Die Welt ist das Ziel - machbar?

Geplante Langzeitreise mit 2 Kindern

Vogelfrei und zeitlich ungebunden? - Vom Weltreisenden zum Expat? - Das Forum für Hardcore-Aussteiger und Auswanderer (in spe): Besonderheiten für Welt-Reisen oder Auslandsaufenthalte ohne Zeitrahmen, Expats ohne sichere Heimkehr, Netz und doppelten Boden, die letzten Abenteurer fern der Heimat...
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Panatronics1981
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Die Welt ist das Ziel - machbar?

Ungelesener Beitrag von Panatronics1981 » 09 Feb 20 12:18

Hallo zusammen!

Dieses Forum hat uns vor 2 Jahren sehr unterstützt um unsere Reise für 3 Monate in Südostasien zu "planen". Es war unsere erste, längere Reise. Wir, das sind Stef und Tini. Und die 2 Jungs Sebi und Philo, mittlerweile 10 und 8 Jahre.

Schon vor der Reise damals hat sich vieeeeel in unserem Leben verändert. Stef hatte ein Burnout, jahrelange Überarbeitung sei "Dank". Leben entschleunigen und minimieren stand am Programm. Nach SOA wurde es noch intensiver. Das schnelllebige Leben in Österreich fühlt sich für keinen von uns richtig an. Stef quält sich täglich in einem 8 to 5 Job und ist darin sehr unglücklich. Tini liebt ihren Job als Kindergartenpädagogin zwar, würde die Zeit aber viel lieber mit der Familie und den eigenen Kindern nutzen.

Daher entstehen seit Monaten Gedanken in unseren Köpfen, Änderungen im Leben zu setzen. Wir spielen mit dem Gedanken, ein Mobil zu kaufen und auf unbestimmte Zeit auf Achse zu gehen. Nur wir 4. Die Welt ist das Ziel.

Es ist wie immer der Mut, der uns noch einen (kleinen) Strich durch die Rechnung macht. Die systemtreue Erziehung der fast 40 letzten Jahre geschuldet. Schule, Studium, Arbeit, Kinder, Eigenheim, noch mehr Arbeit, und mit 65 in Pension.

Aber einen ersten Schritt haben wir schon gesetzt. Unser Haus haben wir einem Makler gegeben und wird verkauft. Auch wenn dann noch einiges an die Bank zurückzuzahlen sein wird, ist einiges an Kapital vorhanden. Die Ausrede der Finanzen wird daher in unserem Fall keine Geltung finden.

Täglich durchforsten wir das Internet und lesen Erfahrungsberichte. Jetzt habe ich mich entschieden hier den aktiven Austausch zu suchen. In der Hoffnung Ratschläge von Menschen zu finden, die den Schritt schon gewagt haben.

Wir würden uns daher sehr freuen, wenn sich der/die eine oder andere diesem Austausch anschließen würde. Uns ist bewusst, dass die Entscheidung nur wir selbst treffen können, aber es kann sehr hilfreich sein Erfahrungsberichte zu empfangen.

Vielen Tag im Voraus.
Pana
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Die Welt ist das Ziel - machbar?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 10 Feb 20 4:46

Hallo Tini & Stef,

ich bin mir nicht sicher, ob für sowas Persönlicheres nicht doch Euer Vorstellungsthema das Bessere wäre - einerseits nicht so "öffentlich", weil nur für Mitglieder zugänglich - andererseits habt Ihr hier natürlich die passendere Zielgruppe mit Erfahrungen in Eurer Lage.
Es ist jedenfalls Eure Wahl und wir können das Thema jederzeit dorthin verschieben.

Hut ab für Euren Mut und Euer Rückgrat, irgendwo eine Grenze zu ziehen, wenn das eigene Leben allzu fremdbestimmt am Selbst vorbei zu ziehen scheint!
Wie Ihr vielleicht wisst, befanden sich Astrid & ich 2000 in einer ähnlichen Situation, allerdings etwas älter (36/45), ohne Kids, wahrscheinlich etwas weniger frustriert und ausgelaugt und mit großer Zuversicht darauf, nach Rückkehr als Ärzte & Psychotherapeuten leicht und schnell wieder eine Anstellung in einem eigentlich sehr erfüllenden Gebiet mit allerdings system-immanent pervertiertem Berufsalltag zu finden. Nach Hausverkauf los, eigentlich mit der Idee, nach einem Reisejahr zurückzukommen , was sich dann irgendwie (im Blog dokumentiert) und unbereut nicht realisierte. Nicht zuletzt wegen unserer unterwegs dann selbst gewählten Kinderlosigkeit.

Ich schreibe das so ausführlich, um 3-4 m.E. wichtige Punkte zur Entscheidung für eine sehr- Langzeitreise hervorzuheben:
  • - Auslandstaugliche Skills: Nachteilig für uns war, dass wir Gesetz-bedingt unterwegs sicher kein Geld aus unseren Ausbildungsberufen würden generieren können, um anfallende Reiseleben-Kosten und Zukunftssicherung abzudecken. Wer einen reise- und spontan Ausland-tauglichen Beruf (WRF-Suche! z.B. viewtopic.php?f=34&t=31034 ) hat, kann zuversichtlicher Zelte abbrechen und anderswo wieder aufschlagen, weil er unterwegs nicht zwangsläufig sehenden Auges Raubbau an seinem Kapital (Hausverkauf) und seiner Zukunft (Altersversorgung) betreibt. Zukunftsangst war uns innerhalb des Systems unbekannt, aber außerhalb kann sie schon bedrücken.
  • - Sichere Rückkehrmöglichkeit in eine "aushaltbare" Berufsrealität vor der wir nicht haben flüchten müssen und durch 20 eingezahlte Rentenjahre und eine relativ bescheidene Lebensversicherung eine Grundsicherung für das Nötigste bei akzeptierter unterdurchschnittlicher Konsumteilnahme.
  • - Kinderlosigkeit: Nur Verantwortung für's eigene Leben, keine Verantwortung für die Ausbildung der nächsten Generation, um sich in dieser Werte-verzerrten Welt, in der sich jeder gegen Konkurrenz und Geld verkaufen muss, behaupten zu können. Wir haben in den 20 Jahren unterwegs zwar (auch) viele Aussteiger, Paare und Alleinerziehende getroffen, die das bravourös geschafft haben - wir selbst hätten es uns aber nicht zugetraut.
Panatronics1981 hat geschrieben:
09 Feb 20 12:18
... Nach SOA wurde es noch intensiver. Das schnelllebige Leben...
Ja, das ist zweiseitig: Einerseits beschleunigt die Welt ständig, andererseits entschleunigt man selbstbestimmter auf Reisen trotz permanenter über-voll-Beschäftigung (bes.mit relativ jungen Kindern).


Das mal als schnelle "Anmoderation", bin selbst sehr gespannt auf weitere Fremdgedanken & Erfahrungen dazu.

LG

P.S.
Wenn interessiert, könnt Ihr uns für tieferen Austausch ja mal Eure WhatsApp als PN schreiben.

Panatronics1981
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Die Welt ist das Ziel - machbar?

Ungelesener Beitrag von Panatronics1981 » 10 Feb 20 8:35

Vielen Dank für die Zeilen.
Ich schicke euch eine PM mit meiner Nummer zwecks whatsapp. Freuen uns sehr auf den Austausch.

Wir möchten vielleicht etwas näher auf uns eingehen.

Wie schon erwähnt, fühle vor allen ich mich (Stef) in ein Korsett geschnürt, welches mir nicht mehr richtig erscheint. Besteht mein Dasein nur aus Arbeit? Das ganze Jahr sich auf 2 Wochen Urlaub an der Adria freuen? Die Kinder maximal 2 h pro Tag erleben? Und hier eigentlich nur beim Abendessen und schlafen gehen. Meine Frau ist Pädagogin mit Herz und Leidenschaft, ihr fehlt ebenso die Zeit als Familie und mit den Kindern. Sie liebt zumindest ihren Job. Natürlich muss man aber erwähnen, dass sie nicht 38.5 sondern "nur" 27 h angestellt ist und so weit mehr Zeit ausserhalb des Dienstortes verbringen kann.

Erst heute Früh im Bus zur Arbeit habe ich mir gedacht, dass alle wie Zombies sitzen. Entweder mit Handy in der Hand, oder unglücklich, ist doch schon wieder Montag. Erinnerte mich an einen modernen Sklaventransport :-)

Ja, es macht uns nicht glücklich. Wir sind 38 und 37, daher auch nicht mehr so jung. Aber kann Alter ein Grund für einen Verbleib sein? Wenn ich dran denke, die nächsten 30 Jahre jeden Montag Zombies im Bus sehen zu müssen, ja, dann wird mir schlecht.

Aber natürlich haben auch wir Bammel vor der Zukunft. Was passiert danach? Wir leben ja in einer Gesellschaft die mit Ängsten spielt und diese zur "Systemtreue" nutzt. Keiner denkt im "jetzt". Jeder denkt an "morgen". Und gerade die Kinder spielen in diesen Überlegungen eine entscheidende Rolle. Wir haben keine Ängste, dass unsere Kinder "verblöden". Ganz im Gegenteil, das wissen wir. Viel zu viel haben wir uns mit den Themen Homeschooling und Freilerner schon beschäftigt. Viel mehr wissen wir, was "die" Gesellschaft fordert. Das sind Noten, schulische Abschlüsse und Zeugnisse.

Uns ist sehrwohl bewusst wie privilegiert ein österreichischer Reisepass ist. Ja, es ist gut zu wissen, zurückkehren zu können. Es steht auch außer Frage, dass dies durchaus möglich ist. Ich denke, im Leben wird sich alles weisen. Wer weiss, welche Talente ein "Bürohengst" wie ich entdecken kann.

Noch kurz zu unseren groben Plänen. In unserem Kopf schwirrt eine Route durch Europa Richtung Süden. Danach Marokko. Unser großes Ziel ist danach eine Überschiffung nach Amerika und die Panamericana.

Wir möchten uns wirklich kein Zeitlimit setzen. Für 2 Jahre sollte das Geld auf jeden Fall reichen. Wenn nach 2 Monaten der Wunsch entsteht nach Hause zu wollen, absolut okay. Wir möchten uns nicht unter Druck setzen. Druck verspüre ich eigentlich schon mein ganzes Leben (Schule, Matura, Beruf und berufsbegleitendes Studium).

So. Wir hoffen, wir konnten unsere Sichtweisen etwas näher erläutern. Eigentlich sind wir fest entschlossen, nur ganz weit hinten im Gehirn wehrt sich der "systemtreue" Stef noch etwas :-)

Lg inzwischen
Stef
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Ungelesener Beitrag von muger » 10 Feb 20 10:05

Hallo miteinander

Was mich immer etwas irritiert ist diese „Entweder-oder-Haltung“. Reisen oder zuhause arbeiten.

Ich habe mein Leben lang beides kombiniert. Ich bin jedes Jahr einige Monate unterwegs und lebe dann in meinem Kastenwagen. Manchmal sind es bloss zwei, drei Monate, manchmal aber auch sechs oder acht Monate. Dazwischen arbeite ich ganz normal in meinem vertrauten Umfeld. Für mich hat das den grossen Vorteil, dass ich zuhause gut verdiene und mir weder die Reiserei noch die Erwerbsarbeit je auf die Nerven geht. Zudem sind so auch die Versicherungen, Tüv, usw. auch kein Problem.

Ich freue mich immer auf die nächste Reise – und auch jedes Mal aufs Nachhause kommen. Und das oft mehrmals pro Jahr…

Gruss Muger

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Ungelesener Beitrag von Tonicek » 10 Feb 20 11:18

Guten Morgen, Muger,

Deine Zeilen klingen interessant, allerdings wuerde mich mal interessieren, wo es solche Arbeitsstellen gibt, bei denen man mal so 3 - 4 oder sogar 6 - 8 Monate verreisen kann?

Und in welchem Zusammenhang erwaehnst Du hier die Versicherungen und den TUEV?
Bei mir gehen alle Versicherungen und alle anderen Zahlungen automat. vom Konto ab, das kontrolliere ich unterwegs online von Zeit yu Zeit.
Mit dem TUEV kann man es ja so organisieren, wie man moechte, entweder vorziehen oder nachschieben / ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt ist ein akzeptabler Grund fuer eine spaetere HU / AU.

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Ungelesener Beitrag von Panatronics1981 » 10 Feb 20 12:26

Wie erwähnt arbeiten wir in Berufen, die (jährliche) längere Auszeiten nicht erlauben. Kindergartenpädagogin muss man das ganze Jahr durch sein, kein Arbeitgeber akzeptiert die Lösung 4/8 Monate. Ich bin auch Dienstleister und stehe vor dem selben Problem.

Ich finde es cool, wenn diese Lösung für dich perfekt ist. Wir haben natürlich auch ähnliche Varianten öfter besprochen. Aber 2 wesentliche Dinge sprechen dagegen.

* Kinder. 8 Monate Schule und 4 Monate nicht. Das klappt nicht. Und entscheidet man sich fürs freilernen fehlt das Geld, weil dann ja kein Einkommen vorhanden ist, da man bei den Kids zu Hause ist.

* die Lebenserhaltungskosten. Wie soll man sich zB eine Wohnung finanzieren und diese dann auch noch bezahlen wenn man unterwegs ist und kein Einkommen hat? Unmöglich.

Ich weiss, dass es Berufe gibt die es ermöglichen, beides zu verbinden. In unserem Fall nicht. Aber wie auch schon erwähnt sollte für eine bestimmte Zeit Kapital vorhanden sein, vorausgesetzt der Hausverkauf geht gut von Statten.

Lg pana
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Ungelesener Beitrag von muger » 10 Feb 20 13:39

Tonicek hat geschrieben:
10 Feb 20 11:18
... Und in welchem Zusammenhang erwaehnst Du hier die Versicherungen und den TUEV?
Da ich immer wieder auch zuhause bin, erübrigt sich zum Beispiel eine Auslandskrankenversicherung...
Panatronics1981 hat geschrieben:
10 Feb 20 12:26
Wie erwähnt arbeiten wir in Berufen, die (jährliche) längere Auszeiten nicht erlauben. Kindergartenpädagogin muss man das ganze Jahr durch sein, kein Arbeitgeber akzeptiert die Lösung 4/8 Monate. Ich bin auch Dienstleister und stehe vor dem selben Problem. ...
Wie sagt man so schön: "Augen auf bei der Berufswahl" :D

Gruss Muger

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Ungelesener Beitrag von Panatronics1981 » 10 Feb 20 13:49

Auch wenn ich mit Sarkasmus recht gut umgehen kann bringt mir dieser Beitrag relativ wenig....
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Ungelesener Beitrag von muger » 10 Feb 20 14:26

Panatronics1981 hat geschrieben:
10 Feb 20 13:49
Auch wenn ich mit Sarkasmus recht gut umgehen kann bringt mir dieser Beitrag relativ wenig....
Das habe ich nicht sarkastisch gemeint: Aber; wer sich für eine abgesicherte "Beamtenlaufbahn" entscheidet, muss halt auch mit deren unflexiblen Randbedingungen klarkommen. :!:
Ich habe mich von Anfang an für eine andere Laufbahn entschieden. Weniger beruflicher Absicherung, dafür aber mehr Möglichkeiten und Freiheiten. Und diese nutze ich seit Jahrzehnten erfolgreich aus. Mehr als einmal habe ich meine Stelle gekündigt, weil man mir keinen unbezahlten Urlaub geben wollte. Und da bin ich nicht alleine. Ich kenne mehrere Leute die das auch ihr ganzes Berufsleben so machen.

Aber Obacht: Nicht jeder eignet sich dafür. Vielen Leuten sind dann schlussendlich die Risiken zu hoch und sie entscheiden sich für ein bürgerliches Dasein. Und das ist auch gut so...

Gruss Muger

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