Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
Hier:
Ob als Urlauber oder Hardcore- Traveler: Reisen bildet und ändert das Bewusstsein. Freier Austausch unter Betroffenen.
Hier im Plauderbereich der Reisecommunity aber bitte KEINE konkreten Reiseinfos fragen oder posten, denn die gehören einzelthematisch in den Reise-Info-Pool. sodass sie als Sachthemen ergänzbar, aktualisierbar und für andere hilfreich findbar bleiben. Danke!
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Frau_Fernweh
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Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Ungelesener Beitrag von Frau_Fernweh » 08 Jun 07 17:51

Lügen haben bekanntlich kurze Beine ;) Ich kann mir vorstellen, dass Dich die Sehnsucht packt, aber ich würde Dir raten erst noch ein paar kürzere Urlaube einzuplanen. Um zu schauen wie es dir damit geht. Und wahrscheinlich machen sich deine Freunde/Familie einfach nur Sorgen.

Birgit70
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Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Ungelesener Beitrag von Birgit70 » 18 Feb 08 23:24

Hallo Nurcy 84!

Na, was gibts Neues von Deiner Seite?
Schaffst Du es, in kleinen Schritten - quasi nach Salami-Technik - in hauchfeinsten Scheibchen - mehr und mehr Dein eigenes Leben zu leben statt die Vorstellungen Deiner Eltern zu erfüllen?

Ich stamme zwar aus einer österreichischen Familie, aber ich kann Dir sagen, ich war auch sehr stark fremdbestimmt von meinen Eltern und auch extrem stark kontrolliert. Von wegen eigenes Leben leben... und dabei wollen sie auch noch "das Beste" für einen. Nur kennen sie es halt nicht... und handeln daher mit aller Strenge nach ihrem Gutdünken (und völlig verkehrt). Statt einen selbst ausprobieren zu lassen, ob das selbst gewählte gut für einen ist.

Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass sich die Salami-Technik recht gut bewährt, dass letztlich auch Eltern nach und nach erziehbar bzw. an sich verändernde Umstände zu gewöhnen sind.

Bei mir hat da z.B. geholfen
- die Information an die Eltern mehr und mehr zurückzunehmen
(das bremst nach und nach deren Einblick, Kontrolle und Bestimmung über Dich aus) bis hin zum Informationsstop bzw. als Alternative dazu eben nur noch Belangloses von sich preiszugeben. Schliesslich bist Du ein erwachsener Mensch und ausserdem auch nicht dazu verpflichtet, sie auch weiterhin, im Extremfall bis ans Ende Deines Lebens stets zu informieren und um Erlaubnis zu fragen.
- nötigenfalls auch Personen, die ihnen Informationen über Dich zutragen, ausschalten bzw. nicht mehr informieren und wenn möglich meiden
- dementsprechend auch eigene Gewohnheiten und Gepflogenheiten wie etwa Treffpunkte mit verlässlichen FreundInnen nötigerweise bewusst verändern
- neue Freundschaften ausserhalb Deines bisherigen Familien- und Bekanntenumfeldes knüpfen, bes. mit Menschen, die ähnliche Wünsche und Ideen haben bzw. ihr eigenes Leben/Freiheit leben (auch und besonders wenn sie einen nicht so traditionellen kulturellen Hintergrund haben - das bereichert, stärkt und eröffnet neue Möglichkeiten)
- selbständig Entscheidungen treffen und umsetzen, die Eltern nicht mehr um Erlaubnis fragen, sich von ihrer Zustimmung unabhängig machen
(erst bei Kleinigkeiten beginnend - z.B. kleine persönliche Anschaffungen - und dann nach und nach häppchenweise steigern, z.B. dann Ausgehgewohnheiten, Hobbies und nicht genehmigten Umgang, z.B. mit deutschen Frauen - von denen bekämst Du sicher einige gute Anregungen für Deinen Weg)
- Weiterbildung besuchen (z.B. Sprachkurs Englisch - braucht man doch auch im Verkauf, besonders in besseren Verkaufsjobs)
- eine selbständige Lebensführung im Alltag praktizieren (z.B. statt mit den Eltern zu wohnen in eine WG mit anderen ev. erst mal türkischen Mädchen einziehen, dann - ev. ohne die Eltern zu informieren oder um Erlaubnis zu fragen - zu sonstigen z.B. deutschen oder amerikanischen Studentinnen in die WG ziehen und später ev. mal alleine leben) - so was lässt sich auch mit gut klingenden Argumenten verkaufen wie die Fremdsprache da zu üben um sie gut zu lernen oder noch weiter zu verbessern, um sich bessere Verdienstchancen zu eröffnen u.ä.
- ein Auslandspraktikum bzw. Sprachaufenthalt im nicht-muslimischen Ausland ohne die Kontrolle durch irgendwelche befreundete türkische oder sonstige Familienangehörige oder Bekannte machen

Ich denke, das könnten alles recht gute Vorbereitungen sein. Für ein selbstbestimmtes Leben und/oder auch für eine Weltreise.

Meine Eltern haben sich jedenfalls das Bestimmen und Dreinreden schon weitgehend abgewöhnt - mangels Erfolg ;-).
Gelegentlich einfach "Ja" sagen statt herumzudebattieren und dann trotzdem machen was ich will, ohne mich auf eine Diskussion mit ihnen einzulassen hat bei mir übrigens auch geholfen. Denn was sie nicht wissen, führt gar nicht erst zu möglichen Problemen oder Diskussionen. ;-)) Und hinterher ists ja schon so... ;-)
(Ich musste die Kunst der Diplomatie auch erst lernen - zu viel Offenheit und Ehrlichkeit kann viele unnötige Konflikte heraufbeschwören.)

Und falls sich das o.g. für Dich sehr schwierig anhört, Du kaum Grenzen setzen bzw. "nein" sagen kannst gegenüber Deinen Verwandten, ev. sogar Angst hast, was dann passieren könnte, könntest Du Dir ja bei div. (psychologischen) Beratungsstellen z.B. auch für MigrantInnen Unterstützung organisieren. So was hat schon vielen auf ihrem Weg gut weiter geholfen. Jedenfalls alles Gute!


*Frau_Fernweh: Zwischen Lüge und Diplomatie besteht ein wesentlicher Unterschied. Aber auch auf kurzen Beinen könnte man schöne Reisen machen! ;-)

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26martini06
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Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Ungelesener Beitrag von 26martini06 » 10 Apr 08 17:30

ich perönlich wende bei meiner Familie immer die "Holzhammer-methode" an, die ist zwar hart und ehrlich, aber es funktioniert bei mir ganz gut. Mittlerweile ist man daran gewohnt, das ich ohnehin mache was ich will und man läßt mich eben ohne noch großen Wiederstand zu leisten, dafür gibt es logischerweise halt auch keine Unterstützung bei Umsetzung evtl vorhaben.

Ich kann mir jedoch vorstellen, das es in einer traditionell türkischen Familie alles ganz anders zugeht und viel schwerer ist. dennoch würde ich mich nicht hindern lassen meinen Weg selbst zu bestimmen, insbesondere wenn DU selbst westlich/frei erzogen wurdest/aufgewachsen bist.

Welchen Stellenwert nun Diene ELtern in Bezug auf Dein weiteres Leben uind Bestiummung haben kann ich aber freilich nciht beurteilen...

In diesem Sinne wünsche ich Dir das beste für Deinen weiteren Weg und das DU selbst die für Dich richtigen Entscheidungen treffen mögest

Martin

Desi_ree
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4 Monate Südafrika/SOA - keine Unterstützung durch Familie

Ungelesener Beitrag von Desi_ree » 16 Dez 12 8:57

Hallo ihr Lieben,

ich muss das heute mal schreiben, weil ich gestern mit meiner Familie etwas aneinander geraten bin und mich das echt fertig macht. Ich suche Rat, Trost, Bestätigung, aber auch Hinweise und Vorschläge.

Um das Problem zu verstehen, möchte ich kurz etwas zu mir, meiner Familie und auch meiner Reiseroute sagen.
Ich werde zum Startpunkt der Reise (= August 2013) 24 Jahre alt sein. Ich habe dann hoffentlich meinen Master-Abschluss in der Tasche und muss wegen Bewerbungsfristen bis Februar 2014 auf eine mgl. Einstellung ins Referendariat warten. Daher habe ich mir gedacht: Perfekter Zeitpunkt zum Reisen (keine Kinder, kein Partner, noch keine eigene Wohnung, da ich noch zuhause lebe)!
Als Reiseroute habe ich mir folgendes ausgesucht:
  • - Südafrika (ca. 1 Monat, Gruppenreise mit NomadTours)
    - Malaysia (etwas mehr als 2 Monate, Alleinreise, Ziele: Kuala Lumpur, Cameron Highlans, Pulau Perhentian, Jerantut/Taman Negara, Melakka, Tioman Islands, Johor Bahru, Singapur, Kuching, Bako NP, Miri, Kota Kinablu ggf. mit Bergbesteigung, Sandakan)
    - Asien-kompakt (ca. 3 Wochen, Alleinreise, Ziele: Siem Reap, Phnom Penh, Bangkok, Kanchanaburi, Ayutthaya, Dubai)
Meine Familie ist völlig gegen die Reise. Sie sei doch viel zu lang, viel zu gefährlich (halt ganz allein) und überhaupt... Für sie wäre die Rundtour in Südafrika okay und ausreichend gewesen. Dann hätte ich wieder zuhause sein sollen.

Mein Problem
Ich fühle mich von meiner Familie überhaupt nicht unterstützt. Das macht mich fertig.
Klar, ich kann verstehen, dass man sein (Enkel-)kind sehr vermisst und sich Sorgen macht. Immerhin waren wir alle noch nie so weit weg (und vollkommen allein unterwegs war ich bisher nur 2x in Italien). Dafür habe ich auch Verständnis.
ABER:
Ich erwarte eigentlich trotzdem Unterstützung meiner Ideen und Pläne. Ich meine, natürlich - manchmal bin ich mir auch unsicher, ob ich mir das alles so zutrauen kann - aber ich bräuchte dann eher unterstützende Worte als "Ja, wir sind ja eh dagegen blablabla". Mich macht das halt traurig, dass sie sich auch nicht für mich freuen können.

Eine meiner besten Freundinnen z.B. sagt immer: "Klar, bin ich traurig, dass du vier Monate weg bist und wir uns nicht sehen. Aber wir schreiben ja hoffentlich ab und zu mal per E-Mail und dann bist du ja auch schon wieder da :D" Bei ihr fühle ich mich einfach mit meinen Wünschen ernst genommen. Warum kann meine Familie das nicht?
Wobei meine Mutter wohl noch halbwegs damit leben könnte, wenn ich nicht alleine reisen würde. Ich habe aber halt leider niemanden, den ich kenne, mit dem ich drei Monate am Stück verbringen möchte und der die Zeit bzw. das nötige Kleingeld zur Verfügung hat...

Liebe Grüße, Desiree

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Eliane
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Langzeitreise: Keine Unterstützung durch Familie

Ungelesener Beitrag von Eliane » 16 Dez 12 13:26

Hallo Desiree,

aus eigener Erfahrung kann ich leider wenig beisteuern, weil meine Eltern, allen voran meine Mutter mich geradezu zum Reisen aus dem Haus getrieben hat. Meine erste Allein-mit-einer-Freundin-Reise war eine Radtour und ich war noch nicht mal 14 Jahre alt.
Aber ich habe eine Freundin, die eine ähnliche Situation zu Hause hatte, ihr Vater hat die Kommunikation mit ihr zunächst sogar zeitweise eingestellt und zumindest das Thema "Reise" völlig ausgeklammert.
Warum sie alleine fahren wollte (geplant war die Reise zunächst für ein Jahr und mit dem Rad), hatte die gleichen Gründe wie bei dir: Sie fand keinen Mitreisenden für den Zeitraum.
Ihre Mutter vermittelte ihr, nachdem sie wohl begriffen hat, dass sich die Tochter nicht abbringen lässt, sinngemäß: Ich finde es nicht gut, dass du fährst und ich werde mich erst mit dir/für dich freuen, wenn du wieder zu Hause bist.

Du bist also nicht alleine mit deinem Problem, dass die Familie nicht hinter dir steht.
Vielleicht kannst du von dem einen oder anderen deiner Familie ein ähnliches Statement bekommen? Ich glaube, dass es für meine Freundin schon sehr wichtig war, dies im Hinterkopf zu haben.
Ich denke aber auch, du solltest nicht nur fordern, dass sie dich zu verstehen haben, sondern auch die Seite deiner Familie vorstellen: Sie waren nie irgendwie für länger oder weiter weg. Sie stellen sich das alles klischeehaft gefährlich vor. Sie selbst hätten Angst vor so einer Reise - nur zu logisch, dass sie auch um dich Angst haben.
Das kommt am Ende rüber wie eine Art verspätete Abnabelung deinerseits, die ihnen Probleme bereitet. Egal wie gut du begründen kannst, dass es jetzt von den Rahmenbedingungen her "einfach passt", deine Familie sieht da nur ein "das gab es bei uns noch nie" und darum "macht man das nicht".

Kennst du niemanden, der (oder dessen Kind) schon mal eine längere Reise (vielleicht auch nach SOA) alleine unternommen hat? Der vielleicht mal mit deiner Mutter z.B. sprechen könnte?
Ich kann mich gut erinnern, dass meine Mutter vielen anderen Müttern die negative Sicht auf die "wilden" Unternehmungen ihrer Kinder entspannt hat. Und heute gerate ich gelegentlich in so eine Rolle.
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MArtin
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Familie gegen Langzeitreise - Rat & Trost?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 16 Dez 12 19:31

Hallo Desiree, willkommen an Board! :)

Ich war mir nicht sicher, ob und wohin ich Deinen Beitrag verschieben soll - letztendlich hat mich Elianes Tröstendes
Eliane hat geschrieben:Du bist nicht alleine mit deinem Problem, dass die Familie nicht hinter dir steht.
dazu bewogen, Deinen Beitrag in das vorbestehende Thema mit gleichartigem Problemfeld zu verschieben.
Somit findest Du oben schon ein paar gute Anregungen zum Lesen, außerdem werden die früher selbst Betroffenen informiert und können Dir als "Spezialisten" für diese Problematik ebenfalls zur Seite stehen.
Desi_ree hat geschrieben:... auf eine mgl. Einstellung ins Referendariat wartend habe ich mir gedacht: Perfekter Zeitpunkt zum Reisen (keine Kinder, kein Partner, noch keine eigene Wohnung, da ich noch zuhause lebe)!
Ja, da passt doch fast alles, einschließlich Deinem Alter. 8)
Noch bei den Eltern zu wohnen ist in Bezug auf Deine Langzeitreisepläne einerseits vorteilhaft (keine Wohnungsauflösung), andererseits fällt Dein Reisevorhaben in die eh anstehende familienbelastende Ablösungsphase, denn eine Referendariatsstelle könnte ja auch Deinen endgültigen Auszug und Abnabelung von der Familie bedeuten.
Insofern wird durch Deine unerwarteten Reisepläne auch eine Familiendynamik beschleunigt, die für Deine (Groß-) Eltern sicher nicht nur postiv besetzt sind.

Wie Eliane und einige Poster zuvor möchte ich deshalb zunächst um Verständnis für die Position Deiner Eltern werben.
Ich stelle mir vor, dass Deine Reisepläne ziemlich überraschend hereingeplatzt sind und sich die Fronten auch deshalb schnell verhärtet haben, was zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich verfrüht ist, da bis zu Deiner möglichen Abreise ja noch über 8 Monate Zeit bleibt!

Deshalb wäre mein erster Rat an beide Seiten, erstmal ein bisschen Druck aus dem Konflikt zu nehmen, um eine weitere Eskalation und Frontenverhärtung zu vermeiden.
Das kannst Du von Deiner Seite aus initiieren indem Du signalisierst, erst nochmal in Dich gehen und genauer familiäre Bedenken und Machbarkeit Deines Reiseplans analysieren zu wollen.
Ziel wäre eine Ent-Emotionalisierung, die Dir erstmal den Rücken etwas frei hält, um Dir auch selbst mehr Gelegenheit zu geben, Deine Reisepläne zu hinterfragen, zu präzisieren und Deine ureigensten Ängste unabhängig von einer Verteidigungssituation Deiner (Groß-) Eltern gegenüber zu spüren, wofür ich einen Thread im Vorstellungsbereich vorschlagen möchte.

Also, take it easy, deeskaliere, denn es besteht kein Zeitdruck und sowohl Du als auch Deine Familie brauchen m.E. erstmal ein bisschen Zeit, um diese neue Reiseidee zu verdauen...

Soweit erstmal auf die Schnelle, denn Astrid und ich sind gerade auf dem Sprung...

Liebe Grüße :)

BikeAfrica
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Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Ungelesener Beitrag von BikeAfrica » 16 Dez 12 20:08

Hallo Desiree,

ich kenne Deine Situation sehr gut. Es ist nur schon viel länger her und Internet war noch in den Kinderschuhen. Damals alleine mit dem Fahrrad durch Alaska klang absurd. Meine Eltern waren auch dagegen. Später folgten andere Radtouren durch Afrika und immer wieder die gleiche Situation ... zu gefährlich usw ... immer wieder Diskussionen ...

Als ich immer wieder gesund und munter zurückkehrte, waren sie irgendwann langsam stolz darauf, dass ihr Sprössling in solchen Regionen unterwegs war und ich war froh, dass ich es getan hatte.

Auch in meinem Umfeld hatte niemand solche Erfahrungen vorzuweisen und entsprechend hoch waren die Ängste. Ich denke, Deine Eltern sind ähnlich alt wie ich. Natürlich haben sie Angst, dass Dir etwas zustößt, aber das kann es jeden Tag auch in Deutschland. Du kannst mich gerne per PN anschreiben, wenn Du magst. Vieleicht lässt sich da aufgrund meiner damaligen Situation eine Lösung finden ...

Gruß
Wolfgang
Es gibt vierzig Arten von Wahnsinn, aber nur eine Art von gesundem Menschenverstand (Ghana)

Desi_ree
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Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Ungelesener Beitrag von Desi_ree » 16 Dez 12 22:36

Hallo ihr Lieben,

erst einmal vielen lieben Dank für die schnellen und ausführlichen Antworten. Darüber habe ich mich wirklich gefreut :D

Kennst du niemanden, der (oder dessen Kind) schon mal eine längere Reise alleine unternommen hat?
Nein, leider nicht. Im näheren Bekanntenkreis wäre ich die erste. Allerdings ist meine Mutti ja auch nicht von gestern und kennt Internet und Fernsehen :wink:
Soll heißen: Sie hat schon mitbekommen, dass Austauschprogramme, Work&Travel, Weltreisen und auch in meinem Alter bereits auf einem anderen Kontinent fest wohnen ... ja zwar nicht normal sind, aber doch schon mehr "zur Normalität" gehören als es zu ihrer Zeit aus ihrer Sicht war... (nur das Übertragen auf die eigene Familie ist dann noch ein kleines Problem)
Sie selbst hätten Angst vor so einer Reise - nur zu logisch, dass sie auch um dich Angst haben.
Das kann ich ja auch verstehen. Manchmal hab ich ja wie gesagt auch Angst. Aber warum können (Groß-)Eltern einen nicht unterstützen? Ich meine, Eltern sollten doch auch sagen können: "Hey, es ist nicht mein Traum und ich habe auch etwas Angst davor, aber es ist der Traum meines Kindes. Auch wenn ich es mir nicht wünsche, so möchte ich es bei seinen Plänen unterstützen?"
... eine Referendariatsstelle könnte ja auch Deinen endgültigen Auszug und Abnabelung von der Familie bedeuten.
Ich glaube, dass ist bei uns nicht wirklich das Problem. Meine Mutti war ja alleinerziehend (also geht es hier nur noch um eine Person). Und sofern ich eine bezahlbare Wohnung befinde, werde ich nicht weiter als 2-4 Kilometer von meinem jetzigen Zuhause ziehen. Dem Thema Auszug stehen wir eigentlich beide positiv gegenüber (echt mit 24 Jahren muss dann auch irgendwann nicht mehr sein..., aber es war finanziell einfach das Sinnvollste!). Ich glaube, dass sieht sie genauso.

Kurz zur Entwicklung meiner Reisepläne
Ich stelle mir vor, dass Deine Reisepläne ziemlich überraschend hereingeplatzt sind
Die Wahrheit ist: Bereits im Frühjahr diesen Jahres hatte ich erste Pläne und wollte nach Südafrika. Habe mich aber mangels Reiseerfahrung, immer wieder unsicher-machenden Kommentaren und vor allem auch mangels Führerschein dafür entschieden eine geführte Rundreise zu machen. Das hat meine Mutti vollkommen beruhigt und auch für meine Großeltern war es okay.
Dann fiel mir im Sommer ein: Hey, warum eigentlich nur einen Monat wegbleiben? Jetzt ist die CHANCE da und ja, ich wollte eigentlich nach Südamerika (Argentinien, Peru, Chile). Das fanden sie dann alle überhaupt nicht gut. Im Spätsommer fiel mir dann auf, dass die Flüge dorthin so teuer sind, dass ich halt auf SOA umgeschwenkt bin. Der erste Kommentar meines Opas: "Na ein Glück. Durch Thailand, ja da kann ja jeder Idiot durch. Das hört man ja immer!" (naja, oder so ähnlich ;)) Ich dachte, es wäre dann für alle halbwegs in Ordnung...

Aber jetzt... ich glaube manchmal, dass sie sich gegenseitig alle etwas aufstacheln (wir reden hier nur von drei Personen):

1. Meine Mutter würde mich vielleicht ohne meine Großeltern mehr unterstützen. Immerhin war sie mit mir auch schon Trekkingschuhe und Trekkingrucksack kaufen. Bei ihr glaube ich, ist es nur die Unsicherheit, dass ich irgendwo ermordet und schwer krank am Straßenrand liegen könnte. Wenn das nicht der Fall ist (was ich jetzt mal hoffe) und ich regelmäßig maile, glaube ich, wird sie sich dann doch schnell freuen und gespannt auf meine vielen Fotos sein (wir fotografieren beide sehr gerne) :D

2. Mein Opa ist für mich schwer einschätzbar. Aber ich glaube, ihn nimmt es eigentlich am wenigsten mit. Früher wollte er mitm Motorrad die Route 66 entlang - aus der DDR heraus aber wohl etwas schwierig und Oma wollte das wohl auch nie. Soll heißen: Vielleicht hat er am ehesten irgendwo in sich drin, eher nur "Neid", dass ich mich in dieser Hinsicht versuche zu verwirklichen.

3. Der problematischste Faktor - meine Oma! Ich liebe meine Oma über alles, sie ist wirklich die Beste (okay, das kann wohl hoffentlich jeder über seine Oma sagen) und bin ein absolutes Omakind. Deswegen ist mir wohl im tiefsten Inneren ihre Meinung auch so sehr wichtig. Und ausgerechnet sie ist halt vollkommen gegen eine Reise. So weit weg, so fremde Kulturen, allein, was ist wenn ich krank bin, ...
Ich habe schon versucht, sie zu beruhigen (von wegen ich hätte Geldreserven für ein Krankenhaus vor Ort bzw. für einen schnellstmöglichen Rückflug; ich buche viele Unterkünfte vor, damit ich nicht nachts allein noch nen Bett finden muss usw.) und ihr auch Bilder aus dem Internet gezeigt, wo ich hinwill und worüber ich mich schon so sehr freue!
Und trotzdem: Sie macht sich sehr viele Sorgen und Ängste und zeigt halt sehr direkt ihre Ablehnung, Meine Oma war auch die Einzige, die bei meinem alleinigen Italientrips dachte, ich würde in irgendein Krisengebiet fahren. Also jetzt nicht wirklich, aber auch da hat sie sich megaviel Sorgen gemacht. Das tut mir halt so weh. Aber ich kann ihr ihre Sorgen ja auch nicht ausreden. Es würde mir halt nur guttun, wenn sie sich mehr FÜR MICH freuen würde...
Vor allem, weil ich es gerade in Bezug auf sie auch schon so schön "geplant" habe. Offiziell komme ich zum 17./18. Dezember 2013 wieder. In Wahrheit werde ich allerdings bereits eine Woche früher zu ihrem Geburtstag einfliegen. Ich bin sicher, dass wird das Beste (und vor allem unerwartete!) Geschenk, was sie bekommen wird... :D
Nur dass sie mir es bis dahin so schwer macht... einfach dooooof :cry:

Danny Machu
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Registriert: 03 Aug 11 21:17

Familienangehörige total gegen mein Reisevorhaben !

Ungelesener Beitrag von Danny Machu » 21 Dez 12 20:22

Wenn ich meinen Hut in den Ring werfen darf:

Mach einen Schnitt.
Ich liebe meine Oma über alles, sie ist wirklich die Beste (okay, das kann wohl hoffentlich jeder über seine Oma sagen) und bin ein absolutes Omakind.
Mir ist bewusst, dass jeder unterschiedlich fühlt und andere Dringe priorisiert, doch eine ehrliche Frage, die einer ehrlichen Antwort bedarf, an dich:

Hast du nicht vor dich von dieser intensiven Familienbindung zu trennen ? Möchtest du dich nicht irgendwann von deinen Eltern und Großeltern distanzieren um ein eigenständiges Leben mit eigenständigen Entscheidungen treffen zu können ?

Ich meine: Du bist 23 und stehst vor dem Abschluss deines Studiums.. da passt deine große Abhängigkeit von deiner Familie überhaupt nicht in mein Bild einer solchen Person.

Naja, dazu muss ich sagen, dass ich kaum Familie habe und meine Oma eine reinste Last ist, von der alle hoffen, dass sie sich endlich selbst erlößt. Ohne dass du Hintergrundwissen hast, ist das noch sehr untertrieben, glaub mir.
Geschadet hat mir meine Situation nie.. ich fühle mich (obwohl ich noch jünger bin als du) frei, eigenständig und in der Lage über mein eigenes Leben zu entscheiden. Bestätigung von anderen Personen benötige ich nicht, wobei ich dankbar bin, dass meine Eltern zumindestens kooperativ sind.. ihre Meinung zu meinem Leben, stößt bei mir auf taube Ohren.

In wie weit ist eine solche Situation denn für dich vorstellbar ? Möchtest du wirklich für immer das Nesthäckchen von Leuten bleiben, die dich am liebsten in Watte packen und in einer Box verstauen würden ?

Solche Dinge wie du sie vorhast, gehören doch in jedes Leben dazu.. die Leute, die sich immer für die sicherste und heimischste Variante entscheiden, sind mit Ende 50 gefrustet und fragen sich was sie nur mit ihrem Leben angestellt haben. Lass dich bitte nicht aus deinen Vorhaben rausquatschen, nur weil da andere Leute versuchen dir lebenswichtige Entscheidungen abzunehmen..

Wenn deine Oma es dir nicht verzeihen wird, dass du dein eigenes Leben in die Hand genommen hast, dann willst du echt nicht meine Meinung hören zu sowas..

------------

Zwar brauch man immer den Support seiner Angehörigen, doch so ist das nicht das allerheiligste was es gibt. Es gibt Dinge, die über allem anderen stehen und dazu gehört meiner Meinung nach die Selbstbestimmung.

Versuch alles und wenn du merkst, dass es nichts hilft: mach einen Schnitt.

Auch wenn es für familiäre Menschen vielleicht sehr hart klingt: Aber dein eigenes Leben zählt mehr als die Zufriedenheit und der Stolz deiner Angehörigen.

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