Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

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phileas
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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von phileas » 24 Jan 13 12:03

Hallo,

mich beschäftigt die Frage, ob ich auf meine Asien-Reise grundsätzlich eine kompakte Digitalkamera mitnehmen soll oder nicht.

Fotos sind toll, aber mit einer Kamera im Gepäck zuckt es einem dauernd in den Fingern, irgendwas zu fotografieren. Man muss sich schon ziemlich zusammenreißen, um seine Umgebung nicht permanent abzufotografieren anstatt sie wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen (soo viele Touristen machen das, ich finde es abscheulich)

Außerdem wirkt eine Kamera immer relativ wertvoll und ist ein Gegenstand mehr, auf den man aufpassen muss.

Das Argument FÜR die Kamera sind natürlich die Fotos, die man anschließend hat. Für meine bisherigen Reisen sind die Fotos, die ich jetzt habe, allerdings nur "ganz nett", das Wichtigste, Wertvollste und Bleibende ist für mich die Erinnerung und das, was man bei anderen Menschen gelernt hat.

Auf meiner letzten T ürkei-Reise habe ich eine alte analoge Spiegelreflexkamera mitgenommen. Die ist viel zu schwer, empfindlich und sieht viel zu teuer aus. Der Vorteil war bei nur drei Filmen im Gepäck, dass ich mir jeden Tag genau überlegt habe, was ich fotografiere. Die Fotos der Reise sind sehr gut geworden, aber ich würde nie mehr so ein Riesenteil mitnehmen.

Ich bin gespannt auf eure Meinungen. Ich vermute, dass auch der eine oder andere dabei ist, der (z. B. genau wie bei Handies) grundsätzlich keine Kameras mitnimmt.

Liebe Grüße,
phileas

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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 24 Jan 13 16:14

Hallo :)

Meinst Du damit überhaupt keine Kamera (Fotohandy) / Fotos?
Da würde mir was fehlen.
Unsere Meinung & Erfahrung dazu haben wir ausführlich mit anderen Infos zur richtigen Reisekamera-Wahl samt Zubehör im
-> Workshop Reisekamera
geschrieben.


LG :)

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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von Astrid » 24 Jan 13 21:58

Hallo phileas :)
phileas hat geschrieben:Fotos sind toll, aber mit einer Kamera im Gepäck zuckt es einem dauernd in den Fingern, irgendwas zu fotografieren. Man muss sich schon ziemlich zusammenreißen, um seine Umgebung nicht permanent abzufotografieren anstatt sie wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen (soo viele Touristen machen das, ich finde es abscheulich)
Diesen Satz kann ich Dir spätestens seit meinem letzten Sonnenuntergang aus tiefstem Herzen nachempfinden, als fast jeder am Strand mit typischer Handbewegung seine Kamera in 30 cm Entfernung der Sonne entgegen richtete (ich sage nur Matrix ;)) - weiß aber auch, dass ich vor allem zu Beginn unserer Reise die Finger ebenfalls nicht von der Kamera lassen konnte :lol:.

Ich bin froh um meine Erinnerungsphotos, gerade weil ich an Hand der Bilder überhaupt erst merke, wie viel und wie schnell ich vergesse.

Meist habe ich auch heute noch die Kamera in der Tasche, wo sie aber imm häufiger auch bleibt. Aus dem gleichen Grund, den Du auch schon angesprochen hast: um meine Umgebung wahr zu nehmen, Teil zu sein, nicht Beobachter...
phileas hat geschrieben:Außerdem wirkt eine Kamera immer relativ wertvoll und ist ein Gegenstand mehr, auf den man aufpassen muss.
Zum Sicherheitsaspekt siehe bitte den verwandten Thread: Soll ich meine Kamera auf Reise mitnehmen? Diebstahlgefahr? .

Um Deine Frage zu beantworten:
Grundsätzlich würde ich eine Kamera mitnehmen - allein schon um die Wahl zu haben :).

Liebe Grüße
Astrid
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jot
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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von jot » 25 Jan 13 8:08

Ich hatte früher teilweise keine Kamera auf Reisen dabei (teils aus oben geäußerten Bedenken, teils weil einfach jedes Gramm im Rucksack zählte), im Nachhinein bereue ich nun allerdings von diesen Reisen keine Fotoerinnerungen zu haben.

Chester
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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von Chester » 25 Jan 13 10:20

Es stimmt, die Gefahr die Welt nur den Sucher einer Kamera zu betrachten ist wirklich groß, bei mir werden es auf jeder Reise mehr Fotos.

Eine Kamera kann sehr protzig wirken, besonders wenn man sie offen am Körper mit sich rum trägt.

Allerdings haben meiner Erfahrung nach inzwischen gerade in Asien die meisten einheimischen Touristen ebenfalls einen Fotoapparat oder ein Fotohandy und die meisten Asiaten fotografieren gerne. So exotisch ist man dann mit seinem Fotopparat gar nicht.

Da ist für mich der Hauptgrund eine Kamera mitzunehmen, nämlich um Menschen fotografieren zu können und ihnen die Bilder zeigen zu können, ausdrucken lassen und zuschicken oder was auch immer. Es macht einfach Spass sich z.Bsp. verkleiden zu lassen und dann von der ganzen Familie ablichten zu lassen. Es müssen ja nicht immer Sehenswürdigkeiten sein.

Praktisch finde ich auch, dass man Bilder löschen kann bei einer Digitalkamera und somit auch nicht mehr soviel Müll anfällt wie früher.

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Ungelesener Beitrag von Der_Felix » 26 Jan 13 0:38

Irgendwie musste ich beim Lesen an den Autor Erich Fromm und seine Überlegungen zum Thema "Haben und Sein" denken:

Das Fotografieren entspricht hier dem Haben, also dem Drang, den Moment festzuhalten und - im negativen Sinne - zu besitzen. Ihn einfach zu genießen, ohne ihn krampfhaft festhalten bzw. fotografieren zu wollen, wiederum läuft unter dem Schlagwort "Sein". Letzteres ist nach Fromm die erstrebenswerte Einstellung.

Ich kann das bedingt nachvollziehen. Attraktion nach Attraktion abzuklappern, bloß um sie gesehen und vor allem fotografiert zu haben, klingt in den Ohren eines echten Travellers schlicht schrecklich. Trotzdem würde ich nie auf meine Kamera verzichten wollen.

Zum einen ist das Fotografieren für mich eben auch ein Hobby. Auf Reisen schöne Fotomotive zu suchen und festzuhalten ist für mich ein wichtiger Teil der Reise. Vor allem aber freue ich mich noch Jahre später an den Aufnahmen. Seien es nun Schnappschüsse von einem besonderen Moment mit anderen Reisenden oder schöne Orte richtig festgehalten. Missen möchte ich das nicht und mit "Haben" hat das für mich auch nichts zu tun, wenn man unterwegs nur offen genug ist, auch das "Sein" zuzulassen.
Wer immer nur in die Fußstapfen anderer tritt hinterlässt keine eigenen Spuren!
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Ungelesener Beitrag von mzungu-daudi » 26 Jan 13 6:56

Der_Felix hat geschrieben:Zum einen ist das Fotografieren für mich eben auch ein Hobby. Auf Reisen schöne Fotomotive zu suchen und festzuhalten ist für mich ein wichtiger Teil der Reise. Vor allem aber freue ich mich noch Jahre später an den Aufnahmen
Geht mir hier ziemlich ähnlich. Ich kann mir gar nicht vorstellen ohne Kamera zu reisen - wobei ich meistens einen Kompromiss eingehe. Wenn ich zB in einer Stadt ankomme gehe ich als erstes bewusst ohne Kamera durch die Straßen um das Feeling mitzukriegen und mit dem Auge zu entdecken. Anschließend beim zweiten Spaziergang ist dann die Kamera mit. Und gegen die Angst dass sie verloren/geklaut/kaputt geht hab ich meine Kamera versichert. Dann ist es zwar Schade um die Fotos die schon am selben Tag gemacht worden, aber es ist kein finanzieller totalverlust.

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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von flymaniac » 26 Jan 13 12:56

Ohne Kamera reisen ?

Unmöglich. Es ist nicht der Moment des fotografierens der mir wichtig ist. Es ist die Vegangenheit.

Vor über 20 Jahren bin ich mit einer einfachen analogen Kamera und Diafilme losgereist. Jetzt bin ich so froh das ich es getan habe. Nach so vielen Jahren und reisen könnte ich mich ohne die Bilder an vieles gar nicht mehr erinnern. Auch nach so langer Zeit ist es schön zu sehen das man die Berghütte für sich alleine hatte wo heute ein großer Parkplatz mit viele Autos ist. Die einsame Hütte ist heute ein lautes Hüttenhotel mit Restaurant und Spielplatz geworden.

Ich zumindest kann mich dran erfreuen das ich das noch anders erlebt habe und ohne die Bilder könnte ich es fast nicht glauben.

Ich kann mir vorstellen das du an den heutigen Bildern die du machst Dich in Zukunft ein mehrfaches drüber freuen wirst. Mein Tipp: Nimm die Kamera mit und mach Bilder. Speichern, Sicherheitskopie und in einigen Jahren .... freust Dich drüber.
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phileas
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Grundsätzlich: Kamera mitnehmen oder nicht?

Ungelesener Beitrag von phileas » 28 Jan 13 18:19

Danke für die vielen Antworten! Ihr habt mich dazu bewogen, die Kamera wahrscheinlich mitzunehmen - um einfach, wie Astrid geschrieben hat, die Wahl zu haben. Ich habe es z. B. in Istanbul schon so ähnlich gemacht wie mzungu-daudi: Ich habe die Kamera bis zum letzten Tag nicht mitgenommen, mir aber gemerkt, was ich fotografieren will. Manche Sachen habe ich mir auch aufgehoben, z. B. bin ich am letzten Tag dann mit meiner Kamera auf den Galata-Turm gegangen (schrecklich voll), aber es sind phantastische Bilder vom Bosporus und vom Goldenen Horn geworden.

Felix, mit deinem Kommentar hast du meine mentale Bücherliste um einen Autor erweitert. Der Gedanke mit dem "Haben und Sein" trifft meine Sorge exakt. Der Mittelweg besteht, wie du geschrieben hast, wohl darin, beim Fotografieren das Sein, also das Erleben und Auf-sich-wirken-lassen des Moments zuzulassen und das Fotografieren nicht als Übersprungshandlung zwischen sich selbst und seine Umgebung zu stellen.

Es ist übrigens ein interessantes Diskussionsthema, finde ich ... ob man eine Kamera mitnimmt oder nicht, hat sehr viel mit der eigenen Vorstellung des Reisens zu tun! :)

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