Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Von der Idee zur Entscheidung. Vom Traum zur Planung. Vom Chaos zur Organisation und von der Reisebuchung bis zum Abflug:
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flymaniac
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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von flymaniac » 03 Aug 13 23:30

Ella729 hat geschrieben:schau mal hier diese App ist von Chip.de und ist ein Wörterbuch fürs Handy.http://www.chip.de/downloads/Google-ueb ... 90205.html
Obwohl ich auch eher ein Verfechter der Wörterbücher bin aber ich denke mal das ist das was du suchst.
Ich habe mir heute die App runter geladen. Verschiedene Wörter dann abfotografiert und übersetzen lassen. Einwandfrei.
Genau das was ich gesucht habe.

Die Übersetzungen ins englische sind besser als die ins deutsche.

Jetzt kann ich unbekannte Wörte zum Beispiel im Fahrplan übersetzen lassen. Oder mal ein Gericht auf der Speisekarte übersetzen lassen.
Für mich wieder ein Weg etwas zu lernen.

sphaera
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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von sphaera » 10 Sep 13 9:08

Hallo allerseits,

da ich mich aktuell näher mit dem Thema "autodidaktisch Chinesisch lernen" befasse und mittlerweile eine gut bestückte Lernmaterialiensammlung* (größtenteils in China zusammengesucht und unterwegs erworben) von an die 40-50 Lehrwerke und über 10 unterschiedliche Lernkartenarten (teilweise mit Tonträgern) besitze, kann ich einwenig aus dem Bereich zwitschern und eine klare Empfehlung für den deutschen Sprachraum aussprechen.
Diese lautet: http://www.huang-verlag.de/! Ich habe mich voriges Jahr für meine HSK1-Prüfung (200 von 200 möglichen Punkten...yay!!) mit dem halben Verlagsprogramm ;-) eingedeckt und bereue das trotz des relativ hohen Gesamtpreises überhaupt nicht.
Die Sachen sind folgerichtig und clever aufeinander aufgebaut und man lernt in kleinen, sinnvollen (sowohl HSK-, als auch praxisrelevanten) Häppchen. Lehrbücher, Arbeitsbücher, CDs, die Schriftzeichenschreiblernbücher... echt super und geradezu ganzheitlich!
Der gleichen Meinung sind übrigens auch all die Bewerter bei Amazon Unvergessliches Chinesisch, wo ich damals auf die Lernsachen aufmerksam wurde.
Aktuell lerne ich täglich damit für ca. 1 Stunde. Die Sachen sind didaktisch hervorragend und überfordern nicht. Und gerade das ist wichtig, um am Ball zu bleiben!


Natürlich gibt es auch Aspekte, die ich an genau diesem Lernmaterial nicht mag:

1. Die einzelnen Komponenten empfinde ich als relativ teuer. Für ein Komplettset aus Einstiegsmaterial & HSK1 Vorbereitungsmaterial inkl. 4 Sprachtraining-CDs bezahlte ich damals ca. 150-160 Euro. Die Lerneffizienz und die Güte des Materials rechtfertigt aber unterm Strich den Preis. Theoretisch kann man selber aussuchen, welche Komponenten man sich kauft. Praktisch empfehle ich, ruhig alles zu nehmen (Motto: "nimm alles, dann brauchst du nichts!"). Mir hilft das sehr!

2. Die verlagseigenen chinesischen Vokabel-Lernkarten empfinde ich als ziemlich ineffizient und trotz des praktischen Beispielsatzes als etwas langweilig.
Dafür sind die Plakat-artigen chinesischen Zeichentafeln und die Elementarzeichen-Bücher großartig!
Die überteuerten chinesischen Vokabelsticker kann man sich imho sparen.

3. Die chinesischen Sprachtrainings-CDs passen inhaltlich gut zu dem Lernbuch, aber mir liegt die relativ hohe Stimme der Sprecherin (wird wohl Frau Hefei Huang selbst sein, wer sonst) nicht. Ich habe vorhin zufällig gesehen, die CDs seien neu vertont worden.. darüber kann ich aber noch nichts aussagen.

4. Im Anhang des chinesischen Arbeitsbuch gibt es leider nicht zu jeder Aufgabe des Arbeitsbuches die Musterlösung. Nur zu den "Hauptaufgaben". Gut, das Material ist derart folgerichtig und schlüssig aufgebaut, dass ich bisher überhaupt keine Musterlösungen gebraucht hätte, aber grundsätzlich sollten imho alle Aufgaben besprochen sein. Schließlich ist ja niemand da, den man fragen könnte!

5. Über die grafische Umsetzung der Lernreihe, Farbwahl etc. kann man streiten. Innen ist das Material sehr übersichtlich, aber ziemlich langweilig gelayoutet. Doch vielleicht ist gerade das der Trick: die Erwartbarkeit des Layouts hilft beim Lernen? Außen peppt bloß das Bild der Lehrerin und Verlegerin Frau Hefei Huang die Sache auf.. aber die Cover-Farben sind überwiegend schrecklich. Buah!

6. Hier und da haben sich in den Materialien Schreibfehlerchen eingeschlichen (dies bereitet mir als Sprachpedantin geradezu körperliche Schmerzen, zwinker). Diese Fehlerchen werden sicherlich (hoffentlich?) die nächsten Auflagen nicht überleben ;-). Ich kreise sie mit dem Kuli beiläufig ein und übe mich in Nachsicht.

7. Ich lerne gern unterwegs und gern interaktiv. Ich verstehe, dass so ein kleiner Verlag.. quasi der Selbstverlag der Lehrerin Hefei Huang (sie lehrt nach eigener Auskunft in Erlangen) und Dieter Ziethen kein App-Monstrum für iOS, Android usw. herstellen kann. Wünschenswert fände ich eine schöne Tablet-App aber schon :-) und wäre bereit, dafür extra bis zu 10 Euro zu zahlen.


Neben diesem Material empfehle ich noch die Blanco-Schreibhelfte, die der Verlag ebenfalls verkauft. Ich habe mir direkt nen Zehnerpack mitgekauft, die kosten fast nix. Um mir die chinesischen Zeichen einzuprägen, schreibe ich sie in der ersten Übungsphase mindestens 30 Mal - zuzüglich der Aufgbenlösung im Arbeitsbuch. Nach ca. 40-50 Mal Schreiben habe ich das Gefühl, das jeweilige Zeichen wirklich zu beherrschen!
Übrigens brauchen die Chinesen selbst etwa gleichviele Schreibdurchgänge, wenn sie ihre Schriftzeichen in der Grundschule erstmals lernen. Das hat mir mein Chinesisch-Tandempartner mal verraten ;-)



Ansonsten habe ich bezüglich Lernmaterial zum Chinesischlernen zwei weitere Empfehlungen:

1. Den inhaltlich auf Konversation getrimmten englischen Podcast von Serge Melnyk http://www.melnyks.com/ den es kostenlos bei iTunes gibt. Das übrige Material kenne ich nicht, wäre aber bei spontanem Ausbruch von Reichtum gerne bereit, es anzutesten ;-). Alternativ kann ich mir vorstellen, die Mitgliedschft auf Serges Seite mit 2-3 anderen Lernwilligen zu teilen ;-). Freiwillige hier?

2. Das kostenlose Android-Programm "Anki Droid" fürs Vokabel-Pauken. Dort kann man eigene "Flashcards", also digitale Lernkarten erstellen... oder hilfsweise einen der vielen "Stapel" herunterladen, die andere für sich schon erstellt und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt haben. Mein Telefon ist aktuell einwenig schwach auf der Brust, daher läuft Anki bei mir nicht sehr stabil. Aber der Linguist, Sprachvirtuose (Deutsch, E nglisch, T hai, Chinesisch, R ussisch, E speranto etc. pp. fließend!!!) und nebenbei Sammler exotischer Wörterbücher Andrè Müller aus Leipzig, schwört auf diese App. Was ich von der App bisher sah, ist jedenfalls nicht schlecht! Für iOS kostet die App nerviger Weise 20 Euro, die hab ich aber nicht ausgegeben. 'N fünfer wär okay.. but please...!
Nur weil jemand ein Apfelgerät spazieren trägt, muß man es mit den App-Preisen nicht übertreiben, stimmts?


3. Stichwort Rosetta Stone chinesisch.. hmmja. Dazu gibts ja geteilte Meinungen!
Abgesehen von der Tatsache, dass ich das Chinesische nicht auf deren Webseite im Demomodus ausprobieren kann (schwache Leistung, liebe "Profis"!), finde ich das Konzept durchaus drollig. Ein Kumpel hat das Programm und ich hoffe, er findet bald Zeit es mir bei sich zu zeigen. Ob ich das dann zusätzlich kaufe, werde ich mir aber schwer überlegen (275-400 Euro!!!)!
Ich habe mir vorgenommen die HSK-Prüfungen zu machen, aber da hilft mir Rosetta eher wenig weiter. Trotzdem ist die assimilierende Methode nicht doof, wie ich vor einigen Jahren am Selbstlernkurs "Assimil - Schwedisch ohne Mühe" festgestellt habe.
Nach dem Kauf des ziemlich drögen "Assimil - Die chinesische Schrift"- Buches habe ich mir jedoch weitere Versuche, mit dem Assimil-Verlag zu lernen, gespart. Rosetta Stone werde ich mir bei Gelegenheit gerne näher anschauen und dann ggf. berichten. Im Hinblick auf mein Vorhaben bin ich aktuell bedingt überzeugt, aber als Zusatz wäre das evtl. interessant.


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Grundsätzlich kann ich beim Chinesischlernen innerhalb von Deutschland aus meiner Sicht und Erfahrung folgende Vorgehensweise empfehlen:
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1. Sich klar werden, wozu man das macht und welche Ziele man verfolgt. Also HSK-Prüfungen, oder urlaubsweise, oder für einen Studienaufenthalt.. usw. Man kann in China zwar ganz passabel ohne Chinesischkenntnisse reisen, aber mit Sprachkenntnissen ist das nochmals eine andere Kategorie. In jedem Fall sollte einem klar sein, dass Chinesischlernen zwar keine intellektuelle Herausforderung, aber dennoch anstrengend ist: Ganz viel zeitraubende Fleißarbeit. Achtsamkeit! Genau hinhören, genau nachsprechen... viel wiederholen. Ich finde trotzdem, dass sich das lohnt :-)

2. Den Einstieg in einer Lerngruppe finden, mindestens einige Wochen (besser einige Monate) lang. Ob VHS, lokaler UNI-Kurs, lokale Sprachschule.. egal was. Man muss das Gefühl haben, die Töne wenigstens halbwegs im Ohr zu haben und das PinYin nachvollziehbar lesen zu können (es orientiert sich ja am englischen Sprachraum! Das muss man beim Lesen mitbedenken!). Fürs weitere Lernen finde ich eine Lerngruppe aber zu anstrengend (immer hinlatschen...Zeit verlieren die ich eigentlich zum Lernen nutzen möchte) und kontraproduktiv. Grund: Jeder hat ein anderes Lerntempo und meiner Erfahrung nach wird in Lerngruppen praktisch nicht geschrieben/schreiben geübt. Das finde ich eher schlecht... zumindest für meine eigenen Lernfortschritte. Nur wenn ich eine Vokabel "blind" schreiben kann, empfinde ich sie als verinnerlicht. Das ging mir schon beim Lernen der deutschen Fremdsprache so, doch beim Chinesischen ist dieser Effekt noch stärker.

3. Das zu den eigenen Zielen passende Lernmaterial finden (ggf. mit gelegentlicher externer Unterstützung durch einen Muttersprachler) und autodidktisch bis an den Punkt durchackern, dass eine Konversation sinnvoll erscheint.

4. Tandempartner suchen und fröhlich socializen ;-). Chinesen sind gesellige und lustige Menschen... da ist es bestimmt kein Fehler, sich Freunde zu machen :).

5. Nach China reisen, Sprache nutzen :-), glücklich sein.


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Ja, das ist grob der Lern-Ablauf, den ich mir nach meinen bisherigen Erfahrungen vorstelle und daher für ein ernsthaftes Chinesisch-Lernen in
Deutschland empfehlen kann.
Ich habe übrigens aus Zufall mit Punkt 5 ohne Sprache!) angefangen, anschließend Punkt 2 absolviert und beim Knabbern an Punkt 4 festgestellt, dass ein Tandempartner-Fund in meinem damaligen Sprachstadium viel zu früh geschehen war. So hatte ich mit ihm automatisch mehr über Deutsch und Deutschland gesprochen als dass ich von seinem Sprachschatz hätte sinnvoll profitieren können. Jetzt habe ich Punkt 1 hinter mich gebracht, Punkt 2 absolviert und hantiere recht erfolgreich mit Punkt 3.

Ich hoffe, dass ich nach der dritten HSK-Prüfung soweit bin, mir lokal einen neuen Tandem-Partner zu suchen (mein ehemaliger ist zwischenzeitlich berufsbedingt sehr weit weg gezogen, aber taktischer Weise ist bei mir gleich um die Ecke ein ganzes Studentenwohnheim voller Chinesen!) und was mit diesem neuen Menschen in meinem Leben zu unternehmen. Ausflüge zu machen, viel quatschen. Learning by Brabbling :-). Mal schauen! Fühle mich hochmotiviert!


Wünsche allen *Lernern* den ultimativen Erfolg!! (ohne Fleiß kein Preis, gell!)

Grüße,
sphaera


*PS: Nicht wundern, dass ich so viele Bücher zu dem Thema habe. Hintergrund ist nicht nur mein persönliches Interesse an der Sache (inkl. kleine linguistische Sammelwut), sondern nicht zuletzt mein Diplomthema (nein, nicht Sinologie), das sich um Chinesisch-Lernmaterialien drehte.
Für mein Diplom habe ich nach intensiver Recherche (und angesichts der Tatsache, dass ich restlos alle Chinesisch-Lernkarten die ich je irgendwo entdeckte, für unzureichend befand) ein neues, vielseitig nutzbares Lernkartensystem für chinesische Vokabeln erarbeitet.. aber das nur nebenbei.

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von sphaera » 10 Sep 13 9:21

Kleiner Nachtrag: Die iOS App "Chinagram" https://itunes.apple.com/de/app/chinagr ... 00988?mt=8 für wenige Euro ist ein wunderschönes Machwerk, um auf entspannte Weise hinter die Kulisse etlicher Schriftzeichen zu blicken und zu entdecken, welche Ursprünge sie haben. Ich finde das nicht nur interessehalber nützlich, denn der SINN-BILDLICHE Hintergrund der Schriftzeichen hilft mir unmittelbar, ebendiese Bestandteile und das gesamte Zeichen besser zu memorieren. Je besser ich die "Radikale" verstehe, desto besser fühle ich mich dem Zeichenmeer gegenüber aufgestellt.

Außerdem finde ich die kostenlose Android App "Hanzi Recognizer" hochgradig praktisch.


sphaera

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von flymaniac » 10 Sep 13 11:46

sphaera hat geschrieben: Außerdem finde ich die kostenlose Android App "Hanzi Recognizer" hochgradig praktisch.
Was ein nettes Spielzeug um Wartezeit zu überbrücken. :) Und man lernt trotzdem was dabei. Es ist aber wichtig das man die Striche in der richtigen Reihenfolge macht.
Zum Beispiel für die 2
Mache ich den 1,ten Strich oben und den 2ten unten erscheint auch gleich die richtige Übersetzung.
Mache ich das aber anders herum erscheint die 2 in der Auswahl gar nicht.

Das gleich bei "Han" Radikal27 Erst die waagrechte, dann die senkrechte und es klappt. Anders herum kommt es nicht.

Vorteil: Ich lerne in der richtigen Reihenfolge zu "malen"
Nachteil: Manche komplizierte Zeichen bekomme ich nicht übersetzt.

Trotzdem macht es Spaß !

Danke Sphaera
Don't leave for tomorrow what you can fly today

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von sphaera » 22 Okt 13 2:47

So, nun habe ich 6,5 Wochen lang intensiv mit dem Hefei Huang Material gelernt und in den 15 Lektionen etwas an die 100 Schriftzeichen schreiben geübt.
Im Schnitt eine Lektion alle 3 Tage ist ein sehr sportliches aber machbares Tempo (habe dazwischen aus Zeitmangel 10 Tage Pause einlegen müssen)...., pro Lektion werden 6-8 Schriftzeichen fällig und ich habe auf 100% gelernt, ich beherrsche jetzt also alle davon. Die 70 Testaufgaben am Buchende habe ich heute mit lediglich einem Flüchtigkeitsfehler absolviert und bin mit der Quote ganz zufrieden.

Von diesen Materialien bin ich weiterhin sehr begeistert! Die Lektionen bauen sukzessive aufeinander auf und an die Stimme der Sprecherin, nunja, an die hab ich mich mittlerweile auch gewöhnt. Morgen fange ich das zweite Buch an und bin zuversichtlich, im Frühjahr die HSK2-Prüfung zu schaffen.

Mein frisch erworbenes Schreibkönnen bin ich übrigens direkt nutzen "gegangen": Die iOS App "HelloTalk" vermittelt schnell und unkompliziert Sprachtandempartner aus aller Welt und es dauerte keine drei Stunden, mindestens 5 feste Gesprächspartner zu finden. Ganz real chatten mit ganz realen Menschen macht ganz real Spaß! Ganz lässig im Restaurant bestellen kann ich nach dem ersten Buch übrigens auch :-).

All in all: thumbs up!

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von Sino » 22 Okt 13 10:52

Sphaera, und wer korrigiert deine Aussprache, wenn du keinen Lehrer hast? Beim HSK gibt's ja, seit er reformiert wurde, keine mündliche Prüfung mehr. Und von den Tandempartnern (alle aus der Umgebung von Peking?)kann man auch nicht erwarten, dass sie jeden deiner Sätze wiederholen.

Ich bin nach wie vor ein Fan des klassischen Unterrichts, wie man ihn auch auf der Uni erlebt:
Im Sprachlabor wird nur an der Aussprache gefeilt
Im Schreibpraktikum hab ich im ersten Semester die Geschichte des Schriftsystems gelernt, danach Texte/Aufsätze geschrieben, die von Natives korrigiert wurden.
Dann gabs ein extra Sprechpraktikum und Hörverständnis.

Vielleicht altmodisch, aber ich finde, dieses Gesamtpaket können Apps oder Pakete zum Selbststudium nicht ersetzen.

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von sphaera » 22 Okt 13 17:30

Hallo Sino,

zunächst einmal muss ich anmerken, dass nicht jeder, der Chinesisch können will, Sinologie studieren kann oder muss. Wenn ich nochmal studiere, werde ich eher Maschinenbau machen ;-) und keine Fremdsprache.

Grundsätzlich gebe ich dir Recht, dass man das Chinesische auch hören und korrekt sprechen lernen muss. Deshalb bin ich ganz klar dafür, dass man den Einstieg in einem Präsenzkurs macht, um ein Gefühl für die richtige Aussprache und Pinyin zu bekommen. Danach aber ist ein Kurs (meiner Meinung und Erfahrung nach) eher hinderlich, wenn man richtig Fortschritte machen möchte. Ich spare mir die Anreisezeit, ich kann jederzeit lernen und nicht nur dann, wenn der Kurs stattfindet. Und, mal ehrlich: Sprachlabor? Wenn man Glück hat, ist in den üblichen Kursräumen grade mal ne gute Tafel vorhanden. Man sitzt da mit 10+ anderen und die Lehrerin soll bei jedem auf die Aussprache achten können? Ne, kann sie nicht. Ich habe schon zwei Präsenzkurse durchgezogen, es ist einfach nicht das gleiche.

Im Grunde lief es in Kursen so ab, dass ein Bisschen was auf die Tafel geschrieben wurde (z.B. Strichreihenfolge der Zeichen... der man aber nicht gut folgen konnte, weil man ja mitschreiben muss), anschließend las man zusammen laut einen oder zwei Dialoge, besprach die Vokabeln, bekam eine mehr oder minder sinnvolle Hausaufgabe - und tschüss, ausdiemaus, ab nach Haus. Einen ähnlichen Effekt, und zwar in meinem Tempo, erziele ich zu Hause mit Lern-CDs. Gut, ich habe mit der Aussprache wenig Probleme, ich habe ein relativ musikalisches Gehör. Die Chinesen verstehen mich und das reicht mir fürs erste. Ich denke, wenn man genau hinhört und oft wiederholt, helfen einem die CDs schon ganz gut... und chinesische Sprachpartner erledigen den Rest. Im Moment chatte ich parallel mit einer Chinesin aus Xian. Wie gut ihre Aussprache ist, kann ich nicht beurteilen.. aber mir erscheint sie nicht schlecht zu sein (zumindest verstehe ich sehr gut, was sie sagt, sofern sie Vokabeln benutzt, die ich bereits kenne). Meine erste Lehrerin/Kursleiterin war übrigens aus dem Süden Chinas und die zweite aus Taiwan. Wie "standardisiert" deren Aussprache wohl gewesen ist? Ich weiß nicht ;-).


Sicher, mit Sprachlabor und Einzelbetreuung und Vollzeitstudium kann man bestimmt noch effizienter üben, aber hey ;-)... für mich wär das overkill :). Übrigens bin ich mir mit dem HSK nicht sicher, da ich in einem Teiltest ja Sätze per Computer aufnehmen musste und Fragen beantworten musste in mein Headset. Ist das nicht eine Art mündliche Prüfung?

Grüße,
sphaera

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von Sino » 23 Okt 13 9:39

sphaera hat geschrieben:Grundsätzlich gebe ich dir Recht, dass man das Chinesische auch hören und korrekt sprechen lernen muss. Deshalb bin ich ganz klar dafür, dass man den Einstieg in einem Präsenzkurs macht, um ein Gefühl für die richtige Aussprache und Pinyin zu bekommen.
Vielleicht hab ich es überlesen und du hast es irgendwo erwähnt, aber bisher hatte ich bei deinen Beiträgen den Eindruck, dass du alle Methoden zum Selbststudium als gleichwertig erachtest.
sphaera hat geschrieben:Danach aber ist ein Kurs (meiner Meinung und Erfahrung nach) eher hinderlich, wenn man richtig Fortschritte machen möchte. Ich spare mir die Anreisezeit, ich kann jederzeit lernen und nicht nur dann, wenn der Kurs stattfindet. Und, mal ehrlich: Sprachlabor? Wenn man Glück hat, ist in den üblichen Kursräumen grade mal ne gute Tafel vorhanden. Man sitzt da mit 10+ anderen und die Lehrerin soll bei jedem auf die Aussprache achten können? Ne, kann sie nicht. Ich habe schon zwei Präsenzkurse durchgezogen, es ist einfach nicht das gleiche.
Auch nach dem Einstiegskurs, wenns bei der Grammatik ans Eingemachte geht, schadet es nicht, einen guten Lehrer zu haben, den man fragen kann.

Die Anreisezeit hängt davon ab, wo du wohnst: Natürlich wird nicht in jedem Kaff tief in der Provinz ein Chinesischkurs angeboten.

Die Methode, während des Gesprächs Aussprache und/oder Grammatik zu korrigieren, ist zwar grundsätzlich sehr gut und zielführend, für den Lehrer aber wahnsinnig anstrengend, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Deshalb glaube ich nicht, dass man das von einem Tandempartner erwarten kann.

Das Sprachlabor ist aussprachetechnisch ähnlich effizient wie Einzelunterricht, aber es ist mir klar, dass man diese Einrichtungen vor allem an Unis findet.
sphaera hat geschrieben: Im Grunde lief es in Kursen so ab, dass ein Bisschen was auf die Tafel geschrieben wurde (z.B. Strichreihenfolge der Zeichen... der man aber nicht gut folgen konnte, weil man ja mitschreiben muss), anschließend las man zusammen laut einen oder zwei Dialoge, besprach die Vokabeln, bekam eine mehr oder minder sinnvolle Hausaufgabe - und tschüss, ausdiemaus, ab nach Haus. Einen ähnlichen Effekt, und zwar in meinem Tempo, erziele ich zu Hause mit Lern-CDs.
Dann war der Lehrer nicht gut genug. Ich kenne nur einen einzigen Lehrer, der das trotz Zeitdruck im "Normalokurs" (15-18 jährige Schüler mit 2-3 Stunden/Woche, nicht Studenten) hinkriegt.
sphaera hat geschrieben: Gut, ich habe mit der Aussprache wenig Probleme, ich habe ein relativ musikalisches Gehör. Die Chinesen verstehen mich und das reicht mir fürs erste. Ich denke, wenn man genau hinhört und oft wiederholt, helfen einem die CDs schon ganz gut... und chinesische Sprachpartner erledigen den Rest. Im Moment chatte ich parallel mit einer Chinesin aus Xian. Wie gut ihre Aussprache ist, kann ich nicht beurteilen.. aber mir erscheint sie nicht schlecht zu sein (zumindest verstehe ich sehr gut, was sie sagt, sofern sie Vokabeln benutzt, die ich bereits kenne). Meine erste Lehrerin/Kursleiterin war übrigens aus dem Süden Chinas und die zweite aus Taiwan. Wie "standardisiert" deren Aussprache wohl gewesen ist? Ich weiß nicht ;-).
Dann bist du talentiert. Das schafft nicht jeder.
sphaera hat geschrieben: Sicher, mit Sprachlabor und Einzelbetreuung und Vollzeitstudium kann man bestimmt noch effizienter üben, aber hey ;-)... für mich wär das overkill :). Übrigens bin ich mir mit dem HSK nicht sicher, da ich in einem Teiltest ja Sätze per Computer aufnehmen musste und Fragen beantworten musste in mein Headset. Ist das nicht eine Art mündliche Prüfung?
Fakt ist
1) Chinesisch ist nicht schwierig, es ist nur zeitintensiv. Wer die Zeit nicht aufwenden will, sollte es lassen. Zähl mal zusammen, wie viele Stunden du für das Durcharbeiten deines Kursmaterials inklusive Chats/Tandempartnergespräche aufwendest. Vermutlich auch eine Menge.

Vollzeitstudenten sind nur schneller, weil sie ja sozusagen "nichts Anderes" zu tun haben. Der Spracherwerb macht 8 Wochenstunden Unterricht aus. Dazu kommt die Vor- und Nachbereitungszeit der einzelnen Stunden daheim. Pro Woche werden etwa 30 Schriftzeichen durchgenommen.

2) Gerade bei Chinesisch wäre es wahnsinnig wichtig, einen guten Lehrer zu haben, den hattest du vermutlich nie.

zum "mündlichen" Teil des reformierten HSK: Ich hab keine persönliche Erfahrung damit. Aber es macht einen Unterschied, ob man als Prüfer einen Satz verstehen muss, den man bereits erwartet, oder einen, den man nicht kennt. Die Fachleute beklagen sich übrigens, dass das Niveau des HSK stark nachgelassen hat.

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Wie chinesisch (Mandarin) lernen?

Ungelesener Beitrag von sphaera » 23 Okt 13 14:40

Hallo Sino,

die Sache mit dem Präsenzkurs steht unter der Überschrift "Grundsätzlich kann ich beim Chinesischlernen innerhalb von Deutschland aus meiner Sicht und Erfahrung folgende Vorgehensweise empfehlen:" direkt als zweiter Punkt. :-)

Meine Fahrzeit vom und zum ersten Kurs war ca. 40 Minuten insgesamt, zum zweiten Kurs ca. eine Stunde. Sicherlich vertretbar, aber es ist grundsätzlich ein Zeitkontingent, den ich auch gut ins eigenständige Lernen hätte investieren können. Aber wie gesagt, die Töne ins Ohr zu kriegen, das ist schon wichtig, da gehen wir zwei konform.

Ansonsten stimme ich zu: Chinesisch zu lernen ist vor allem Fleißarbeit. Man muss am Ball bleiben und keine Soforterfolge erwarten. D eutsch ist mir wesentlich leichter gefallen und S panisch erscheint mir auch keine besonders große Herausforderung zu sein, die ich zu einem späteren Zeitpunkt in meinem Leben sicherlich annehmen könnte. In der Schule H ebräisch zu lernen fand ich z.B. deutlich anspruchsvoller als später schulisches L atein. Und das, obwohl mir beide Sprachkonzepte fremd waren, denn meine Muttersprache ist unter anderem Russisch.

Ob und wie der HSK an Niveau verloren hat, kann ich nicht beurteilen (genausowenig wie vorab die "Qualität" einer Lehrkraft in einem mir unbekannten Fachgebiet). Ich denke aber, dass ein vergleichsweise niedrigschwelliger Einstieg gerade beim Chinesischen das "am Ball bleiben" erleichtert. Die ganzen "native speakers" sind ja auch nicht alles kleine Sinologen/Sprachwissenschaftler geworden, wenn sie die Schule verlassen, stimmts? ;-). Ich denke daher, dass nicht jeder extern Lernende sprachwissenschaftlich ausgeklügelter Methoden bedarf, um eine Sprache nutzbar zu erlernen. Vokabeln büffeln, sich jede Menge Beispielsätze anhören und einfach drauflosquatschen. Ich bin kein Grammatikfreak, die war mir schon immer recht egal und ist nach meiner bisherigen Erfahrung mit dem Chinesischen doch wirklich überschaubar. Anspruchsvoller Satzbau kommt mit der Zeit von selbst - ganz intuitiv. Ich habe meine Umgebung immer "penetrant" dazu ermutigt mich schamlos zu verbessern und wenn die Leute wissen, dass sie dir damit nicht auf den Schlips treten sondern wirklich helfen, dann machen sie das auch. Und bei Tandem-Sprachpartnern ist genau das der Deal: ich helfe dir, du mir. Da geht das wie von selbst... mit manchen holpriger, mit anderen flüssiger. Gestern habe ich einer Chinesin ihr Alphabetschreiben korrigiert, ihre Kleinbuchstaben sahen ziemlich.... merkwürdig... aus. Sie hat mir ein Bild geschickt, ich ihr eines zurückgeschickt. HelloTalk ist zwar buggy, aber insgesamt genial und die 90ct im Monat wirklich wert.

Achso, Schriftzeichen-Strichreihenfolge: Die ersten 5 Schriftzeichen mit einem Präsenzlehrer zu üben ist dufte. Anschließend aber Zeitverschwendung :-). In dem Unvergessliches Chinesisch Material steht bei Schriftzeichenübungsaufgaben an jedem Strich ein Richtungspfeil und eine Zahl für die Reihenfolge. Einfacher gehts nicht. Wer braucht da noch einen Vorturner? ;-)

Also, eigenständiger Spracherwerb ist mit auf eigene Bedürfnisse abgestimmtem Material schon gut machbar - imho sogar ökonomisch, insbesondere zeitökonomisch. Ich habe in 45 Tagen (inkl Lernpausen) in 15 Lektionen etwas mehr als 100 Schriftzeichen geschafft, das sind etwa 15 pro Woche. Pro Lektion gemächlichen Lernens brauchte ich ca. 3,5 Zeitstunden. Das ist langsam, aber gründlich. Ich denke, dass ich mit meiner aktuellen Methode mindestens 80% davon auch in 6 Monaten noch (schriftlich) beherrsche. Vom in den Sprachkursen meist praktizierten Konzept des "Bulimielernens" habe ich mich damit verabschiedet und bestimme Lern- und Pausenzeiten selbst. Imho kein schlechter Deal, oder?

Grüße,
sphaera

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