Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

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T_K
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von T_K »

Hallo zusammen,

ich habe diesen Thread eroeffnet und sollte daher noch einpaar abschliessende Worte sagen; erstmal vielen Dank fuer eure Beitraege; sie haben mir wirklich geholfen, meinen "inneren Frieden" zu finden.

Denn das groesste Hindernis bei der Entscheidung fuer Meine Reise war einfach die Angst, es war die Angst vor der Zukunft, die Angst vor dem Ungewissen, die Angst vor dem, was danach kommt, wenn ich zurueckkomme, aber vor allem die Angst, das "aufzugeben", was man erreicht hat....

Obwohl diese Angstgedanken nicht voellig unbegruendet sind, bin ich sehr froh, dass ich den Mut gefasst habe und mich fuer Meine Reise entschieden habe... ich bin nun seit zwei Wochen unterwegs..
Was ich mir immer sage ist, dass ich mich bewusst fuer diesen Schritt entschieden habe, so dass ich auch die Konsequenzen akzeptieren werde. Und natuerlich kann man den Trip ja jederzeit unterbrechen; es geht nur darum, dass man mit sich selber ehrlich ist und wenigstens versucht auf sein "Herz" zu hoeren.

Jetzt bin ich vorallem gespannt, was auf mich zukommt, was ich alles erleben werde, was fuer Menschen ich kennenlernen werde...

Und es ist ein schoenes Gefuehl, wenn man es schafft, dass die Angst nicht mehr die treibende Kraft bei Entscheidungen ist...


In diesem Sinne an alle Unentschlossenen: Traut Euch!!!

Thomas
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TropicHeat
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von TropicHeat »

pukalani hat geschrieben:auch ich zähle mich zu den "älteren reisesemestern"... :D
...was soll ich denn dann sagen? mit 50?

Ganz vorne in meinem Bücherregal stehen neben anderen Reisebüchern "100.000 km Orient" von Rolf Schettler (1977!) und "1.000 Tage Freiheit", Wolfgang Weise (1987). Mich selbst hat es gepackt mitte der 70er auf einem recht abenteuerlichen Trip in die Türkei, Syrien (wo wir 'nen alten Mercedes verkauft haben zur Reisefinanzierung), Iran, und Afghanistan...

Und ich habe immer Individual-Reisen bevorzugt!
Afrika23 - anderer Thread, hat geschrieben:Viel wichtiger war, dass der eigene Urlaub (der Urlaub der lieben Kollegen, Freunde, Bekannten) auf "Mallorca" (und auch anderswo) genial war, das Buffet war erste Sahne, der Swimmingpool auf aufregend, die Cocktails waren ultimativ und der Service war beispielhaft.
Ich erinnere mich noch gut wie ein junger Mitarbeiter von mir in Pauschalurlaub in den Senegal geflogen ist (und ich neidisch in der Firma zurückblieb), und er eine Woche früher zurückkam, total frustriert "quatsch Urlaub, kein Service am Pool, keine Animation..." Das war dann für Jahre danach das Schlagwort unter all meinen Freunden - LOL!

Ich denke dass Individual-Fernreisen einen nur stärken für das Alltagsleben zuhause: man/frau wird wesentlich toleranter, aufgeschlossener, und gelassener, denn die deutsche Starrköpfigkeit und gewohnten Erwartunghaltungen bringen einen nicht weiter in anderen Kulturen.
Jedesmal, wenn ich in DL bin, fällt mir auf wie schnell man die Deutschland-Erfahrung umschalten kann: ein paar freundliche Worte im Geschäft, ein kurzes "Keine Eile, machen Sie erstmal fertig was Sie gerade tun..." und "Danke, und einen schönen Tag noch!" können oft der muffeligsten Verkäuferin ein Lächeln abringen... :D
glueckskind hat geschrieben:Oh ja, als Spinner wurde ich auch schon bezeichnet, als ich anderen von meinen Träumen und Plänen erzählt habe.
Und viele sagen dann auch "Ach ja, das würde ich natürlich auch gerne mal machen....wenn ich das Geld hätte.....wenn ich die Zeit hätte.....wenn ich keine Verpflichtungen hätte....."
Wenn, wenn, wenn...
Viele lassen sich von diesen "wenn" und "aber" abhalten. Aber dann ist der Wunsch wohl auch nicht groß genug.
Ich weiss nicht ob das nicht eine "Speziell Deutsche Denkensweise" ist. Als ich meine Firma in Deutschland verkauft habe (die mir ein wirklich gutes Einkommen gebracht hat, aber keine Zeit, um das Geld auszugeben oder zu reisen) habe ich das die ganze Zeit gehört. Und als ich dann zurückkam und von Auswanderung sprach, fing es wieder an.


Und jetzt: wir waren Millimeter davon entfernt "unser Traumhaus" zu bauen! Dreieinhalb Jahre habe ich daran geplant; ich war schon immer in Architektur interessiert. Das Grundstück haben wir seit 2001, alle Pläne waren genehmigt, die Garage ist schon voll mit Materialien (deutsche Toiletten und Armaturen, etc. und spezielle Leuchten), ein Bauunternehmer wollte in 4 Wochen anfangen, Preis war auch schon klar (mehr oder weniger), die Bank hatte die Hypothek schon genehmigt - - -

und dann - - -

ruft mich so'ne nervende Tante an und will mir ein "Time-Share" Ferienapartment verkaufen. Der habe ich dann 5 Minuten die Ohren vollgeredet, dass das nicht meiner Art von "Reisen" entspricht, dass es so viele schöne Plätze auf dieser Erde zu entdecken gibt, dass ich bislang erst in 46 von möglichen 140 Ländern war, und, und, und...

Und dann habe ich aufgehängt und bin ins Grübeln gekommen; das Haus wurde so teuer (vor allem weil Preise hier in Australien so rapide steigen z.Zt.), dass wir für ca. 10-15 Jahre Schulden gehabt hätten (schliesslich will man in einem prächtigen modernen Haus auch die passenden Möbel haben), und dann wäre ich weit über 60 und wohl zu alt für Fernreisen (ausser Pauschal). Auf der anderen Seite: wir haben schon ein kleines nicht so prächtiges Haus, voll bezahlt, und wenn wir Grundstück und Haus verkaufen, können wir (fast) von den Zinsen leben und für Jahre reisen. Als ich meiner Frau das alles unterbreitete konnte sie zu meiner Überraschung kein einziges Gegenargument finden... GRINS!

Also bin ich z.Zt. heftig am Pinseln um unser Haus verkaufsfertig zu bekommen (fast geschafft! noch 'ne Woche oder so!) und nächstes Jahr soll's losgehen. Inzwischen finden wir mehr-und-mehr Ziele: am Anfang war's USA und Kanada (so zum Eingewöhnen) und runter bis Costa Rica (deutsche Freundin besuchen), dann Südamerika, jetzt überlegen wir schon, ob wir nicht das Auto von Argentinien nach Südafrika verschiffen können...

Und Jeder und Alle sagen "Good onya" (Aussie slang "Na Toll" oder so) - ausser einem deutschen Freund hier, der all die o.g. Gründe anbringt: wenn ihr alles verkauft, dann werdet ihr nie wieder die Chance haben was neues zu kaufen, das Geld wird immer weniger wert, Preise steigen, Zukunft, bla-bla-bla...

Dazu 2 Sätze - beide von "weisen" älteren Menschen:
Meine Tante, die 96 ist, hat bei meinem letzten Besuch in einem ihrer klaren Momenten zu uns gesagt:
"Und denkt nicht, dass Ihr das ja noch später machen könnt - ignoriert alle Vorwände und macht jetzt was ihr machen wollt - denn 'später' kommt und ihr merkt ihr seid zu alt dazu und könnt es nicht mehr machen."

und ein Rentner-Ehepaar, das ich in einem Camper auf meinen Reisen hier in Australien kennengelernt hatte:
"If you die with a Dollar in your pocket it was a wasted one!" [Wenn'de mit 'nem Euro in der Tasche stirbst war's Verschwendung]

In diesem Sinne: gute Welt-Reise!
Im Camper unterwegs durch Amerika von 03/06 bis 05/09: http://dare2go.com
Christian86
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Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Christian86 »

Ein gutes hatte der Spam eben ja - der Thread kam hoch und ich wurde auf ihn aufmerksam :)

Da ich selber noch nicht außerhalb Europas gewesen bin und meine Reise (teilweise als Volontär) noch vor mir steht , gingen mir eben solche Gedanken auch lange durch den Kopf.
Habe eben mal die 2 Seiten gelesen und es ist wirklich interessant - vor allem das Höhlengleichniss.

Ich kann nix dazu beitragen , weil ich nicht aus Erfahrungen reden kann , aber ich hab mich entgegen einer "großen und sicheren" Beamtenlaufbahn auch bereits für das freiere Leben entschieden und hoffe von Gott geleitet nicht "enttäuscht" zu werden.
Im September beende ich scheinbar recht erfolgreich meine Ausbildung zum Finanzwirt - die Noten reichen um den direkten und vor allem bezahlten Aufstieg in den gehobenen Dienst machen zu können - das geld würde "sprudeln" und ich hätte nenn doch fast sattelfesten job auf Lebenszeit. Eben die beste Grundlage für Haus und Familie ...

Aber ich durfte bereits genießen , was es bedeutet für Menschen zu arbeiten und vor allem unter Menschen zu LEBEN - hört sich oft einfacher an , als es gemeint ist und ich denke außerhalb Europas kann ich noch viel mehr erleben , was LEBEN bedeutet und meinen Horizont erweitern , als es das Büro der Finanzverwaltung Pirmasens zulässt :lol:

Das reisen bedarf sicherlich ausschließlich der eigenen meinung und dem eigenen Drang nach neuem. Ich geh mal davon aus , dass es wohl keinen menschen in Deutschland gibt , der nicht zumindest in geringster Weise ein unter dt. Gesichtspunkten der Gesellschaft "eingeschränktes" Leben führt. Da hilft m.E. nur eine Horizonterweiterung außerhalb unserer gesellschaft hier , um durch die gegensätze anderer Kulturen zu entdecken , wie es wohl aufem mittelweg und der anderen Seite des Lebens hier und jetzt aussieht.

Mir jedenfalls ist es das Wert eine große finanzielle Chance aufzugeben , die mich lediglich ein leben lang im Trott der dt. Gesellschaft gefangen genommen hätte.

Dann doch lieber die Fesseln beiseite legen , bevor ich sie um mich und den Stuhl wickel - Heimat findeste dort , wo Du sie fühlst - aber finden bedeutet suchen und sich selbst bewegen - NICHT bewegt zu werden.

Also liegt es an jedem einzelnen sich zu "bewegen" , um zu erkennen , dass der Horizont mehr bietet , als das , was wir von deutschen Grenzen aus zu erkennen vermögen !

Möcht Dich insoweit aufmuntern die Fesseln der Gesellschaft (Familie , Geld) beiseite zu legen , bevor Du nicht das andere Ende gesehen hast , dass Dir zumindest etwas zeigen will - danach kann man sich immer noch entscheiden und es bleibt auch nicht jeder am Weltreisefieber hängen.

Und da darf man sich keine Angst machen lassen , denn das ist schon die erste Fessel , die Dir die Gemeinschaft hier bietet - lässte Dich auf die Angst ein , hängste Dich direkt ins erste Seil der Fesseln , das Dir die Gemeinschaft bietet. Aber damit nimmst Du Dir selbst die spätere Entscheidung nach Deinem eigenen Leben.

Och ich könnt noch soviel weiterschreiben , aber das liest doch keiner mehr :D

solong - meine bisherige Einstellung
"An dem Tag, an dem Wir voller Überzeugung sagen können, dass alle Kinder dieser Welt unsere Kinder sind, beginnt der Frieden auf Erden" - Hermann Gmeiner
vabels
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Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von vabels »

Horizonterweiterung

Es ist zwar schon lange her: 1984 kündigte ich meinen sicheren Job bei einer Krankenkasse bereiste für über 10 Monate Indien Nepal und Sri Lanka. Als ich zurück kam freute ich mich auf Deutschland. Dann hatte ich eine depressive Phase von ein paar Wochen. Aber die verging. Ich besuchte noch mal die Schule und vieles in Deutschland machte Spaß. Aber irgendwie hatte ich nach einiger Zeit wieder Fernweh. Nach 3 Jahren ging es wieder für 2 Monate nach Indien. Weitere 3 Jahre später war ich 3 Monate in Indonesien und Malaysia. Ein Jahr später 3 Monate auf den Philippinen und Thailand.

Ich hatte mich in Deutschland eingelebt und brach hin und wieder für ein paar Monate aus. Seit dieser Zeit bin ich im Durchschnitt alle 2 Jahre für 1 Monat in Thailand.

In drei Jahre (ich hoffe es klappt auch) möchte ich jährlich für ein paar Wochen bzw. Monate nach Thailand und Südostasien.

Mein Fazit zum Thema Horizonterweiterung:

Ich habe auf meinen Reisen tolle Menschen kennen gelernt u. a. meine Frau.
Ich war in den höchsten Gebirgen, dem tiefsten Dschungel, war in menschenleeren Wüsten und in brodelnden Städten. Ich war bei Bauern, bei Nomaden, war zusammen mit Touristen und normalen Menschen der Mittelklasse. Ich besuchte verschmutze Slums und sprach mit den Menschen dort. Ich genoss die Stille und den Duft unberührter Natur. Erlebte wilde Tiere in freier Natur. Ich ärgerte mich herum mit Beamten und freute mich über die Hilfsbereitschaft vieler Menschen.

Kurz gesagt, ich habe einen Menge erlebt und meinen Horizont erweitert.
Vor meinen Reisen habe ich sehr viel über Deutschland geschimpft. Heute schimpfe auch über Deutschland, aber lange nicht mehr so viel und ich lerne vieles Schätzen was es hier gibt. Ich bin ruhiger und gelassener geworden und genieße die Vorzüge die Deutschland bietet. Aber ob ich immer hier leben werde weiß ich noch nicht.

Und noch was – ich habe gelernt viel zu lächeln. Ich versuche immer (klappt meistens aber nicht immer) freundlich und höflich zu sein – und es funktioniert auch in Deutschland. Auch brummige Westfalen können lachen und freundlich sein.

Also keine Angst vor langen Reisen ------
so ich mach Schluss und gucke Fußball. Die Normalität hat mich wieder. :P :oops:

Gruß
Volker
Sehen ist subjektiv - auch meine Antworten!

Besucht doch auch mal mein Blog:
http://www.foto-reiseberichte.com
Tiroler
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Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Tiroler »

Zuerst mal schönen tag an alle!

Ich fliege im august auch für mehrere monate nach thailand.Da ich novize od. mönch auf zeit werden will.

Ich hab meine arbeit noch nicht gekündigt, das schreckt mich ein wenig ab da mein chef dann komplett ausrastet. Ich frage mich oft was wird danach? Ich war noch nie arbeitslos,länger als 9 wochen im ausland, ohne wohnung.... :?

Auf der anderen seite freue ich mich so und meine innere stimme sagt mir "mach es".

Ich bin noch jung (26) und ich sehe viele in meinen alter die schon kinder haben und nicht mehr reisen können und ältere die es wahnsinnig bereuen das sie nie ihre träume verwirklicht haben, nein das will ich nicht.

Ich arbeite um zu leben und nicht umgekehrt.

l.g martin
2 x China, 14 x Thailand, 3 x Neuseeland, 5 x Cook Inseln, 3 x Spanien , 2 x Jamaika, 2 x Kuba , 3 x Frankreich, 2 x Schweiz, 1 x Brasilien, 1 x Dubai, 1x Nepal, 1 x Kenia, 4 x USA, 1 x Indien, 1 x französisch Polynesien, 2 x Kambodscha, 1 x Australien. Unzählige Male in Deutschland und Italien, England (nur London), Ägypten, Kroatien, Slowenien, Dom rep.

viewtopic.php?f=48&t=218&hilit=Tiroler#p545
viola
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Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von viola »

Also ich denk mal es kommt auf den Menschen an, ich bin zu Hause glücklich und auf Reisen. Wichtig ist glaub ich, dass man sich beim nach Hause kommen nicht zu viel von seinen Freunden und Verwandten erwartet, denn die haben in der Regel nicht Stunden lang Zeit oder Lust dir zu zuhören. Du siehst in deinen Fotos viel, viel mehr als die Zuhause gebliebenen, weiters hat sich bei dir sehr viel getan und zu Hause ist alles beim alten, find ich aber garnicht so schlecht nebenbei. Drum find ich es schön einen Reisepartner zu haben, denn mit dem kann man auch später noch die Erfahrungen teilen. Und ein Bisserl Zeit zum einleben braucht eh fast jeder, ich bin am Anfang immer ein Bißerl ferngesteuert.
Also keine Sorge, und viel Spaß
Vivo
Julian
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Registriert: 25 Jan 05 14:29

Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Julian »

Ich glaube Harald Schmidt hat in diesem Zusammenhang sinngemaess gesagt, dass er eine Weltreise-Pflicht fuer jeden Deutschen begruessen wuerde. 10 % bleiben unterwegs irgendwo haengen (die sind wir dann los)und der Rest geht mit einer neuen, viel offeneren Einstellung durchs taegliche Leben.

Ich bin 23, ich weiss daher nicht wie es ist 63 zu sein, aber ich glaube das trifft auf alle Alterskategorien zu.
Cocco
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Registriert: 14 Jan 06 23:12

Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Cocco »

Hallo zusammen,

nach drei Monaten in Vietnam, Thailand und Malaysia bin ich jetzt für kurze Zeit wieder in Deutschland, bevor es weiter geht mit der einjährigen Weltreise.

Ich habe in den drei Monaten schon so viel erlebt und gesehen - in Deutschland geht die Zeit meist einfach so dahin. Und viele Vorteile Deutschlands (Sozialsystem, Gesundheitswesen, Gleichberechtigung) sind mir erst im Ausland so richtig bewusst geworden.

Da ich zum ersten Mal in Asien war, war mir vieles fremd und hat mir auch teilweise Angst gemacht. Aber für mich war es eine tolle Erfahrung, dass ich auch schwierige Situationen bewältigen konnte. Und es hat meinen Horizont erweitert, z. B. mit Einheimischen über ihr Leben zu sprechen.

Mit 34 Jahren bin ich in einem Alter, in dem viele Freundinnen heiraten und Kinder bekommen. Interessant war ein gemeinsames Kaffeetrinken kurz nach meiner Rückkehr, bei dem es wirklich nur um die Themen Haus und Kinder ging. Von meinen Erlebnisse wollte niemand etwas hören.

Um noch mal auf das Höhlengleichnis zurück zu kommen: Vielleicht wäre der Rückkehrer einfach nur ignoriert worden - in so einer Höhle ist es ja auch gemütlich, kuschlig und alles ist bekannt. Sich dagegen hinauszutrauen, das kostet manchmal ganz schön viel Überwindung. Aber es ist auch unglaublich schön und spannend.
Meike
Aktives WRF-Mitglied
Beiträge: 65
Registriert: 22 Jul 04 14:00

Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Meike »

Hallo Thomas,

ich habe auf meiner Weltreise meinen 34. Geburtstag gefeiert, gehöre also auch eher zu den älteren Semestern.
Es gibt viele Dinge, die mir vor der Reise wichtig oder unwichtig waren und die es nach der Reise auch blieben.
Beispiele:
Ich habe in einer Eigentumswohnung gewohnt, weil es mir für die Rente wichtig ist und das ist auch heute noch so. Die Wohnung habe ich untervermietet und am Ende der Reise habe ich mich sehr auf meine eigene Wohnung gefreut.
Vor der Reise hatte ich kein eigenes Auto und das ist mir auch nach der Reise immernoch nicht wichtig, sodass ich jetzt auch keines habe.

Ich habe mich durch die Reise nicht sehr verändert. Mein Job jetzt ist dem Job davor sehr ähnlich, ich bin kein hauptberuflicher Weltverbesserer geworden oder Fleischhasser. Ich trage noch die gleiche Kleidung, die gleiche Frisur und habe die gleichen Hobbies. Also alles beim Alten. Ich habe mich wieder sehr schnell hier eingelebt, aber das liegt vielleicht auch daran, dass meine letzte Station 2 Wochen Finnland waren. Da konnte ich mich schon wieder an das kühle Wetter und an den Euro gewöhnen.

Und was hat sich durch die Reise bei mir verändert? Als ich zurück war, habe ich alle meine Sachen, die während der Zeit im Keller standen, zurück in die Wohnung geräumt. Aber nach ein paar Tagen hatte ich das Gefühl "das paßt nicht mehr". Dann habe ich mir eine Woche Zeit genommen und habe alles ausgemistet. Das gab mir ein gutes Gefühl, ich habe jetzt nur noch die Dinge, an denen ich hänge und den Rest habe ich bei Oxfam gespendet (auch ein gutes Gefühl). Außerdem mache ich jetzt viel öfter einen langen Spaziergang, wenn das Wetter schön ist und sitze nicht den ganzen Tag im Büro (ich bin freiberuflich tätig, kann mir das also selbst "genehmigen").

Aber ich gehöre auch zu den Leuten, die gerne wieder losziehen würden (ich bin jetzt seit 2 Jahren zurück). Und wenn ich 1x im Jahr ein Wochenendseminar zum Thema "Weltreise" gebe, dann kommen die ganzen Erinnerungen hoch. Ich bin jedes Mal erstaunt, dass ich meinen Rucksack in einer halben Stunde gepackt habe. Und dann steht er da gepackt in der Ecke... und ich bräucht nur ein Flugticket... Da ist die Versuchung groß und ich muss den Rucksack gleich nach Seminarende wieder auspacken.

Abschließend kann ich nur sagen, dass die Weltreise nicht mein ganzes Leben zunichte gemacht hat. Sie hat es auch nicht sehr verändert. Und es war das Beste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe.

Grüße,
Meike
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