Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Weltreisend oder im Urlaub schlechte, vielleicht "ortstypische" Erfahrungen mit Trickbetrügern, abgekarteten Spielen, Halunken und Räubern gemacht- und daraus gelernt? - Hier kannst Du es schildern, Andere warnen - und Trost finden.
Hier:
Vorsicht- Reisefalle! im WRF- Info-Pool Hier sollte einzelthematisch geschrieben und auch nur direkt auf den Betreff bezogen geantwortet werden!
Bitte vermeide nicht direkt zum Titel gehörende Suchworte (z.B. Ländernamen oder themenfremde Zusatzfragen).
Übersichtlichkeitshalber am besten Ort und Schädigungsart gleich in den Betreff schreiben und für ähnliche Erlebnisse an einem anderen Ort bitte jeweils ein neues Thema aufmachen (falls nicht schon vorhanden, bitte suchen).
Danke! :)
WilliamdeBallestas
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Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Ungelesener Beitrag von WilliamdeBallestas » 23 Mai 09 17:25

Liebe WRF- BesucherInnen :D

ich lebe in Barranquilla, Kolumbien und hatte gestern in einem anderen Thread etwas zu den Gefahren durch Skopolamin geschrieben; Astrid hat mich gebeten, etwas dazu im Forum "Vorsicht Falle" zu schreiben. Das mache ich gerne...

Die Substanz Skopolamin oder Scopolamin ist ein hochgiftiges Alkaloid von Nachtschattengewächsen. Es wird in der Medizin als antikonvulsorisch wirkendes Medikament gegen Spasmen und / oder Koliken eingesetzt (z.B. als Wirkstoff des Medikamentes " Buscopan " ).
In Kolumbien, insbesondere in den Großstädten, benutzen es kriminelle Gruppen, um Personen zu betäuben und dann auszurauben, zu entführen oder schlimmeres.

Scopolamin ist absolut geruchs- und geschmacklos. Es kann als Flüssigkeit, Pulver oder Gas eingesetzt werden und durchdringt in kürzester Zeit Kleidung und auch die Epidermis. Kurz gesagt, bei einer Skopolamin Attacke ist es nicht wichtig, womit der Kontakt mit der Substanz stattfindet, es hat sehr schnell heftigste Wirkung.

Ich selbst war 2 mal das Opfer eines solchen Angriffs, 2008 in Bogotá.
Reisende dort sollten unbedingt beachten, daß sie nie alleine die Carrera Septima ab der Calle 26 bis zur Plaza San Victorino besuchen. Der Wirkstoff kann überall sein- auf den Tasten der Geldautomaten, im Taxi, an einer noch geschlossenen Flasche Gaseosa oder im Kaffee.
Es sind eigentlich immer Banden, die diese Attacken durchführen und sie versuchen sich nur äusserst selten an Personen in Gesellschaft.
Vorsicht! Wenn ihr die Symptome spürt und zB. eine Diskothek verlassen wollt, nehmt keines Falls ein wartendes Taxi - der Fahrer gehört zu 98 % zur Bande.

Die ersten Symptome sind: Pelziges Gefühl der Zunge, Herzrasen, starke Benommenheit, starkes Schwitzen, Schwächegefühl, akustische Halluzinationen, Doppelsehen und sehr schnell bei ausreichender Dosierung Bewusstlosigkeit.
Die große Gefahr: Die Täter haben keine fundierten Kenntnisse zu den Wirkungsmechanismen, deshalb kommt es häufig zu Überdosierungen, die zu Koma und Tod führen können.
Es gibt ein mehr oder weniger wirksames Gegenmittel, Physostigminsalicylat, aber das ist nur in wenigen Kliniken zu finden.
Also passt bitte auf.

herzlichst,
William
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MaxCartagena
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Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Ungelesener Beitrag von MaxCartagena » 24 Mai 09 14:31

WilliamdeBallestas hat geschrieben: Es kann als Flüssigkeit, Pulver oder Gas eingesetzt werden und durchdringt in kürzester Zeit Kleidung und auch die Epidermis
hola william,

wikipedia schreibt dazu:

In Umlauf gesetzte Meldungen über die mögliche Drogeneinahme per Hautkontakt, wie etwa über getränkte Visitenkarten, sind falsch. Zu Jahreswechsel 2008/2009 stellten mehrere US-amerikanische Polizeistationen klar, dass die ursprüngliche Meldung nicht von ihnen stamme und Mitarbeiter selbst auf die Falschmeldung hereingefallen seien.

http://de.wikipedia.org/wiki/Skopolamin

ich selbst lebe auch in kolumbien und habe noch nie davon gehoert, dass es ein mittel gibt, dass durch blossen hautkontakt betaeubt.
gruesse

MaxC

WilliamdeBallestas
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Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Ungelesener Beitrag von WilliamdeBallestas » 24 Mai 09 14:42

Hola MaxCartagena :D
es ist bestimmt richtig, dass diese Information verbreitet wird, ist aber nicht korrekt.
Skopolamin als Wirkstoff in Medikamenten wirkt nicht über die Epidermis, die als Betäubungsmittel bei Raubüberfällen eingesetzte Substanz schon.
Ich kann leider nichts über die Zusammensetzung sagen oder ob es sich um eine Mischsubstanz handelt, aber es ist tatsächlich so.
Die Wirkung tritt - verzögert - auch über die Haut ein.
Gruß,
William
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Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Ungelesener Beitrag von al-iksir » 24 Mai 09 20:52

Von Burundanga wurde sogar per Email-Verteiler in unserer Firma gewarnt. Erstaunlich, wie weit es solcherlei Kettenbriefe bringen.

http://urbanlegends.about.com/od/crime/a/burundanga.htm

Luther
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Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Ungelesener Beitrag von Luther » 24 Mai 09 21:24

Hallo William,

gerade wollte ich Dir den Wikipedia-Artikel zu diesem Thema übermitteln, da sehe ich gerade noch rechtzeitig, dass er schon da ist. Dort wird auch über die Zusammensetzung berichtet.

Was mich schon von Anfang an skeptisch gemacht hat, ist: Wenn Tasten von Geldautomaten, oder andere Dinge, die man nur mal kurzfristig berührt, vergiftet wären, wissen die Täter ja gar nicht, wer alles da anfasst und ob es sich lohnt, den auszurauben. Man müsste jeden der "Einsatzorte" überwachen, und dann jeden Menschen, der da angefasst hat, verfolgen. Und da Du sagst, dass die Wirkung, wenn nur durch Hautkontakt übertragen, verzögert eintritt, müsste diese Verfolgung sehr lange dauern. Da die Wirkung, wie Du schreibst, und was auch Wikipedia berichtet, vom Betroffenen bemerkt wird (anders als bei k. o.- Tropfen, wo man ohne es zu bemerken willenlos wird) wird er sich sicher, selbst wenn er die Quelle seines Unwohlseins nicht ahnt, doch schnell in sein Hotel begeben oder auch gleich zum Arzt geben.

Der Aufwand, durch derart ungezielten Einsatz von Skolpolamin zu einem erfolgreichen Raub zu kommen, ist also hoch, die Erfogschance aber niedrig.

Gruß
Luther

WilliamdeBallestas
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Vorsicht !!! Skolpolamin in Kolumbien

Ungelesener Beitrag von WilliamdeBallestas » 25 Mai 09 13:05

Hallo Luther :D ,
klar,da hast Du völlig Recht.
Aber so wie ich das in Bogotá erlebt habe, kommt es oft nicht darauf an, wie viel Geld jemand bei sich hat,oder wie lange eine " Verfolgung " dauert.
Es stimmt, dass die Wirkung verzögert eintritt,allerdings doch nach wenigen Minuten.
Aber ich möchte keine Panik verbreiten.
:?
Herzlichst, William
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