Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

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Gast

Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Gast » 02 Jun 09 23:52

Guten Abend Bär,

also mit dem Reparieren ists schon so eine Crux!!! Ich hatte in einer Radtasche hauptsächlich Ersatzteile, wie Bremsseil, Schlauch, einen Radmantel, ein Multitool, Reifenflickzeug etc. dabei. Vor meiner Abreise habe ich noch einen Nachmittag mit einem guten Freund verbracht, der mir so das Notwendigste gezeigt hat.
Sehr wichtig war mir auch ein kleines "Reparaturbrevier", das ich mitschleppte, denn vor Jahren habe ich ein Buch gelesen, in dem eine Frau ihre Radreise von Moskau nach Vietnam beschreibt, die sie ohne grosse Kenntnisse begann. Prompt hatte sie in der mongolischen Steppe den ersten Platten und da saß sie dann mit der Gebrauchsanleitung und flickte ihren Reifen. Das hat mich sehr belustigt und ich dachte, das kann ich auch.
Sonst hatte ich keine technischen Probleme, aber irgendwie geht es immer. Hilfreiche männliche (!) Wesen sind meistens schon zur Stelle und Glück braucht man sowieso immer!

Ich erinnere mich immer noch mit Freude an diese Reise, auch wenn sie manchmal frustig war - die lustigen und positiven Erlebnisse überwiegen und vor allem die netten Uruguayaner und deren gelassene Hunde werde ich nie vergessen!

Liebe Grüsse aus Innsbruck, Heidi

Luther
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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Luther » 03 Jun 09 0:34

Hallo Bea,

die allererste Antwort auf Deine Frage "Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?" stammt ja von mir. Ich hätte damals nie erwartet, dass sich daraus ein derartiger Mammut-Thread entwickelt, der bald zu den Spitzenreitern dieses Forums gehört. Ich war der Meinung, "Frau alleine" ist ein Thema für sich, ob mit Fahrrad als Fortbewegungsmodul oder anders, ist dabei egal. Aber wenn die Frage derart viel Interesse erweckt, will ich nochmal was dazu sagen:

Ich bin mal beim Rumstöbern in einem gut sortierten Buchgeschäft auf ein Buch gestoßen, in dem eine Engländerin eine Fahrradreise als Einzelperson durch Japan beschreibt. Japan ist als Reiseland trotz der Sprachprobleme einfach und angenehm: Hilfsbereite Bevölkerung, wenig Kriminalität, Du kannst Dein Fahrrad mitsamt Gepäck in der Regel unabgeschlossen irgendwo stehen lassen, es wird nichts passieren.

Ich habe das Buch nur mal so durchgeblättert, diagonal gelesen. Das einzige negative Erlebnis, das sie schildert, ist, dass sich ihr, als sie ihr Fahrrad einmal wie so oft vor einem Supermarkt geparkt hatte und zurückkehrte, ein Japaner, hach, wie nennt man das nochmal so vornehm umschreibend: in "schamverletzender Weise" zeigte. Sie hat daraufhin schallend aufgelacht und gerufen: "Hach, ist der klein!", woraufhin er sich erschrocken und verlegen zurückzog.

Ich bezweifle, dass er sie, weil sie Englisch sprach, überhaupt verstanden hat. Aber er hat wohl an Ihrer Tonart, Gestik und Körpersprache erkannt, was sie sagte. Das war die beste Art, wie eine Frau in einer solchen Situation reagieren sollte. Du kannst fast jeden Mann zutiefst beleidigen, wenn Du ihm sagst dass "er" klein ist. Wenn alle Frauen so reagieren würden, würde diese Unsitte wohl schneller aussterben, als wenn man einzelne Täter, deren man habhaft wird, vor Gericht zerrt.

Was aber wiederum zu dem zurückführt, was ich in meiner ersten Antwort sagte: "Frau alleine" ist ein Problem für sich, egal ob mit Fahrrad oder ...

Gruß
Luther

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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 03 Jun 09 7:32

Guten Morgen,

es ist nach 7h, das heißt, ich kann es wagen, zu denken und es der Welt bzw. euch mitzuteilen!

Heidi: es ist ja immer schon mal gut, wenn man Flickzeug/Ersatzteile und sowas dabei hat! In bestimmten Regionen wär man bei einer Panne wahrscheinlich ohne das Zeug auch richtig aufgeschmissen. Die Frage ist halt immer nur: WAS schleppt man alles mit und wieviel davon? Denn bei solchen Touren, wie du sie z. B. machst, sind das ja ziemliche Herausforderungen an das Material!!
Hilfreiche männliche (!) Wesen sind meistens schon zur Stelle und Glück braucht man sowieso immer!
Hah! Bei meiner (hier im Thread kurz angerissenen) Tour mit 2 Männern hat sich tatsächlich gezeigt, dass die beiden bei einer Panne ohne mich aufgeschmissen gewesen wären:
Der eine hatte mitten im mittelfranzösischen Nowhere plötzlich eine Panne - es gab nen lauten Knall und der Mantel seines Vorderreifens hing nur noch in Fetzen runter. Natürlich (typisch Mann) war es nicht "irgendein" Mantel, sondern irgendein spezielles Teil, keine Ahnung. Sowas, was man halt nicht überall kaufen kann (macht ja echt Sinn bei einer solchen Reise :lol: ).

Die Lösung: Ich hatte mit einer Fußverletzung zu kämpfen (die mich ja dann auch irgendwann zum Aufgeben zwang) und hatte so Tape-Material dabei, wie es Sportler benutzen. Weil ich immer wieder meinen Fuß tapen musste. Also haben wir das genommen, das ist ja so ein bißchen wie Textilpflaster, nur stabiler, und mit diesem Tape und meinem Nähzeug (ich reise nie ohne!) den Mantel wieder repariert. Der hielt dann tatsächlich noch ein paar Tage!


Luther: ich hab grad mal die Aufrufe des Threads gecheckt. Wow, hätte ich auch nicht erwartet. Ist ja fast zum Aufmacher-Thema avanciert :lol:

Du kannst fast jeden Mann zutiefst beleidigen, wenn Du ihm sagst dass "er" klein ist. Wenn alle Frauen so reagieren würden, würde diese Unsitte wohl schneller aussterben, als wenn man einzelne Täter, deren man habhaft wird, vor Gericht zerrt.
:D Gut zu wissen. Wär mal interessant zu erfahren, wie viele Männer dich jetzt für dieses Statement hassen... :D

Aber es zeigt halt wieder, was schon des Öfteren zum Thema/zur Frage "Frau allein reisen - was mach ich, wenn ich belästigt werden?" gesagt wurde: man muss sich einfach innerlich ein bißchen drauf einstellen und sich vielleicht schon überlegen, wie man in bestimmten Situationen reagiert. Und nicht denken: ach, es wird schon nicht und doch nicht mir oder sowas. Ich bin mir auch z. B. ziemlich sicher, dass der Typ, den ich im Jerusalemer Basar mal zusammengeschissen habe, danach nicht so schnell nochmal eine fremde Frau einfach angefasst hat.

Ach, Mister Charming:
Was aber wiederum zu dem zurückführt, was ich in meiner ersten Antwort sagte: "Frau alleine" ist ein Problem für sich, egal ob mit Fahrrad oder ...
:D


einen wunderschönen Tag
der Bär
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Bibi88
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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Bibi88 » 03 Jun 09 8:14

Liebe Alle!


Wenn frau beim Fahrradkauf beachtet, ihr Fahrrad mit guten aber SIMPLEN Komponenten zu bestücken, dann sollten Reparaturen kein Problem mehr darstellen.

Ich wurde von einem - sehr kompetent wirkenden - Verkäufer darauf hingewiesen, auf komplizierte Elemente wie Federung, High Tech Bremse etc. komplett zu verzichten. Kein unnötiger Schnickschnack, der kaputt gehen kann.

Am besten die Komponenten alle mal selbst ab und anschrauben und VERSTEHEN wie sie funktionieren. Ich als Techniker in bin überzeugt, dass dann JEDE Frau dazu fähig ist, ihr Rad allein zu reparieren.


@ Luther: :D Kann man das auch machen, wenn der Typ die Hose noch an hat, weil dann seh ich ja nix?!?! Er könnte auch ein Mörderding haben und sich nicht verletzt fühlen ??
Nun, in Asien werd ich in der Not auf deinen Tip zurückgreifen. hihi
In Afrika wirds wohl nicht funktionieren :P

Lg
Bibi
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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Luther » 03 Jun 09 10:33

Hallo Bibi,

wenn er die Hose noch an oder nicht mindestens offen hat, zeigt er sich ja nicht in "schamverletzender Weise". Das mit Afrika halte ich für ein Gerücht. Im Übrigen ist alles relativ: Wenn Du behauptest, dass er klein ist, wird er denken, du bist größere gewöhnt, und das kann er nicht ab.

Aber jetzt zurück zum Thema!
:-)
Luther

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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 03 Jun 09 12:26

ich formuliers mal als "P.S.":

Luther!!! Ich nehm meine Frage zurück und formuliers als Statement:

ALLE Männer werden dich dafür hassen!

:lol:

Back to topic: ich finde, das ist wichtig, was Bibi da schreibt. Keine speziellen, supertollen, neu auf dem Markt platzierten High-Tech-Errungenschaften am Rad!

Sondern alles auf Funktionalität reduzieren. Das ist glaub ich echt entscheidend.

Es gibt auch immer wieder Kurse beim ADFC, wo man lernen kann, wie man sein Rad flickt.

Ich lach mich immer noch schlapp....
:lol:

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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von pushbike » 05 Jun 09 20:37

Luther hat geschrieben:Ich bin mal beim Rumstöbern in einem gut sortierten Buchgeschäft auf ein Buch gestoßen, in dem eine Engländerin eine Fahrradreise als Einzelperson durch Japan beschreibt. Japan ist als Reiseland trotz der Sprachprobleme einfach und angenehm: Hilfsbereite Bevölkerung, wenig Kriminalität, Du kannst Dein Fahrrad mitsamt Gepäck in der Regel unabgeschlossen irgendwo stehen lassen, es wird nichts passieren.

Ich habe das Buch nur mal so durchgeblättert, diagonal gelesen. Das einzige negative Erlebnis, das sie schildert, ist, dass sich ihr, als sie ihr Fahrrad einmal wie so oft vor einem Supermarkt geparkt hatte und zurückkehrte, ein Japaner, hach, wie nennt man das nochmal so vornehm umschreibend: in "schamverletzender Weise" zeigte. Sie hat daraufhin schallend aufgelacht und gerufen: "Hach, ist der klein!", woraufhin er sich erschrocken und verlegen zurückzog.
Hallo Luther,
hassen tu ich Dich nicht. Bezweifel überhaupt, das jemand das wegen eines Post macht.
Abgesehen davon kann so eine Geschichte nicht überall passieren. In anderen Ecken der Erde verletzt Du deren Ehre und das kann sehr unlustig enden.
Zudem hab ich nen Bekannten, der schon mal ne Radtour durch Japan gemacht hat. Er beschrieb es als SEHR sicheres Land.
@Bibi, Bea
Das mit den High-Tech-Errungenschaften ist nix Neues. Der Klassiker unter den Globetreter-Bremsen fürs Rad ist immer noch die HS 33. Robust und bei Bedarf leicht zu reparieren. Notfalls sollte man/frau sich aber bei den kompletten Teilen auskennen. Ein Selbstaufbau des Rades ist da nicht verkehrt. Hat zudem den Vorteil, das die ganzen Teile auf Wunsch gekauft werden.

Gruß peter
Let`s roll and see. Natürlich mit Beinkraft.

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Ungelesener Beitrag von der Bär » 11 Jun 09 0:37

Ähäm, Pushbike, also mal im Ernst:

Abgesehen davon kann so eine Geschichte nicht überall passieren. In anderen Ecken der Erde verletzt Du deren Ehre und das kann sehr unlustig enden.
Zudem hab ich nen Bekannten, der schon mal ne Radtour durch Japan gemacht hat. Er beschrieb es als SEHR sicheres Land.
Bei allem Respekt - aber es ist mir tatsächlich ziemlich schnuppe, ob ich die "Ehre" von nem Kerl verletze, der vor mir die Hosen runterlässt, ohne dass ich ihn dazu aufgefordert habe! :wink:
Nimms mir nicht übel, aber da hörts echt spätestens auf. Der kann froh sein, wenn ich ihn nur verbal attackiere.

liebe Grüße
der Bär
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Radreisen als Frau allein - Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von al-iksir » 11 Jun 09 11:24

Ich vermute, das "Problem der verletzten Ehre" ist eher so gemeint, dass du (vor allem als das "schwächere Geschlecht") sehr schnell in eine unangenehme Situation u.U. verbunden mit Körperverletzungen kommen kannst.

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