Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

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T_K
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Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von T_K »

Hallo zusammen,

ich möchte hier bewußt eine provozierende Frage stellen:

Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Wie ich auf diese fiese Frage komme? Seit ich das Forum entdeckt habe, lese ich jeden Tag die neusten Berichte; jeden Tag bin ich gespannt, wer was und wo erlebt hat, jeden Tag lese ich wie sich der eine fragt: "Soll ich oder soll ich nicht?", und der andere kaum sein Glück fassen kann, dass er sich endlich seinen Lebenstraum erfüllen kann...

....viele beschreiben ihre Reiselust als ein Verlangen nach anderen Kulturen, nach anderen Sprachen.. andere sagen einfach, es sei ein Virus und man kann nichts dagegen tun... wiederum andere wollen sich selbst finden oder nur von den Alltagssorgen abhauen...

klar, man erlebt Dinge, von denen man bisher nur geträumt hat, und wahrscheinlich noch nicht mal das, denn in der REALITÄT ist es noch viel besser....

..aber das ist genau das Problem:
was ist, wenn man mit seinem Leben hier in unserer Gesellschaft glücklich ist, was ist, wenn man eigentlich zufrieden ist... was ist, wenn man das Leben, so wie es jetzt ist, sich hart erkämpfen mußte und das sehr schätzt...

Was passiert mit all diesem Glück nach einer Weltreise?

Ich lese, dass die meisten schon wieder den nächsten Trip planen, obwohl sie erst 25 Monate weg waren... ich lese, dass andere hier nur wieder da sind, um Geld zu sparen, damit sie so schnell wie möglich wieder in den "Flow" rein können...das Leben hier hat danach an Wert verloren..

Eine Weltreise verändert die eigene Persönlichkeit, es verändert alles...
Es klingt, als ob es nicht mehr möglich wäre, hier in seinem Leben glücklich zu werden.
Verblassen die anderen TRÄUME?: Beruflicher Erfolg, ein schönes Haus, in dem man beobachten kann, wie die Kinder aufwachsen...

Es klingt nach einer Wahl zwischen der blauen und der roten Pille!!!
Man kann sich nur "richtig" für eines entscheiden...

Und genau das macht mir Angst!!! Ich will diese Radikalität nicht. Ich will ein Jahr in die Welt hinaus... vielleicht auch zwei... aber danach, will ich einfach nur dankbar sein, dass ich diese Chance bekommen habe... dann möchte ich in diesem Flow leben, den unsere Gesellschaft bietet...

Ist das wirklich eine Entscheidung zwischen der blauen und der roten Pille?!!

Ich hoffe nicht.. Thomas
Das Leben ist das Produkt unserer Gedanken...
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Matthes
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Matthes »

Hallo Thomas.

Ich kann ja nur für uns (meine Frau und mich) sprechen.

Es sind natürlich sehr interessante Aspekte, die Du da ansprichst, aber in dieser Gesamtkonstellatino treffen sie sicher nicht auf alle zu, die hier schreiben und lesen.

Ich mutmaße jetzt mal und hoffe, ich werde deswegen nicht verurteilt. (soll auch keine Einteilung in Schubladen sein)
Es schreiben hier viele "junge Leute" mit, die zum Beispiel gerade ihre Schule hinter sich gebracht haben und nun erst einmal etwas erleben wollen, bevor es ins Berufs- oder Studienleben geht. Ist ja auch okay.
Ich hätte damals nie und nimmer die finanziellen Möglichkeiten dazu gehabt.
Jedenfalls glaube ich, dass über die Hälfte danach auch in Deutschland glücklich werden und bleiben.

Bei den Älteren Weltreisenden (da zähle ich uns auch dazu und wir sind 32 und 34 jahre), liegt es wohl an einer Art "Werteverschiebung".
Du schreibst zum Beispiel:
Verblassen die anderen TRÄUME?: Beruflicher Erfolg, ein schönes Haus, in dem man beobachten kann, wie die Kinder aufwachsen...
Beruflicher Erfolg ist kein Traum von mir.
In meiner Firma wurden 15 Leute entlassen (aber nur wegen Einsparungen und nicht wegen Auftragsmangel), seitdem arbeite ich 10-12 Stunden täglich und horte Überstunden. Für den Chef ist das alles selbstverständlich und ein Danke bekommt man natürlich nie, denn wenn ich abends nach Hause fahre, dann sitzt mein Chef schon Stunden bei seiner Familie.
Ein schönes Haus? - Ist auch nicht unser Traum. Wir sagen immer, wir haben ein "Nomaden-Gen" in uns. Wir können irgendwie selten länger als 3 Jahre an einem Ort sein. Dann zieht es uns wieder woanders hin (bsiher eben immer innerhalb Deutschlands)
Kinder? - Sind sicher eine wunderbare Sache, aber momentan für uns noch nicht vorstellbar. Wir arbeiten beide Vollzeit, verlassen das Haus frühmorgens kurz vor 7 und sind abends kurz vor 7 wieder zu hause. Haben wedern Eltern noch Großeltern in der Nähe und das einer zuhause bleibt, dafür reichen die Einkünfte des anderen nicht.

Aber egal, ich schweife ab.

Ich denke, je älter man wird und reist, desto schwerer ist die Wiedereingliederung in Deutschland.

Und wenn Du auch nach Deiner Tour in Deutschland wieder glücklich und zufrieden sein willst, dann betrachte es doch einfach als "Langen Urlaub".
Ich bin mir sicher, dass man auch nach einer 1-jährigen Tour in Deutschland wieder glücklich sein und ein zufriedenes Leben führen kann.
Die Erinnerung an Deine Tour kann Dir doch keiner nehmen.
Und mittlerweile sind einige Arbeitgeber ja auch überzeugt, dass ein Sabbatical auch gut für das Unternehmen ist, weil der Arbeitnehmer gestärkt und mit neuen Erfahrungen zurück kehrt.

Lass Dich also nicht "blenden" von den vielen "Ich-will-wieder-weg".

War das irgendwie verständlich?
Mir schwirren so viele Gedanken zu dem Thema im Kopf rum, aber ich kann sie irgendwie nicht richtig sortieren.
bye, Matthes :wink:
- - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Wer Sicherheit über Freiheit stellt,
hat BEIDES nicht verdient !
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pukalani
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von pukalani »

hallo thomas!
interessante frage, die auch mein hirn erheblich angeschubst hat!

für mich ist (langzeit)reisen auch eine art *erdung*, die mir hilft, mein normales" leben zu geniessen. freunde und familie für eine weile zu entbehren und sich ggf nur mit reisebekanntschaften zu umgeben macht deutlich wie sehr wir (hin und wieder) ein vertrautes umfeld brauchen. eine home-base. menschen die uns sehr gut kennen. die uns wieder runterbringen.

ich mag mein leben hier. und trotzdem würde ich (wie in der vergangenheit) immer wieder einen *karriere-rückschritt*
in kauf nehmen um meinen horizont zu erweitern. für ein paar monate zu verschwinden wird mir als grafikerin
bestimmt auch leichter gemacht als einem bankangestellten. meine kunden respektieren und schätzen meinen freiheitsdrang.
und meiner kreativität tut es auch gut.

ich habe aber keinen langzeitplan:
- unterwegs hängenbleiben? kann sein.
- kinder haben? kann sein.
- firma vergrößern? kann sein.
- woanders neu anfangen? kann sein.

es MUSS aber nicht :!:

ich bin dankbar für die veränderungen, die meine auszeiten in mir bewirkt haben. charakterschule, selbständigkeit, mut und stärke genauso wie bescheidenheit und größeren respekt gegenüber anderes lebensformen.

rote oder blaue pille? ich wage nicht zu sagen ob ich der mensch bin, der irgendwann sesshaft wird und seinen kindern im vorgarten beim spielen zuschaut. oder ob ich mich dauerhaft über den globus treiben lassen.

ist es vermessen zu sagen: ich will beide pillen?

geht das? :?

die zeit wird es zeigen.

bis dahin: schönes träumen :)
LIVE ALOHA!
lani

ps: auch ich zähle mich zu den "älteren reisesemestern"... :D
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Petra
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Wohnort: Berlin

Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Petra »

Hallo,
ich befinde mich gerade auf einem 1-Jahrestrip durch Suedamerika und freue mich sehr im Maerz oder April nach Hause zu gehen.
Aber ich weiss auch, dass ich immer Langzeitreisen machen werde, auch wenn ich Kinder habe. Wahrscheinlich geht es in 1-2 Jahren wieder auf eine mehrmonatige Reise.
D. h. nicht, dass ich mich in Deutschland nicht wohl fuehle. Dort sind meine Familie und meine langjaehrigen Freunde - meine Heimat.
Reisen bedeutet fuer mich Horizonterweiterung und Dinge zu sehen, die man zuhause nicht sieht. Man hat unendlich viel Zeit zu reflektieren und ich lerne hier jeden Tag mehr, als wenn ich arbeite.
Ich denke, man sollte nicht fliehen, denn es wird im Ausland bestimmt nicht besser und man wir frueher oder spaeter mit den gleichen Problemen konfrontiert.

Reisen macht definitiv nicht mein Leben in Deutschland zunichte, es bereichert mein Leben ungemein und ich versuche immer gute Dinge aus anderen Kulturen mit nach Hause zu nehmen!!

Ganz liebe Gruesse aus dem wunderschoenen Patagonien / Argentinien

Petra
Thomas
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Beiträge: 63
Registriert: 31 Okt 03 10:49

Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Thomas »

Hi,
T_K hat geschrieben:was ist, wenn man mit seinem Leben hier in unserer Gesellschaft glücklich ist, was ist, wenn man eigentlich zufrieden ist...
Wie waere es damit: Dann macht man vielleicht mal eine Reise, erweitert seinen Horizont damit und kommt gluecklich wieder nach Hause und geniesst auch das Leben in Deutschland gleich viel mehr.
T_K hat geschrieben:Und genau das macht mir Angst!!! Ich will diese Radikalität nicht. Ich will ein Jahr in die Welt hinaus... vielleicht auch zwei...
Nimm Dir vielleicht nicht gleich zu viel auf einmal vor. Ich persoenlich halte 6-12 Monate fuer einen guten Zeitrahmen. Das ist zum einen lang genug, um die Reise ausreichend geniessen zu koennen und um auch wirklich mal abzuschalten. Zum anderen ist es kurz genug, um dem Leben in der Heimat nicht vollkommen zu entruecken.

Und noch eines: Hier vermitteln manche das Gefuehl, als ob man sich dafuer schaemen muesste, gern in Deutschland zu leben und auch gern seinem Job nachzugehen. Das teile ich persoenlich nicht. So schwarz/weiss ist die Welt nicht. Manch einer fuehlt sich nur (und ausschliesslich) auf Reisen wohl, mancher nur zu Hause und andere verbinden es miteinander. Ein guter Job, eine Familie und ein zu Hause in Deutschland sind nichts abartiges. Da lasse Dir mal nichts einreden.

Beste Gruesse.

-th.
andrea58
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Wohnort: Aachen

Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von andrea58 »

hallo thomas,
ich finde auch nicht, dass es die wahl zwischen roter und blauer pille ist. warum nicht "sowohl als auch"? ich finde gerade die voraussetzung, dass du dich hier wohl fühlst, eine gute. für mich persönlich ist gerade das weggehen für eine weile eine gute gelegenheit, deutlich zu spüren, was mir HIER gefällt und wichtig ist. und dann gibt es, glaube ich, zeiten im leben, da gewinnt eines eine deutliche priorität und dann WILL man los und die zweifel treten in den hintergrund. so war es jedenfalls bei mir. ich war übrigens auch letztes jahr erstmal 3 monate und hab da für mich viel mut und elan bekommen, nun dafür auch den job zu kündigen und länger zu gehen...als ich damals wieder kam, bin ich wohl erstmal abgestürzt und kam nach einer weile auch auf den grund. ich hatte mich monate vorbereitet (hatte dort gearbeitet), alles lief nur auf dieses ziel, dann war ich da (ladakh), alles war aufregend- und dann hier normaler, gut funktionierender alltag. da mußte ich mich erstmal ausbalancieren und meine zeit wieder neu strukturieren und mir wieder ziele setzen (die braucht vielleicht auch nicht jeder).auch rückblickend muß ich sagen, es war eine bildende, wunderschöne und mich selbst sehr weiterbringende zeit. deshalb nun nochmal. und was dann kommt, wer weiss... hat aber vielleicht auch was mit alter und lebensumständen zu tun, was gerade in den vordergrund tritt und ob man mehr planung und (vermeintliche) sicherheit sucht und braucht oder sich ein stück mehr dem überläßt, was sich ergibt. also- ich wünsche dir klarheit und möglichst viel von roter UND blauer pille! ciao andrea
Simone
WRF-Förderer
Beiträge: 13
Registriert: 10 Aug 04 17:11
Wohnort: Nürnberg

Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Simone »

Lieber Thomas,

macht man sich nicht nur das Leben zunichte, wenn man es nicht lebt?! Leben meint doch e r l e b e n, mit allen Hoehen und Tiefen. Den Dingen nicht aus dem Weg gehen, sondern sie zu durchleben, auch Aengste. Wenn ich nicht das lebe, worauf ich neugierig bin, was mich wirklich anregt und "aufregt", was tue ich dann eigentlich? Dabei spielt es keine Rolle, was genau das fuer jeden einzelnen ist...
Faraway
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Beiträge: 111
Registriert: 20 Aug 04 19:54

Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Faraway »

Hallo Thomas,

ja, die Fragen stelle ich mir auch manchmal. Bei mir solls im März los gehen für ein Jahr, und ich habe auch schon gedacht: Was ist, wenn ich mich danach hier zu Hause nicht mehr einleben kann?

Ich sage mir:
Wenn ich mir meine Traum nicht erfülle, weil mir der Mut fehlt, bin ich unfrei und eingeschränkt.

Wenn ich im Anschluss an die "Auszeit" reisen MUSS, weil ich den "Kick" des neuen brauche, wäre ich ebenso unfrei und eingeschränkt.

Ich hoffe, es gelingt mir, den Mittelweg zu finden!

Ich will aber dazu sagen, dass das für mich gilt. Bei anderen Menschen mag es anders sein.

Gruß Martina
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MArtin
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von MArtin »

Hallo :)
Faraway hat geschrieben:Was ist, wenn ich mich danach hier zu Hause nicht mehr einleben kann?...
Ich denke, es müsste heißen. " ... nicht mehr einleben will".
Können kann man m.E. immer - aber wollen?

Und das ist wohl auch die Zweischneidigkeit:
Für die Daheimgebliebenen sieht es wohl oft so aus, als sei ein Leben zunichte gemacht - das weltreisende Individuum mag das, z.B. durch eine Horizontverschiebung, ganz anders empfinden.

Ich kann da viele Gedanken, die Afrika23hier geäußert hat, gut nachvollziehen.

Liebe Grüße, derzeit aus Barbados :)
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