Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

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Tiroler
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Tiroler » 16 Mai 06 18:52

Ich lebe sehr einfach, ich besitze keinen Fernseher,pc usw.

Und lebe in einem doppelzimmer statt einer wohnung. Mein ganzer besitz passt in 3 koffer.

Wenn ich was benötige kann ich zu freunden od. eltern (z.b pc).
Ich liebe mein einfaches leben. Ich möchte nicht von zuvielem anhängig sein.
Mein handy will ich eigentlich auch nicht mehr aber ich brauche es für die arbeit.
Mein Luxus ist das ich reisen kann und meine religion.

Ich besitze zwar sehr wenig, bin aber glücklich.

l.g Martin
2 x China, 14 x Thailand, 3 x Neuseeland, 5 x Cook Inseln, 3 x Spanien , 2 x Jamaika, 2 x Kuba , 3 x Frankreich, 2 x Schweiz, 1 x Brasilien, 1 x Dubai, 1x Nepal, 1 x Kenia, 4 x USA, 1 x Indien, 1 x französisch Polynesien, 2 x Kambodscha, 1 x Australien. Unzählige Male in Deutschland und Italien, England (nur London), Ägypten

Pablo
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Pablo » 16 Mai 06 21:03

Hallo,

ich komme mal zurück zur Frage von Julchen.

Ich habe bereits Vorgestern die Frage von Julchen gelesen und sie schwirrt seit dem in meinem Kopf rum. Nun will ich meine Gedanken äußern.
Ich bin als Kind einer Frau geboren(klingt irgendwie komisch...:roll:), die mit anfang 20 genau das selbe gemacht hat wie Julchen jetzt. Sie ist nach Mexico ausgewandert.
Als ich geboren wurde hatten meine Eltern ein Grundstück auf dem ein Häuschen mit einem Zimmer stand gekauft. Als wir 10 jahre später wieder nach Deutschland mussten hatte sich das Zimmerchen zu einem stattlichen 5 Zimmer Häuschen + Werkstatt meines Vaters hochgearbeitet. Meine Eltern haben pö a pö so wie die Finanzlage es zuließ weitergebaut. Im enddefekt war es größer und vor allem schöner 8) als die meisten Nachbarhäuser. Dort ist auch der Samen für meinen jetzigen Beruf gesäht worden. Aber warum auch nicht! Alles haben sie sich selbst erarbeitet und sich bewusst für das eine oder andere entschieden.
Waschmaschine und 2 Autos hatten wir irgend wann dann auch. JA.
Meine Mutter hat zwar am Anfang auch mit der Hand gewaschen, aber irgend wann war ihr die Zeit die sie durch eine Waschmaschine gespart hat mehr wert als das was diese Maschine gekostet hat, was ist jetzt luxus?

Ich finde das jeder selber seine Maßstäbe setzen muss und auch, dass für jeden der Level eines luxuriösem Lebens an einer anderen Stelle erreicht wird, denn Luxus fängt da an wo man sich mehr leistet als man tatsechlich braucht. Nun kann man es auch so sehen: kann man sich die Stunde am Tag die das Wäschewaschen kostet nicht leisten weil es der Job nicht erlaubt, ist es luxus mit der Hand zu waschen!(vorausgesetzt es macht einem spaß)

Für uns im Dorf war z.B. Wasser ein sehr großes Luxusgut, man hatte mit viel glück 2-3 mal in der Woche ein paar Stunden, oder auch weniger, Wasser -das war das Ereignis im Dorf!- meine Mutter hat es geschafft uns mit 1-2 litern zu waschen (ich war damals 2, meine schwester 3)
Strom gab es offiziell auch nicht, alle hatten sich natürlich schwarz an die Leitungen gehängt. Es hat Jahre gedauert bis der Staat sich bemüht hat den Strom bis zu ins Dorf zu verlegen, das aber auch nur, auf massivem Druck meiner Mutter und ein paar anderer Dorfbewohner.
Im großen und ganzen haben wir dort ganz klein angefangen und als wir wieder ausziehen mussten waren die Strassen befestigt, es gab Telefonanschluss, fließend Wasser, 2 Autos usw. und - für alle selbstverständlich geworden.

Trotz alle dem haben wir nie einen Fernseher besessen, draußen spielen war viel spannender, obwohl alle Familien um uns mind. einen Apparat hatten, selbst die ärmsten,die die zu 5/6 in einem Raum wohnten mit Plumsklo hinterm Haus.

Was ich sagen will ist; jeder setzt seine Maßstäbe wo anders und nach seinen ganz eigenen ,vielleicht auch umgebungsbedingten, Bedürfnissen und nach einem erlangten oder genossenem Wissensstand.
Denn kennst du etwas nicht, verlangt es dir auch nicht danach.

Ich jetzt hier in deutschland hab sogar als Single eine Spülmaschine. Die war ihr Geld alle male wert!! aber einen Fernseher habe ich immer noch NICHT!

Alles liebe Pablo

Pablo
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Pablo » 16 Mai 06 21:08

p.s. somit habe ich den Altersdurchschnitt also um einiges gesenkt, bin 26. :P

Pablo

SARAH M.
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von SARAH M. » 16 Mai 06 21:09

Also ich stimme Krucki zu: wenn Leute in meiner Umgebung mit wenig auskommen, dann ist es auch leichter für mich ohne meinen Luxus aus Deutschland zu leben.

Hier habe ich meinen eigenen PC mit Internet-Anschluss, mein eigenes Telefon, mein eigenes Zimmer, mein eigenes Bad, etc. Ich könnte natürlich locker ohne leben, aber die Sachen habe ich mir nach und nach angelegt und genieße es.

Als ich 4 Monate in Thailand in einem mini Dorf gewohnt habe, da hatte ich nichts. Aber wirklich gar nichts. Und ehrlich gesagt hätte ich es total doof gefunden einen PC im Haus zu haben, geschweige eine Waschmaschine!!!! Der Tagesablauf ist eben ganz anders... Es gab einfach einen Wasch-Tag und da wurde Wäsche gewaschen. Dann gab es einen "Wanne-Nachfüll-Tag" an dem wir Wasser geholt haben, um unsere Wanne im Bad zu füllen, aus der wir geduscht haben. Dann gab es einmal in der Woche einen Ausflug, bei dem wir in die "Stadt" gefahren sind, wo es einen Computer mit Internet-Anschluss gab. Und das war völlig in Ordnung; ich hätte ewig weiter so leben können.

An Julchen möchte ich einfach sagen, dass es auf jeden Fall eine Umstellung wird, da sie sich aber dafür bewusst entscheidet, wird sie sich auch auf jeden Fall wieder anpassen können und den Lebenstil lieben lernen. Weisst du schon wie oft du arbeiten wirst?? Das ist dann nämlich das andere... ein Haushalt unter diesen Umständen ist natürlich aufwändiger als bei uns :D !! Aber irgendwo macht es auch total Spass!!!

Auch ich wünsche dir alles Gute und lass von dir hören!!!

Liebe Grüße,

Sarah.
Il est quelle heure au paradis?

SARAH M.
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von SARAH M. » 16 Mai 06 21:14

So und jetzt habe ich den Alterdurchschnitt nochmals gesenkt, bin nämlich 24!!! (Ätsch Pablo :wink: )
Il est quelle heure au paradis?

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Julchen
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Julchen » 17 Mai 06 4:03

Wow, so viele Antworten! :D (Bin uebrigens 26 Jahre alt.)

Klar, ich denke auch, dass es einen grossen Unterschied macht, ob man einen Reise-Alltag oder einen Arbeits-Alltag hat.

Ich weiss, dass ich spaetestens ab Januar eine 5Tage-Woche haben werde, und zwar ganztags. Und dass ich mein Wochenende nicht allzu gern mit Waeschewaschen verbringen will. Meiner Meinung nach ist die Waschmaschine nicht ohne Grund neulich mal zu einer der "wichtigsten Erfindung aller Zeiten" gekuert worden 8) .

Ich weiss, worauf ich mich in Nepal einlasse. Wasser sparen waerend der Trockenzeit, bis zu 5h Stromausfall am Tag udn dergleichen. Das macht mir nix aus, da braucht's halt ne Prise Humor :wink: .

Manche Sachen moechte ich mir aber - vor dem Hintergrund wohl, dass ich die Moeglichkeit habe und es aus D gewohnt bin - doch irgendwie erleichtern. Beispiel Waschmaschine. Oder ein Moped - damit ich nicht 2mal taeglich 1,5 Stunden fuer 12 km im Bus sitzen muss (was mich im Reise-Alltag nie gestoert hat!). Warmes Wasser ist mir weniger zum Duschen wichtig, sondern vor allem zum Geschirr-Spuelen! Sonst verleidet mir der Gedanke ans Spuelen noch die Freude am Kochen :oops: Einen Geschirrspueler finde ich wiederum nicht notwendig fuer mich.

Ich hab mich auf meiner Reise bisher auch in die Richtung veraendert, dass mir materieller "Besitz" unwichtiger geworden ist. Meinen gesammelten Hausrat, der sich in 8 Jahren WG-Leben angesammelt hat, empfinde ich jetzt nur mehr als Ballast. Ich bin froh, wenn ich das meiste Zeug loswerde! :twisted:

Anders Buecher - klar, einen riesigen Buecherschrank braucht's nicht. Aber meine Lieblingsbuecher, von denen will ich mich genauso wenig trennen wie von meinen Freunden (denn das sind sie fuer mich).

Ein Fernseher kommt mir in Nepal genausowenig wie in D ins Haus, aber mein Laptop mit Internetzugang sowie ein funktionierendes Telefon (Kontakt zu Freunden udn Familie!) ist mir wichtig.

Oder eine ordentliche Kuecheneinrichtung, denn ich koche einfach furchtbar gerne. Gescheite Messer hab ich schaetzen gelernt, die kommen auf jeden Fall mit. Oder meine Kaffeemuehle, Espressokanne und Milchschaeumer :oops: - da bin ich wohl wirklich dekadent, aber den nepalesischen Pulverkaffee mag ich nunmal nicht!!!

Es ist halt immer die Frage, woran man sich orientiert. Die Eltern meines Freundes leben in einer Holzhuette mit Wellblechtdach und Lehmboden - ich fuehle mich dort total wohl, aber auf Dauer moechte ich gern Fenster und etwas "stabileres". Die reichen Nepali bauen in Beton - das finde ich scheusslich. Zum Glueck gibt's die newarischen Ziegelsteinhaeuser :D
Was an sich ja schon eine voellig unsinnige Fragestellung ist. Wer ist das denn, dieser der Mensch?
Das war natuerlich absichtlich etwas provozierend formuliert. Aber die Diskussion, die dabei rausgekommen ist, finde ich spannend!

Liebe Gruesse aus Taupo, NZ
julchen
Wo ein Wille ist, mein Herz, da ist auch ein Gebüsch. (Element of Crime)

vabels
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von vabels » 17 Mai 06 9:27

Hallo Coogar,
"Sprich das den Leuten doch nicht auf so eine "Ich weiß es aber besser"-Art ab, das muss doch jeder für sich selbst herausfinden und entscheiden."
Wenn du das so verstanden hast, habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Ich will damit nicht sagen, dass ich alles besser weiß – ich kann nur über meine eigenen Erfahrungen. sprechen (da kenne ich ne ganze Reihe von Fällen, mich eingeschlossen, die mit 20 oder 30, teilweise mit Mitte 30 noch ganz anders geredet haben als mit über 40.).

Wahrscheinlich sprichst du auch auf den Satz liebe 20jährige….. an. Das bezog sich nicht unbedingt nur auf 20jährige sondern auch auf ältere und den Satz von Werner:
“Den Luxus, den Caveman aufzählt, finde ich schon fast pervers.“
Diese Aussage halte ich schon für etwas überzogen. Pervers ist ja wohl eine andere Kategorie (z.B. Milliarden für Rüstungsausgaben und wenig Geld für vernünftige Entwicklungsarbeit.) Den Rest hat Caveman ja schon beantwortet.

Wie du schon erwähnt hast muss jeder für sich selbst herausfinden wie er oder sie leben will.

Ich habe in der Vergangenheit manchmal auch ziemlich einfach gelebt und möchte jetzt einen gewissen Komfort nicht mehr missen. Wobei mein Komfort für deutsche Verhältnisse eher im unteren Bereich liegen dürfte. Aber ich bin ehrlich - hätte ich das nötige Geld, würde ich mir auch was Teureres leisten.

Vielleicht noch ein Gesichtpunkt, den die überdenken sollten, die in Ländern wie Thailand leben möchten. In den Augen dieser Menschen sind wir reich. Es wird von uns erwartet, dass wir auch einen bestimmten Lebenstandard aufweisen. Ich meine kein protziges zur Schau gestelltes – „hier bin ich reicher Ausländer“, sondern einen gewissen Lebensstandard. Wer so einfach wie ein thailändischer Bauer lebt verliert sein Gesicht und wird nicht für voll genommen.

Ein Beispiel: Ein Bekannter von mir, ist ebenso wie ich, mit einer Thai verheiratet. Die Schwiegermutter wurde krank und musste im Krankenhaus operiert werden. Sie ging in ein staatliches Krankenhaus (30 Baht musste sie bezahlen). Dort wurde sie auch gut behandelt und ist wieder gesund.

Als die Familie meiner Frau das mitbekamen, verstanden sie nicht, warum der reiche Schwiegersohn die Mutter nicht in einem privaten (teuren) Krankenhaus hat behandeln lassen. Das sei doch wohl peinlich die Mutter ins staatliche, kostenlose Krankenhaus gehen zu lassen.

In der Familie meiner Frau, die allerdings für thailändische Verhältnisse recht wohlhabend ist, haben alle eine private Krankenversicherung und würden nicht ins staatliche Krankenhaus gehen – „Das ist doch peinlich. „ Soviel zur Denkweise in Thailand. Ich weiß nicht ob es in Nepal anders ist, ich denke aber es wird ähnlich sein.

Schöne Grüße

Volker Abels
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Erwin
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Erwin » 17 Mai 06 11:00

[quoteDiese Aussage halte ich schon für etwas überzogen. Pervers ist ja wohl eine andere Kategorie [/quote]
ja ja, stimmt schon. Manchmal provozier halt gern ein wenig.
Aber irgendwie frag ich mich schon: Bin ich schon so weit weg von der Realität in Europa, dass ich all das Zeug, das sich Caveman anschafft, übertrieben finde? Und ja, seit kurzer Zeit habe ich auch einen Fernseher. Meine Latinopartnerin brauchte das. Aber wenn ich mir so das Programm angucke, mit dem sich die Kiwis hier begnügen müssen, habe ich nichts verpasst. Und wer die Formel 1 gewonnen hat, steht am nächsten Tag in der Zeitung, wenn ichs wissen will. Da habe ich besseres zu tun, als denen zuzugucken.
Man könnte z.B. mit seinen Kindern was tun, dann brauchts nicht 2 Fernseher. Aber das ist jetzt schon wieder Provokation...
Gruss Erwin

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Caveman
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Re: Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Caveman » 17 Mai 06 11:15

Erwin hat geschrieben: Man könnte z.B. mit seinen Kindern was tun, dann brauchts nicht 2 Fernseher. Aber das ist jetzt schon wieder Provokation...
Nee, das hat nur mit dem Thema dieses Threads nun wirklich gar nichts mehr zu tun. Darum gehe ich an dieser Stelle auch nicht naeher darauf ein. Obwohl ich auch dazu einiges zu sagen haette.

Gruss
Caveman

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