Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

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Coogar
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Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von Coogar » 18 Jan 07 22:09

Ich kann was Eliane und Julchen geschrieben haben (hallo, Ihr beiden! :D ) sehr gut nachvollziehen, ich finde es auch problematisch, der "Neuzugang" im Kulturkreis zu sein.
Von daher ist es fuer mich gerade sehr ideal, dass nicht nur ich, sondern auch mein Freund neu in Argentinien sind. Klar, fuer ihn ist die Huerde sprachlich natuerlich kleiner (er kommt aus Peru), aber dafuer habe ich eben schon Auswandererfahrung. Ich fuehle mich nicht als die, die nix weiss und alles neu lernen muss und sich anpassen muss (oder gar unterordnen), sondern als eigenstaendige Persoenlichkeit. Wichtig ist dabei, dass mein Freund mich auch so behandelt, und das tut er.

Die Kulturunterschiede haben wir zwar auch, aber wir sind uns auf anderen Ebenen so aehnlich, dass ich die Unterschiede nicht als problematisch empfinde, sondern als interessant.

Was die Sprache angeht, Hut ab vor meinem Suessen, dass er soviel Geduld mit mir hatte am Anfang. Inzwischen komme ich im Spanischen ganz gut zurecht und er hilft mir nach wie vor. Dass man sich weniger ausdruecken kann (zwischen den Zeilen, Untertoene etc.) empfinde ich aber nicht so, wie vorher geschrieben; ich verstehe mich mit meinem Freund wesentlich besser (verbal) als vorher mit so einigen der gleichen Muttersprache. Weder haben wir Riesenmissverstaendnisse, noch wissen wir nicht wie oder was wir sagen sollen (und wir verbringe herzlich viel Zeit quatschend). Ich denke mal, dass das gegenseitige Verstaendnis sich auch auf der Basis von aehnlichen Denkweisen etc. abspielen kann und das gleicht sprachliche Unebenheiten aus.

Und klar, wir sind noch nicht lange zusammen (2 1/2 Monate), aber wir leben zusammen und das geht nicht ohne Kommunikation, nich? :wink:

Lieber Gruss, Coog 8)
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dieSteffi
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Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von dieSteffi » 19 Jan 07 9:08

Liebe Liebenden ;)

Ich kann dazu nicht allzu viel sagen, denn ich bin seit 14 Jahren in einer nationalen Beziehung, aber ich habe da letzt was gelesen. Und zwar in "NEON":
In Deutschland lebten 2005 84 Prozent mehr deutsch-ausländische Paare als 1996.
Die Tendenz ist also stark steigend und ihr seit auf dem richtigen Weg ;)

liebeGrüße
eureSteffi
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Peng
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Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von Peng » 20 Jan 07 0:01

Ja, alles eine Frage des Einsatzes und des tatsächlichen Verhältnisses zueinander

Ich bin mich grad am verlieben :oops: :lol:

Irgendwie triffts dann doch meist nicht die Tochter des örtlichen Bürgermeisters, sondern die Tochter des vor Myriaden von Jahren eingewanderten politisch verfolgten Südosteuropäers :D Ja ok, nich ganz so, aber ähnlich...

Kann jemand tiersich gut Bulgarisch und bringt mir auf die Schnelle mal das Wichtigste bei :)

Irgendwie ist es doch um ein vielfaches spannender einen Menschen anderer Kultur kennenzulernen und im besten Falle auch noch lieben... :shock:

Naja, mir gehts gut, ick froi mir :mrgreen:

Lasst es euch gutgehen und viel Erfolg bei den wichtigsten Aufgaben des Lebens

Grüßle

Peng

al-iksir
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Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von al-iksir » 09 Feb 07 10:00

Hier gibt es ein sehr interessantes Interview ueber binationale Ehen, bzw. Klischees, die oft daran haften; passt zwar nicht 100% zum Thema, aber dennoch lesenswert: Potente Maenner, willige Weibchen

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basanta

Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von basanta » 16 Aug 07 11:20

Ich möchte nur kurz die kurioseste internationale Liebesbeziehung erwähnen, die ich bisher kennenlernen durfte:

In Thimpu, Bhutan, trafen wir auf ein bhutanisch-japanisches Ehepaar, die miteinander Italienisch sprachen, da sie sich beim Studium in Italien kennengelernt hatten. Der Sohn war ein wahres Sprachwunder, wuchs gleichzeitig mit Japanisch, Dzongka, Italienisch (der Familiensprache) und Englisch auf...

Naja, meine Eltern sind auch ein deutsch-nepalisches Paar, und das klappt seit über 30 Jahren doch recht gut... Ich glaube, es fällt vielen Menschen schwer, soviel Unterschiedlichkeit zu tolerieren. Verlieben tut man sich vermutlich schon, aber um eine beständige Beziehung aufzubauen, müssen beide Seiten doch auf viel Rücksicht nehmen, was einem vielleicht Selbstverständlich erscheint (in Hinblick auf kulturelle Eigenarten wie z.B. Rollenverständnis etc.)

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Goldi

Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von Goldi » 26 Okt 07 15:05

Hallo ihr lieben,

da ich mich auf eine Reise vorbereite habe ich hier im Forum viel gelesen aber noch keinen Beitrag geschrieben. Bei diesem Thread habe ich mich jedoch aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen aufgefordert gefühlt hier mal aus meiner beruflichen Erfahrung zu berichten. Also zunächst: Ich arbeite als Sozialarbeit und meine Aufgabe besteht darin Menschen mit Migrationsgeschichte zu beraten.

Ic habe häufig auch mit sogenannten binationalen Ehen zu tun. Auch bekomme ich viel über Kollegen, Theorien zu diesem Thema und dergleichen mit.

Da möchte ich hier mal folgendes Anmerken.

Was in binationalen Ehen ein nicht zu unterschätzendes Problem ist ist die kulturelle Unterschiedlichkeit. Bereits beim Verliebtsein kann es zu Problemen kommen. Nicht in allen Kulturkreisen wird der Verliebtheit eine so große Bedeutung zugeschrieben wie uns Mitteleuropäern. Es gibt gar Kultzurkreise in denen das Verliebtsein als eine vorübergehende geistige Verwirrtheit angesehen wird. In diesem Zustand ist man nicht in der Lage eine so wichtige Entscheidung wie eine Partnerwahl zu treffen. Auch beim Balzverhalten gibt es unterschiede. So galten deutsche Frauen bei amerikanischen Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg als leichte Mädchen, weil der Kuss für Frauen einen Höheren Stellenwert hatte als für die Soldaten. Folglich gings nach dem Kuss schnell ins Schlafgemach. Dem Soldaten fehlten noch einige Schritte in seinem Balzrepertoire. Die Frauen waren schlichtweg weiter vorangeschritten. Hier gib es unendlich viele Beispiele wie es zu kulturellen Misverständnissen kommen kann.

Natürlich kann man durch Gespräche das meiste kompensieren und dies kann eine unglaubliche Bereicherung für die Beziehung sein die die Beziehung nur noch festigt. Davon ist vieles Abhängig. Aber was, wenn der andere der Überzeugung ist: 1 Blick sagt mehr als 1000 Worte und seinem Partner plötzlich vorwirft alles tot zu reden?

Menschen die ihre Heimat verlassen haben, haben häufig Heimweh. Mit Heimweh meine ich hier nicht einen kurzen Gedanken daran wie schön es zu Hause ist, sondern einen ernst zun ehmen krankhaften Zustand, der als bedrohlich empfunden wird. In der Fremde wird man irgendwie versuchen sich ein Heimatgefühl herzustellen. Das kann alles mögliche sein. Ich selbst habe mal mit Jugendlichen aus der Ehemaligen UDSSR zusammengearbeitet. Die haben mit Unmengen von Alkohol und Drogen versucht diesen Schmerz zu betäuben. Wir haben versucht diesen Jugendlichen auf andere Art und weise ein Heimatgefühl zu vermitteln. Es gelang uns schlichtweg durch Lagerfeuer am See mit Gitarre und russischen Liedern. Aber auch in diesem Thread wurde schon über die Wiederherstellung des Heimatgefühls berichtet (Buddistischer Altar, Essgewohnheiten und dergleichen). Hier müssen beide aufeinander zugehen wollen. Letzlich ist man jedoch am ehesten auf der sicheren Seite einen Partner zu haben der ähnlich Sozialisiert wurde. Jemand der einen Krieg erlebt hat, hat Dinge erlebt die für die Gefühlswelt seines Partners schlichtweg unbegreiflich sind. Teilweise können Gefühle garnicht verbalisiert werden. Schon garnicht in einer Fremdsprache. Hier ist ein hohes Konfliktpersonal für Partnerschaften, da man die Art wie sein Partner in bestimmten Situationen tickt einfach nicht versteht.

Was aber auch hinzu kommt ist die ungleiche Machtverteilung in binationalen Partnerschaften. Wer in einen fremden Kulturkreis hineinkommt, hat wenig Kenntnisse über diese (Sprachkenntnisse, Soziale Verhaltensweisen etc.) und somit entsteht eine hohe Abhängigkeit vom Partner der in sich in der Gesellschaft gut auskennt. Man läuft ständig der Gefahr aus fallen gelassen zu werden. Im zweifelsfall wird man von der Familie verstoßen und geächtet, selbst wenn das Scheitern der Ehe auf das Verhalten des Partners zurückgeht. Dann ist man hilflos ausgesetzt insbesondere wenn die Rückkehr ins Heimatland keine Option mehr ist (gibt es ja leider z.B. wenn Steinigung wegen Ehebruch droht aber auch bei Ächtung durch Ehebruch) ist eine Abhängigkeit vorhanden die grauenvoll sein kann. Leider wird dies häufig ausgenutzt.

Klingt alles nicht sehr angenehm und schön. Das ist jedoch ein Teil der Realität. Die andere Seite. Wenn binationale Partner bereit sind aufeinander einzugehen und allen Warnungen zu trotz ihrer Liebe eine Chance zu geben, bereit sind einander zu wachsen, kann ein eigener Kosmos der Liebe entstehen der jede andere Beziehung in den Schatten stellt. Hier habe ich im Beruf immer wieder mit Paaren zu tun, die eine Aura des Glückes umgibt, dass man vor Ehrfurcht erblasst. Das fällt mir häufig bei paaren auf, in denen die Sprache nicht zwangweise so funktioniert. Dann wenn Missverständissen mit einem Blick und einem lächeln entgegengebracht wird der sagt, egal ich liebe Dich braucht es nicht mehr viele Worte. Aber man braucht auch Geduld mit dem Partner und vor allem mit sich selbst.

In diesem Sinne: lasst uns die Welt durch Liebe vereinen.

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Coogar
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Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von Coogar » 26 Okt 07 21:23

Was für ein schöner (und interessanter) Beitrag :)

Mit vielem, was Du angesprochen hast, kenne ich mich wenig aus, allerdings möchte ich unterschreiben, dass die "ähnliche Sozialisierung" immens wichtig ist, bzw. dass das Gegenteil ein enormes Konfliktpotential enthält.
Lieber Gruß von der Coog 8)
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anandi
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Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von anandi » 20 Dez 07 23:33

Goldi hat geschrieben:Hallo ihr lieben,
Nicht in allen Kulturkreisen wird der Verliebtheit eine so große Bedeutung zugeschrieben wie uns Mitteleuropäern. Es gibt gar Kultzurkreise in denen das Verliebtsein als eine vorübergehende geistige Verwirrtheit angesehen wird. In diesem Zustand ist man nicht in der Lage eine so wichtige Entscheidung wie eine Partnerwahl zu treffen.
Irgendwie nicht doof. Immerhin ist man ja wenn man verliebt ist wie auf Droge und wenn man dann sozusagen "runterkommt" sieht die Welt dann nochmal wieder ganz anders aus.

Ich spreche da aus eigener Erfahrung, bin immerhin mit einer Peruanerin verheiratet. Wer sich wirklich liebt oder nicht sieht man dann so nach 20 bis 30 Jahre Ehe. Aber zum Glück kann man das Lieben ja lernen im Gegensatz zum Verliebtsein.

also in diesem Sinne
Liebe Grüße
Andi
In kleinen Gruppen und familiärer Atmosphäre die verborgenen Schätzen dieser Welt entdecken
http://www.peru.religare-reisen.de

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Gast 81

Internationale Liebesbeziehungen - warum so selten?

Ungelesener Beitrag von Gast 81 » 12 Mär 08 9:33

Ich lebe in einer deutsch ungarischen Ehe, wir haben zwei kleine Kinder und ich würde gerne den Kindern meine Kultur und Sprach vermitteln. Es ist aber sehr schwer, weil mein Mann sich für die Kultur sich nicht interessiert, und immer wieder unsere geplante Ungarnfahrten absagt.(Aus Angst vor Kindesentführung, oder Sonstiges)
Es enttäuscht mich immer wieder, da ich mit ihm bevor ich schwanger wurde es anders ausgemacht hatte. Und man fühlt sich dabei so sehr eingeengt, gefangen, dass ich bald wirklich keine Lust habe mit den Kleinen in Deutschland zu leben, obwohl ich dieses Land eigentlich mag und seine Menschen schätze.
Ich suche nach Leuten die für dieses Konflikt eine Lösung wüssten.
Ratschläge, wie Familiengericht etc. interssieren mich nicht...das führt zu verfeindung.
Mich interessieren sachliche Argumente die einen eigentlich gebildeten Mann zu Vernunft bringen bevor könnten es zu spät wird für unsere internationale Ehe.

Vielen Dank im Voraus.

Melinda

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