Meine Reise nach Tonga

Astrid & MArtin haben über 1 Jahr auf Tonga im Südpazifik gelebt, Moderator mahimahi wohnt auf Tongatapu...
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Delfina
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Meine Reise nach Tonga

Ungelesener Beitrag von Delfina » 24 Jan 08 19:58

Tonga, a one of a kind experience

Zu meinem runden Geburtstag diesen Jahres wollte ich mir etwas besonderes gönnen und da ich immer schon mal in die Südsee wollte, kam ich durch Erzählungen eines Freundes auf Tonga. Da ich selbst in der Karibik lebe, kam für mich sowieso nur ein Land in Frage, wo es tropisch warm ist. Nun zur Vorbereitung der Reise habe ich gegoogelt wie ein Blöder und alles aber auch fast alles erfahren, was ich wissen wollte ( dies ist für die geschrieben, die meiner Meinung nach in gewissen Reiseforen dermassen dämliche Fragen stellen, dass man fast an deren Hirnkompetenz zweifeln könnte!)

Nun, die Reise war durch diese Informationen schnell gebucht bei einem Kölner Reisebüro, Adventure-Holidays (http://www.adventure-holidays.com) Ansprechpartner war Herr Michael Hartje, sehr freundlich, hilfsbereit und kompetent. Da ich von Deutschland aus gestartet bin und selber Kölner bin, habe ich ihn persönlich aufgesucht und kann ihn nur weiterempfehlen!!!

Geflogen bin ich mit Korean Air, Air New Zealand und Airline Tonga. Die Reise dauerte mit Zwischenstopps 2,5 Tage und ich kann nur empfehlen, bei den jeweiligen Zwischenstopps sich entweder in Seoul das Tageshotel für rd. 45 US zu mieten bzw in Auckland ein preiswertes Flughafenhotel zu mieten ( zwischen NZ$ 45 bis nach oben offen) , um schlafen und duschen zu können, da ist die Reise dann relativ einfach zu ertragen. Angekommen bin ich dann in Nuku’alofa um 2 Uhr morgens und bin dann mit dem Taxi zum Domestic Airport gefahren und glaubte ein paar Sekunden lang , man hätte mich in einem verlassenen Hangar abgesetzt. Leider hat dieser Airport erst ab 6 Uhr morgens eine kleine Bar, wo man frühstücken und einen Kaffee erhalten kann, also wer meint, Hunger zu bekommen, sollte sich vorher in Nuku’alofa oder Auckland noch mit Keksen etc. eindecken.

Nun kam am Morgen das einchecken nach Vava’u und da erfuhr ich, dass mein gebuchter Flug mit einer in der Zwischenzeit bankrotten Airline (Peau Air) war. Der zuständige Manager versicherte mir zwar, dass ich auf Airline Tonga umgebucht gewesen wäre und ich sollte mal bei denen vorsprechen. Da erfuhr ich, dass ich nicht auf der Liste bin, am Tag nur 4 Flüge gehen (Twin Otters mit 17 Plätzen) und an diesem Tag schon alles voll gebucht sei. Ohh - was kam mir nun meine karibische Erfahrung zu Gute! Also erst mal gaaaaaanz freundlich gefragt, ob es denn so gar keine Lösung für mein Problem gäbe (gabs natürlich erst mal nicht!), dann tat ich das, was auch in der Karibik fast immer hilft , man „ spielt Violine“, will sagen, mit unendlich traurigen Hundeaugen und entsetztem Hand vor den Mund schlagen (meinem natürlich) habe ich dann erst mal erzählt, dass doch nur mir zu Ehren die ganze Familie mich am Flughafen abholen will und die hätten mir zu Ehren ein Tongan Feast vorbereitet und Schweine und Ziegen und Hühner geschlachtet und die wären doch so arm, welche Katastrophe und jetzt müssen sie alles wegwerfen, ich wär ganz verzweifelt und , und und.... Plötzlich sollte ich noch mal mein Gepäck auf die Waage stellen und –schwupps!- hatte ich plötzlich Übergewicht, habe dafür 10 Euros gezahlt und –schwupps!- gab es noch einen Platz für mich.

Später erfuhr ich von Katharina in Vava’u(Faleovalu), dass das dauernd vorkommt und dem Reisebüro nicht anzulasten ist, da man hierüber keine Auskunft gibt, um das Gesicht nicht zu verlieren.

Nun, ich sass im Flieger und als wir so über die kleinen Atolle flogen, was soll ich sagen, ich war so begeistert und schon in voller Urlaubsstimmung. Als ich so vor dem Flughafengebäude in Vava’u stand und nach unendlichen Stunden wieder eine Zigarette rauchen konnte,
lernte ich Semisi Faleovalu kennen, der ist Taxifahrer, spricht fliessend Englisch mit einem bezaubernden Südsee-Akzent und hat ein sauberes, gut gepflegtes Taxi. Nun war ich ja durch die Reiseforen bezüglich nicht ganz so sauberer, nicht Englisch sprechender Taxifahrer vorgewarnt und sehr dankbar für Semisis Taxi. Da er mich als „typischen Palangi“ (Weissen) einschätzte , wollte er mir noch die Klimaanlage einschalten, aber selbst in den Tropen lebend habe ich dies dankend abgelehnt. Bei unserer Fahrt ins Hotel stellte ich dann fest, dass er mit einer Deutschen verheiratet ist, sie auch aus Köln kam und er Köln von seiner Hochzeitsreise her kannte.

Durch ihn lernte ich später seine Frau Katharina, genannt Lina kennen, und Dank ihrer kompetenten Hilfe und Information zu Politik, Land und Leute, Sitten und Gebräuche und insights hatte ich den tollsten Urlaub seit vielen Jahren.

Ich bin nur noch mit Semisi gefahren, man kann ihn von fast allen Lokalitäten über VHF Radio ( Kanal 16, RoadRunner Taxi) erreichen. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt und Taxifahrten erstaunlich billig sind ( für 5 Kilometer ca 3,5 Euro), habe ich immer Semisi bestellt und er kam schnell (ich als halber Karibe war manchmal verspätet!) und hatte mir angeboten, mich auch in der Nacht von Restaurants und Bars ins Hotel zu bringen. Semisi ist wahnsinnig freundlich, hilfsbereit und ein bildhübscher Mann, da kam ich so manches mal ins Träumen (tut ja niemandem weh, oder?)

Übrigens als kleiner Einschub: Schwulsein ist überhaupt kein Problem auf Tonga, so manches Mal wurde ich so unverblümt angemacht, dass ich mich umschaute, da ich fast nicht glauben wollte, dass ich gemeint war. Doch dazu später mehr.

Ich habe in zwei verschiedenen Hotels übernachtet, beide werden von Deutsch/Tonganischen Paaren geführt. Da ich bis vor Kurzem selber ein kleines Hotel besass, glaube ich gut beurteilen zu können, dass beide gut geführt sind, sauber, freundliches Personal. Das eine ist Lucky’s Beachhouses in Taliha, das andere das Tongan Beach Resort in Utungake.

Ersteres ist als Guesthouse konzipiert mit 4 verschiedenen Fales (Häusern), einfach eingerichtet, aber mit allem, was man so braucht. Zweiteres ist schon ein Mittelklasse Hotel, luxuriöser eingerichtet und kostet somit auch mehr. Beide kann ich empfehlen, da muss halt der jeweilige Geldbeutel entscheiden.

Lina organisierte dann für mich einen Tagesausflug -zusammen mit Semisi- und ich kann diese Tour echt NUR empfehlen: erstens erfährt man Dinge, die ich als Normaltourist so nie erfahren hätte, sie zeigten mir Kassava Plantagen, erklärten mir genau wie man sie pflanzt, erntet und kocht; eine Kava Plantage, woraus eine Art Kaltaufguss gemacht wird, der in speziellen Kavahallen von den Männern getrunken wird, auch dazu später mehr. Dann noch eine Vanillaplantage und diverse Strände, wie Ene’io Beach, ‚’Ano Beach und Semisis Heimatdorf und die Kirche, in der er und Katharina getraut worden waren. Überall wurde ich persönlich bekannt gemacht und die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Tonganer ist einfach umwerfend!!!!!!!! Später konnte ich hingehen , wo ich wollte, alle begrüssten mich beim Namen (!) und einmal kamen zwei tonganische Schönheiten, um mich mit Eis zu füttern, da ich doch viel zu dünn wäre!.

Diese Tagestour kostet dann lediglich Euro100, Sandwich und Cola inbegriffen, was will man mehr für sein Geld!!!!

Durch Lina kam ich auch zu einer Segeltour, veranstaltet durch Sheri und Larry von der Ark Gallery und Orion Yachtcharters. Die Ark Gallery ist ein Hausboot (selbstgebaut!) beim ’Ano Beach. Wir segelten zu einer unbewohnten Insel mit den typischen unbeschreiblich schönen Südseestränden. Nach der Tour habe ich Sheris Gallerie besichtigt, sie malt wunderschöne Bilder über das tonganische Leben, daneben noch andere Souvenirs. Übrigens überaus preiswert!

Dann die grosse Ehre: Semisi und Lina luden mich zu einem Kavaabend ein, den sie zum Dank an die Bauarbeiter für den Bau ihres neuen Regenwassertankes veranstalteten. Es kam eine sogenannte Stringband, die während des Abends tonganische Liebeslieder spielte und nach jedem Lied ging die Kavaschale rum. Irgendwie erinnerte mich der Kava an einen Kräutertee, den ich vor Jahren mal getrunken hatte, konnte aber nicht so ganz den Geschmack zuordnen.
Nach dem Kava wird gegessen, alles im Umu, einem Erdofen, in Linas Garten zubereitet. An diesem Abend habe ich auch Anna, Linas Mutter, kennen gelernt, die noch mit 75 Jahren zu ihrer Tochter nach Tonga ausgewandert ist und nun schon 2 Jahre dort lebt. Ich habe die alte Dame (und das ist sehr respektvoll gemeint!) für ihren Mut sehr bewundert und bin mit ihr am Sonntag drauf im Tongan Beach Resort Kaffee trinken gegangen und hab mir ihre Lebensgeschichte erzählen lassen. Ein sehr sehr interessanter Nachmittag!!

Freitagsabends bin ich immer ins Mana’ia gegangen, Semisi und seine Band haben guten alten Rock and Roll gespielt, zwar nicht so ganz meine Musikrichtung, aber sehr stimmungsvoll und fast nur Tonganer dort. Die Schwulen, Fakaleiti genannt, haben sich rührend um mich gekümmert und über ihr Leben und Treiben erzählt und mich gleich wie einen langjährigen freund aufgenommen.

Zum Frühstücken bin ich immer ins Crow’s Nest zu Tess und Steve gegangen. Dort gab es eine Vitaminbombe genannt Monkey Shake. Tess ist eine unwahrscheinlich nette und freundliche Frau, mit der ich mich über die typischen Auswandererfreuden, aber auch Probleme, lange unterhalten habe. Waren sehr, sehr ähnlich den meinigen Erfahrungen in der Karibik.

Mittwochs macht Günter, ein Schweizer, in seinem Restaurant „Dancing Rooster“ immer ein BBQ, sehr lecker und kostet ca. Euro 12 pro Person.

Habe dann noch, gegenüber der Bounty Bar, für 2 Tage einen Scooter gemietet, pro Tag für ca. Euro 25 und habe mal alleine die Insel erkundet. Da Verkehr so gut wie nicht vorhanden, hat es mir sehr viel Spass gemacht, zumal alle Menschen, insbesondere die Kinder, mir zugewunken haben. Ich bin sogar verantwortlich für den Unterrichtsausfall an einer Zwergschule, als ich ins Dorf reinkam, rief ein kleines Mädchen von der Schultüre aus „Palangi, Palangi!“ und alle rannten aus dem Klassenzimmer, um mich zu bestaunen und zu begrüssen. Ein kleiner Vorwitz wollte mit meinem Scooter mitfahren und weil er soooo lieb fragte, hab ich ihn 20 Meter mitgenommen. Oh, wie stolz kehrte er zu seinen Freunden zurück-)))) .

Nun war dann irgendwann mein wunderschöner Urlaub vorbei und ich musste wieder zurück nach Hause in die Karibik. Ist ja nicht so richtig schlimm, wenn man von einem schönen Fleck zum anderen muss, gelle? Semisi hat mir dann noch geholfen, dass alles mit dem Rückflug (siehe oben) geklappt hat und seit vielen Jahren zum ersten Mal war es ein Abschied mit Tränchen. Aber ich plane schon fürs nächste Jahr: ich komme wieder!!!!!

Zum Abschluss noch ein paar Hinweise: Tonga ist ein sogenanntes Dritte-Welt-Land, d.h. schlechte Strassen, unzureichende Infrastruktur wie Ärzte, Krankenhaus (es gibt eins aber....), Trinkwasser ist gesammeltes Regenwasser (wie bei uns in der Karibik), da mineralarm etwas laff im Geschmack, aber mit Eiswürfeln oder, wenn nicht vorhanden, mit dem Saft einer Lime schmeckt es gut. Stromausfälle kommen des öfteren vor, Service ist mangels Schul- und Berufsausbildung arg unterentwickelt. Also immer Geduld mitbringen, lieber 2 mal fragen und immer höflich darum bitten, dass einem geholfen wird! Durch die mangelnde Ausbildung können sich die Menschen nicht immer vorstellen, was man als Tourist eigentlich will. Und, wie in der Karibik, hat man für alles und jedes alle Zeit der Welt, also bitte nicht hetzen und ungeduldig werden.

Als Souvenirs gibt es wunderschöne Flechtarbeiten, bemalte Rinden und Schnitzarbeiten aus Knochen etc. Leider haben die USA und Neuseeland Probleme bei der jeweiligen Einreise damit und ich habe in Auckland selbst gesehen, wie Touristen dann alles dort lassen mussten, da alles Gepäck auf sogenannten Biohazard gescannt werden. Das man dann alles auf dem polynesischen Markt in Auckland zu 4 mal teureren Preisen kaufen kann, entzieht sich meiner Logik, ich denke auch, dass der höhere Profit sicherlich NICHT nach Tonga geht......

Ich habe meine Souvenirs dann einfach per Paket nach Hause geschickt, für die Ungeduldigen: Es gibt auch DHL, FEDEX und UPS, etwas teuer aber innerhalb von einer Woche alles da.

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mahimahi
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Meine Reise nach Tonga

Ungelesener Beitrag von mahimahi » 24 Jan 08 22:50

Hallo Delfina,

Danke schön für deinen ausführlichen Bericht. Es freut mich als "Wahl-Tonganer", dass du die Gastfreundschaft der Menschen und die Schönheit des Landes offenbar von ihren besten Seiten kennenlernen konntest.

Um in diesem Forum die Beiträge recherchierbar zu halten, legen wir immer grossen Wert auf die "1 Frage - 1 Beitrag" Regel. Da dein Beitrag nun aber soviele verschiedene Aspekte erhält und wir aber auch auf keinen Fall darauf verzichten wollen, dass andere User davon profitieren und auch Fragen zu den einzelnen Themen stellen können, werden wir wie besprochen diesen Thread hier jetzt zwar schliessen, jedoch mit der AUSDRÜCKLICHEN BITTE, dass jeder, der zu einem der in deinem Bericht angesprochenen Themen einen Beitrag leisten möchte, dies bitte in einem thematisch separaten Thread machen soll - oder einen schon vorhandenen Thread weiterführt, sofern das Thema bereits im Forum angesprochen wurde.

Nochmals herzlichen Dank für die Arbeit, die du dir mit dem Bericht gemacht hast - und damit verbunden auch die Einladung an andere User, ihre Reiseerlebnisse aus Tonga hier zu posten, damit möglichst immer neue Erfahrungen ausgetauscht werden können.

Gruss,
Mahimahi

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