Reisebericht: Trampen von Lissabon nach Wien

Nach längerem Reiseleben ist nichts mehr, wie es vorher war: Die Heimat nicht und man selbst schon gar nicht. Und dann trotzdem: Business as usual?
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MarkusbummeltumdieWelt
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Reisebericht: Trampen von Lissabon nach Wien

Ungelesener Beitrag von MarkusbummeltumdieWelt » 23 Sep 10 16:18

Von Lissabon nach Wien in fünf Tagen, Trampen macht Spass!

In der Lobby meines Hostels arbeitete Filipe, ein lieber und netter Portugiese. Ich fragte ihn nach einer Karte von Europa. Und ob er mir sagen könnte, welches eine für mich günstige Autobahn sei.
Als ich ihm erzählte, dass ich vorhatte zu Trampen, fragte er mich ungläubig: „Wie? Trampen? Von Lissabon nach Wien? Österreich?“ Ich lächelte und nickte.

Der Sprung ins kalte Wasser

Filipes Mutter hatte zufällig am nächsten Tag Geburtstag, also müsste er nach Norden, und er bot mir an zusammen mit seinem Cousin und dessen Partnerin bis Torres Novas zu fahren. Dort könnten sie mich absetzten.

Sie verspäteten sich um fast eine Stunde und ich hatte schon Angst, dass es bloß eine leere Versprechung gewesen ist. Doch als ich ihn anrief sagte er, das sie schon auf der Hauptstraße stehen würden.
So war es, 5 Minuten später ging es los.

In Torres Novas haben sie mich abgesetzt, mit Glückwünschen und Sorgen. Ich könne jederzeit anrufen, am Abend würden sie wieder vorbeikommen. Es gäbe hier günstige Hotels und Restaurants und und und... ;-)
Wir verabschiedeten uns und ich stellte mich mit meinem den ersten zwei Stück meiner Kartonbox, die ich mir besorgt hatte, und meinem dicken, schwarzen Edding an den großen Kreisverkehr.
Ich schrieb Salamanca und Spain auf meine Schilder und wartete gespannt und voller Vorfreude auf das erste vorbeikommende Auto. Es war ein wunderschöner Tag, warm und sonnig.

Nach einer halben Stunde, mitgenommen hatte mich noch keiner, aber die meisten lächelten mich freundlich an, und waren sichtlich darüber amüsiert, dass da einer den ganzen Weg bis nach Spanien trampen wollte. Ich dachte mir, wenn die wüssten..., hielt ein Mann mit seiner Partnerin und sagte mir, dass ich an der falschen Straße warten würde, dies sei eine Landstraße, ich solle mich dort drüben auf die Autobahn stellen, hier würde ich kein Glück haben. Erst dachte ich mir, der Typ verarscht mich hier, doch als wir uns ein bisschen unterhalten hatten, begann ich ihm zu vertrauen und befolgte seinen Rat.

So ging ich um den Kreisverkehr herum, die Einfahrt hoch und ca. 30 Meter die Autobahn hinunter. Als schon die erste Frau vorbei fuhr, und mich wild fuchtelnd mit erhobenem Zeigefinger wohl darauf aufmerksam machen wollte, dass es verboten sei, was ich hier tue.

Eine weitere halbe Stunde verging, keiner hielt an. Aber viele winkten mir zu und ein paar Jungs schrien anerkennend aus den Fenstern. Das hat mich sehr gefreut.
Dann, ein Trucker, er gab mir ein Zeichen, bremmste seinen LKW runter und hielt an. Ich machte einen Freudensprung und lief zu ihm hin. Mein Schild mit „Salamanca“ hatte ich mittlerweile durch Castel Branco ersetzt. Es schien mir klüger, außerdem hatte ich ja Zeit.

Auf gings nach Castelbranco. Der Trucker, Pedro, ein Russe, der seit Jahren in Portugal lebt, brach ich Gelächter aus, als ich ihm erzählte, ich habe vor bis nach Wien zu trampen. Um so mehr freute ich mich über meine Entscheidung.

Er setzte mich an einer Autobahnraststette nahe Castel Branco ab.
Dort stellte ich mich in den Schatten und wartete auf den nächsten. Drei Polizeiwagen kamen an und die Herrschaften, so schien es mir, bewegten ihre Blicke sehr oft in meine Richtung. Doch als sie vorbei fuhren, ich meinen Daumen hoch streckte und freundlich lächelte, winkten sie mir zu und fuhren weiter.
Ein nettes Pärchen an die 50 mit einem schicken Mercedes nahm mich mit bis an die Grenze. Villa Formosa. Es war gerade mal 18.00. Ich hatte es in sechs Stunden durch ganz Portugal geschafft.

Ich entschied erst einmal zu Abend zu essen. Ein wunderbares Käseomelett dazu Pommes, ein ein paar Oliven, Öl, Brot und ein Magnum Eis, alles zusammen für ca. 8 Euro. Ich war begeistert. Was 300 Kilometer für einen Unterschied machen können.

50 Meter weiter gab es einen riesigen Rasthof für LKW. Kaum kam ich auf den Parkplatz, ging ein junger Mann an mir vorbei. Er war so jung, dass ich ihn unsicher fragte, ob er ein Fahrer sei. Er bejahte, fragte wo ich hinwolle, sagte, gehe in Ordnung, er brauche nur noch ein paar Kippen. Fünf Minuten später saß ich in seinem Truck. Wir waren unterwegs nach Burgos- Spanien. Er war ein netter Kerl, und doch hat er mir Angst gemacht. Denn, das erste was er sagte war: „Ich nehme selten Leute mit, ich kann ja nicht wissen ob du vor hast mich umzubringen.“ Das zweite war: „Ich rauche Heroin. Natürlich nicht beim Fahren, ist zu gefährlich, wegen Polizeikontrollen.“ Dann zeigte er mir ein paar Schachteln mit Tabletten, die ihn auf den Fahrten beruhigen sollten. Ich dachte mir, puh, da schnall ich mich mal besser an, nur, die Anschnallaparatur war kaputt.
Plötzlich, Stunden später, fuhr er auf eine dunklen Autobahnparkplatz ohne Lichter ohne Restaurant. Es gab nur eine Toilette und hohe Bäume. Ich hab richtig Angst bekommen. Er sagte, ihm fiele grad ein, dass der Kühlschrank kaputt sei und er müsse sein Essen nach hinten bringen. Während er dies Tat holte ich vorsichtig mein großes Messer aus meinem Rucksack und steckte es in meine Tasche bereit zu allem falls nötig. Er fragte mich, ob ich die Kekse sehen wolle, hinten, im Kühlwagen. Ich lehnte dankend ab.
Ich war wahnsinnig nervös. Nach fünf Minuten stieg er wieder ein und fuhr los. Nach einer halben Stunde mit meiner Hand an meinem Messer hatte ich mich langsam wieder beruhigt. Wir kamen wieder ins plaudern. Und kurz darauf hatte ich meine Angst wieder vergessen. Nur, meine Vorsicht nicht. Die blieb mir erhalten, auch bei allen weiteren Fahrten.

Wir hielten in Burgos auf der großen Raststätte an. Aßen zusammen, verabschiedeten uns freundschaftlich und gingen getrennte Wege. Ich entschied mich noch einmal für ein Hotelzimmer, ich wollte Baden und ausgeruht sein, für den nächsten Tag.

Nachdem ich alle Trucker, die ich fand auf dem großen Parkplatz angesprochen hatte, aber keiner in meine Richtung fuhr, oder mich mitnehmen wollte, oder gar nicht erst fahren durfte, weil und dass ist sehr wichtig, an Sonntagen dürfen nur Kühlwagen durch Frankreich fahren. Alle anderen müssen bis am Abend warten und dürfen erst ab 0.00 über die Grenze.

Also stellte ich mich an die Ausfahrt und wartete. Meine neuen Schilder... Vitoria/France.

Eine halbe Stunde verging. Und José hielt an. Ein portugiesischer Trucker mit einem schicken neuen Truck bequemen sitzen und sogar automatischem Raumspraysprüher. Er war so nett, ich hätte fast weinen müssen. Wir hörten tolle spanische Musik und er sang ganz leise und etwas schüchtern mit. Er war ein kräftiger Mann mit Glatze und bösen scharfen Augen. Und doch hatte er so etwas liebes an sich. Er hatte eine Tätowierung auf seinem Unterarm. Marianna, der Name seiner Frau und Bilder, die seine Tochter gezeichnet hatte im Truck befestigt. Er sprach Portugiesisch, Spanisch, Englisch und etwas Deutsch. Ich war begeistert und fragte ihn: „Du sprichst vier Sprachen?“ Er nickte stolz und räusperte sich gleichzeitig leicht beschämt. Ich hätte ihn am liebsten in den Arm genommen.

Es war leider eine sehr kurze Fahrt. Nach drei Stunden waren wir auf eine riesigen Raststätte nahe Vitoria angekommen. Ich aß zu Mittag und fertigte ein neues Schild an. Bordeaux.

Der Nachmittag verging, ich hatte immer noch das selbe Problem. An Sonntagen fahren nur „Frigos“ nach Frankreich.
Also legte ich mich auf einer Wiese in den Schatten und wartete.
Nach kurzer Zeit sprach mich ein Mann auf einem Fahrrad ein. Lud mich auf ein Bier ein und wir verquatschten uns die Zeit. So wie er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder. Als ich vom Klo zurück war, war er nicht mehr da. Und leider hatte ich nicht auf die Uhr gesehen. Es war schon nach 22.00. Die meisten Trucker wahren schon losgefahren.

Doch ich hatte Glück Pedro, Portugiese. Er nahm mich mit. Vorher musste ich allerdings die Schuhe ausziehen. Die Fahrerkabine seines Trucks wahr auf Hochglanz poliert. Kein Krümel und kein Stäubchen auf den Teppichen. Ich war beeindruckt. Das war die längste und anstrengendste Fahrt. Neun Stunden durch die Nacht in denen ich nicht Schlafen konnte. Die Klimaanlage lief auf Hochtouren und kühlte die Kabine auf 15 Grad. Das Radio lief laut und selbst als die CD 5 Minuten am Stück steckte, machte er es nicht aus. Ich glaube er wollte nicht dass ich schlafe. Er hätte lieber eine Unterhaltung geführt.

Völlig erschöpft stieg ich um 7.30 aus seinem Truck aus. Auf irgend einer Tanke in der Nähe von Montlucon. Ich baute mein Zelt zwischen ein Paar Bäumen auf und schlief wie ein Baby.

Am Nachmittag fertigte ich ein neues Schild und zog meinen Pulli und meine Regenjacke an.
Ah – Frankreich. Der Sommer war vorbei.

Ich stellte mich neben die Ausfahrt und wartete. Ich musste feststellen, dass hier etwas anders war. Die Vorbeifahrenden ignorierten mich. In Portugal und Spanien lächelten mir noch viele zu. Doch hier, in Frankreich taten viele so, als ob sie mich gar nicht sehen würde. Die Stunden vergingen. Plötzlich hielt ein ältere Mann in seinem PKW in meiner Nähe. Ich winkte ihm zu. Er sah mich noch immer an, also ging ich zu ihm und fragte ihn, ober er mich bis nach Beaune mitnehmen könnte. Er starte mich nur an und erwiderte etwas auf Französisch das ich nicht verstand. Ich sagte ihm dass ich ihn nicht verstünde, worauf er mich immer noch anstarrte. Ich sagte ihm ein freundliches Good bye und ging. Nach zehn Minuten sah ich abermals zu ihm hin und musste feststellen, der miese Drecksack holt sich hier grad einen runter, während er mich anstarrt. Dann stand ich erst mal da. Und dachte mir: „Was tust du jetzt“
Erst versuchte ich nicht daran zu denken und hielt weiter brav mein Schild hoch, den vorbeifahrenden Autos entgegen. Doch ich fühlte mich derart Benutzt, dass es mir keine Ruhe ließ. Dann kam mir die rettende Idee. Mir viel ein, ich habe ja noch meine Digitalkamera. Also holte ich sie raus und photographierte das Nummernschild meine Freundes und zwar so, dass er sehen konnte was ich tat. Dann winkte ich ihm zu und holte mein Telephon heraus. Ich machte ihm das Zeichen eines Blaulichtes und das Geräusch einer Sirene sowie Hände in Handschellen. Dann lachte ich ihn an. Das hat ihm wohl nicht gefallen. Ruckartig ließ er seinen Wagen an und fuhr davon. Am nächsten Tag habe ich auf einer Raststätte die Polizei gerufen und ihn angezeigt. Die beiden älteren Damen, angestellte im Restaurant ,waren köstlich amüsiert, als der Polizist ihnen erzählte was passiert sei. Ich ebenso.

Zwei liebe polnische Trucker nahmen mich bis in die Nähe von Beaune mit. Es war schon Nacht. Ich war müde und es regnete. Also nahm ich mir nochmal ein Hotelzimmer.
Am nächsten Tag, ich hatte bereits alle Trucks verpasst, denn der Parkplatz an dem in der Nacht noch 100 LKWs standen war leer, stellte ich mich bei strömendem Regen an die Ausfahrt. Nach einigen Stunden kam Alberto, ein Trucker aus Spanien. Er war ein lustiger, und musste die ganze Zeit über reden und Witze machen. Er brachte mir zahlreiche Schimpfwörter und eine Vielzahl spanischer Ausdrücke für Vagina bei. Ein paar Stunden später und um viele Wörter reicher kam ich auf einer Tankstelle nahe Besancon an. Da es hier nur wenige Trucks gab, stellte ich mich vor die Raststätte und fing an alle Menschen anzusprechen, ob sie mich vielleicht bis nach Straßburg mitnehmen könnten. Auch den Mann mit dem Ferrari.

Es regnete immer Stärker und meine Sachen waren nass. Mir verging langsam die Lust. Ich hatte es vor der Raststätte aufgegeben und mich wieder an die Ausfahrt gestellt. Nach zwei Stunden, ich hatte ja keine Schuhe, nur Sandalen und meine Socken waren schon lange durchnässt und ausgezogen und mir war richtig kalt, hatte ich die Schnauze voll von den Franzosen, die einen nicht mal ansehen, setze mich auf den Randstein und vergrub meinen Kopf in meinen Armen. Zwei Minuten vergingen. Ein französischer Trucker hielt an, Jean. Konnte leider nur französisch und nahm mich trotzdem mit. Wir verständigten uns gebrochen. Aber er war ein netter Kerl. Rauchte einen fetten Joint, und hatte ein breites Grinsen.

Es war schon Dunkel geworden. Es ließ mich an einer Tanke nahe Straßbourg aussteigen. Ich kaufte ein Baguette und einen Camembert und speiste zu Abend. Die fesche Kellnerin sagte mir dass sie leider um 22.00 schließen würden und wo ich dann Schlafen wolle. Leider war ich zu Müde und zu wenig geistesgegenwärtig um Sie um einen Schlafplatz zu bitten.

Doch um 21.30 lief ein hektischer Franzose auf mich zu und fragte mich ob er auf dem richtigen Weg sei, er müsse Richtung Karlsruhe. Ich bejahte und fragte ihn gleich ob er mich dahin mitnehmen könnte. Wie sich herausstellte musste er nicht nur nach Karlsruhe, sondern bis nach München. Mein Glückstag.
Allerdings hatten die beiden nur einen Zweisitzer mit geschlossenem Laderaum, so einen kleine Renault Lieferwagen/Pkw in dem ich es mir auf einer Decke gemütlich machen konnte. Die beiden waren bei weitem die unsympathischsten die ich auf der Ganzen Reise kennen gelernt hatte. Zwei richtige hinterfotzige, überhebliche Arschlöcher. Mitgenommen hatten sie mich nur wegen meiner Karte, damit sie auch in die richtige Richtung fahren. Nun ja, egal. Ich war so höflich wie möglich. Und dankbar für die Lange fahrt.

München, 1.00 Nachts. Todmüde wanderte ich von der Tanke an der sie mich abgesetzt hatten noch 200 Meter Autobahn bis zu dem Kreisverkehr an dem sie endete entlang. Bog rechts ab und fand einen Kinderspielplatz umringt von vor neugierigen Polizistenaugen schützenden Bäumen. Dort baute ich mein Zelt auf und schlief.

Ich stand sehr früh auf, da ich die Trucker an der Tanke nicht verpassen wollte, doch keiner von ihnen fuhr Richtung Salzburg. Ich musste feststellen, dass ich auf der falschen Straße stand.
Ich lief die Autobahn zurück bis zum großen Kreisverkehr, und auf die andere Seite. Dort stellte ich mich hin mit meinem neuen Schildern, Rosenheim – Salzburg.

Zwei Stunden später, hielt einer an und sagte mir, dass ich hier ganz ungünstig stehe. Ich müsste durch die ganze Stadt durch und auf die Zubringerstraße zur A9, denn hier werd ich niemanden finden der in meine Richtung fährt.

Gesagt getan. Ein großer bayrische Straßenbahnfahrer der erstaunlicher Weise wohl den kompletten Plan der öffentlichen Münchner Verkehrsmittel im Kopf hatte, erklärte mir zum Mitschreiben die ganze benötigte Route um genau bei der Zufahrt der A9 anzukommen. Ließ mich sogar sechs Stationen schwarz mitfahren, da ich nur noch einen Fünfeuroschein dabei hatte. Im Münchner Zentrum angekommen, kaufte ich mir damit eine von diesen köstlichen bayrischen Käsebrezen. An die konnte ich mich noch aus meiner Kindheit erinnern. Mein Vater hatte sie in den Gängen der U-Bahn gekauft, wenn wir in München waren. Ich aß meine Brezel, dachte an meine Kindheit. Suchte beim vorbeifahren mit der Straßenbahn nach dem Mathäser Filmpalast an den ich mich erinnerte, damals gab es dort keine Plakate, sondern die Bilder wurden von Sprayern an die Fassade gemalt, doch ich konnte ihn aber leider nicht finden. München, die erste große Stadt die ich in meiner Kindheit besucht hatte.


Nach 4 Stunden auf der Zufahrt zur A9 fing ich langsam an Deutschland zu hassen. Was mir in Frankreich schon aufgefallen war, wurde hier zum Normalfall. Von 100 vorbeifahrenden Autos haben mich 99 Fahrer ignoriert. Es war kalt, ich hatte keine trockenen Socken und wurde langsam Müde. Und da, endlich. Ein super netter Medizintechniker und leidenschaftlicher Musiker, er spielt eine irische Flöte, eine Art Dudelsack, nahm mich bis zu einer Raststätte nahe Rosenheim mit, während der Fahrt sprachen wir über die die Gemeinsamkeiten des Film Fight Club und Aussagen von Kierkegaard. Auf der Tanke angekommen, sprach ich einige Menschen an, ob sie nicht vielleicht nach Salzburg fahren würden, kaufte mir mit meinen letzten Münzen eine Falsche Orangensaft und setzte mich auf den Randstein an der Tanke um mein letztes Schild zu schreiben, Wien.

Beim nachziehen der Schrift sprach mich eine junge Frau an. Kaja aus Trier. Mit einem wunderschönen Gesicht voller Sommersprossen und so schönen offenen Augen. Ein Traum von Frau. Sie sagte: „Wir stehen dort drüben, du kannst mitfahren wenn du willst.“ Sie war mit ihrem Freund unterwegs nach Slowenien. Die beiden waren ein ganz tolles Pärchen. Ihre Augen waren anders, offen und frei. Ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben könnte. Sie waren so wie einige von den Menschen die ich am Boomfestival getroffen habe. Ich fühlte mich sehr wohl bei ihnen. Doch leider war die Fahrt nur sehr kurz, auch wenn Kaja irgendwann nur mehr 90 gefahren ist, damit wir ein bisschen länger miteinander reden konnten. Leider habe ich vergessen ein Foto von den beiden zu machen, oder von uns dreien. Ich hoffe ich sehe sie irgendwann wieder.

Rosenheim, hier wurden die Menschen wieder etwas freundlicher, vielleicht waren sie es ja die ganze Zeit, dachte ich mir, vielleicht ist der Unterschied zum Süden nur der, dass man sie hier beim Tanken ansprechen muss, um das erste Eis zu brechen. Und so war es auch. Viele hätten mich mitgenommen, aber leider, alle in eine andere Richtung als die meine. Bis ich schließlich doch zwei aus Serbien stammende Männer getroffen habe, die nicht nur bis nach Salzburg sondern sogar bis nach Wien durchgefahren sind. Ich war so müde, wir haben nur wenig miteinander gesprochen. Sie waren ebenfalls müde, und sind abwechselnd gefahren, während einer es sich auf der Rückbank des großen VW Bus gemütlich gemacht hatte.
Mitternacht, Wien. Sie haben mich am Gürtel Höhe Thaliastraße abgesetzt. 100 Meter von meiner Haustür entfernt.

Der Rest ist Schlaf in meinem Bett.

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Selim
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Reisebericht: Trampen von Lissabon nach Wien

Ungelesener Beitrag von Selim » 13 Jan 11 18:29

Ich verstehe nicht, warum hierdrauf noch keiner was geschrieben hat??!! SUPER STORY, hat mir viel spass gemacht zu lesen! Klingt aufregend - werd ich auch sicherlich nochmal machen!

Sa
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Reisebericht: Trampen von Lissabon nach Wien

Ungelesener Beitrag von Sa » 05 Feb 11 12:28

Hey,

das klingt toll!! Nach einem richtigen Trampabenteuer, Hut ab! :)
Kann mir die ein oder andere Situation richtig gut vorstellen, hab auch schon ein bisschen was erlebt - und bin grade am Überlegen, ob ich nach Portugal trampen soll und ob das als Frau alleine vielleicht doof ist... in Deutschland ja kein Problem, aber von Spanien/Portugal hab ich keine Ahnung :) Vielleicht kannst du ja was zu sagen, wäre toll!

-> Spanien: Trampen in Spanien - Erfahrungen, Tipps?
-> Portugal: Trampen in Portugal - Erfahrungen?


Liebe Grüße und viel Spaß bei allen weiteren Reisen!
Sa
„Man muss noch etwas Chaos in sich haben um einen tanzenden Stern gebären zu können“ Nietzsche

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Chen
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Reisebericht: Trampen von Lissabon nach Wien

Ungelesener Beitrag von Chen » 05 Feb 11 16:33

Wow, spannend und klasse geschrieben! Wünsch dir noch viele erlebnisreiche Trips, tolle Begegnungen & freu mich mehr zu lesen.

LG
KerstinCHEN
Das wichtigste Stück des Reisegepäcks ist und bleibt ein fröhliches Herz. Hermann Löns

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