zurück weil Vater im Krankenhaus & Probleme mit Deutschl

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Christian.Rio
Reise-Geburts-Helfer
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zurück weil Vater im Krankenhaus & Probleme mit Deutschl

Ungelesener Beitrag von Christian.Rio »

Hallo liebe Weltreisenden!

Leider musste ich meine Zelte in Neuseeland abbrechen und im Eiltempo nach Hause fliegen. Vor ein paar Tagen schickte mir mein Bruder nämlich eine SMS, mein Vater liege im Krankenhaus und es sehe sehr schlecht für ihn aus. Daraufhin hab' ich angerufen und mein Vater hatte darum gebeten, dass ich nach Hause komme.

Ich bin also wieder hier, meinem Vater geht es sehr schlecht. Wie ich erfahren hab', hat er eine Lungenentzündung, was in seinem Fall sehr gefährlich sein kann, aber nicht unbedingt das Ende ist. Dazu muss man sagen, er hatte bereits Krebs und war die ganze Zeit in Therapie. Das hat natürlich das Immunsystem sehr geschwächt. Jedoch ist nun diese Infektion nicht die direkte Folge des Krebs. Als ich damals losgeflogen bin, ging es ihm ja noch gut und ich war mir bewusst, dass jedoch mit der Zeit die Umstände sich verschlechtern können. Ich hatte mit meinem Vater auch darüber gesprochen und es war für beide Seiten einverständlich, dass ich dennoch losziehe. Zuhause in Deutschland warten, was passiert, ist ja nicht gerade sinnvoll. Denn ich muss ja mein Leben leben.

Nun, es war für mich selbstverständlich, in so einer Situation nach Hause zu kommen. Doch was ich nun feststelle, ist, dass er einfach nur glaubt, es geht zu Ende, da er sein ganzes Leben schon immer nur den 'worst case' gesehen hat. Er war schon immer ein ausgesprochener Schwarzseher.

Nun sitze ich hier in Deutschland im Haus meiner Eltern herum und fühle mich gespalten. Einerseits ist es ok, dass ich hier bin, um meinen Vater zu unterstützen - gar keine Frage. Es tut ihm gut und ich versuche, ihm Mut zu machen (das ist gar nicht so einfach bei einem so eigensinnigen alten Pessimisten, wie mein Vater einer ist).

Andererseits, nach fast 3 Monaten Reise, wovon mehr als 1 Monat Neuseeland sind, gab es für mich bei der Ankunft in Deutschland einen Kulturschock in die andere Richtung. Ich fühle mich hier regelrecht unglücklich und es macht mich verrückt, diese hetzenden Menschen mit ihrer versteiften Mentalität zu sehen (und mal ganz abzusehen von dem Temperaturunterschied). Es ist zwar ok für einen absehbaren Zeitraum, aber was soll ich tun, wenn das eine endlose Geschichte wird? Seit ich hier bin sagt mein Vater so ziemlich alle 2 Tage, es gehe heute zu Ende. Ich denke jedoch - so ernst es auch ist - er übertreibt. Und ich denke, ich kenne meinen Vater gut genug, um das einzuschätzen.

Momentan fühle ich mich recht ratlos. Ich möchte durchaus meinen Vater unterstützen und denke, dass die Situation sich auch verschlechtern könnte, wenn es schlecht läuft. Doch wie es letzlich ausgeht, weiss man ja nie. Hinsichtlich meines eigenen Lebens bin ich jedoch momentan sehr unglücklich. Es fühlt sich an, als ob das Schicksal mir ins Genick geschlagen hat.

Ich will zurück nach Neuseeland.

Christian
Tiroler
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Registriert: 31 Jul 03 0:33

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Ungelesener Beitrag von Tiroler »

Christian erstmal möchte ich deinen Vater viel kraft und glück wünschen und hoffe das er wieder gesund wird.

Ich hatte (habe) ähnliche probleme 3. menschen in meiner familie sind sterbenskrank. Ich habe lange hin und her überlegt ob ich nächstes jahr zuhause bleiben soll oder nicht. Ich werde fliegen da ich den tod nicht aufhalten kann. Ich spreche mich mit allen personen aus bevor ich verreise da ich nicht weiß ob ich sie wiedersehe. Jeder sollte das selbst entscheiden. Mein leben muß weitergehen. Mein großvater hat zu mir gesagt "ich habe mein leben gelebt,wenn ich sterbe kannst du auch nichts mehr für mich tun, darum verwirkliche deine träume solange du noch kannst" Wie gesagt die entscheidung kann dir keiner abnehmen, ich hoffe aber doch das er nur übertreibt.

Mfg. Martin
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Julchen
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Ungelesener Beitrag von Julchen »

Hallo Christian,
Das tut mir wirklich Leid für Dich. Und für Deine ganze Familie.
Wir haben gestern zufällig auch überlegt, was wir machen würden, wenn auf unserer Weltreise mit unseren Familien was Schlimmes passiert. Wir haben uns entschieden, nicht heimzufahren, wenn jemand stirbt, weil wir ja eh zu spät kommen würden.
Aber wenn es so wie bei Dir einer der Eltern ist und er sich wünscht, Dich nochmal zu sehen - sehr schwierig, ich möchte nicht in Deiner Haut stecken. Jetzt wäre es ja auch sehr hart, zu sagen, Du gehst wieder, weil er immer noch lebt... aber wieder loszufliegen und er stirbt vielleicht 2 Tage danach... oder hierzubleiben und es zieht sich noch 2 Monate oder länger...
Ich weiß auch nicht, was ich Dir raten soll. Ich wünsch Dir auf jeden Fall ganz viel Kraft.
Liebe Grüße
julchen
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Matthes
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Ungelesener Beitrag von Matthes »

Hallo Christian.

Ich kann Deine Gefühle und Gedanken gut verstehen.
Und man hat immer den Gedanken im Hinterkopf: "...egal wie man sich entscheidet, es wird das falsche sein ..."

Auch wenn unsere Reise noch sooo lange hin ist, haben wir uns natürlich auch schon mit der Frage beschäftigt:
"Was macht man, wenn man die Nachricht bekommt, dass ein geliebter Mensch einen Unfall hatte oder im Sterben liegt? Bricht man seine Reise ab? - Unterbricht man seine Reise? - Setzt man die Reise einfach fort?"

Ehrlich gesagt, sind wir noch nicht zu einer Lösung gekommen.

Einerseits will man sich denjenigen gerne noch mal sehen und vielleicht auch in die Arme schließen.
Andererseits kann man aber auch an der Situation nichts ändern und lebt es ist vielleicht schöner, denjenigen so lebensfroh in Erinnerung zu haben, wie man ihn zuletzt gesehen hat.
(So ging es mir bei meinem Großvater, er hatte Landwirtschaft und in war im Weltkrieg und war eben ein richtig großer, kräftiger Kerl, dem nichts zu schwer war. Aber kurz vor seinem Tod ist er in sich zusammen gesackt und war ausgemergelt und kraftlos.
Im Nachhinein bin ich froh, ihn so nicht gesehen zu haben.)

Einen Rat kann man in solchen Situationen sicher nicht geben.
Es kommt wohl auch darauf an, wie eng die Bindung zu dieser Person war/ist.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft und das sich alles so wendet, wie Du es am liebsten hättest.
bye, Matthes :wink:
- - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Wer Sicherheit über Freiheit stellt,
hat BEIDES nicht verdient !
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MArtin
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Ungelesener Beitrag von MArtin »

Lieber Christian,

tut mir leid zu hören, dass Du ein ähnliches Schicksal erfahren hast wie wir, als wir auf Grund des Todes meines Vaters nach 15 Monaten auf Tonga Hals über Kopf nach Deutschland zurück gejettet sind.

Seither empfehlen wir jedem, der länger verreist, sich auf ein solches Szenario gefasst zu machen, bzw. vorab seinen eigenen Frieden für diesen Fall gemacht zu haben.

Offenbar zieht Dein Vater aus Deiner Anwesenheit viel Kraft, bzw. hat Angst, Dich bei Verschlechterung in der Ferne zu wissen.

Wie sehr (oft und lange) Du Dein eigenes Leben diesen Wünschen und Ängsten gemäß einrichtest, musst Du im Familienkreis so klären, dass es im Falle eines Falles nicht zu (Selbst-)Vorwürfen kommt. Das könnte sonst die gesamte Familienkommunikation nachhaltig negativ beeinflussen.

Da ist es schwer, als Außenstehender mehr zu sagen.

Auch Dein zweites Thema ist uns bekannt (wir haben es hier beschrieben).

Tröstet es Dich, dass uns der deutsche Alltag innerhalb weniger Monate wieder "aufgesogen" hat - und das Gefühl, in D "im falschen Film" zu sein, allmählich verschwand?

Alles Gute, halt die Ohren steif,
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Christian.Rio
Reise-Geburts-Helfer
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Registriert: 19 Feb 04 13:54

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Ungelesener Beitrag von Christian.Rio »

Liebe Weltreisenden,

danke für eure Antworten. Doch leider muss ich euch mitteilen, wie sehr ich die ganze Situation unterschätzt habe. Mein Vater ist überraschenderweise am Montag verstorben. Diesmal hatte er Recht. Er hat es wohl deutlich gespürt und es ist gut, dass ich nach Deutschland gekommen bin. Er wollte noch einmal seine Kinder sehen und konnte Abschied nehmen.

Nach Reisen ist mir natürlich momentan überhaupt nicht mehr zumute - auch wenn ich weiß, dass ich zu gegebenem Zeitpunkt mein Leben weiterleben muss. Zusammen mit meinem Bruder sind nun viele Dinge zu bewältigen in nächster Zeit und unsere Mutter braucht Unterstützung. Es ist unglaublich, welch' unmenschliche Maschinerie (Beerdigungsformalitäten, Lebensversicherungen, Krankenkasse, Banken, etc.) in diesem Gesellschaftssystem bei einem Todesfall anläuft und einem in diesem Zustand der Trauer praktisch keine Verschnaufpause im Leben lässt. Es gibt nun viel zu tun hier, um meinem Vater in jeder Hinsicht die letzte Ehre zu erweisen.

Danke für all eure Anteilnahme.

Christian
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Petra
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Wohnort: Berlin

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Ungelesener Beitrag von Petra »

Hallo Christian,
ich wuensche dir sehr viel Kraft, um ueber den Verlust hinwegzukommen!!
Es war bestimmt gut, dass du in den letzten Stunden von deinem Vater mit deiner Familie warst.

Ganz liebe Gruesse und meine Hochachtung, dass du das alles hier so offen schreibst.

Petra
Coll
Kiebitz
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Registriert: 06 Sep 04 11:16
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Ungelesener Beitrag von Coll »

hallo christian,

ich schließe mich petra an. ich habe deine beiträge verfolgt von der vorfreude auf die reise zum packen usw. bis jetzt zu deiner rückkehr nach deutschland.

ich wünsche dir für die nächste zeit viel kraft um das ganze zu verarbeiten!!!

ich denke es wird auch deiner mutter sehr helfen wenn du die nächste zeit vor ort bist und sie unterstützt.

halt dich tapfer und danke für deine offenheit!

viele grüße
nicole
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Julchen
WRF-Spezialist
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Registriert: 17 Mär 04 13:24
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Ungelesener Beitrag von Julchen »

Lieber Christian,
Das tut mir sehr Leid für Dich und Deine Familia.
Ich wünsche Euch ganz viel Kraft in nächster Zeit, mit dem Verlust fertigzuwerden und die ganze Bürokratie hinter Euch zu kriegen.
Alles Liebe
julchen
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