Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

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Bumblebee
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Bumblebee »

Hey, interessantes Thema!

Ich selbst habe letztes Jahr das Dengue-Fieber in Nordkolumbien bekommen, und deshalb sogar meine 1-jährige Südamerikareise (nach 9 Monaten) abgebrochen.

Mein Krankheitsverlauf war wohl typisch: ca. 5 Tage nach der Infektion (funktioniert übrigens nur Mücke-Mensch, niemals Mensch-Mensch) haben die Symptome begonnen, Fieber, Schmerzen am ganzen Körper und ein Gefühl, als würde jeden Moment der Kreislauf zusammenbrechen. Eigentlich unbeschreiblich, wahrscheinlich wie bei einer RICHTIGEN Grippe, die ich persönlich noch nie erlebt habe.

Nach ca. 20 Stunden "Abwarten ob es noch besser wird", bin ich dann in ein kolumbianisches Krankenhaus, wo ich von morgens bis abends Infusionen bekommen habe (Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel). Ich wurde negativ auf Malaria getestet, Dengue konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststellen.

Mit einfachen Schmerztabletten (kein Aspirin!) bin ich aus dem Krankenhaus entlassen worden, ab dem Zeitpunkt haben dann Magen-Darm-Probleme begonnen.

Nach ca. 1 Woche habe ich dann noch zusätzlich einen Ausschlag am ganzen Körper bekommen (auch typisch für Dengue). Hatte mittlerweile auch die Bestätigung, tatsächlich an Dengue erkrankt zu sein.

Als all diese Symptome endlich abgeklungen waren, war ich immer noch so schlapp, dass ich fast nichts machen konnte, selbst ein kleiner Einkauf im Supermarkt erforderte Höchstleistungen von meinem Körper.

Nach einigen Wochen habe ich dann die Heimreise nach Deutschland angetreten, dort ging es mir komischerweise ganz schnell wieder besser.

Wichtig ist, dass sich wirklich jeder, der nur den leisesten Verdacht hat, an Dengue erkrankt zu sein, in einem Tropeninstitut in Deutschland untersuchen lässt! Es ist wirklich nicht zu spaßen mit dieser Krankheit, außerdem ist es meldepflichtig! Übrigens sagten mir die (deutschen) Ärzte, dass dieses "höchstens 4 Mal an Dengue erkranken" völliger Quatsch sei, da man die Immunität gegen den Virus, an dem man erkrankt ist, nach einer gewissen Zeit wieder verliert (Monate? Jahre? Das weiß ich leider nicht...). Allerdings ist es wohl eher unwahrscheinlich, so oft in seinem Leben an Dengue zu erkranken, denn der Krankheitsverlauf wird wohl tatsächlich jedes Mal intensiver und somit auch lebensbedrohlicher.

So viel von mir und meinen Erfahrungen.

Liebe Grüße
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MArtin
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von MArtin »

Hallo Bumblebee et. al,
danke fuer Eure persoenlichen Erfahrungberichte mit Dengue Fieber! :)

Vielleicht noch eine kleine Ergaenzung:
Bumblebee hat geschrieben:... Infektion funktioniert übrigens nur Mücke-Mensch, niemals Mensch-Mensch...
Genauer: Mensch - Mücke-Mensch.
Deshalb muss darauf geachtet werden, dass wahrscheinlich mit Dengue infizierte Patienten nicht in Kontakt mit Mücken kommen (unter's passende Moskitonetz), damit nicht noch mehr Aedes aegypti Moskitos mit dem Virus aufgeladen werden - und Andere anstecken.
Letzteres ist der Mechanismus, warum Dengue periodenweise oft regional gehaeuft auftaucht.
Letzte Diagnoseklarheit kann tatsaechlich nur anhand der erst spaeter nachweisbaren spezifischen Antikoerper geschehen.

Dauer der Dengue-Immunität:
So unsinnig, wie Du Deinen (deutschen) Arzt in Erinnerung hast, ist es nicht, weil die Immunitaet ueber 10J. anhaelt, dann nur langsam nachlaesst (-> milderer Krankheitsverlauf).
Wenn in Dengue-Gebieten lebend, kann die Immunität durch erneuten Kontakt mit dem Dengue-Virus zwischendurch auch geboostert werden, was eine Verlängerung der Dengue-Immunität bewirkt, weil im Körper wieder neue Antikörper gegen Dengue Fieber produziert werden.


Liebe Gruesse, bleibt gesund :)
Frederik72
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Frederik72 »

Hallo,

ich kann euch soviel berichten, daß mein Vater seit ca. 50 Jahren Dengue hat und die Symptome etwa alle 1-2 Jahre zurückkehren. Fieber, Schüttelfrost, Knochenschmerzen. Nach ein paar Tagen ist es wieder vorbei.

Gruß
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Astrid
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Astrid »

Hallo Frederik,

ich glaube, Du verwechselst die Erkrankung mit M alaria - aber das ist ein anderes Thema ;).

Liebe Grüsse
Astrid
Frederik72
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Frederik72 »

Hi Astrid,

ganz bestimmt nicht ! Er steht ja seit dem unter ärztlicher "Beobachtung" wenn man das so nennen kann.

Gruß
Frederik72
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Frederik72 »

...ich hatte ihn ja auch schon gefragt, ob es nicht eher M alaria sei. Aber nein, Dengue wurde vom Tropeninstitut auch bestätigt.
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Wanja
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Wanja »

Ich bin auch von Dengue betroffen und möchte Euch kurz berichten (Astrid und MArtin, Ihr kennt mich... :) )

Ich war vor einem Jahr mal wieder in Thailand, dieses Mal "nur" in Phuket zum Tauchen. 3 Tage nach der Heimkehr bekam ich hohes Fieber, bin zum ärztlichen Notdienst und die haben mich gleich ins Krankenhaus geschickt wegen "Fieber nach Tropenreise".

Im Krankenhaus gab's einen Malaria-Schnelltest (negativ) und die Feststellung, dass ich an einer unklaren schweren Virusinfektion leide mit vergrößerter Milz etc. Therapie gab es keine, das Fieber verschwand nach 4 Tagen von alleine. Ich sagte der jungen Stationsärztin täglich, dass meine Symptome auf Dengue passen könnten, dass ich gerade aus Thailand komme und dass es dort verbreitet ist. Doch sie winkte jedes Mal nur ab. Aber: Nach 3 Tagen kam sie zu mir und sagte: "Ich habe mich mal 'schlau gemacht', Sie haben ja recht, Ihre Symptome könnten auf Dengue passen." Na sowas aber auch :roll:

Sie hat dann eine Blutprobe zum Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin nach Hamburg geschickt. Es war ein "qualitativer Test auf Dengue 1-4 PCR" und er war negativ (keine Virusnukleinsäure nachgewiesen). Frage an die Mediziner: Erkennt dieser Test tatsächliche Viren oder Antikörper? Ich nehme an, er soll vorhandene Viren erkennen? Warum könnte er negativ gewesen sein, obwohl ich später Antikörper entwickelt habe (siehe unten)?

Ich hatte mich innerhalb von 3 Wochen weitgehend erholt, aber nur weitgehend. Ich bin seit dem dauernd erschöpft und bekam außerdelm plötzlich schwere Sinusitis am Fließband, es ging gar nicht mehr weg, dauernd Antibiotika. Das ging ein halbes Jahr lang so. Dann waren die Erkältungen plötzlich weg und es begannen statt dessen Muskel- und Gelenkschmerzen. Die werden seit 6 Monaten kontinuierlich schlimmer, verbunden mit immer schlimmer werdender chronischer Erschöpfung. Inzwischen kann ich kaum mehr arbeiten. Symptomatisch ist es wie bei einer Fibromyalgie.

Ich war bei 14 Ärzten und zahlreichen Heilpraktikern. Keiner weiß was es ist, keine Schmerzmittel helfen. Aber: Es wurde nochmals ein Dengue-Test gemacht und der war plötzlich POSITIV:

Dengue-Virus-Ak (IgG) 2,0 (Grenzbereich 0,9 bis 1,1)
Dengue-Virus-Ak (IgM) < 1 (Grenzbereich 0,9 bis 1,1)

Das bedeutet, dass ich definitiv eine Dengue Infektion hatte.

Meine Vermutung ist, dass das Immunsystem danach geschwächt war (die vielen Erkältungen) und jetzt seit 6 Monaten zunehmend überschießend reagiert. Könnte das sein?

Und hier ist meine Frage: Ich habe jetzt diese Laborergebnisse, aber keinen Arzt der damit etwas anfangen kann. Ich suche einen wirklich guten Tropenmediziner / Immunologen, der sich auch mit ungewöhnlichen Verlaufsformen von Dengue auskennt. Da ich als Selbständiger momentan kaum arbeiten kann, geht es um mein Leben.
Ich bin für jeden Hinweis per PM dankbar!

Wanja
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Astrid
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Astrid »

Hallo Wanja,'

wir hoffen, dass Du nach unserem ausführlichen Gespräch über die Weltreise-Hotline etwas beruhigter warst und wären dankbar, wenn Du uns über den weiteren Verlauf der Symptome auf dem Laufenden hälst. Der PCR-Test weist tatsächlich Dengue Viren nach, aber nur ein paar Tage nach Symptombeginn und nur in 80-90% der Betroffenen, sodass falsch negative Testergebnisse vorkommen.

Herzliche Grüße
Astrid
Novro
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Novro »

Hallo besonders an Astrid, Martin und evtl. andere Mediziner hier,

ich habe den Verdacht, dass ich mich evtl. in Nord-Kolumbien mit Dengue infiziert habe. Ich hatte die letzten drei Tage Fieber um 39°, Schüttelfrost, Schweißausbrüche, starke Gelenk- und Rückenschmerzen (allerdings keinen Ausschlag). Behandelt hatte ich mich mit Diclofenac, das sowohl das Fieber senkte und gegen die Schmerzen half. Ich konnte keinen Arzt aufsuchen, da ich mich bei Ausbruch der Symptome bereits auf einem Schiff befunden habe. Heute bin ich zum ersten Mal wieder auf dem Festland (Panama), und habe nur noch schwaches Fieber und leichtere Schmerzen. Ich weiß nicht, ob es jetzt noch etwas bringt einen Arzt aufzusuchen, da das Testergebnis wohl ein paar Tage braucht (ist das richtig?) und wir in drei Tagen einen Termin in Costa Rica einhalten müssen. Kann ich es riskieren, jetzt nicht mehr zum Arzt zu gehen, da es mir ja inzwischen schon besser geht, oder kann es immer noch einen Rückfall geben - natürlich immer vorausgesetzt, dass ich tatsächlich Dengue habe.

Normalerweise ist es absolut untypisch für mich, länger als 24 Stunden krank zu sein, deshalb kam ich irgendwann auf Dengue...

Viele Grüße und danke für die Auskunft,
eure Novro
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