe :wink: . Aber es ist ja ein Unterschied, denke ich, ob es sich dabei um Fremde oder Freunde handelt, oder?

Ich erlebe gerade auch ziemlich schmerzhaft, dass sich die wenigsten meiner frueher vermeintlichen Freunde noch bei mir melden. Aus dem Augen, aus dem Sinn - und da ich ja ab Oktober meine Zelte in Nepal aufschlagen werde, kann ich auch nicht auf die Zeit vertrauen, wo alles wieder beim alten sein wird. Ich glaube, viele sehen meine Entscheidung FUER ein anderes Leben als eine Entscheidung GEGEN sie selbst an. Bloss, weil man aus dem gemeinsamen Alltag ausbricht. Ist das die Furcht davor, aus dem eigenen Leben aufgeruettelt zu werden?

Irgendwie kristallisieren sich die wenigen guten Freunde aus der Entfernung sehr deutlich heraus. Wie geht es Euch damit?

Liebe Gruesse aus Palmerston North, NZ
julchen
Wo ein Wille ist, mein Herz, da ist auch ein Gebüsch. (Element of Crime)

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MArtin
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Re: Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 12 Mai 06 2:02

Julchen hat geschrieben:Ich erlebe gerade auch ziemlich schmerzhaft, dass sich die wenigsten meiner frueher vermeintlichen Freunde noch bei mir melden. Aus dem Augen, aus dem Sinn - und da ich ja ab Oktober meine Zelte in Nepal aufschlagen werde, kann ich auch nicht auf die Zeit vertrauen, wo alles wieder beim alten sein wird. Ich glaube, viele sehen meine Entscheidung FUER ein anderes Leben als eine Entscheidung GEGEN sie selbst an. Bloss, weil man aus dem gemeinsamen Alltag ausbricht. Ist das die Furcht davor, aus dem eigenen Leben aufgeruettelt zu werden?
Irgendwie kristallisieren sich die wenigen guten Freunde aus der Entfernung sehr deutlich heraus. Wie geht es Euch damit?
Ja, das ist der Lauf der Dinge, der sich auch bei uns und nach nunmehr sechsjähriger Reise-Tätigkeit immer pointierter zeigt.
Aber wir sehen auch:
Nicht die Häufigkeit des Kontaktes ist entscheidend; jeder hat das Recht im Hier und Jetzt seines Lebens so aufzugehen, dass für Fernes und Fremdes wenig Kapazität bleibt.
Entscheidender sind die Gefühle beim Wiedersehen, wie tief man sich in sporadischen Treffen "updaten" kann, Reaktionen in kniffligen Situationen (wir verlieren jetzt z.B. den letzten Rest einer festen Heimstatt - da registriert man herzliche Einladungen zu vorübergehender Zuflucht schon mit Erleichterung) und, das hat Julchen schon angedeutet, die individuelle Einstellung bzgl. eines Reiselebens, das sich niemand richtig vorstellen kann und das schon deshalb zu wüsten "hausgemachten" Projektionen und resultierenden Wertungen und (Berührungs-) Ängsten führen kann.

Wer mal länger getravelt ist, kennt das wohl und ist aufgrund dieser Erkenntnis meist Teil einer welt- und gastoffenen internationalen Familie geworden, deren Mitglieder sich untereinander relativ rasch erkennen - und die auch über räumliche und zeitliche Distanz hinweg eine warme Freundschaftlichkeit erhalten.
Wenn der Flow einen wieder zueinander trägt, wird ein neues Kapitel im Freundschaftsbuch geschrieben.
Bei Veith, dem Gründer des HC haben wir ähnliche Vibes verspürt - und der www.hospitalityclub.org ist wohl ihr Korrelat.
SARAH M. hat geschrieben:Wichtig war dabei, dass man nicht mit seinen Reisen und seinen Abenteuern protzt (sie wissen selber, dass sie das alles nicht gesehen haben und eventuell nie sehen werden); irgendwann werden sie doch neugierig und stellen von selbst Fragen. Die Gefahr ist, dass man oft überheblich rüber kommt, wenn man lang und breit erzählt, was man alles erlebt, während die anderen jeden Tag zur arbeit gehen. Und das ist tödlich für eine Freundschaft!
"Protzen" ja oft nur im Auge des Anderen - der Reisende sprudelt meist nur über - und bedenkt oft gar nicht, was es im Gegenüber auslösen kann.
Uns ist auch aufgefallen, dass relative wenig Fragen kommen - vielleicht lesen ja alle heimlich im Tagebuch?? :o
SARAH M. hat geschrieben:Jeder muss einfach akzeptieren können, wie der andere lebt, was er für Werte hat und dazu stehen, wie man selbst sein Leben gestaltet. Wie ich schon im Thread "Partner zieht nicht mit - und dann?" geschrieben habe: ganz viel Verständnis ist das wichtigste!
Möchte ich noch ergänzen, was ich schon im "Partner zieht nicht mit" -Thread schreiben wollte: "Öffnende Kommunikation", also sich mit seinen Motiven und Gefühlen zu "outen" kann Verständnis wecken und Vorurteile abbauen. Unsere Buchempfehlung von M.L. Moeller öffnet diesbzgl. Horizonte - Nicht nur für Paare.
J.C.Martin hat geschrieben:Wie geht ihr mit verschiedenen Wertvorstellungen um, sieht man womöglich andere Werte immer als "falsch" - wenn man ehrlich zu sich selber ist?
Oder als Bedrohung, als "fremd", als "gegen"... ist bestimmt was dran, denke ich.

Astrid schaut mir gerade über die Schulter und erinnert mich an ihren Traum von Vorgestern:
Zusammen mit vielen anderen war sie mit einem Schiff "abgesoffen", hat aber das Glück gehabt, halb auf einer treibenden Holzplanke zu schwimmen.
Statt dass die anderen Schiffbrüchigen versuchen, zu ihr auf die Planke zu kommen, versuchen sie, sie davon runter zu ziehen...

Wir wertschätzen die Freundschaft der Wenigen ungemein, nehmen die Skepsis(?) der Anderen nicht persönlich - und schon gar nicht zum Anlass von Grundsatzdiskussionen, wo vermeidbar...


Liebe Grüße :)

Astrid &

Peng
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Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von Peng » 12 Mai 06 10:11

Ja so ist das :(

Für Menschen, die nicht von fernen Zielen und längeren Auszeiten träumen, ist es wohl schwierig zu verstehen, das es Leute gibt, die genau eben dies machen.

Bei uns in D dreht sich ja meist alles darum, sich hier in D beruflich zu etablieren, eine einigermaßen sichere Zukunft aufzubauen und genügend Moneten fürs Alter zusammenzuarbeiten. Da sind Weltreisen und mehrmonatige Auszeiten in fernen Ländern nicht gerade die naheliegendste Möglichkeit.

Aufgrund dessen bleibt das Verständnis dafür auf der Strecke...teilweise mag es Neid sein, es selbst nicht genauso gemacht zu haben, teilweise Unverständnis wie man evt. Chancen hier zuhause einfach so verstreichen lässt und sich auf solche "Schnapsideen" wie Langzeitreisen einlässt.

Echte Freundschaften zeichnen sich dadurch aus, das man das Handeln des/der Freunde relativ vorbehaltlos und wertungsfrei ansehen kann. Sei es nun die Entscheidung, hier in D das klassische Leben zu führen, oder aber auch zu akzeptieren, das sich manch anderer eben in Togo oder wo auch immer wohlfühlt.

Toleranz und Weitblick sind da gefragt, das fehlt leider sehr vielen.

Es ist ja nicht die Quantität der Freunde die entscheidend ist, sondern die Qualität, und wenn da böse Worte oder ständiges Unverständnis im Vordergrund stehen, ist es Zeit darüber nachzudenken, ob es noch eine geistige Verbindung gibt.

Für mich ist entscheidend, wer versucht mich zu verstehen und die Dinge die ich tue so hinnimmt wie sie sind. Man muss es nicht verstehen, aber akzeptieren. Wenn das geschafft ist, dann steht, trotz unterschiedlicher Weltanschauungen, einer gemeinsamen Freundschaft nichts im Wege

Nur wer erkennt, das eigene Wertvorstellungen nicht auf alle zu münzen sind, kann vorbehaltlos mit "Andersdenkenden" umgehen.

"Wenn Freunde nicht mehr sind was sie mal waren...wenn sie dir nichts mehr geben, vergiss Ihre Namen..."

Hart aber gerecht :)

Grüßle

Peng

Krucki
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Re: Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von Krucki » 12 Mai 06 10:53

Julchen hat geschrieben: Irgendwie kristallisieren sich die wenigen guten Freunde aus der Entfernung sehr deutlich heraus. Wie geht es Euch damit?
Ich bin eigentlich von vornherein der Meinung, dass man eh nur ganz wenige wirkliche Freunde hat. Ein Freund ist für mich jmd. dem ich alles anvertrauen kann und vor allem auch alles anvertrauen will. Umgekehrt natürlich genauso.

Der Rest sind Bekannte, von denen einem welche näher stehen und welche nicht ganz so nah. Diese wechseln natürlich gelegentlich im Lauf der Zeit. Manche werden aber auch zu Freunden.

Die wirklichen Freunde sind mir bis jetzt immer erhalten geblieben wenn ich länger weg war, da mich mit diesen ja eh mehr verbindet als nur gemeinsame Interessen.

MfG
Krucki
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Re: Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von Coogar » 12 Mai 06 13:39

Julchen hat geschrieben: Irgendwie kristallisieren sich die wenigen guten Freunde aus der Entfernung sehr deutlich heraus. Wie geht es Euch damit?
Ähnlich, klar! Habe demletzt mal eine Rundmail auf Deutsch verschicken wollen (meine Rundmails sind normalerweise in Englisch) und festgestellt, dass es noch ganze 3 emailadressen mit deutschsprachigen Freunden hat, davon ist einer Schweizer und Reisekamerad aus Argentinien. Eins der Mädels hatte ich kennengelernt, als ich nach Dublin gezogen bin. Sie war ein halbes Jahr hier und ist dann wieder nach Deutschland. Also eine Freundin aus der alten Heimat. Dort bin ich zur Schule gegangen, hatte zig Jobs, hab dort studiert. Eine Freundin ist geblieben.
Liegt aber ganz ehrlich auch mit an mir. Inzwischen bin ich nicht mehr so furchtbar knickerig und picky mit Leuten. Ich brauche nicht mehr ewig, um Zugang zu finden oder mein Vertrauen zu schenken. Wenn ich jemanden mag, dann mag ich ihn und dann ist das ein Freund.
ZB habe ich in meiner Firma 3 französische Kollegen, die sind alle 3 auf ihre Art fantastisch. Wir unternehmen viel miteinander, haben ne Menge Spaß, tauschen uns viel aus. Im September sind alle 3 wieder weg aus Irland. Aber deswegen nicht zu investieren, sehe ich nicht ein. Ich hab sie alle 3 lieb und genieße die Zeit, die wir haben. So halte ich es so ziemlich mit allen Leuten, die ich kennenlerne und mit denen ich connecte. Und von denen kann auch jeder gern in 10 Jahren vor meiner Tür stehen und ich freue mich kaputt, denjenigen zu sehen.
Ich möchte meiner Idee von Freundschaft keine Fesseln mehr anlegen nach dem Motto, man muss sich erst richtig kennenlernen (was ist schon richtig), man muss regelmäßig Kontakt pflegen (nee, ist auch spannend nach langer Zeit zu hören, was denn so los war im Leben) oder man muss sicher sein, dem anderen vertrauen zu können (sicher kann man nie sein). Ich mag es so.
What is the use of straining after an amiable view of things, when a cynical view is most likely to be the true one?
G.B.Shaw

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Re: Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von Krucki » 12 Mai 06 16:22

Coogar hat geschrieben:Ich möchte meiner Idee von Freundschaft keine Fesseln mehr anlegen nach dem Motto, man muss sich erst richtig kennenlernen (was ist schon richtig), man muss regelmäßig Kontakt pflegen (nee, ist auch spannend nach langer Zeit zu hören, was denn so los war im Leben) oder man muss sicher sein, dem anderen vertrauen zu können (sicher kann man nie sein). Ich mag es so.
Das find ich ne gute Einstellung.
Ich glaube wenn man offen auf andere zugeht sieht man eh was sich ergibt.
Vertrauen kommt wenns paßt eh von allein.

MfG
Krucki
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Tiroler
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Wie geht ihr mit Freunden mit anderen Werten um?

Ungelesener Beitrag von Tiroler » 15 Mai 06 17:50

Ich habe damit einige probleme. Die meisten kommen maximal bis italien und yugoslawien. Es ist schwer seine erlebnisse mit den leuten hier zu teilen. Aber ich habe dem reisen so viel zu verdanken. mfg chi
2 x China, 14 x Thailand, 3 x Neuseeland, 5 x Cook Inseln, 3 x Spanien , 2 x Jamaika, 2 x Kuba , 3 x Frankreich, 2 x Schweiz, 1 x Brasilien, 1 x Dubai, 1x Nepal, 1 x Kenia, 4 x USA, 1 x Indien, 1 x französisch Polynesien, 2 x Kambodscha, 1 x Australien. Unzählige Male in Deutschland und Italien, England (nur London), Ägypten

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