Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

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Astrid
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Astrid »

Liebe Novro :)

Sowohl von den geschilderten Symptomen (keine Kopfschmerzen oder Schmerzen hinter den Augen?), als auch von Deiner Reisegeschichte (bereits 90.000 Fälle von Dengue-Fieber in Kolumbien in diesem Jahr) könnte Deine Verdachtsdiagnose Dengue trotz fehlendem Ausschlag stimmen. Insbesondere, wenn zusätzlich die Inkubationszeit von 4-15 Tagen passt.

In diesem Fall wäre ein erneuter Fieberanstieg inklusive erneuter Zunahme der Symptome um den 4./5. Tag nicht verwunderlich.

Auf Grund des Verdachts solltest Du die Gerinnung beeinflussende Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen ebenso wie Aspirin meiden :!:
Paracetamol ist das Mittel der Wahl, gegen Fieber und Schmerzen. Und viel Trinken!

Es gibt einen Schnelltest auf Dengue Virus, der bereits ab dem 3.-7. Krankheitstag empfindlich ist, bei einem späteren Test (auf Antikörper) müßtest Du u.U. längere Zeit auf das Ergebnis warten - allein aus diesem Grund würde ich zu einem raschen Arztbesuch raten.
Dieser kann ggf. auch eine Thrombozytenzählung und einen Test auf eine eventuell bestehende Blutungsneigung durchführen.

Unabdingbar ist ein schneller Arztbesuch, wenn Du blutig oder schwarz Erbrechen oder Koten solltest, eine erhöhte Blutungsneigung, z.B. Einblutungen in Haut und Schleimhäute wie Petechien oder Ekchymosen bemerkst, wenn Du eine gesteigerte Irritierbarkeit, Unruhe, Kollapsneigung und -> Schocksymptome zeigst, die alle Zeichen eines gefährlichen hämorrhagischen Dengueverlaufs nach anfänglicher Besserung sein können.

Ganz wichtig ist auch, dass Du nicht weiter von Mücken gestochen wirst (-> Expositionsprophylaxe) damit Du nicht weitere Mücken -> Menschen infizierst oder Dir selbst noch einen weiteren Dengue-Virenstamm einfängst!

Bitte halte uns laufend und vergiss nicht: Viel Trinken!

Gerne kannst Du uns auch per PM / Skype kontaktieren.

Liebe Grüße
Astrid
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Novro
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Novro »

Hallo Astrid,
danke für deine ausführlich Antwort!

Zu deiner Frage: Kopfschmerzen nur gelegentlich leicht eher in der Schläfenregion, hinter dem Auge nichts. Ansonsten habe ich nur eine leichte Übelkeit, mit Abneigung gegen Essen, jedoch ohne erbrechen zu müssen.

Danke für den Hinweis wegen Diclofenac, ich wusste nicht, dass das ebenfalls die Blutgerinnung herabsetzt, hatte nur Diclofenac und ASS dabei und deshalb mich bewusst gegen ASS entschieden. Werde mir sofort sicherheitshalber in einer Apotheke Paracetamol besorgen!

Vielen Dank und herzliche Grüße aus P anama
Cori**
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Cori** »

Liebe Novro,
ojee.. auch mich hat es Ende Juni in Nord-Kolumbien erwischt... Symptome genau wie die deinigen.. keinen Ausschlag, kein aus den Augenstechen, aber ansonsten die typischen Anzeichen. Hab das ganze mit Paracetamol & viel trinken innerhalb einer Woche überwunden... aber, wie so viele, danach die berühmte Kiefernebenhöhlenentzündung bekommen, die mir dann eigentlich noch fast mehr zu schaffen machte, als das Dengue selbst.. War dann zum Glück schon am Ende meiner Reise & wurde zu Hause mit Antibiotikum behandelt... Hab dann auch den Bluttest machen lassen & den Dengue Verdacht bestätigt bekommen... Ansonsten hab ich genau das rausgekriegt was Astrid schon gesagt hat.. keine Aspirin o.ä., nur Schmerzmittel.. viel Trinken & falls du nach dem ersten Dengue Schub nochmal diese typischen Gelenk-/Knochenschmerzen bekommen solltest.. sofort ab ins Krankenhaus. Die Zweitinfektion ist dann ja um einiges happiger als die erste.
Ansonsten wünsch ich dir weiterhin gute Besserung!
Grüßle,
Cori
Novro
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Novro »

Hallo liebe Cori,

danke auch für deine Erfahrungen.

Ich muss mal nun ein Update meines Krankheitsverlaufes schreiben, denke das passt hier zum Thema "Fälle & Erfahrungen" - auch für andere bei Verdacht zum nachlesen, denn nun hat mich an Tag 7 doch der doofe Ausschlag ereilt:

Tag 1-3: 39° Fieber (wenn nichts fiebersenkendes eingenommen wurde), Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, abwechselnd Schüttelfrost und Schweißausbrüche

Tag 4: 38° Fieber (wenn nichts fiebersenkendes eingenommen wurde), manchmal leichtes Schwäche- und Schwindelgefühl, Abneigung gegen Essen

Tag 5-6: komplett fieberfrei, manchmal leichtes Schwäche- und Schwindelgefühl, Abneigung gegen Essen

Tag 7: hellroter Ausschlag (wie Sonnenallergie) am ganzen Körper außer Gesicht, extremer Juckreiz an Hand- und Fußsohlen, die auch ganz rot sind, sonst aber keine anderen Beschwerden, fieberfrei.

Viele Grüße, Novro
Manuc
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Manuc »

mich hat's den Sommer vielleicht auch erwischt,
Steht zumindest im Arztbrief, den ich vom Tropeninstitut
zurückbekommen hab. Noch kämpfe ich gegen diese Diagnose, v.a.
weil ich mich 3 Tage vorher in Kuala Lumpur hab testen lassen - dort war sowohl IgM als auch IgG negativ. NS1 Antigen auch.
3 Tage später in Deutschland war das IgM immer noch negativ und IgG positiv. Hab das ganze kommentarlos bekommen, werde mich woanders nochmal anschaun lassen, muss jetzt zwar nochmal ins Ausland, aber in 1-2 Wochen werd ich's wohl mal schaffen.
Dengue-spez. Symptome...waren eigentlich nicht vorhanden.
Keine bone-breaking Schmerzen, gut, immer wieder mal leichtes Fieber (und das geht nun schon seeehr lange so), abgesehen von einer Folliculitis keinen Ausschlag.
Ich bin zumindest mal gespannt was rauskommt, wenn ich auf eine PCR bestehe....
Hoffe das ganze ist ein Irrtum. Würd sonst gerne 'ne Anzeige schalten - Tausche Dengue gegen M alaria =)
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Astrid
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Astrid »

Meine Dengue-Fieber-Erfahrung 18.08.-25.08.2010:

Hinter mir liegen 10 Tage Dengue-Fieber-Erlebnis unmittelbar nach meinem letzten Beitrag in diesem Thema. Obwohl es ein Verlauf wie im Lehrbuch war und sich rückblickend die Symptome leicht einer bestimmten Diagnose zuordnen lassen, habe ich mich in der akuten Situation manches mal gewundert. ;)

Bereits zwei Tage vor Beginn der eigentlichen Symptome hatte ich ein Gefühl wie "Pudding in den Beinen" bemerkt und zwar irritiert aber instinktiv meine Trinkmenge erhöht.

Hier mein Verlaufsprotokoll:

Tag 1.:
Mittags zunehmendes Schwächegefühl und Schmerzen in den Waden, gesteigerte Berührungsempfindlichkeit der Haut, Frösteln bei 31 Grad
Umgebungstemperatur - wenige Stunden später Fieber zwischen 38 und 39 °Grad und das Gefühl, keinen Finger mehr bewegen zu wollen, weil
jeder Muskel weh zu tun scheint. Nach wie vor sind die Wadenschmerzen dominierend. Werde etwa alle 2 Stunden wach, gehe zur Toilette und kippe Flüssigkeit nach, wenige Stunden später konzentrieren sich die Schmerzen auf den Rücken

Tag 2.:
Die Schmerzen betreffen den ganzen Körper, Maximum ist der Kopf, haubenförmig vom Nacken nach vorne, nicht in die Augen
ausstrahlend, das Fieber steigt und fällt, abwechselnd frierts mich, dann wieder ist das ganze Bettzeug klatschnass. Die Schmerzen sind bewegungsunabhängig, auch im Liegen vorhanden

Tag 3.:
Morgens scheint alles wie ein Spuk vorbei zu sein, dafür breiten sich geschätze 234987 Punkte auf meinem Bauch und auf den Beinen aus,
abends habe ich erstmals wieder Hunger

Tag 4.:
Bis mittags scheint alles gut, dann geht das Frieren wieder los, die Temperatur steigt, übersteigt 38 Grad aber nicht, dafür haben jetzt die Schmerzen hinter den Augen eingesetzt, jede Bewegung der Augen mit Ausnahme einfachen Öffnens tut weh, die Augäpfel sind gespannt, abends ist die Temperatur wieder normal, aber der Körper immer noch warm und ich kuschel mich nach wie vor in meinen Schlafsack und eine zusätzliche Decke

Tag 5.:
Die Schmerzen hinter den Augen halten an, zusätzlich Schmerzen in den Achseln und Leisten, wo die Lymphknoten derb geschwollen sind,
die Rückenschmerzen nehmen ebenfalls wieder zu

Tag 6.:
Erstmals keine Berührungsempfindlichkeit mehr, die Schmerzen hinter den Augen bessern sich, dafür sind jetzt die Handinnenflächen gerötet und geschwollen. Die Pünktchen verblassen langsam, dafür gibts heute flüssigen Durchfall...

Tag 7.:
Der Ausschlag ist fast weg, der Durchfall hält an, ich spüre meine Augen noch, aber mir gehts prima im Vergleich zu den Tagen zuvor.

Tag 8.:
Ich bin wieder gesund.
Die Nachrichten heute höre ich jedoch mit anderen Ohren: Die barbadianische Gesundheitsministerin verliest die Zahlen der diesjährigen Dengue-Fieber-Fälle. Offiziell sind es mittlerweile 100 Fälle, davon 3 hämorrhagische Verläufe mit Aufenthalt auf der Intensivstation
des staatlichen Krankenhauses und dem ersten Toten. Ich bin erstmals Teil einer Dunkelziffer - auf dem Weg der Genesung nach einer Dengue-Infektion, deren erste Symptome sich heute vor einer Woche erstmals bemerkbar machten.


Leider hatte in meinem Fall die Dengue-Erkrankung ein Nachspiel und jede körperliche Anstrengung in den kommenden 3 Monaten wurde mit
erneuten Schmerzen "bestraft". Fühlte ich mich den einen Tag fit um im Garten zu arbeiten, konnte ich am nächsten Tag nur in Zeitlupe einen einzelnen Teppich staubsaugen. Der Appetit war zwar da, aber irgendwie wollte nix auf die Rippen kommen - im Gegenteil. Ein Infekt folgte dem anderen, u.a. eine längere Bronchitis (nichts ungewöhnliches nach einer Dengue-Fieber-Erkrankung). Sukzessive nahm ich 5 Kilo (-> 46 kg bei 1,63m) ab und fühlte mich immer weniger belastbar.
Erst jetzt kurz vor dem Winter geht es auf einmal quasi von einem Tag auf den anderen wieder bergauf, habe ich das Gefühl, wieder mein "ole self" zu sein.

Wenn mich heute jemand fragt, was das Schlimmste für mich an Dengue Fieber war: das jeweils vorherrschende Symptom und die anschliessend anhaltende Schwäche.

Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass man etwas selbst erfahren haben muß, um mitreden zu können. Manchmal haben sie recht. ;)
Im Tagebuch meines Göttergatten findet man zu dieser Zeit den folgenden Eintrag:
momentan schläft mein hochwarmes Streuselküchelchen. Überall hat sie rote Punkte und schön warm ist sie, zumal sie sich zusätzlich trotz 31°C in den Schlafsack gekuschelt hat - und trotzdem friert. Anfassen darf man sie momentan nicht weil die Haut überempfindlich ist und ein Witz machen darf man auch nicht, weil ihr die Augen beim Rollen weh tun. Trinken muss sie, aber die Kraft reicht gerade zum Schlucken, nicht aber zum Halten des Glases. Eines der seltenen Male, dass ihr ein Strohhalm willkommen ist. Die Symptome wechseln dauernd - Dengue scheint eine abenteuerliche Krankheit zu sein - aber bisher spricht nichts für einen bösartigen Verlauf.

So sieht es sich von aussen aus. :lol:

Liebe Grüße
Astrid
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Wanja als Gast

Erfahrungen mit Dengue Fieber

Ungelesener Beitrag von Wanja als Gast »

Bin wegen der Aktualisierung gerade wieder über die Dengueproblematik gestolpert und will auch hier noch antworten.
Astrid hat geschrieben:... und wären dankbar, wenn Du uns über den weiteren Verlauf der Symptome auf dem Laufenden hälst.
Es war genau wie vermutet gelaufen und ein paar Wochen später waren die Nachwehen des Dengue Fiebers ausgestanden.
Insgesamt auch wegen der Länge der Nachwirkungen eine verunsichernde Erfahrung - aber Du hast Dengue inzwischen ja selbst Monate durchlitten, Astrid.
Danke nochmal! 8)
Nina2012
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Nina2012 »

Hallo,
ich war im April in Thailand und mir hat damals jemand erzählt, dass man auch drei Monate nach einem Stich von einer infizierten Mücke noch erkranken kann und deshalb mit ner Grippe zum Arzt gehen und kein Aspirin nehmen sollte.
Ich hatte keine einzige Erkältung oder ähnliches über den Sommer und habe auch irgendwann angefangen wieder Aspririn zu nehmen. Jetzt habe ich Grippe-Symptome wie Schlappheit, Gliederschmerzen, leicht erhöhte Temperatur (max. 37,2) aber nur geringe Erkältungssymptome (bisschen Husten, bisschen Kratzen im Hals, bisschen Schnupfen). Muss ich mir auch so lange nach der Rückkehr noch Sorgen machen, dass es Dengue sein könnte (in M alaria-Regionen waren wir nicht). Finde so im Internet, dass das nur ne relativ kurze Inkubationszeit hat eigentlich.
Danke!
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Astrid
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Dengue-Fieber: Fälle & Erfahrungen

Ungelesener Beitrag von Astrid »

Hallo Nina :)

Nein, Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen, 3 Monate nach einem Mückenstich noch an Dengue-Fieber zu erkranken. Die Inkubationszeit für Dengue-Fieber liegt bei +/- einer Woche.

Liebe Grüße
Astrid
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