Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

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Julchen
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Julchen » 14 Mai 06 2:25

Hallo Ihr Lieben,

Was ich mir immer wieder ueberlege, nicht erst seit mein mp3player futsch ist :wink: : Wieviel von unserer selbstverstaendlich gewordenen Wohlstands-Welt brauchen wir wirklich? :roll:

Fuer mich stellt sich dies Frage ganz konkret, weil ich ja ab Oktober in Nepal leben werde. Und mir ueberlege,

a) was von meinem Gruscht wirklich wert ist, nach Nepal umgezogen zu werden :P und

b) worauf ich im Alltag nicht verzichten will.

Zum Beispiel: Will ich warmes Wasser? Mir macht es nix aus, auch bei Kaeltegraden wenn's sein muss kalt zu duschen (auch wenn ich natuerlich die ganze Zeit "armes Julchen" vor mich hinjammer :wink: ), aber als Dauerzustand? Oder: Will ich ein eigenes Bad, oder gehe ich wie die meisten Nepali an den Dorfwasserhahn?

(Letzteres hab ich schon entschieden: als in einem Dorf lebende Weisse habe ich keine Lust, jedesmal am Dorfwasserhahn als Attraktion bestaunt zu werden. :shock: )

Eine weitere Ueberlegung: Waschmaschine oder von Hand waschen? Klar kann ich von Hand waschen, aber mit einem Vollzeitjob und irgendwann moeglicherweise vollgeschissenen Babywindeln auch noch die gesamte Handwaesche zu erledigen, wo ich mir faktisch eine Waschmaschine leisten koennte? Eine Hausangestellte, wie die meisten wohlhabenderen Nepali haben, will ich nicht unbedingt - ich will meinen Dreck selbst wegmachen.

Undsoweiterundsoweiter...

Es sind so Sachen, die sich in D niemand ueberlegt, aber die eben in Entwicklungslaendern alles andere als selbstverstaendlich sind. Und klar mag ich den Nepali way of life, aber vielleicht kann und will ich als im Luxus aufgewachsener Mensch nicht auf alles verzichten :oops: .

Das hat nichts damit zu tun, dass ich generell nicht dazu bereit waere. Aber es ist ein Unterschied, ob ich dort reise oder eben einen Alltag lebe und arbeite.

Fuer die meisten Nepalis werde ich eh als verrueckt gelten - jemand, der freiwillig ein Leben im "Paradies" D aufgibt, um in Nepal zu leben??? :?: :?: :?:

Was sind fuer Euch die Sachen, auf die Ihr auf Dauer nicht verzichten wolltet? Oder findet Ihr, eine Entscheidung gegen ein Leben im Wohlstand sollte auch einen Verzicht auf saemtliche Wohlstandgueter nach sich ziehen? 8)

Ich faende es interessant, Eure Meinungen dazu zu hoeren.

Liebe Gruesse aus NZ
julchen
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Erwin
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Erwin » 14 Mai 06 7:52

Man braucht ziemlich viel, und ich meine, je länger ich weg bin, umso mehr brauch ich. hat aber vielleicht auch damit zu tun, dass man älter wird. Ohne warme Dusche z.B. wäre ich ein grausiges Dreckschwein, aber zum Glück bin ich häufig in den Tropen, da gehts natürlich ohne. Hier in Neuseeland könnte ich nicht ohne warmes Wasser nicht leben. Wir geben auch ziemlich viel Geld aus für öffentliche Waschmaschinen. Wenn ich mich irgendwo niederlassen würde, wäre das ein muss (wir haben ein kleines Kind).
Aber warum willst du keine Hausangestellte? Für sie wäre es nicht 'Dreck wegputzen', sondern ein Job und wenn ich es mir leisten könnte, hätte ich eine. Von ihrem Gehalt lebt dann eine ganze Familie.
Erwin

MArtin
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Re: Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von MArtin » 15 Mai 06 0:37

Hallo :)

Man braucht ziemlich wenig, und ich meine, je länger wir weg sind, desto weniger brauchen wir (nicht nur gezwungenermaßen).
Hat vielleicht damit zu tun, dass ich langsam ins Alter von Erwin komme. ;)
Astrid ist ca. 10 Jahre jünger - braucht aber auch keine Waschmaschine (obwohl wir gelegentlichen Zugang zu einer schon schätzen - ebenso wie heisse Duschen, übrigens).
Aber brauchen? - Beileibe nicht!
Wenn der Rest stimmt, werden wir bedürfnislos, nur um ihn nicht zu ändern.
"Der Rest" ist allerdings auch das Klima - und da wäre uns Neuseeland über lange Monate zu kalt, sodass wir auch Erwins Ansatz gut verstehen können.
Bezüglich der Hausangestellten teile ich Erwins Meinung ebenfalls - zumal sie Möglichkeit für einen guten Draht zur Bevölkerung darstellen kann.

Liebe Grüße :)

Astrid &

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Julchen
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Re: Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Julchen » 15 Mai 06 4:04

MArtin hat geschrieben:- zumal sie Möglichkeit für einen guten Draht zur Bevölkerung darstellen kann.
Naja, aber wenn ich mit einem Nepali zusammenlebe, dann kann ich ueber mangelnden Kontakt zu Nepalis eh nicht klagen, denke ich. :D

Ich weiss, dass das eine Hausangestellte fuer diejenige ein Job und Gehalt bedeutet, aber trotzdem ist mir nicht wohl bei dem Gedanken, dass jemand meinen Dreck wegmacht. Wahrscheinlich bin ich einfach zu schwaebisch erzogen worden: "Wer Dreck macht, muss den auch wegputzen!", sagt meine Mama :wink:

Hm, aber da hab ich ja noch ein bisschen Zeit, das zu ueberlegen...

Bin gespannt, ob noch mehr Beitraege kommen. 8)

Liebe Gruesse aus Waitomo, NZ
julchen
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Krucki
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Krucki » 15 Mai 06 9:48

hab mir gerade über dieses Thema in letzter Zeit viele Gedanken gemacht.
Ich glaube halt, dass da viel von der Umgebung abhängt, soll heißen, je weniger Wohlstand einen umgibt, desto weniger braucht man.
Natürlich ist es hier in Mitteleuropa nicht so einfach auf so einiges zu verzichten, weil das Angebot halt doch so im Überfluß da ist.
In Nepal oder woanders, wo die Menschen nicht so viel haben ist es sicher enfacher mit wenig bzw. ohne Luxus zu leben.
Ich bemühe mich aber auch schon in Österreich seit einiger Zeit auf div. Luxus zu verzichten, da ich es nicht fair finde, dass wir uns alles leisten können und woanders die Leute können sich gar nix leisten.
Ich glaube brauchen (oder sich einbilden zu brauchen) tut der Mensch nur das, was er kennt und was für ihn gewöhnlich ist.
Wenn Du z.B. Dein Leben lang Wäsche mit der Hand wäschst wirst Du keine Waschmaschine brauchen.

MfG
Krucki
Das Leben ist eine Art Waldspaziergang...
man muß nur ein bisschen auf den Weg achten und kann ansonsten bedenkenlos die Schönheit genießen.

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Coogar
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Coogar » 15 Mai 06 11:59

Ich brauche immer weniger. Ich denke, Dinge wie keine heiße Dusche oder keine Waschmaschine, da gewöhnt man sich dran mit der Zeit, lernt das im Alltag zu integrieren und auch wenn dann mal ne heiße Dusche schön ist, weiß man doch, dass man auch ohne kann.
Selbst in Dublin bin ich schon mit weitaus weniger am tun als in Deutschland und meine nächste Ausmistaktion kommt. Ich möchte am Ende genauso viel besitzen, dass ich alles mitnehmen kann, wenn ich weiterziehe.
Klar, den iPod Luxus behalte ich auch, ist schon cool, wenn man keine 100 cds mehr irgendwo aufbewahren muss. Außerdem werde ich meine Digicam nicht aufgeben. Abgesehen davon: Klamotten und Waschzeug.
Bücher gebe ich normalerweise weiter wenn gelesen. Meine Fotos und kleinere Erinnerungsstücke kommen bei meiner besten Freundin unter.
Im Großen und Ganzen komme ich gut klar mit wenig Materiellem. Lieber ein paar Kröten extra in eine Flasche Wein für den Abend mit Freunden investieren. Und das ist auch schon das, worauf ich im Leben niemals verzichten will: Freunde und Zeit mit ihnen zu verbringen. All around the world. Garantiert raumfüllender als jede Dolby Surroung-Anlage :wink:
What is the use of straining after an amiable view of things, when a cynical view is most likely to be the true one?
G.B.Shaw

Ulrike73
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Ulrike73 » 15 Mai 06 15:09

ich habe verschiedene ansprueche ob ich temporaer auf reisen bin oder ob es alltag ist und ich taeglich zur arbeit gehe.
hier auf reisen sehe ich vieles lockerer, was aber auf dauer nichts fuer mich waere. mal ein paar tage ohne dusche, klamotten etwas laenger tragen...
aber wenn ich jeden tag zur arbeit soll, geniesse ich doch auch manchen luxus. drum waere eine laengere weltreise nichts fuer mich.
ich kann auch im alltag auf auto und fernseher verzichten. aber handwaesche ist nicht mein fall. ich finde sogar auf dauer die waschmaschinen mit kaltwaesche, fertig in 30 min nicht mein fall.
aber ich denke nach meiner reise sehe ich viele dinge nicht mehr so, wie sie vorher waren. ich will mir ne kleinere wohnung suchen. und ich habe mir vorgenommen allgemein weniger luxus zu brauchen und mehr zu sparen und spenden.
wobei ich mir die haushaltshilfe sofort goennen wuerde. das habe ich mir schon laenger ueberlegt, aber leider noch niemand gefunden, dem ich meine wohnungsschluessel anvertrauen wollte.
und an was ich mich wohl nie gewoehnen werde, das sind die krabbeltierchen. kakerlaken, ameisen und manches unbekannte werden wohl nicht meine freunde werden. da sind mir die deutschen spinnen und falter doch lieber.
julchen, ich finde deine entscheidung in nepal zu arbeiten sehr bewundernswert. ich kenne das land nicht, aber ich denke es ist allgemein ne grosse umstellung. ich wuensche dir viel erfolg!

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Claus
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Claus » 16 Mai 06 1:55

Hi,

um auf das Topic zurückzukommen: Ich denke, man braucht weit weniger an Luxus-, Wohlstands- oder anderen Gütern der "entwickelten" Welt, als
man sich so vorstellt. Gutes Beispiel sind da ja die "armen" Bevölkerungsschichten diverser Entwicklungsländer. Ich hege eine gewisse Bewunderung gegenüber diversen Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern, wie sie mit "so wenig" klarkommen (müssen).

Auf meinen Reisen (auch wenn sie bisher eher von kurzer Dauer waren) konnte ich mich da ohne Probleme anpassen. Ich habe auch keine Probleme, bei einer Trecking-Tour mal schnell ein paar Kleidungsstücke per Hand zu waschen oder die "allgemeine Körperpflege" in einem kalten Bach durchzuführen. Im Urlaub ist das ja oft nur von zeitlich begrenzter Dauer.

Allerdings bezweifle ich, dass ich (wie in Julchens Fall) bei einem länger geplanten Aufenthalt in einem anderen Land auf Dinge wie Waschmaschine
oder eigene Duschmöglichkleit (dann aber bitte mit warmem Wasser) verzichten möchte oder könnte!!

Die essenziellen Dinge sind wohl "ein Dach über dem Kopf zu haben" und "ausreichend Ernährung" und "Gesundheit / medizinische Versorgung"
Bei allem weiterem muss wohl jeder seinen Frieden mit sich selbst schließen.

Vielleicht muss man wirklich so wie Astrid und MArtin "länger :P " unterwegs sein, um auch seine alltäglichen Ansprüche (notgedrungen) runterzuschrauben!

Ich möchte auf einen gewissen Luxus im alltäglichen Leben nicht verzichten, wobei das natürlich die Frage aufwirft: "Wie definiert man Luxus"!!
Für mich ist das sicher keine Playstation oder ein teures Auto, aber ne warme Dusche ist schon nicht verkehrt! :P

Gruß Claus

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Caveman
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Wieviel "Wohlstand" braucht der Mensch?

Ungelesener Beitrag von Caveman » 16 Mai 06 3:34

Also mit dem *Luxus* ist das so ne Sache. Wahrscheinlich wird sich jeder so einrichten, wie er es sich leisten kann. Wenn ich mich hier so umsehe, dann muss ich sagen, dass wir uns inzwischen nicht mehr viel anders eingerichtet haben, als ich das in Deutschland auch hatte. 2 Fernseher, 2 DVD Player, 2 Badezimmer (natuerlich mit heissem Wasser), ein halbwegs vernuenftiges Auto (wenn auch keinen BMW mehr sondern einen Isuzu Pickup), ein Moped fuer kurze Wege, Internetanschluss, 2 Handys, den Schrank voller deutscher Buecher und deutschsprachiger DVDs, die Kuehltruhe rappelvoll mit den verschiedensten deutschen Wurstwaren (und z.Zt. noch 17 Tuben Loewensenf - das ist Luxus!) ... selbst meine CD Sammlung habe ich inzwischen auf nem externen 250GB Harddrive (ca. 4.000 CDs). Der Garten ist halbwegs gepflegt und das Waschhaeuschen (mit 2 Waschmaschinen) hat sich inzwischen auch von einer ehemals Holzbaracke zu nem schmucken Steinbau gemausert.

Allein unsere eigene Frischwasserversorgung (tiefer Brunnen, starke Pumpe, gut ausgebautes Leitungsnetz) hat mehr gekostet, als so manche Nachbarfamilie im ganzen Jahr zur Verfuegung hat. Allerdings erheblich weniger als das Wocheneinkommen des chinesischen Kaufhausbesitzers ein paar Kilometer weiter. Und damit waeren wir auch schon bei dem immer wieder gern genommenen Vergleich mit der einheimischen Bevoelkerung. Wen will man denn da als Massstab nehmen? Den Tageloehner von nebenan, den schon recht ordentlich verdienenden Regierungsbeamten aus dem Nachbardorf oder den chinesischen Geschaeftsmann und Grossgrundbesitzer? Daheim orientiert man sich ja schliesslich auch nicht am Lebensstandard eines Obdachlosen, sondern doch wohl meist an dem von Leuten, die in etwa der gleichen Einkommens-/Vermoegensschicht angehoeren, wie man selbst.

Ich sehe hier westliche Auslaender, die mit vielleicht 30.000 Baht (ca. 640 Euro) im Monat ueber die Runden kommen (muessen), aber auch solche, die weit ueber 100.000 brauchen. Alles eine Frage der eigenen Gewohnheiten, des bisherigen Standards und in aller erster Linie natuerlich des persoenlichen Einkommens.

Gruss aus der Provinz Mukdahan, Nordostthailand
Caveman

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