Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Worüber man in der Welt-Reise-Community so spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)
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Hildegard Grünthaler
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Hildegard Grünthaler »

Hallo Thomas,
warum sollst Du das nicht schaffen, ein Jahr Reise und danach glücklich und zufrieden Dein Leben hier leben?! Wir waren drei Jahre weg und haben hinterher ganz bewusst und intensiv die Schönheiten unserer näheren Heimat wahrgenommen, die Vorzüge unseres Sozialsystems (die stechen besonders nach einem längeren USA-Aufenthalt ins Auge), und den Komfort eines bequemen Hauses. O.K. – das Negative sticht uns heute noch drastischer ins Auge – vor allem unser rücksichtsloser Autoverkehr und die Muffigkeit und Unfreundlichkeit der Mitmenschen untereinander. Und was das Fernweh angeht, das uns dazu trieb, alles zu verkaufen was nicht niet- und nagelfest war und sogar unser Haus zu vermieten – es war danach wirklich gestillt – zumindest für ein paar Jahre, denn so langsam meldet es sich wieder! Mag sein, dass es Dir nach Deinem Jahr irgendwann genauso geht.
Meinem Mann und mir blieb die Entscheidung erspart: Reisen oder Kinder oder Beruf und Haus. Als wir jung waren hatten wir einfach kein Geld zum Reisen, unsere Kinder kamen früh und damit die Verantwortung – was aber nicht heißen soll, dass uns (besonders meinen Mann) in dieser Zeit nicht das Fernweh geplagt hätte. Aber dann waren die Söhne plötzlich erwachsen und mein Mann ist einfach ein paar Jahre eher aus dem Beruf ausgestiegen!
Mit einem hast Du auf jeden Fall recht:: Eine Weltreise verändert die Persönlichkeit! Aber ganz bestimmt nicht zum Nachteil! Man sieht die Dinge gelassener, wird toleranter – und vielleicht hilft Dir das, wenn Du „nachher“ wieder in den Beruf und das Leben hier einsteigst – für wie lange auch immer – denn wir haben unterwegs durchaus auch einige Beamte getroffen, die ihren Beamtenstatus, ihren Pensionsanspruch, Haus und festen Wohnsitz gegen ein Leben als Dauerreisende eingetauscht haben!
Genieße Dein Jahr oder zwei – und wenn Du hinterher merken solltest, dass Dir das nicht gereicht hat, dann ziehst Du eben noch einmal los! Haus, Auto und andere Statussymbole wirst Du dann eh nicht vermissen!
Gruß
Hildegard
www.wohnmobil-weltreise.de

Verschiebe nicht auf morgen, was du heute tun kannst; denn wenn es dir heute Spaß macht, kannst du es morgen wieder tun.
Herzog von Wellington
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Feuereule
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Feuereule »

Eigentlich ist schon alles gesagt. Aber kennst Du das Höhlengleichnis? Wenn nicht, dann lese es Dir mal durch. So ungefähr ist das mit den Reisen. Und nur eins noch zum Bezug zum eigenen land, man ändert seine Sicht auch etwas ins positive, wenn Du einmal Leprakranke Kinder in Indien auf der Straße oder arme Bauern in den Bergen Boliviens gesehen hast. Auch eine von vielen Erkenntnissen: das Deutschland als Heimat nicht sooo schlecht ist.

LG und viel Spaß!
8)
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Hildegard Grünthaler
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Hildegard Grünthaler »

Hallo Feuereule,
wo finde ich das Höhlengleichnis? Habe noch nie davon gehört!
Grüße von
Hildegard
www.wohnmobil-weltreise.de

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Herzog von Wellington
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Feuereule
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Feuereule »

Da musst Du eigentlich nur mal bei Google "Höhlengleichnis" eingeben, und Du wirst tausende Einträge bekommen. Es ist das berühmte Gleichnis des Griechen Platon, aus dem Buch "Politeia". Ich verwende das ganze gern, wenn jemand so eine Frage wie oben stellt, auch wenn es zugegebenermaßen ein wenig arrogant erscheint :roll: . Jetzt mal die Kurzfasung nach mir: es geht um einen Dialog. Beschrieben werden Menschen die in einer Höhle haußen, eingesperrt und an Stühle gefesselt. Das Leben ausserhalb, hören die Menschen nur bzw. sehen Schatten. Schliesslich geht der Dialog um die Annahme, dass einer befreit würde, gezwungenernmaßen müsste er sich nach außen bewegen, und dort die Sonne, Sterne und die Schönheit der Welt begreifen. Die Frage ist nun, was passiert wenn der Gute wieder zurück in die Höhle kommt?
Platon meint, er würde getötet werden..... :oops:
Niemand würde ihm glauben, obwohl er den Drang hätte sich mitzuteilen und den Anderen von der Schönheit der Welt zu erzählen.....(Willkommen im Forum 8) )

Es ist eine sehr freie Interpretation (nicht ganz mein Fachgebiet), aber jemand der noch nie lange gereist ist, nie die Freiheit des Travellens gespürt und gefühlt hat, andere Kulturen erlebt und genossen, sich einfach nur hat treiben lassen....der glaubt einem auch nicht.
Das ist wie wenn man als Kind der Mutter nicht glaubt, dass die Herdplatte heiss ist, man muss mal selbst tasten :idea: ....

Wenn es Dich interessiert, eine bessere Erklärung findest Du beispielsweise hier: http://www.stud.uni-hamburg.de/users/br ... is.htm#4.4

na dann, LG :?
glueckskind
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von glueckskind »

Hallo Feuereule,

ich hab mir das Höhlengleichnis auch gerade mal angesehen.
Es ist eine wirklich erschreckende Vorstellung.
An einem Stuhl in einer Höhle gefesselt zu Leben. Nur erahnen zu können, dass es außerhalb dieser Höhle eine andere, viel größere Realität gibt.

Eigentlich leben wir hier auch wie diese Höhlenmenschen. Man lebt in seiner eigenen kleinen Welt und bekommt nur durch die Medien einen Eindruck von dem was außerhalb unseres Kulturkreises geschieht. Und ob dieses Bild wirklich richtig ist, wer weiß das schon....
Man muß schon selbst hinaus gehen und sich in der Welt umschauen, andere Länder, Völker und Kulturen kennenlernen....es selbst fühlen und erleben.
Aber was ist dann die Realität? Das eigene Leben zu Hause...oder das in fernen Ländern?

Gruß

Katja
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Matthes
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Matthes »

glueckskind hat geschrieben:Eigentlich leben wir hier auch wie diese Höhlenmenschen. Man lebt in seiner eigenen kleinen Welt und bekommt nur durch die Medien einen Eindruck von dem was außerhalb unseres Kulturkreises geschieht. Und ob dieses Bild wirklich richtig ist, wer weiß das schon....
Aber in unserer Zeit legt sich ja jeder selbst die Fesseln an den Stuhl!
Und das man von der Gesellschaft dazu gezwungen wird ist doch eigentlich auch nur eine kleine Ausrede bzw. eine Gewissensberuhigung.
Man muss nicht direkt mit dem Strom mitschwimmen.
Wir schwimmen etwas schräg zum Strom.
Natürlich ist man schon irgendwie gesellschaftlichen Zwängen unterworfen und den Ansprüchen anderer an die eigene Person ausgesetzt.
Aber ich lasse mich deswegen sicher nicht geißeln.
Leider (oder zum Glück :wink: ) sehen das die meisten in unserer Gesellschaft aber anders und es ist ihr gutes Recht.

Weil es nicht unser primärer Wunsch ist nach Autos, Haus und Kindern zu streben, wurde uns auch am Arbeitsplatz schon gesagt (ich zitiere) "Wir würden anders ticken!"
Aber ich bin ganz froh, so wie ich ticke und ich freu mich auf unsere Auszeit ab 2007.
Und ich kann jeden nur dazu ermutigen, das Fenster weiter aufzustoßen und den Horizont zu erweitern.
bye, Matthes :wink:
- - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Wer Sicherheit über Freiheit stellt,
hat BEIDES nicht verdient !
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Feuereule
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Feuereule »

Na Glückskind....damit bestätigst Du doch das Gleichnis.....Wenn Eure Arbeitskollegen sagen, "Ihr tickt anderes"...dem Typ wurde auch nicht abgenommen, als er in die Höhle zurück kam, wie schön die Welt ist :? .

Und das was Ihr meint, also dass jeder selbst dafür verantworlich ist, wie seine Realität ist...das stimmt schon. Aber nicht alle Menschen sind so, also Ihr werdet auch irgendwelche Gründe haben, damit Ihr seid wie Ihr seid. Warum Euer Primat eben nicht Autos, Häuschen usw ist, sondern andere Sachen. Und manchmal braucht man eben einem "Lehrer" oder jemand, der einem "losbindet". (vielleicht seid Ihr das unbewusst für Eure Arbeitskollegen :?: ) Es sind wahrscheinlich viele darunter, die zu Euch sagen: "Ihr tickt anders" , die auch gern anders ticken würden, es nur noch nicht wissen.....

Wie auch immer, viel Spaß auf Euer Reise!!!!!

Liebe Grüße
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Matthes
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von Matthes »

Insgeheim bin ich ja froh, dass nicht alle so ticken wie wir.
Dann würden ja alle nur auf Ihre Asuzeit sparen und unterwegs trifft man dann nur Bekannte. :wink:

Unsere Jobs sind nicht wirklich unsere Traumjobs.
Und wenn es mal wieder arg stressig zugeht, dann denken wir uns "In zwei Jahren könnt ihr uns mal gepflegt den Buckel runter rutschen!" und schon geht es uns besser!
Natürlich darf das vorab in der Firma keiner wissen, damit wir bei den nächsten Einsparungsmaßnahmen nicht vorzeitig ausgemustert werden.
Ich denke auch mal, es wird ein heftiges Getuschel geben, wenn ich meine Kündigung (oder lieber den Aufhebungsvertrag) auf den Tisch lege.
Da kommen dann wieder die Sprüche
"in sooo schlechter Zeit von selbst den Job kündigen? - ihr seid verrückt!"
"ohne ende durch die welt reisen? - na ihr müsst geld haben!"
bla bla bla

Wir freuen uns jedenfalls drauf.
Und diesen Sommer beginnt die Vorbereitung. :D
bye, Matthes :wink:
- - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Wer Sicherheit über Freiheit stellt,
hat BEIDES nicht verdient !
glueckskind
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Re: Macht eine Weltreise nicht das eigene Leben zunichte?!

Ungelesener Beitrag von glueckskind »

Oh ja, als Spinner wurde ich auch schon bezeichnet, als ich anderen von meinen Träumen und Plänen erzählt habe.
Und viele sagen dann auch "Ach ja, das würde ich natürlich auch gerne mal machen....wenn ich das Geld hätte.....wenn ich die Zeit hätte.....wenn ich keine Verpflichtungen hätte....."
Wenn, wenn, wenn...
Viele lassen sich von diesen "wenn" und "aber" abhalten. Aber dann ist der Wunsch wohl auch nicht groß genug.
Bei mir ist das anders. Der Gedanke daran, mal alles hinter mir zu lassen und die Welt anzuschauen, kommt nicht aus einer spontanen Laune heraus. Nein, schon seit Jahren ist es ständig in meinem Kopf.
Und ich möchte nicht wenn ich mal alt bin sagen: "wieso hab ich das damals nicht getan."
Also bleibt mir doch gar nichts anderes übrig, als es wirklich zu machen. :D
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