Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
Hier:
Ob als Urlauber oder Hardcore- Traveler: Reisen bildet und ändert das Bewusstsein. Freier Austausch unter Betroffenen.
Hier im Plauderbereich der Reisecommunity aber bitte KEINE konkreten Reiseinfos fragen oder posten, denn die gehören einzelthematisch in den Reise-Info-Pool. sodass sie als Sachthemen ergänzbar, aktualisierbar und für andere hilfreich findbar bleiben. Danke!
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Coogar
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Coogar » 12 Jul 06 17:46

Hi, Ihr lieben Reisenden und (noch/mal wieder) Fernwehgeplagten! :)

Unterwegs oder auch im eigenen Land trifft man ja immer mal wieder auf andere Reisende. Nicht auf alle trifft man dabei übermäßig gern oder hat über den/die ein oder andere/n auch schon mal die Augen verdreht.

In Dublin zB trifft man häufig und regelmäßig mitten in der Innenstadt auf Reisende in 'praktischer Funktionskleidung' inkl. Wanderstiefel. Unschwer sind sie an den leuchtenden Farben ihrer Goretex-Jacken zu sichten, bei Paaren auch gerne mal in doppelter Ausführung.

Weitaus angepasster gekleidet, aber nicht minder nervtötend sind die Alternativweltenbummler. Zugegeben, sie haben enorm unterhaltsame Geschichten zu erzählen, sind nie um eine Lösung irgendeiner Freilandproblematik verlegen und 5 Sprachen fließend zu sprechen ist durchaus beeindruckend. Weniger beeindruckend ist die Verachtung, die sie weniger erfahrenen Reisenden (also allen anderen) entgegenbringen. Ach, du warst erst einmal in Tibet, naja, ich bin ja dort inzwischen mit jedem verbrüdert. Wie, du hast Angst vor Spinnen? Tja, da wärst du aber im australischen Busch verloren! Natürlich spielen sie unzählige exotische Instrumente und Bongo trommeln hat man ihnen im afrikanischen Busch schon beigebracht, als unsereins noch in die Windeln gekackt hat. Und Kampfsportarten haben sie in asiatischen Einöden bis zur Perfektion trainiert. Naja, in meinem Heimatland nennen sie mich nur noch El Loco, das heißt der Verrückte (nee, echt, kann man ja nicht wissen als langweiliger Durchschnittsreisender...).

Die Ballermänner sind auch eine nette Truppe. Man trifft sie häufig und so gut wie ausschließlich in Hostels, wo sie schon nachmittags anfangen dem Alkohol zu frönen, um dann gegen Abend jedem um den Hals zu fallen und ewige Freunschaft zu schwören, wahlweise zu versichern, wie beliebt sie doch überall auf der Welt seien (vornehmlich Iren). Den nächsten Tag schlafen sie komplett durch oder schlafwandeln verkatert durch die Herberge. Welche Erinnerungen ihnen wohl von der Reise bleiben?

Dann gibt es noch die Eremiten, die sich in Unterkünften erstaunlich bedeckt halten und auf die Frage wer/woher sie denn seien ein unverständliches Müpfeln von sich geben. Ganz Hartnäckige finden dann irgendwann heraus, dass diese traveller es leid sind, jeden Tag drei Dutzend mal die gleiche Frage zu beantworten und ja eigentlich bloß in Ruhe reisen wollen (irgendwie nachvollziehbar und nicht ganz unsympathisch :wink: ).

Welche sind Euch noch begegnet?

(Man darf seine Mitreisenden und sich selbst ja ruhig auch mal kritisch (mit einem Augenzwinkern) betrachten, nicht?)

Liebe Grüße, Coog
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Christian.Rio
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Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Christian.Rio » 12 Jul 06 19:24

Treffend kategorisiert :-D

Julian
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Julian » 01 Aug 07 9:33

Interessant ist uebrigens auch wo man wen anfindet: Ich wuerde zum Beispiel Suedamerika einen hohen Anteil an Alternativweltenbummlern attestieren, waehrend in Australien die Nach-der-Schule-geh-ich-ins-Ausland Spezies anzutreffen ist.
Immer wenn es die Zeitverschiebung zulaesst wird mit dem Freund/ der Freundin zu Hause telefoniert bzw. SMS ausgetauscht. Eltern rufen im Hostel an um mittzuteilen dass Dies oder Jenes vergessen wurde und sich bereits per DHL Express auf dem Weg befindet. Bei den meisten gibt sich das sicher nach einiger Zeit (insbesondere die Freund-Problematik :-)), bei anderen sind die schnarchenden Mitbewohner im Hostel und die Spinne im Bad dann ausreichend Grund den sofortigen Rueckzug anzutreten.

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Whoszed
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Whoszed » 01 Aug 07 22:31

Lustiges Thema, die Lästerstunde wäre hiermit eröffnet.

Ich könnte noch den [b]Ne-zwei-Euro-für-eine-Hütte-ist-mir-zu-teuer-aber-macht-ruhig-ihr-kommerzspiesser[/b] Pseudo-Hippie (22 Jahre, Phonetik-Student, Rastas, spielt Didgeridoo um 5 Uhr Morgens nebenan und wundert sich, dass andere Menschen schlafen wollen, hat bereits mit 22 alles gesehen, gehört, gegessen und hält alle die nicht so sind wie er für toooootale Spiesser/Faschisten/Neo-Liberale) in die Waagschale werfen. Nervt besonders, weil er sich für supi-dupi alternativ hält und natürlich ohne Reiseführer unterwegs ist. Benimmt sich durch das weglassen von T-Shirt/Deo/Manieren/Landeskenntnis kontinuierlich daneben und bekomt es nicht mit. Vorzugsweise in Thailand (nichts gegen Thailand im Übrigen) anzutreffen, wo er der einer der Gründe dafür ist, dass Thailänder uns Weissbrote für Barbaren und komplette Vollspongos halten.

So, jetzt seid Ihr dran.

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Coogar
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Coogar » 02 Aug 07 1:14

:lol: Klasse!

Ich hätte noch den intellektuellen Beobachter anzubieten, der sich gerne etwas bedeckt-mysteriös gibt, und zu Gesprächen statt Kommentaren ein weise-fachmännisches Nicken beiträgt. Hinterher darf man dann in seinem intellektuellen Reiseblog lesen, was die Menschen in dem Land, in dem er sich gerade aufhält, in ihrem tiefsten Inneren bewegt.

Wer mich allerdings immer SUPER ankotzt, sind diese ich-bin-einheimischer-als-die-Einheimischen-Typen. Üben den Lokalakzent 3 Stunden täglich vor dem Spiegel und machen sich fast in die Hose vor freudiger Erregung, wenn sie ein Kompliment für ihre Sprachkenntnisse bekommen, versuchen aber nach außen hin très cool zu bleiben, denn "es ist ja schließlich eine Selbstverständlichkeit, die Landessprache zu beherrschen". Den Volkstanz üben sie ebenso bis zur Bewusstlosigkeit wie die Regeln des Nationalsports und natürlich sind sie dann auch bei jedem Spiel dabei und schreien sich die Seele aus dem Leib (in der Landessprache). Von Örtlichkeiten, die von anderen Ausländern besucht werden, halten sie sich fern und natürlich meiden sie vor allem ihre eigenen Landsleute wie die Pest - Authenzität um jeden Preis!

Oh, und wer auch klasse ist, der mit Kohle um sich schmeißende Ekel-Proll, der voll stolz drauf ist in Erfahrung gebracht zu haben "wie man hier die Mädels abschleppt" und ungefragt seine "heißen Tipps" an andere weitergibt *brech*
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Julian
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Julian » 02 Aug 07 3:17

Beim von Coogar eingebrachten ich-bin-einheimischer-als-die-Einheimischen Typ kommt es auch vor, dass er/sie obwohl offensichtlich ist dass er/sie aus Deutschland kommt (siehe Klischee - Thread) grundsaetzlich mit einem in der Landessprache spricht obwohl niemand anderes um einen herum ist...

Vielleicht waehre an dieser Stelle auch das oft vorkommende Lehrer im Sabbathjahr/Ruhestand Phaenomen zu erwaehnen. Man bekommt - zum beispiel von einem Guide - etwas erklaert was eigentlich alle weiteren Fragen eruebrigt. "Any questions?"....kurze Stille.
In diesem Moment fuehlt sich der Paedagoge (?!) an seine Klasse erinnert die eben so schweigsam und fragefaul war und wirft eine voellig ueberfluessige Frage in den Raum die der Guide meistens nicht beantworten kann, was meist daran liegt dass die Frage einfach nicht beantwortbar ist (was dann wahrscheinlich in der Klasse zu mehr Beteiligung und reger Diskussion fuehren soll...) Das ist dann meist der Moment, wo ich mich mit meinem deutschen Reisepartner Englisch unterhalte um unterzutauchen...

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Eliane
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Eliane » 02 Aug 07 4:48

Julian hat geschrieben:Vielleicht waehre an dieser Stelle auch das oft vorkommende Lehrer im Sabbathjahr/Ruhestand Phaenomen zu erwaehnen.
:lol:
Von dieser Sorte höre ich außer unüberlegten Fragen: "Aber in xy-Land ist es soundso..."
Und diese Spezies hat es überhaupt nicht nötig auch nur zwei Worte Landessprache zu erlernen. Irgendwie der typische Besserwisser bzw. Angst-vor-eigenen-Fehlern-haber - na Lehrer halt. :mrgreen:
der mit Kohle um sich schmeißende Ekel-Proll
Aber bitte im Billig-Anzug mit Koffer aus dem Laden, wo's aldi guten Sachen gibt, denn soweit her ist es mit der Kohle dann ja doch nicht, bzw. nur im billigeren Ausland.

Und dann fällt mir ja noch der Ausrüstungsfetischist ein, der einem sämtliche Testberichte über Outdoor-Equipment auswendig runterbeten, der auch nicht Zelt sondern nur "mein Hille" (oder ähnliche merkwürdige Markenabkürzungen) sagen kann und der von der Zelt-Innenlampe über die Spezial-Camping-Ohr-Leselampe alles besitzt.
Der aber, wenn er seinen Rucksack mal 150m weit tragen soll, über die schlechte Organisation zetert.
(Aber zugegeben, die trifft man eher selten, denn die schonen ihre Sachen lieber zu Hause im Wohnzimmer und begnügen sich mit einem Testaufbau des Zeltes auf dem Balkon, damit es nicht schmutzig wird.)

Liebe Grüße
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Rainer Backpack » 02 Aug 07 6:38

Da gibt es auch noch den Ich weiss alles oder ich bin der Allwissente Touri oder Auswanderer. Die koennen alles , Ein Haus bauen mit nur einem Nagel und einem Hammer, sonst nichts ! Oder alle geheimtipps in den jeweilligen Laendern kennen, jeden Politischen vorfall egal um was es geht, so erklaeren das es ja wohl am logischsten ist , sich aber irgendwie gar nicht deckt mit dem geschehen , was auf der Strasse passiert! und wie schlecht alles von den Politikern in diesen Laendern geregelt wird. Und das alle in dem Land faul sind und nicht auf die Reihe kriegen ausser derjenige selber. Und wenn man sie fragt , welchen Beruf sie haben , dann sagen sie Zaehne knirschend , Ja weisst Du ich bin ja eigentlich Dipl. Ing, oder Proffessor fuer das, und das oder Dr. Soundso. krieg meinen Titel hier aber nicht anerkannt. Nun ja, dann ist Touris fahren ja nicht schlecht. Gibt ja Geld. Aber so manche Touris die kriegen ja nichts auf die Reihe................ !
Gruss Rainer
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Whoszed
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Reisende: Stereotypen und wandelnde Klischees

Ungelesener Beitrag von Whoszed » 02 Aug 07 11:45

Wie wärs mit dem ich-bin-anno-pief-ja-noch-mit-dem-bully-auf-dem-landweg-nach-indien-gefahren Alt-68ger, der heutige Backpacker ob ihrer ausgelutschten 2nd-Hand-Erfahrungen bestenfalls mitleidig belächelt. Weist gerne und oft darauf hin, dass es "früher" ja noch echte Abenteuer zu erleben gab und tischt ungefragt den ganzen Abend Anekdoten auf, wie er damals in Goa noch am Strand geschlafen hat. Subspezies des "Lehrer im Sabbathjahr/Ruhestand" bzw. "Alternativweltenbummler".

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