Ohne Schulabschluß auf Langzeitwanderschaft - ratsam?

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
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Sa
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Ohne Schulabschluß auf Langzeitwanderschaft - ratsam?

Ungelesener Beitrag von Sa » 02 Jan 10 20:46

Hallo alle,
mein erster Beitrag, also nicht böse sein, wenn mir da was schief geht (von wegen Forumsregeln etc).. :)

Ich hab schon länger den Traum, einfach los zu reisen. Bisher waren das immer Transportmittel wie Fahrrad, Trampen und so, aber jetzt hab ich die "Vision", mich auf Schusters Rappen fortzubewegen.
Momentan geh ich noch zur Schule, 12. Klasse (überlege mir aber, nach der 12. aufzuhören, Gründe will ich nicht hier ausbreiten, wär zu viel).
Meine Frage: Glaubt ihr, dass es funktioniert, nach der Schule einfach loszugehen, ohne viel Geld (sich ohne oder mit sehr wenig Geld durchzuschlagen) und so meine "Pilgerreise" (in meinem Fall wahrscheinlich kreuz und quer durch Frankreich, ausschließlich zu Fuß) zu machen. Also klar, ich bin der Überzeugung, dass das geht, aber mir gehts eher um hinterher - ich weiß noch nicht, was ich später machen will, also als Ausbildung käme Schreiner oder Instrumentenbauer in Frage, oder irgendwas auf dem Bauernhof...
Aber es ist ja schon ein Risiko, so völlig ohne Absicherungen für die Zukunft loszugehen, irgendwann anzukommen und wieder nach Hause... [Darin liegt ja auch der Reiz an solchen Wanderungen (find ich), dass man nicht genau weiß, was einen morgen erwartet.] So für ein paar Monate ist das ja auch ok, aber ich hab ein bisschen Schiss, dass ich den Anschluss dann daheim nicht mehr finde (sozial, berufsmäßig...).
Kennt ihr das, und wenn ja: wie geht ihr mit solchen Ängsten um?

Also einfach losgehen und sich einen Dreck um die Zukunft scheren? Ich bin glaub ich trotz meiner Abenteuerlust keine, die auf ewig Nomadin sein will... Es kommt sowieso alles anders - aber so radikal? Ich hätte schon Lust drauf, aber eben Angst, dass das hinterher nach hinten losgeht...

Hoffe auf hilfreiche Antworten... :)
Grüßle
Sa
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jot
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langzeitwandern - zukunft?

Ungelesener Beitrag von jot » 03 Jan 10 17:04

Wenn du sonst nichts in der Hinterhand hast, wirst du dein Abi nach deiner Rückkehr höchstwahrscheinlich auf der Abendschule nachholen müssen, da das Arbeitgeber heutzutage mittlerweile als Standardqualifikation von Schulabgängern (auch für eine Ausbildung) erwarten. Ich hatte in der Oberstufe auch mehrfach damit geliebäugelt die Schule abzubrechen, es dann aber aus verschiedenen Gründen (und mit Leistungskurswechsel + Wiederholen der Jahrgangsstufe 12) doch zu Ende gemacht - ich hab es anschließend oft genug erlebt, das Abi quasi die Freikarte zumindest bis zum Vorstellungsgespräch ist. Freunde, die die Schule vorher abgebrochen haben, hatten deutlich größere Schwierigkeiten die Aussortierungshürde zu passieren, egal wie interessant ihr Lebenslauf sonst war.

Also wenn es irgendwie geht, dann würde ich dir raten die Schule zu Ende zu machen. Wenn du es bis in Jahrgangsstufe 12 geschafft hast, dann überlebst du das letzte Jahr sicher auch noch irgendwie - danach steht dir nicht nur die Welt, sondern bei einer evtl. Rückkehr als Überbrückungslösung auch die Uni, offen ;)

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Ungelesener Beitrag von MArtin » 03 Jan 10 19:21

Liebe Sa, willkommen im WRF! :)

Ich möchte mich leidenschaftlich Jots Meinung anschließen weil ich fürchte, dass Du bei Realisierung Deines abschlusslosen Langzeitwanderplans, diesen irgendwann in Deinem weiteren Leben rückblickend als gravierendsten Jugendfehler betrachten würdest, der Deine Wahlmöglichkeiten im Leben danach sehr eingeschränkt hat.

Das eine Schuljahr schaffst Du auch noch - besonders, wenn Du für hinterher, als Belohnung, einen tollen Reiseplan hast und die Vorfreude in Lernenergie umsetzen kannst.

Zu den Widrigkeiten und der Erfolgsaussicht beim mittellosen Loswandern, z.B. in die Wälder, kannst Du hier schon viele Fragen und Antworten finden.


Liebe Grüße, geh sorgsam mit Deiner Zukunft um

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Ohne Schulabschluß auf Langzeitwanderschaft - ratsam?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 03 Jan 10 21:58

Liebe Sa,

hab grad das gelesen, was MArtin und Jot dir raten.

Mir ist spontan was durch den Kopf geschossen, was ich loswerden will:

ich glaube, es ist auch wichtig, etwas abzuschließen. Also so richtig zu Ende zu führen. In deinem Fall wär das wohl die Schule bzw. das Abi.

Ich hatte das auch schon ziemlich oft in meinem Leben, dass ich von irgendwas sprichwörtlich die Schnauze voll hatte :wink: und aufhören wollte. So einfach mitten drin oder auf der Zielgeraden, kam auch schon vor.

Ich habs dann aber immer trotzdem beendet. Manchmal richtig gut, weil ich halt schon sehr ehrgeizig sein kann, manchmal mit Ach und Krach.

Aber: es war immer gut, so wie es war. Und es hat mir immer geholfen, wenn ich die Panic hatte, dass wieder was in meinem Leben ansteht, was ich vielleicht nicht schaffe oder nicht zu Ende bringe.

Ich hoffe, das klingt nicht zu abstrakt. Aber: es könnte auch eine Erfahrung sein, die auf deinen Reisen wichtig ist. Also deshalb auch mein Rat:
brings zu Ende. Whats another year? :P Nothing.

Es wird dich auf jeden Fall irgendwann mehr als ein Jahr kosten, wenn du es jetzt hinschmeisst und dann in eine paar Jahren das Abi nachholen willst!!!

liebe Gruesse
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Ohne Schulabschluß auf Langzeitwanderschaft - ratsam?

Ungelesener Beitrag von Tobilein » 04 Jan 10 13:27

Sa hat geschrieben:als Ausbildung käme Schreiner oder Instrumentenbauer in Frage, oder irgendwas auf dem Bauernhof...
Gerade beim Beruf Instrumentenbauer können sich die Arbeitgeber die Bewerber aussuchen, da klassischer Selbstverwirklichungsberuf. Ungefähr so wie Pferdewirtin bei Mädchen.

Auf dem Bauernhof lässt man sich normalerweise nicht anstellen, sondern wird dort hineingebohren. Würde davon abraten als Angestellter Knecht oder Meister (für letzteres dürfte der Schulabschluß unabdingbar sein) auf einem Hof zu arbeiten.

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Ungelesener Beitrag von TRAVEL_Star » 04 Jan 10 16:47

Grüß dich Sa,

auch ich kann dir bestätigen wie wichtig ein Schulabschluss ABER nicht zwingend erforderlich ist!

Nehmen wir mal mich

Realschulabschluss mit ach und krach (unterfordert, war ein "kann" Kind bei Gymnasium-Auswahl).
Ausbildung im elterlichen Betrieb (Reiseverkehrskaufmann)
Bundesweit beworben - Projektleitung Financial Times (kann mich gut verkaufen ;))
Und nun arbeite ich für ein Multi-Millionen US-Dollar Unternehmen im Marketing und in der Community-Betreuung für komplett Europa (gerade 24 geworden) und kriege inzwischen Jobs angeboten und muss nicht mehr suchen.

Natürlich ist das kein Standard-Weg, es gehört viel Timing, Glück und Empathie dazu.

Der einfachere Weg ist natürlich deine Schule zu beenden, klar, keine Frage!

Ist aber nur meine Meinung.

[Titelthemenfremde persönliche Fragen an SA in ihren Vorstellungsthread verschoben, beachte(t) bitte http://www.reise-forum.weltreiseforum.d ... ic.php?t=4 . MArtin]

Beste Grüße
Stefan
www.reisebuero-oldenburg.com | Wir freuen uns auf eure Besuche

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der Bär
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Ohne Schulabschluß auf Langzeitwanderschaft - ratsam?

Ungelesener Beitrag von der Bär » 04 Jan 10 19:04

Da kann ich mich Travelstar nur anschließen - mein Werdegang wäre ohne entsprechende Abschlüsse auch nicht möglich gewesen. Aber auch noch weniger ohne die Erfahrung, ungewöhnliches meistern UND abschließen zu können.

Also, vas-y, aber besser erst nach dem Abi!

a bientot
le Bär
:lol:
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Ungelesener Beitrag von Sa » 05 Jan 10 12:46

Hey,
danke für eure Antworten, bie mir schwankt das jeden Tag in ne andere Richtung, aber von außen kommt eher "abi machen" als "abbrechen".
Wird wohl was dran... sein.
Bin gestern morgen einfach mal losgelaufen, um von Stuttgart nach Tübingen zu gehen, hab ja grade Ferien. Bin letztendlich nach einem Tag / 34 km bei ner guten Freundin hängen geblieben und jetzt wieder daheim - und ich muss sagen, das ist auch ne gute alternative. mal on den Ferien sowas zu machen... in klein, versteht sich. :)

(auutsch, und meine füße tun soo weh :roll: )

@ Tobilein: Wieso sollte man auf einen Bauernhof nur reingeboren werden?? Ich kenn eine Menge Leute, die sich haben anstellen lassen.
Außerdem, warst du mal angestellter Arbeiter auf nem Bauernhof oder denkst du dir das nur so?

Liebe Grüße Sa
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Ungelesener Beitrag von Tobilein » 05 Jan 10 13:32

Sa hat geschrieben: @ Tobilein: Wieso sollte man auf einen Bauernhof nur reingeboren werden?? Ich kenn eine Menge Leute, die sich haben anstellen lassen.
Außerdem, warst du mal angestellter Arbeiter auf nem Bauernhof oder denkst du dir das nur so?
Kann ich mir kaum vorstellen. ich bin selbst auf einem großen landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und kenne sehr viele Landwirte im Umkreis von 100km.

Es gibt eigentlich nur zwei Sorten von Deutschen Arbeitnehmern auf Bauernhöfen.

1. Die sogenannten Knechte. Das sind oft etwas geistig zurückgebliebene Leute, aus dem eigenen Umfeld oder auch aus einer Anstalt. Diese wohnen mit auf dem Hof. Die Bauern bekommen Geld für die Betreuung+eine gratis Arbeitskraft.
Einige sind auch schwere Alkoholiker.
Knechte sind heutzutage am Aussterben.

2. Meister auf Großbetrieben. Leiten die dort arbeitenden P olen+R umänen.

Einen deutschen außerhalb dieser Personengruppen habe ich noch nie gesehen. Ausnahme bilden lediglich die Praktikanten und Auszubildenen. Das sind Leute die entweder Agrarwirtschaft studieren um später in der Zulieferindustrie (Spritzmittel, Saatgut,..) der Landwirtschaft zu arbeiten oder eben Söhne von Bauern die auf anderen Höfen Berufserfahrung sammeln sollen.

Ansonsten finden sich dort ausschließlich P olen und R umänen. Das gilt zumindest im Süden.





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