Internationale Küche im australischen Backpacker

Weltreisend auf lokalem Markt einzukaufen und auf landesüblichen Kochstellen einheimische Gerichte zu Kochen ist preisgünstig, lecker, fördert das Sozialleben und ist manchmal mit abenteuerlichen Erfahrungen verbunden... Weltweite Kochrezepte.
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Tipps und Rezepte, was und wie man auf Fernreisen mit lokalen Marktprodukten lecker kochen und damit viel Geld sparen kann.
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Mierze

Internationale Küche im australischen Backpacker

Ungelesener Beitrag von Mierze »

Hallo :)

So ein Leben als Backpacker ist schon lustig.
Da sammelt man waehrend eines Tages viele neue Eindruecke (die man vielleicht erst in ein paar
Monaten so richtig verarbeiten kann), und abends in der Unterkunft freut man sich auf Dusche, Bett und etwas Ruhe. Bevor jedoch die angenehmen
Wasserstrahlen den Koerper vom Dreck befreien, gibt es noch ein weiteres Highlight:

Das Kochen.
In australischen Backpacker-Unterkuenften ist eine oeffentliche (fuer jeden zugaengliche) Kueche Standard. Bei Backpackers-Herbergen handelt es sich um eine Art Jugendherberge, nur ein bisschen besser. Das sind die preiswertesten Uebernachtungsmoeglichkeiten hier in Australien. Und wenn eine Kueche im Preis eingeschlossen ist, ist auch die Verlockung sehr gross, sie zu nutzen.
Doch solche Gedanken scheinen viele Traveller zu haben, denn der Kuechenraum ist vor allem abends ab 18.00 Uhr gut und international gefuellt. Jeder kocht das, worauf er Appetit hat (alle Zutaten gibt es in den Supermaerkten zu kaufen). Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Doch wenn sich sieben hungrige junge Menschen an den drei direkt nebeneinander stehenden Herden tummeln, gibt es mitunter Platzprobleme.
Da kochen die beiden Japaner in aller Seelenruhe ihren Reis und bereiten lecker aussehende Fleischgerichte her.
Der Franzose begnuegt sich mit einem Spiegelei und Toast.
Die zwei Italiener koennen auch in Down Under auf ihre Pasta nicht verzichten und nehmen einen Nudeltopf und eine Pfanne fuer die Sosse in Anspruch. Bleiben dann nur noch wir.
Zwei junge Deutsche, die sich heute Schnitzel mit Gemuese goennen. Wir sichern uns noch rechtzeitig die letzte Pfanne und den uebrig gebliebenen Topf.
Pech haben nun die beiden Daenen, die sich ihre Buechsensuppe aufwaermen wollen. Alle Toepfe in Benutzung. Fuer sie heisst es warten. Erstens muss ein Topf und zweitens ein Herd wieder "frei werden". Auch der zottelhaarige Englaender muss sich noch gedulden, bis er sich in der naechsten zur Verfuegung stehenden Pfanne seine Wuerstchen und seinen Bacon braten kann.
Ok, was gehen uns die Daenen und der Brite an? Die sind erst nach uns dran.
Derweilen breiten sich die Japaner immer weiter aus, der Franzose bekommt seine Spiegeleier nicht so hin wie er will, und die Italiener haben sich in den Haaren, weil sie ueber die Zubereitung der Carbonara-Sosse zwei unterschiedliche Auffassungen haben. Und wir? Der eine baeckt die Schnitzel aus, der andere ist fuer's Gemuese zustaendig. Als dieses fertig ist, macht man sich auf den Weg zum Waschbecken, um das heisse Wasser abzugiessen. Just in diesem Augenblick kochen bei den Italienern die Nudeln, die nun auch abgegossen werden muessen. Wer schafft's als erster zum Abgiessen? Bei nur einer Spuele gibt es auch hier ab und an "Stau". Leider hat der Suedeuropaeer den kuerzeren Weg, so dass seine Nudeln eher vom Wasser befreit werden koennen. Unser Gemuese steht in der Warteschlange und muss warten.
Auch wenn es mit vielen Leuten in der kleinen Kueche etwas bedraenglich ist, hat das doch einen Vorteil. Aufgrund der verschiedenen Nationalitaeten (jeder kocht mit seinen eigenen Zutaten und Gewuerzen) tauscht man sich untereinander aus. Dem einen fehlt das Salz, dem anderen das Mehl oder die Magarine. Internationale Kameradschaft.
So muss es auch sein.

In der Zwischenzeit sieht man auch den Franzosen etwas gluecklicher dreinschauen. Seine Spiegeleier sehen (nach unzaehligen Versuchen) auch endlich wie solche aus. Vermutlich versorgt ihn zu Hause immer seine Mama. Kochen muss er noch lernen. Mit der Ferigstellung seiner Eier wurde gleichzeitig etwas mehr Platz am Herd. Aber diesen gluecklichen Umstand nutzen die Japaner wieselflink aus. Ihnen faellt noch ein, dass man ja noch Pilze zum Fleisch zubereiten muesse. Die eben noch freie Herdflamme ist schon wieder belegt.

Italiener und Deutsche essen nach Fertigstellung ihrer Speisen genuesslich. Die Daenen und der Brite warten nur auf diesen Moment und
machen sich auf zum Herd. Nach einer viertel Stunde kommen wir in die Kueche zurueck, um unsere benutzten Teller etc. abzuwaschen. Aber hierfuer haetten wir lieber erst das Radio einschalten und Staunachrichten hoeren sollen.
Die haetten dort bestimmt von zaehfluessigen Verkehr an der Spuele berichtet.
Naja, diese Wartezeit geht auch vorbei, und wir koennen etwas verspaetet unsere Heimreise in den Schlafsaal antreten.
Und die Japaner? Die wurschteln immer noch am Herd herum. Wann die wohl endlich zum Essen kommen, weiss ich nicht.
Was es gab, kann jeder noch am naechsten Tag in der ganzen Unterkunft riechen.

Erlebt von Mierze
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Petra
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Internationale Küche im australischen Backpacker

Ungelesener Beitrag von Petra »

Hallo Mierze,
danke fuer den tollen Bericht.
In Argentinien und Chile gehoert die Kueche auch zur Standartaussruestung und es wird jeden Abend viel gekocht.
Besonder toll ist es, wenn verschiedene Nationen zusammen kochen. Da kommen immer schmackhafte Leckereien raus!!!

Gruesse aus Bariloche

Petra
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Kirasonne
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Internationale Küche im australischen Backpacker

Ungelesener Beitrag von Kirasonne »

Hi, Mierze, beim Lesen konnte ich "fast" das bunte Durcheinander sehen und riechen...

Danke fuer die tolle Geschichte. So was aehnliches habe ich gerade bei meiner Familien-Reunion erlebt. 800 Teilnehmer und jeder kocht an einem Tag in einer normalen Kueche fuer ein Riesenbuffet. Ich bin um 4.00 Uhr Frueh aufgestanden, um mir meinen Topf fuer Nudelsalat zu reservieren.
Carpe Diem
StefanDA
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Internationale Küche im australischen Backpacker

Ungelesener Beitrag von StefanDA »

Hallo,
hab mich letztens wieder an den Artikel erinnert und wollte noch schnell was hinzufuegen:
Ich fand es letztens auch sehr lustig, als ein paar Iren mich gefragt haben, was denn das fuer ein komisches Zeug sei, dass sie sich gekauft haben und wie man das am besten zubereitet. Das komischen Zeug nannte sich - Spargel.
Nachdem ich ihnen dann erklaert hatte, wie ich Spargel immer machen, hab ich sie dann dabei beobachtet, wie sie erst mal die Spargelkoepfe abgeschnitten hatten. Konnte sie gerade noch davon abhalten, die in den Muell zu schmeissen :)
Schon lustig, haette nicht gedacht, dass jemand wirklich keinen Spargel kennt (okay, vielleicht Leute im tiefsten Afrika, aber Iren...).

Gruss
Stefan
kriss2cross
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Registriert: 24 Apr 09 22:16

Internationale Küche im australischen Backpacker

Ungelesener Beitrag von kriss2cross »

Ein toller Bericht zum lesen... *schmunzel*
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