Ich bin leer...

Worüber man in der Welt-Reise-Community sonst noch spricht / sprechen sollte, wo Du Reisethemen diskutieren, von Deinem Fernweh daheim oder Heimweh unterwegs berichten - oder auch außerhalb Deines Vorstellungsbereichs einfach mit anderen Mitgliedern der Weltreise-Community "labern" kannst... (Keine Reise-Infos hier!)

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Jim Knopf
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Ich bin leer...

Ungelesener Beitrag von Jim Knopf » 08 Nov 13 11:57

Guten Tag,
Seit gut 3 Monaten bin ich jetzt auf meiner Reise. Nach Griechenland und der Tuerkei durchquere ich im Moment den Iran und seit einer Woche (just in dem Moment als der vierte Monat anbrach) fuehle ich mich unglaublich leer. Wie emotional ungebraucht, ich reise alleine und es ist meine erste Reise alleine aber das glaube ich, ist nicht das Problem.
Kurze Zeit vorher hatte ich eine lange Beziehung die wir aber in Frieden beendet haben. Ich weiss nicht was los ist, es ist kein Heimweh, es ist kein Fernweh sondern einfach irgendwie Leere. Ich nehme viele Dinge sehr gleichgueltig hin.
Hat jemand Erfahrung damit? Ist das normal?
Bin ueber jede Hilfe dankbar,
Jim Knopf

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Hildegard Grünthaler
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Ungelesener Beitrag von Hildegard Grünthaler » 08 Nov 13 20:22

Hallo Jim Knopf,

Eine große, lange Reise wird oft mit großer Erwartungshaltung angetreten: Dauerurlaub, mit ständiger Hochstimmung inklusive. Sehr schnell stellt man dann fest, dass eine lange Reise eben kein Dauerurlaub ist, sondern letztendlich sehr schnell zum Alltag wird, wenn auch in einer anderen Form. Mein Mann und ich mussten das Reisen auch erst lernen. Wir düsten in genau dem Tempo los, das wir von unseren kurzen, durchgeplanten Vierwochen-Urlaubsreisen gewöhnt waren und es dauerte lange, bis wir die innere Ruhe und Muße gefunden hatten, auch mal an schönen Plätzen zu verweilen, ob wohl wir davon eigentlich immer geschwärmt hatten. Wir fühlten uns anfangs ziemlich gestresst und auch entnervt. Sehr schnell stellten wir fest, dass es anderen Reisenden zu Beginn ihrer Reise genauso ergangen war. Das wirkliche "Genussreisen" stellte sich bei uns erst nach einiger Zeit ein. Auch später hatten wir immer wieder mal kurze Phasen von Reisemüdigkeit. Für Dich kommt natürlich erschwerend hinzu, dass Du alleine reist. Ich stelle es mir schon schwierig vor, niemanden zu haben, mit dem man die vielen Eindrücke teilen und zu dem man sagen kann: "Sieh mal, wie schön es hier ist!"
Ein Problem mit dem auch mein Sohn zu kämpfen hatte, der auf längeren Fahrradreisen zwei Freundinnen "verschlissen" hatte. Er fand dann aber immer wieder Anschluss und fuhr streckenweise mit anderen Radreisenden. Ich denke, wenn du offen bist, wirst auch Du immer wieder Anschluss finden. Aber im Moment täte Dir ganz einfach mal ein "Urlaub vom Reisen" gut. Relaxen an einem schönen Ort und nicht gleich wieder weiterhetzen. Man muss von Zeit zu Zeit das Gesehene und Erlebte verdauen, sonst geht nichts mehr runter! Trotzdem mussten uns auch wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass es absolut nicht selbstverständlich ist, an den schönsten Ecken am anderen Ende der Welt herumzukurven. Und dann darf man eines nicht vergessen: Egal wie weit man auch reist, man nimmt sich selbst immer mit. Vor sich und evtl. Problemen kann man nicht davonlaufen!
Kopf hoch, schraube zu hohe Erwartungen zurück, akzeptiere mal ein Tief, und der Spaß am Reisen kommt wieder zurück!

Grüße aus E ckental
sendet Hildegard
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Verschiebe nicht auf morgen, was du heute tun kannst; denn wenn es dir heute Spaß macht, kannst du es morgen wieder tun.
Herzog von Wellington

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Astrid
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Ungelesener Beitrag von Astrid » 08 Nov 13 20:50

Hallo Jim Knopf :)

Oha - "innere Leere" hört sich an, wie ein unangenehmer Zustand!?
Wie ein diffuses, nicht fassbares Gefühl, das Du am liebsten nicht haben würdest? So als hättest Du den Wunsch, es stopfen zu wollen, um es nicht mehr spüren zu müssen? Vielleicht schreibst Du mal, was Dir in den letzten Tagen / Wochen durch den Kopf gegangen ist :idea:

Wenn Du Dir dieses Thema: -> Tiefphasen auf Reise ansiehst, wirst Du auf jeden Fall schon mal merken, dass weder Zeitpunkt noch Auftreten einer solchen Stimmung ungewöhnlich und schon gar nicht beunruhigend sein müssen und Du nicht der Einzige bist, der solche Phasen kennt. Meiner Meinung nach erfährt jeder von uns solche Phasen auf einer Langzeitreise, falls er/sie sich darauf einlässt, statt davon zu laufen oder sich zu betäuben.


Zunächst erst einmal geht es darum, die Leere auszuhalten. Denn nur dann begint etwas von innen heraus aufzusteigen - etwas, was wir zuvor vielleicht verdrängt oder einfach nicht bewußt gespürt haben, weil zu viele andere Dinge wichtiger zu sein schienen bzw. tatsächlich waren.

Die Vermutung ist groß, dass es eine Art von Schmerz ist, die sich den Weg ins Bewusstsein kämpft (<- das kann, muß aber nicht z.B. das Ende Deiner Beziehung sein - obwohl Du diese Reise geplant hast, als Ihr noch zusammen wart und Trennung in Deinem Vorstellungsthread noch kein Thema war...).
Genauso kann es z.B. das Ende Deiner Schulzeit, Deine Wohnungsauflösung o.ä. sein...

Alles einschneidende Erlebnisse, die zwar auch positiv waren und Platz für etwas Neues gemacht haben, aber nichts desto trotz auch Abschiede dargestellt haben, die Du auf Grund der vielen neuen auf Dich einströmenden Eindrücke gar nicht verarbeiten konntest. Ganz extrem ist diese Situation in diesem ebenfalls verwandten Thema beschrieben: -> völlig ausgebrannt: Rückkehr oder ohne Genuss weitermachen?? .

Von daher zielen viele der Empfehlungen und Tipps anderer WRF-ler darauf ab, vorübergehend wieder ein Gefühl der Verbundenheit mit Vertrautem herzustellen z.B. durch Kontakt mit langjährigen Freunden oder Familie oder dadurch, dass Du länger an einem Ort bleibst und ihn Dir vertraut machst.... um Deiner Seele eine Verschnaufpause und die Möglichkeit zu geben, Dich nach dem hohen Lebenstempo der vergangenen Monate wieder einzuholen. :)

Soviel von mir. Außerdem habe ich Dir eine PN geschickt, damit Du auch die Möglichkeit zu einer Kontaktaufnahme in Echtzeit hast!

Liebe Grüße
Astrid


PS:
Deine gegenwärtige Situation veranschaulicht sehr eindrucksvoll, was sich hinter dem Spruch von Richard Hoffmann verbirgt: "Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt."...
Eine fremde Kultur ergründen zu wollen, ist wie der Versuch, den Horizont zu erreichen... Irgendwann steht man wieder an dem Punkt, an dem man begonnen hat - doch der Blick zum Horizont ist ein anderer. [A. Bokpe]

Chester
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Ungelesener Beitrag von Chester » 10 Nov 13 18:52

Hallo Jim Knopf,

ich kenne das Gefühl der Einsamkeit auf Reisen auch sehr gut.
Ich kann mich da nur Astrid anschliessen, meiner Erfahrung nach ist es das Beste, man lernt dieses Gefühl auszuhalten.
Dann wird's schon wieder.
Liebe Grüße,
Chester

Bennddy
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Ungelesener Beitrag von Bennddy » 14 Nov 13 9:32

Bei langen Reisen passiert o was mal. Ständig gibt es neue Eindrücke etc. Aber vor allem, wenn man alleine reist. Denn man lernt permanent neue Leute kennen, hat aber keinen richtigen "Freund" mit dem man ernsthaft über alle die Dinge, die man schon erlebt hat reden kann....

gula
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Ungelesener Beitrag von gula » 19 Nov 13 17:14

Das habe ich auch schon erlebt. Man muss irgendwie lernen damit umzugehen, ggf. lernt man auch an sich selbst neue Dinge kennen, oder man lernt sich überhaupt erst richtig kennen. Es kann, langfristig, auch eine sehr gute Erfahrung in Sachen Selbstfindung sein.

jot
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Ungelesener Beitrag von jot » 13 Apr 14 23:47

Jim Knopf hat geschrieben:fuehle ich mich unglaublich leer. Wie emotional ungebraucht, ich reise alleine und es ist meine erste Reise alleine aber das glaube ich, ist nicht das Problem.
Kurze Zeit vorher hatte ich eine lange Beziehung die wir aber in Frieden beendet haben. Ich weiss nicht was los ist, es ist kein Heimweh, es ist kein Fernweh sondern einfach irgendwie Leere. Ich nehme viele Dinge sehr gleichgueltig hin.
Hat jemand Erfahrung damit? Ist das normal?
Bin ueber jede Hilfe dankbar
Ich denke es ist "normal", es ist sicher eine Mischung aus Reisekoller, Heimweh und hat sicher auch mit der Beziehung bzw. mit dem Alleinreisen zu tun.
Ich bin zur Zeit in einer ähnlichen Gefühlssituation, bin nun zweieinhalb Monate unterwegs und habe mich vor knapp 2 Wochen von einem Mädchen getrennt, dass ich wirklich sehr mag (auf der Reise kennengelernt, wir waren dann knapp 1 Monat gemeinsam unterwegs und viel erlebt, sie hat mir allerdings zu verstehen gegeben dass da beziehungstechnisch derzeit nix tiefergehendes möglich ist und ein Jobangebot in einer Stadt genutzt um da erstmal zu bleiben) - die Trennung ansich verlief ohne großes Drama und auch die darauf folgenden Tage habe ich eigentlich ganz gut überstanden, weil ich immer andere Leute um mich oder irgendwas zu tun hatte. Nun bin ich allerdings wirklich alleine unterwegs, teils nicht so gutes Wetter, teils einfach nur Leerlauf, viel Zeit zum Nachdenken, ... da schweifen die Gedanken zwangsläufig auch zu ihr und man fühlt sich unglücklich oder eben leer. Springe momentan etwas lustlos von einem Ort zum nächsten, schaue mir die Gegend gar nicht wirklich ernsthaft an und habe kaum noch Lust auf Aktivitäten (eigentlich war ich mal zum Trekking hergekommen, zwinge mich mit 100 Ausreden aber maximall nur noch zu Tageswanderungen). Bin sogar am überlegen zurück nach Deutschland zu fliegen, hätte den Reiz dass ich mich mal wieder mit langjährigen Freunden und nicht nur unverbindlichen Hostelbekanntschaften treffen könnte... aber das wäre wirklich der allerletzte Ausweg (hab noch >2 Monate unbezahlten Urlaub, den ich halbwegs sinnvoll nutzen will und nicht nur vor dem Fernseher verbringen ^^). Mal sehen... :p

Der einzige Tipp den ich hätte ist: versuche wieder unter Leute zu kommen. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Ich sitze momentan auch etwas unkommunikativ auf der Hostelcouch und checke ständig meinen Account ob sie mir vielleicht doch nochmal auf meine letzte E-Mail geantwortet hat ;)

Da es bei dir jetzt schon ein paar Monate her ist würde mich interessieren ob und wie du das Problem lösen konntest?

Jim Knopf
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Ungelesener Beitrag von Jim Knopf » 14 Apr 14 6:32

Hi Jot,
damals war ich in Yazd in Iran. Zumindest als es akum noch auszuhalten war. Ich bin geflohen in die Wueste. Ich mein Zelt und meine Ukulele. Einfach gewandert und es war magisch. Es war einer der schoensten Naechte meiner Reise, Alleione unter dem Sternenhimmel und ein grosses Lagerfeuer mitten in der Wueste.
Ich weiss nicht ob dir das hildt aber: Treffe wieder Entscheidungen. GOenne dir etwas was eigentlich den Rahmen sprengt.
Ich habe mich danach Entschieden auf eine kleine Farm in der Wueste zu wohnen fuer 2 oder 3 Naechte und bin schon am Abend vor der Abreise auf gleichgesinnte Seelen gestossen.

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