Reisen und Tod / Buddhismus

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dieSteffi
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von dieSteffi » 28 Sep 06 15:04

Ich bin da beim Lesen eines buddhistischen Buches auf eine Frage gestoßen:

Ist Reisen auch eine Auseinandersetzung mit dem oder eine Vorbereitung auf den Tod?

Sogyal Rinpoche hat geschrieben:
Warum leben wir in solch panischer Angst vor dem Tod?
Weil es unser instinktives Verlangen ist, zu leben und am Leben zu bleiben, und weil wir den Tod für das grausame Ende all dessen halten, was uns so vertraut ist. Wir ahnen, dass wir in etwas gänzlich Unbekanntes gestoßen werden und uns völlig verändern, wenn wir sterben. Wir stellen uns vor, dass wir uns verlieren und verwirrt an erschreckend unbekannten Orten wiederfinden. Wir malen uns aus, es sei wie das Aufwachen in einem völlig fremden Land, allein und gequält von Angst, wir kennen weder das Land, noch die Sprache, wir haben kein Geld, keine Kontakte, keinen Ausweis und keine Freunde...
Mit Reisen meine ich dabei natürlich keine Pauschal-all-inclusiv-Fahrten, sondern das Reisen mit leichtem Gepäck in ferne Länder auf eigene Faust. Man sagt ja auch, in den Tod kann man nichts mitnehmen, also nichts Materielles und beim "leichten Reisen" natürlich auch nicht.

Hat man also, wenn man viel reist, keine Angst mehr vor dem Tod?
Kann man sich an das Unbekannte gewöhnen? Härtet man ab?
Weiß man also irgendwann aus Erfahrung, dass alles gut werden wird? Kann man sich also so, durch das Reisen, besser mit dem Leben und somit mit dem Tod auseinander setzten?

Ich weiß, dass ist jetzt für einige sicher weit hergeholt, aber dennoch finde ich hier einen spannenden Zusammenhang. Anscheinend gibt es hier im Forum ja auch reisende Buddhisten.... wie seht ihr das?
Wir wollen nicht mehr mitschwimmen, wir wollen aber auch nicht gegen den Strom schwimmen, wir wollen einen ganz anderen Fluss!
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Krucki
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von Krucki » 29 Sep 06 6:45

Ich bin zwar kein Buddhist sondern ohne Religionsbekenntnis, habe mich aber mit dem Tod auch schon auseinander gesetzt.

Bin der Meinung, dass unser Leben, welches wir gerade fuehren nur eines von vielen ist und eher als Lernprozess gesehen werden sollte. Von daher glaube ich schon, dass meine Seele was in den Tod mitnimmt. Naemlich die Erfahrungen, welche ich in meinem Leben gesammelt habe und aus denen meine Seele fuer andere Reinkarnationen lernt.

Ebenso bin ich der Meinung, dass Menschen nur Angst vor dem Tod haben, wenn sie sich dem Gedanken zu sterben nicht entgegenstellen, sondern einfach so tun als gebe es den Tod nicht.
Ist das nicht was, dass viele Menschen besonders gut koennen, einfach ein ungeliebtes Thema totschweigen und verdraengen?

Das Hauptthema vieler Religionen ist es ja, den Tod anzunehmen, damit man die Angst davor verliert. Auch alle Stammesvoelker, welche noch existieren machen das. Nur in unserer westlichen Welt wird der Tod als was bedrohliches gesehen.

MfG
Krucki
Das Leben ist eine Art Waldspaziergang...
man muß nur ein bisschen auf den Weg achten und kann ansonsten bedenkenlos die Schönheit genießen.

Tiroler
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von Tiroler » 29 Sep 06 10:54

Das leben ist ja sowieso eine reise egal ob wir unsere heimat verlassen.

Ich persoenlich habe keine angst vor dem tod, meine taegliche praxis beinhaltet das betracheten meines koerpers, er aendert sich jeden tag im grunde sterbe ich schon seit 26 jahren.
Ich weiss das meine organe frueher oder spaeter ihren dienst einstellen werden, ich weiss das ich in der naechsten sekunde tot umfallen kann, ich versuche nicht zu sehr an dingen anzuhaften (was mir beim reisen leider nicht gelingt).
Anhaften erzeugt leid weil man im grunde nichts behalten kann, dinge kommen und gehen.
Das leben ist eine reise und wir koennen erheblich dazu beitragen welchen weg wir waehlen.
Wie kruki schreibt sollte man sich damit auseinandersetzten das man irgendwann die letzte reise antritt und diese ohne gepaeck bestreiten muss.

Wenn man die wahre natur seines koerpers und die der welt kennt, braucht man keine angst vor nichts zu haben.
Man sollte aber nicht zuviel gedanken an den tod verschwenden fruher oder spaeter kommt er sowieseo, wichtig ist das hier und jetzt. Man sollte leben nicht nur existieren.

Mfg martin
2 x China, 14 x Thailand, 3 x Neuseeland, 5 x Cook Inseln, 3 x Spanien , 2 x Jamaika, 2 x Kuba , 3 x Frankreich, 2 x Schweiz, 1 x Brasilien, 1 x Dubai, 1x Nepal, 1 x Kenia, 4 x USA, 1 x Indien, 1 x französisch Polynesien, 2 x Kambodscha, 1 x Australien. Unzählige Male in Deutschland und Italien, England (nur London), Ägypten

viewtopic.php?f=48&t=218&hilit=Tiroler#p545

Krucki
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von Krucki » 29 Sep 06 14:46

Tiroler hat geschrieben:Man sollte leben nicht nur existieren.
Genau, das ist es. Auf den Punkt gebracht
Das Leben ist eine Art Waldspaziergang...
man muß nur ein bisschen auf den Weg achten und kann ansonsten bedenkenlos die Schönheit genießen.

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Julchen
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von Julchen » 03 Okt 06 14:38

Von Sonnenanna hab ich neulich ein schönes Buch geschenkt gekriegt, es heisst Dienstags bei Morrie von Mitch Albom.
In diesem Buch geht es um einen Mann namens Morrie, der langsam an einer Krankheit stirbt und wie er sich auf seinen Tod vorbereitet. Es ist ein sehr kluges Buch, finde ich. Morrie sagt, das einzige, was er mit in den Tod hinübernehmen kann, ist, dass er Freunde auf der Welt gefunden hat, die ihn lieben und sich an ihn erinnern, mit denen er schöne Momente gehabt hat.

Das ist dem Reisen doch sehr ähnlich, oder? Was die Reise in uns bewahrt, sind die Erinnerungen, die Freunde, die wir unterwegs finden - mehr kann man schon aus Rucksackkapazitätsgründen nicht mitnehmen :wink:

Ob man durch das Reisen Sterben lernt... hm, auf jeden Fall lernt man, sich nicht so an materielle Dinge zu klammern, was jegliches Loslassen leichter macht.

Liebe Grüße
Julchen
Wo ein Wille ist, mein Herz, da ist auch ein Gebüsch. (Element of Crime)

KarinundStefan
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von KarinundStefan » 03 Okt 06 16:13

Hallo zusammen!
Ich finde das ein sehr interessantes Thema und eigentlich sehr schwierig Antworten darauf zu finden.
Wenn wir reisen, haben wir doch eigentlich immer Geld, Ausweis und alles fuer den Notfall dabei. Es ist ja nicht so, dass man voellig unvorbereitet in ein voellig fremdes Land faehrt. Mit dem Rucksack reisen heisst zwangslaeufig gewisse Dinge hinter sich zu lassen, aber ob das wirklich eine Vorbereitung auf den Tod sein kann??
Nur in unserer westlichen Welt wird der Tod als was bedrohliches gesehen.
Hm, ich kenn viele Leute, sogar in Deutschland, die sich eigentlich viel mit dem Tod auseinandersetzen und viele sehen ihn nicht als Bedrohung. Glauben spielt eine ganz grosse Rolle und es gibt sogar in der westlichen Welt Menschen, mit christlichem Glauben, die keine Angst vor dem Tod haben.
Ich haben in Indien in einem Krankenhaus gearbeitet und die Menschen dort hatten auch Angst vor dem Sterben.
Ich glaube es liegt im Menschen an sich als was er den Tod sieht und nicht ob er aus der westlichen Welt kommt oder nicht. Haben wir nicht alle etwas Angst vor allem Neuen? Vor der Reise, und was danach kommt? Weit her geholt ist es doch dasselbe...
Liebe Gruesse aus Rio Gallegos von Karin

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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von zurken » 07 Nov 06 13:54

Alles schön wahr, und der Krucki ist ja schon ein Buddhist.....

Ich geh auf jede Reise mit der heimlichen Hoffnung irgendwie -wo verschütt zu gehen, zu verschwinden, in ein Zeitloch zu fallen und weg bin ich.... Sterben ist die letzte große Reise, der ich seit langem ungeduldig entgegensehe, Buddha soll gesagt haben, man muss sowohl den Hunger nach dem Leben, als auch den Hunger nach dem Sterben besiegen – ja, kann wohl sein. Noch ein nettes Zitat:

„Dem, was die Welt ist, wird das Grundverhalten der Reise zum angemessenen Typus, zum Muster, unter dem das Leben selbst und als ganzes begriffem werden kann.“
Blumenberg, Die Lesbarkeit der Welt

Krucki
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von Krucki » 08 Nov 06 2:19

zurken hat geschrieben:Alles schön wahr, und der Krucki ist ja schon ein Buddhist.....
Stimmt zum Glueck nicht ganz, ich kann mich zwar mit vielen Ideen des Buddhismus sehr gut anfreunden, aber eben nicht mit allem.

Ich habe bewusst die Reloigionslosigkeit gewaehlt, weil ich der Meinung bin, dass in vielen Religionen was wahres steckt, aber die fuer mich richtige hab ich bis jetzt noch nicht gefunden.

Is auch gut so, da ich mich dadurch sehr frei von religioesen Gedanken bewegen kann und mein Leben umso mehr geniesse. Ich sehe Religion oft als was, das Menschen als Anhaltepunkt sehen und diesen Anhaltepunkt brauche ich nicht.

Sonnige Gruesse,
Krucki
Das Leben ist eine Art Waldspaziergang...
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Reisen und Tod / Buddhismus

Ungelesener Beitrag von Resi » 15 Mai 07 15:38

War letztes Jahr 3 Monate in Nepal. Ich persönlich habe mich jetzt nicht direkt mit dem Tod auseinander gesetzt. Nicht einmal als wir bei minus 20 grad über den Thorung la-pass (5461m) gestiegen sind, da war der Kopf einfach nur leer. Ich hatte auch nie angst vor dem Tod, auch wenn ich oft ganz alleine unterwegs war, ich war mir immer sicher und habe auch nur freundliche Menschen getroffen.
Aber ich fand es interessant, wie die Menschen dort mit dem Tod umgehen. Ganz anders als bei uns. Es ist einfach natürlich und an Wiedergeburt glaube ich auch. War auf jeden fall mal interessant in diese andere Kultur reinzuschnuppern, genauso die typischen Verbrennungen der Toden zu sehen. Ein richtiges Ritual wird zelebriert.

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