Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

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Silvana
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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Silvana » 27 Sep 09 21:08

Hallo :wink:

Ich habe große Angst vor allem was irgendwie krabbelt, insbesondere vor Spinnen.

Um meine Angst vor Spinnen in den Griff zu bekommen habe ich vor, eine Therapie zu machen.

Nun meine Frage: Hat schonmal jemand hier eine Angsttherapie gemacht, der eine Schlangenphobie und / oder Spinnenphobie hatte bzw. noch hat und kann einige Erfahrungen beschreiben? Das würde mir meine Angst vor der Therapie vlt etwas nehmen ;-)





[Beitrag einzelthematisiert aus einem anderen Phobie-Thema]

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Astrid
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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Astrid » 30 Sep 09 2:51

Hallo Silvana :)

Bevor hier jemand seine eigenen Erfahrungen mit der Therapie einer Spinnen- oder Schlangenphobie beschreibt, möchte ich Dir als Psychotherapeutin quasi "von der anderen Seite" ;) schon mal ein paar ganz allgemeine Informationen geben, die Dir hoffentlich schon mal einen Teil Deiner Ängste vor einer Therapie nehmen.

Angst vor Schlangen und / oder Spinnen kennen in unterschiedlichem Ausmaß viele Menschen und auch evolutionsgeschichtlich gibt es einige reale Gründe für die Furcht vor einigen Vertretern dieser Spezies.

Daher ist nicht jeder, dem Spinnen oder Schlangen unangenehme Zeitgenossen sind und zu denen er / sie gerne etwas Abstand hält, therapiebedürftig.

Wenn jedoch die Angst vor "allem was irgendwie krabbelt" so groß wird, dass man sich durch sie im Leben oder im Alltag einschränkt fühlt (wenn z.B. Verandatüren nicht mehr offen stehen gelassen werden können, Krabbeltiere innerhalb der Wohnung nicht selbständig entfernt werden können, jemand selbst in "Krabbeltierfreien" Gegenden nicht in der Lage ist durch hohes Gras zu laufen oder in einen Zoo / Tierhandlung zu gehen - wenn selbst Photos von Spinnen und / oder Schlangen nicht angesehen werden können, ohne dass jemand Schweissausbrüche und Angstgefühle bekommt), dann ist eine Therapie in eigenem Interesse sicherlich sehr empfehlenswert. Zumal falsche Angstbewältigungsstrategien dazu führen können, dass sich Phobien verstärken und ausbreiten.

Die Kurzzeittherapie von Phobien (oft <15 Sitzungen) fällt vor allem in das Resort von Verhaltenstherapeuten. Vereinfacht gesagt wird da symptomorientiert gearbeitet, Du lernst, keine Angst mehr vor dem äußeren Angstauslöser zu haben.
Längerfristig und eher Ursachen aufdeckend wäre die Angstbehandlung bei tiefenpsycholgisch orientierten Therapien.

Wichtig für Dich ist vermutlich zu wissen, dass Du die Vorgehensweise ebenso wie Dein Ziel, dass Du durch die Therapie erreichen möchtest, in den ersten Stunden gemeinsam mit Deiner/m Therapeutin/en besprichst!

Die Motivation ebenso wie die letztendliche Entscheidung für eine Therapie von Phobien ist bei den meisten Menschen abhängig von ihrem Leidensdruck, d.h. nur Du selbst weißt, wann der Zeitpunkt für eine Therapie richtig ist und dass Du sie machen möchtest.
Erfahrungsgemäß berichten im Nachhinein jedoch viele Patienten/innen, dass sie sich fragen, warum sie so lange mit der Therapie gewartet und sich mit ihren Ängsten geplagt haben, statt früher etwas für eine Verbesserung ihrer Lebensqualität getan zu haben ;).

Falls Du Fragen hast, die Du gerne persönlich beantwortet hättest, kannst Du uns auch über unsere Hotline -> siehe http://www.worldtrip.de/Weltreise-Servi ... enter.html erreichen.

Zusätzlich gibt es einige Bücher, die Dir den Einstieg in eine Angsttherapie erleichtern können.
Als sehr hilfreich für Angsttherapien hat sich z.B. eines der Bücher von Doris Wolf: Ängste verstehen und überwinden. Wie Sie sich von Angst, Panik und Phobien befreien erwiesen.

Ich hoffe, das hilft Dir schon mal ein wenig ruhiger weiter über eine Therapie nachdenken zu können!

Liebe Grüße
Astrid
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Silvana
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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Silvana » 30 Sep 09 11:41

Hallo Astrid,

erstmal ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich denke bei mir ist eine Therapie in jedem Fall angebracht, eigentlich alle von dir angeführten Beispiele treffen bei mir (leider) zu, ohne Fliegengitter mache ich z.B. kein Fenster auf und nicht einmal gemalte Spinnen etc. kann ich ansehen... Natürlich schränkt mich das ein, z.B. kann ich es nicht genießen im Sommer abends bei Licht draußen zu sitzen, weil ich immer damit rechne, dass im nächsten Moment ein Insekt angeflogen/angekrabbelt kommt. Und insb. mit Blick auf meine geplante Reise denke ich, dass es wirklich an der Zeit ist, meine Angst zu bekämpfen.

Mein Problem b.z.w. was mich schon lange von einer Therapie zurückhält ist nur, dass ich mir so gar nicht vorstellen kann, dass meine Angst durch ein paar Sitzungen abgestellt werden kann. Es steht zwar überall, dass die Erfolgschancen einer Verhaltenstherapie bei Ängsten sehr groß sind, genaue Zahlen, insb. speziell bei Spinnenphobien, konnte ich nicht finden.

Ich denke das Buch Ängste verstehen und überwinden. Wie Sie sich von Angst, Panik und Phobien befreien von Doris Wolf, das du empfohlen hast, werde ich mir zur Vorbereitung holen, um schonmal etwas über die möglichen Hintergründe meiner Angst zu erfahren. Aber auch wenn in den Rezensionen viele schreiben, dass sie es allein mit dem Buch geschafft haben, kann ich mir das nun noch weniger für mich vorstellen als den Erfolg einer 'richtigen' Therapie, sodass ich mich wohl auf jeden Fall an einen Therapeuten wenden werde. Zumindest den Versuch denke ich ist es wert.

Mit deinem Beitrag hast du mir auf jeden Fall nochmal klar gemacht, dass eine Therapie wirklich Sinn macht und die Tatsache, dass ich selbst mit über die Vorgehensweise entscheide (keinen Schritt zu dem ich nicht bereit bin etc.) hilft mir zumindest etwas. ('Nur' etwas, weil ich immer noch denke, dass die Therapie unangenehm und anstrengend wird, auch wenn ich zu nichts gezwungen werde.)

Vielen Dank in jedem Fall an dich, Astrid.

LG, Silvana

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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von pukalani » 30 Sep 09 18:31

Liebe Silvana,

Astrid hat ja schon das Wichtigste aufgeführt, daher hab ich gar nicht mehr soviel zu sagen. Aber was hierzu:
...weil ich immer noch denke, dass die Therapie unangenehm und anstrengend wird, auch wenn ich zu nichts gezwungen werde
Dem kann ich (leider) nicht widersprechen. Therapie ist anstrengend und kann gerade bei Ängsten unangenehm und anstrengend sein. Nach Sitzungen bin ich oft ausgelaugt und erschöpft. Aber dauerhaft befreit sie uns vom engen Korsett der Ängste. Und mit denen zu leben, ist auch nicht gerade easy-peasy... ;)

Insofern können "wir" auf lange Sicht nur gewinnen.
Auch wenn's erstmal *aua* macht.

Ganz wichtig: Treff Dich ruhig mit mehreren Therapeuten zum Vorgespräch. Keine Versicherung wird Dich "zwingen" beim ersten Thera zu bleiben. Schau Dich um, unterhalte Dich mit denen und hör Dir an, was sie raten, wie (und ob) sie Dir zuhören und ob Du Dich wohl fühlst. Wenn nicht: weiter zum nächsten.

Der Weg kann anstrengend sein.
Aber mE lohnt er sich.

Liebe Grüße,
Lani

PS: Am besten hängst Du Dir ein großes Poster von Deinem Lieblingsreiseziel in die Wohnung. Das kann für die Momente helfen, wenn man sich fragt, warum zum Geier man das alles durchmacht... :)

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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Astrid » 30 Sep 09 20:14

Silvana hat geschrieben:Mein Problem b.z.w. was mich schon lange von einer Therapie zurückhält ist nur, dass ich mir so gar nicht vorstellen kann, dass meine Angst durch ein paar Sitzungen abgestellt werden kann. Es steht zwar überall, dass die Erfolgschancen einer Verhaltenstherapie bei Ängsten sehr groß sind, genaue Zahlen, insb. speziell bei Spinnenphobien, konnte ich nicht finden.
Andersrum wird eher ein Schuh draus: Wenn Deine Ängste weiter laufen wie bisher, besteht vor allem die Aussicht einer Verschlimmerung, während eine kognitive Verhaltenstherapie selbst bei lange bestehenden Angst- und Panikstörungen hohe Erfolgsraten hat. Vielleicht motiviert Dich diese Aussicht ja zu einer entsprechenden Therapie ;).

Silvana hat geschrieben:... hilft mir zumindest etwas. ('Nur' etwas, weil ich immer noch denke, dass die Therapie unangenehm und anstrengend wird...
Das ist ein Argument, mit dem viele Menschen zur Psychotherapie kommen und das ich immer irgendwie schade finde, weil sie sich selbst damit den Weg so viel schwerer machen. Sicher, Du wirst während der Angsttherapie etwas Angst aushalten müssen (aber wenig im Vergleich zu einem angstbesetzten Alltagsleben!) oder in der tiefenpsychologischen Variante vielleicht ein paar unangenehme Erinnerungen durchleben.
Trotzdem: Hilfreicher finde ich es, den Blickwinkel darauf zu richten, was ich durch eine Therapie erhalte? Und eine Reduktion einer lebenseinschränkenden Angst halte ich für ein nicht zu unterschätzendes + an Lebensqualität :).

LG
Astrid
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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von pukalani » 01 Okt 09 9:21

@Astrid: Danke... genau SO meinte ich das...
Andersrum wird eher ein Schuh draus: Wenn Deine Ängste weiter laufen wie bisher, besteht vor allem die Aussicht einer Verschlimmerung, während eine kognitive Verhaltenstherapie selbst bei lange bestehenden Angst- und Panikstörungen hohe Erfolgsraten hat. (....) Hilfreicher finde ich es, den Blickwinkel darauf zu richten, was ich durch eine Therapie erhalte? Und eine Reduktion einer lebenseinschränkenden Angst halte ich für ein nicht zu unterschätzendes + an Lebensqualität
Liebe Grüße,
Lani

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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Silvana » 30 Okt 09 0:27

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Ich habe inzwischen übrigens einen Termin bei einer Psychologin vereinbart und hoffe dann in einigen Monaten positiv berichten zu können...

layla
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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von layla » 30 Okt 09 7:49

kenne das problem, habe es mit schlangen. und hatte daher grosse angst vor australien. habe dort dann tatsaechlich 1 gesehen, die war ca 2 m von mir weg und es war ganz anders als erwartet. ok sie war klein und harmlos aber habe nicht diesen angstzustand bekommen wie sonst immer. ich versuche mir schrittweise ranzu arbeiten. konnte mir erst keine auf bildern oder im tv anschauen mittlerweile geht das schon wieder.

habe aber auf jeden fall auch interesse sowas zu machen wenn ich wieder daheim bin. habe schon oefters im tv gesehen das dies mit hypnose gut klappt. mein freund sagt sogar, er bezahlt es, weil er es nicht mehr mit ansehen kann wie ich leide und immer angespannt durch einen wald laufe.
oder er immer alles kontrollieren muss - zb zimmer :wink:

Tiroler
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Phobien: Angsttherapie vor Reisen - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Tiroler » 31 Okt 09 19:49

Silvana hat geschrieben:Vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Ich habe inzwischen übrigens einen Termin bei einer Psychologin vereinbart und hoffe dann in einigen Monaten positiv berichten zu können...
Ich wünsche ihnen vorweg viel erfolg. Mögen sie und alle wesen frei sein von leid.

Ich selbst hatte eine spinnenphobie . In thailand habe ich für 8 wochen ein einzelretreat im wald gemacht.
Während dieser zeit musste ich meine behausung oft mit schlangen und spinnen teilen.
eines tages während ich auf einer bank verweilte, kitzelte etwas meinen fuss.
Ich blickte runter und sah unter meinem fuss links und rechts die beine einer spinne rausstehen. Nie zuvor hatte ich eine so grosse spinne live gesehen.
In meinem kopf spielte ich viele Szenarien ab. Sollte ich aufspringen und schreien (viele leute waren um mich herum :oops: ) oder ruhig bleiben und meinen fuss langsam heben..

ich hab mich fürs ruhig bleiben entschieden, passiert ist nichts , die spinne hatte sich aufgerafft und ist abgehauen.
seitdem ist meine angst weg.

geschichte 2:

Während meiner zeit als mönch kam ein junger deutscher zu mir und erzählte mir, dass rund um seine hütte irgendwelche wilden tiere und geister sind. er hatte fast todesangst.

ich hab ihn dann zu seiner hütte begleitet und hab ihm die "wilden" tiere gezeigt "ein paar streunende klosterhunde" und die geister waren nur bananenblätter die seine hütte streiften und die für ihn unbekannten insekten.

Lass dich nicht von deinen phobien unterkriegen, das ganze entsteht nur in deinem kopf.
vielleicht gehst du auch mal in eine zoohandlung und lässt dir eine vogelspinne zeigen und erklären.

wie gesagt alles gute.

martin
2 x China, 14 x Thailand, 3 x Neuseeland, 5 x Cook Inseln, 3 x Spanien , 2 x Jamaika, 2 x Kuba , 3 x Frankreich, 2 x Schweiz, 1 x Brasilien, 1 x Dubai, 1x Nepal, 1 x Kenia, 4 x USA, 1 x Indien, 1 x französisch Polynesien, 2 x Kambodscha, 1 x Australien. Unzählige Male in Deutschland und Italien, England (nur London), Ägypten, Kroatien, Slowenien

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