Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

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MArtin
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von MArtin »

Dirk R hat geschrieben:... Hab ja schon einiges hier über Bären am Tage gelesen.
Aber wie ist es Nachts... ?
Tags wie nachts ist es gut, sich bemerkbar zu machen:
Also laut schnarchen!
Hab eh nie verstanden, warum einige Damen es für einen Scherz halten wenn wahrheitsgemäß argumentiert wird, dass lautes Männerschnarchen ein Selektionsvorteil darstellt, weil es wilde Tiere nachts davon abhält die Familie zu überfallen.

Na ja, ist vielleicht ein bisschen scherzhaft gemeint, aber wenigstens nicht OT. ;)


LG
Smoky63
Kiebitz
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Smoky63 »

Also ich war öfter mit einem Freund in Kanada / Alaska unterwegs.
Wir fuhren auf Seen und Flüssen mit dem Kanu. Ritten mit Packpferd durch die Coast Mountains und verirrten uns im Busch. Kurz gesagt. wir waren wochenlang in der Wildnis unterwegs -> s.a.: Kanada : Wildnisreise mit Kanu und Zelt - Erfahrungen?

Zu Bären (und anderen Wildtieren) in Alaska / Kanada:
Doch Bären haben wir nur gesehen,wenn wir mit dem Wagen unterwegs waren.
Glück oder Unglück?
Ich als V ideofilmer, hätte gerne mal längere Zeit Bären beobachtet.
Doch draußen im Busch beim zelten, war ich froh, keinem zu begegnen.

Campen in der Wildnis setzt voraus, das man seinen Lagerplatz sauber hält.
Die Feuerstelle und die „Küche“ sollten schon etwa 30-40 m von den Zelten entfernt sein.
Abfälle vergraben oder gleich verbrennen.
Und nicht auf die Idee kommen, mit einer Hose ins Zelt zu kriechen, an der man kurz vorher noch sein Messer abgewischt hat, mit dem man die leckeren Steaks zerteilt oder eine Fischdose geöffnet hat.

Das wäre eine Einladung für jeden hungrigen Bären.
Und die riechen gutes Futter mehrere Kilometer weit.

In vielen Büchern heißt es, man solle seine Proviantkiste oder Sack mit einem Seil in die Bäume hieven, damit Bären und anderes Getier nicht heran kommen.
Das haben wir auch gemacht. Aber nur, um es mal zu filmen und den Leuten zu zeigen, wie sowas geht.

Ansonsten waren wir zu faul, jedes mal nach dem Essen diese Prozedur durchzuziehen. Die Lebensmittelkiste wurde gut verschlossen und das wars.

Übrigens: Im Norden Kanadas laufen viele Grizzlies herum, während in den südlicheren Gebieten eher Schwarzbären die Mehrheit bilden.
Und Schwarzbären sind gute Kletterer. Also auf einem Baum flüchten, wenn so einer einem guten Tag sagen will, ist eine schlechte Idee. Der ist schneller oben als Du.

Es heißt, man solle sich so groß wie möglich machen und forsch auftreten.
Naja, ob man in solch einer Situation noch so forsch ist?

Aber wie gesagt. So eine Begegnungssituation mit Bären kann man vorher nicht beurteilen. Wie man reagiert, zeigt sich erst wenn es soweit ist.

Wir hatten auch kein Bärenspray oder andere Abwehrmaßnahmen bei uns.
Außer unseren Bowie Messern hatten wir keine anderen Waffen [vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Bowiemesser ].

Am besten ist es, wenn man einem Bären begegnet, sich langsam rückwärts zu bewegen und ihm aus dem Weg gehen. Doch dabei möglichst nicht stolpern. Das könnte den Meister dazu animieren, mit Ihnen zu spielen.

Weglaufen kann man Bären sowieso nicht. Meister Petz ist so schnell wie ein Pferd im Galopp.

Und ist es doch mal passiert, das man einem Bär auf die Tatzen tritt, soll man sich am besten auf den Boden werfen und toter Mann/Frau spielen.
Meistens lassen diese Gesellen dann von einem ab.
Viel Glück dabei!

Wenn man trotzdem in ein Gebiet kommt, von dem bekannt ist, das sich hier viele Bären tummeln, ist es angebracht, eine Trillerpfeife dabei zu haben.
Nicht um eine schöne Melodie zu trällern, sondern als Abwehrmaßnahme. Bären mögen diese hohen Töne überhaupt nicht.
Überhaupt sollte man sich in Kanadas Wildnis möglichst laut fortbewegen.
Im Gegensatz zu unseren heimischen Wäldern, wo man schleichen muss, um mal ein Tier zu beobachten.

Wir jedenfalls hatten bei unseren Wildnistouren nie Probleme mit wilden Tieren. Und nach den ersten Tagen im Busch, hatten wir uns auch an die machmal komischen und verdächtigen Geräusche gewöhnt. Wenn irgendwo ein dicker Ast vom Baum brach, hört man das meilenweit in dieser Stille.

Viele glauben auch,das einem in Kanada ständig Bären, W ölfe und E lche über den Weg laufen. Dem ist nicht so.
Die Gebiete sind so riesig, dass sich diese Tiere eher selten zeigen.


(http://papes-abenteuer-reisen.net)
Link deaktiviert, weil mein AVG beim Aufruf eine Warnung wegen "Blackhole Exploit Kit" angezeigt und Inhalte der Seite blockiert hat.
Scheint ein Problem mit einem RSS live feed auf der Seite zu sein - oder eine Fehlmeldung.
Bitte kontaktiere mich per PN, wenn das Problem gelöst ist, Smoky.




--------------------------------
Anm. MOD:
[Super ausführlich, fein, obwohl etwas "mehrthematisch", daher auch gesplittet.
Für Bären-femde Wildnis-Aspekte b.B. Einzelthemen eröffnen, falls noch nicht vorhanden, z.B.
zu empfehlenswerten Wildnis- Büchern -> Bücherecke
Kleidung -> Kategorie Ausrüstung
u.s.w.
Danke! MArtin]
R.P.Smoky
Smoky63
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Bären in Kanada / Alaska - das wahre Abenteuer?

Ungelesener Beitrag von Smoky63 »

MArtin hat geschrieben:
Dirk R hat geschrieben:... Hab ja schon einiges hier über Bären am Tage gelesen.
Aber wie ist es Nachts... ?
Tags wie nachts ist es gut, sich bemerkbar zu machen:
Also laut schnarchen!
Hab eh nie verstanden, warum einige Damen es für einen Scherz halten wenn wahrheitsgemäß argumentiert wird, dass lautes Männerschnarchen ein Selektionsvorteil darstellt, weil es wilde Tiere nachts davon abhält die Familie zu überfallen.
Da kann ich nur zustimmen.
so lustig wie es sich auch anhört. Mein Freund schnarcht auch, wie ein Waldschrat.
Mein Zelt baute ich immer mindestens 50m von seinem entfernt auf.
Wir haben bei unseren Wildnis Aufenthalten, nie einen Bären gesehen, gehört oder irgendwie sonst bemerkt, lach.
R.P.Smoky
Dirk R
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Dirk R »

Ja das war ja schon recht ausführlich was Smoky63 da geschrieben hat.
Das mit der Trillerpfeife gefällt mir. Wenn man sich da tagsüber drauf verlassen kann? Anderseits hin und wieder mal einen Bären sehen muss auch sein denn so wie Smoky63 bin ich auch mit der Videokamera unterwegs und hab gern mal ein paar Tiere vor der Linse.
Ob anstatt einer Trillerpfeife auch eine Hundepfeife geht?
Die soll ja auch hohe Töne erzeugen die der Mensch nicht hört.

Zu Martins Tipp nachts laut schnarchen muss ich sagen wird wohl nichts da ich eigentlich ein recht leiser Schläfer bin und nicht schnarche.

Den Tipp mit der Zahnpasta wusste ich noch nicht. Schein das Zeug wohl zu mögen. An sonsten entnehme ich daraus das man das Zelt wirklich nur als Schlafquartier nutzt.


L.G. Dirk R
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Bärenmarke

Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Bärenmarke »

Dirk R hat geschrieben:Ob anstatt einer Trillerpfeife auch eine Hundepfeife geht?
"Trillerpfeife", davon war hier die Rede, ist nicht gleich "Hundepfeife".

Mit den Bären wie bei den Hunden:
Die Hundepfeife damit die Bären kommen, die Trillerpfeife damit sie gehen, weil der trillernde Lärm sie abschreckt.
Verlassen kann man sich darauf nicht, weil es wegen dem Lärm von Tieffliegern immer mehr schwerhörige Bären gibt.

Oder was willst Du auf so Fragen hören??
boppel
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von boppel »

Habe mal in unseren "gesammelten Werken" (sprich: Infobroschüren aus Kanada) gesucht und folgendes öffentlich zugängliches Material zum Thema gefunden:

Prepared for the woods

Yukon Veröffentlichungen (Deutsch)

Die dort veröffentlichten Dokumente bieten nicht nur wertvolle Infos im Umgang mit Bären.

Gruß

Boppel
Dirk R
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Dirk R »

Das mit der Hundepfeife hatte ich mal gehört das sie halt auch hohe Töne erzeugt. Wenn man damit allerdings ehr die Hunde und Bären anlockt bewirkt das naklar das totale Gegenteil. Hab halt keinen Hund.

Danke für die beiden Links. Werde mich mal mit den Inhalten näher beschäftigen. Sehn auf den ersten Moment schon sehr vielversprechend aus.
BikeAfrica
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von BikeAfrica »

... nachdem ich schon vor über 15 Jahren mit dem Fahrrad in Alaska und Canada unterwegs war und mich davor mit Fachbüchern über Bären beschäftigt habe und unterwegs etlichen begegnet bin, möchte ich hier auch ein paar Bärentipps loswerden. Was in den Reiseführern über Bären steht, ist häufig großer Mist.

Im Verhalten ist zu Unterscheiden zwischen Schwarzbären, Braunbären (inkl. Grizzlys) und Eisbären. Wer so weit nach Norden kommt, dass er Eisbären begegnen könnte, der weiß aber hoffentlich eh, was er tut.
Eisbären sind reine Raubtiere und nicht zu vergleichen mit den beiden anderen Bärenarten.

Diese möchten nicht überrascht werden.
Das ist der Sinn von einer Trillerpfeife. Sie hören die, gehen aus dem Weg - und sie werden Dich beobachten, ohne dass Du merkst, dass ein Bär in der Nähe ist. Sie sehen Dich zuerst und dann ist alles gut.
Stehst Du einem Bären aber plötzlich gegenüber, ist die Pfeife völlig sinnlos. Ich habs auch mal ausprobiert. Der hat mich nur angeglotzt, als wolle er sagen: "Was ist das denn für ein Trottel?"
Dann ist er gelangweilt weitergeschlurft und hat hinter dem nächsten Gebüsch - von mir nicht bemerkt- gewartet, dass ich vorbei komme, damit er mich genauer beobachten kann. Als ich ihn gesehen hatte, sind wir beide erschrocken. Der Bär flüchtete in den Wald. Aber er war zu diesem Zeitpunkt ja nicht mehr überrascht. Er hatte mich ja schon gesehen.

Bären, die die Nähe des Menschen gewohnt sind, laufen nicht mehr so schnell weg. Sie haben gelernt, dass in ihrer Nähe oft Futter zu finden ist. Das liegt auch daran, dass die motorisierten Camper auf dem Campingplatz dort nach dem Essen sorglos ihr Geschirr stehen lassen.

Braunbären und Schwarzbären sind nicht nur an der Farbe des Fells erkennbar, sie unterscheiden sich weiterhin in ihrem Verhalten.
Es gibt helle Schwarzbären und dunkle Braunbären. Man unterscheidet sie am besten in der Kopfform oder der Rückenlinie. Das "Totstellen" im Extremfall empfiehlt sich nur bei Braunbären / Grizzlies. Diese verlieren dann das Interessen, weil der "Angreifer" weg ist.
Schwarzbären fressen auch Aas. Totstellen bedeudet da schnell, dass man auch einen tötlichen Biss bekommt. Schwarzbären sind neugieriger und kommen eher auf einen zu. Wenn man sich nicht langsam zurückziehen kann, lässt sich ein Schwarzbär evtl. auch durch plötzlichen lauten "Angriff" von (möglichst) mehreren Leuten vertreiben, notfalls eine Pfanne, Knüppel o.ä. auf die Schnauze hauen, aber normalerweise hauen die rechtzeitig ab.
Bei einem Grizzly wäre der Versuch wohl eine tödliche Aktion.

Bei allen Arten von Bären ist Weglaufen der größte Fehler!
Bären sind extrem schnell und reagieren u.U. auf Fluchtreflex. Das ist das blödeste, was man machen kann, auch wenns wahrscheinlich als erstes in den Sinn kommt.

Beim Zelten gehört alles weg vom Zelt, was riecht. Auch mittags im Zelt essen (aus -> Schutz vor den Moskitos) geht nicht, weil der Essensgeruch im Zelt bleibt.
Bären haben einen immensen Geruchssinn, der den von Hunden noch weit übersteigt.
Man hat testweise mal eine leere Konservendose einen Meter tief auf einem Gelände mit der Fläche eines Fußballplatzes vergraben und dann einen Bären drauf gelassen. Der ist zielstrebig zur vergrabenen Dose gelaufen und hat die ausgegraben.

Einheimische legen beim Zelten oft ihr verschwitztes Hemd vor das Zelt, damit Bären den Menschengeruch besser wahrnehmen und nicht so nahe kommen.

Und jetzt kommt der nächste wichtige Punkt:
Je weiter man nach Norden kommt, desto weniger Bäume gibt es überhaupt, in die man sein Gepäck hängen könnte. Es sind meist nur noch Nadelbäume von ca. 7 m Höhe, deren Äste nach unten hängen. Da lässt sich bärensicher gar nichts mehr aufhängen. Entweder nimmt man bärensichere Verpflegungscontainer aus robustem Kunststoff oder man stellt seinen Krempel einfach auf den Boden.

Übler sind dann aber noch die Squirrels (eine Art Eichhörnchen, die es auch in bodenbewohnender Form gibt). Die nagen sich nämlich auch schnell mal zum Essen durch.

OT:
Und um auf den im ursprünglichen Beitrag nebenbei erwähnten Dalton Highway zurückzukommen ... da würde ich eher mal über den -> Dempster nachdenken.


Gruß
Wolfgang
Es gibt vierzig Arten von Wahnsinn, aber nur eine Art von gesundem Menschenverstand (Ghana)
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Panny
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Bären in Kanada / Alaska: Richtiges Verhalten? Erfahrungen?

Ungelesener Beitrag von Panny »

Mit den Bären-Angriffen in Kanada/Alaska ist das ein bißchen wie den Flugzeugabstürzen: sie geben weltweit gute Meldungen in Printmedien und Nachrichten-TV-Sendungen ab.
Selbst in Süd-Südamerika wurden wir über derartiges per Fernsehen unterrichtet.

Dadurch erscheint die Wahrscheinlich höher als sie statistisch wirklich ist.
Ja, es besteht eine Gefahr, die man ernst nehmen sollte.
Nein, man sollte diese nicht überbewerten.
Einheimische/Ranger fragen, um die Gefährdung einzustufen ist das beste Mittel.

Unsere ganz subjektive Erfahrungen: wir wären mehrfach des Nachts beim wild campen fast am Herzinfakt gestorben, wenn wir mal wieder glaubten eine Bären zu hören. Aber besucht hat uns - zumindest nachts - nie einer.
Ganz subjektiv...

Gruß

Panny
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