Erstmal arbeiten oder neuer Versuch einer Weltreise?

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Christian.Rio
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Erstmal arbeiten oder neuer Versuch einer Weltreise?

Ungelesener Beitrag von Christian.Rio » 17 Jul 06 12:28

Hallo Coogar,

danke für deine praktischen Hinweise. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal was zu meiner Ausbildung sagen. Ich komme aus dem IT-Bereich, habe aber keine Lust auf Programmieren. Es wäre aber ok, dieses Hintergrundwissen auf anderer Ebene einzusetzen, wie z.B. Testing, Localization, Kundenservice, etc. Das Geldverdienen ist erstmal das wichtigste, weil Karriere vollkommen zweitrangig ist. Die Zeit nach der Arbeit ist mir viel wichtiger. Andererseits sollte der Job auch nicht zu langweilig sein und doch noch die ein oder andere Möglichkeit bieten, sich ein wenig hochzuarbeiten. Ich möchte ja nicht vor lauter Desinteresse schon mittags einschlafen, auch wenn ich ein absoluter Fan von Mittagsnickerchen bin :-D

Auf jeden Fall möchte ich natürlich auch den Vorteil der deutschen Muttersprache nutzen. Ich habe schon viel auf diversen irischen Jobseiten herumgestöbert. Es gibt da durchaus Möglichkeiten. Und mit Englisch gibts auch keine Probleme. Bis auf Fachtermini spreche ich die Sprache quasi fließend. Was das Spanisch anbetrifft, hatte ich durch die Jobangebote, die man so liest, bisher den Eindruck, dass es eigentlich immer nur vorteilhaft sein kann, wenn man mehrere Sprachen fließend beherrscht. Also es schien mir so, als wenn es die Chancen erheblich steigert, eine Arbeit zu bekommen. Ich lerne Sprachen nebenher für mich und fände es natürlich als Nebeneffekt gut, es vielleicht auch mal im Job gebrauchen zu können.

Es hängt wohl aber auch vom Bereich ab. Die meisten Jobangebote, in denen zwei, drei oder sogar vier Fremdsprachen fließend erwünscht waren, kamen logischerweise aus dem Bereich Kundenservice bzw. Callcenter. Das stelle ich mir ohnehin nicht unbedingt allzu aufregend vor, aber es kommt natürlich darauf an, was für ein Typ man selbst ist. Was dem einen zuwider ist, kann dem anderen unheimlich Spaß machen. Ich muss das ohnehin erstmal im Arbeitsalltag austesten, ob mir dies oder jenes liegt.

Danke nochmal! Vielleicht melde ich mich ja schon bald von der Insel :wink:

Christian

James Cook
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Erstmal arbeiten oder neuer Versuch einer Weltreise?

Ungelesener Beitrag von James Cook » 24 Jul 06 11:14

Hallo Christian,
ich verfolge deine Forumbeiträge seit einiger Zeit. Erstmal finde ich deine Offenheit Klasse :wink: .
Du schreibst von einem depressiven Loch und stellst einen Zusammenhang zu deiner Kindheit bzw. deiner Lebenssituation an. Ich meine, Du bräuchtest vielleicht professionelle Hilfe. Depression ist eine gut behandelbare Krankheit, auch wenn es heutzutage Mode ist, dass sich (fast) jeder als etwas depressiv beschreibt. Du gibts den Lebensumständen schuld an deiner Verfassung, aber ich denke, die Antriebslosigkeit, die Du beschreibst ist typisch für eine Depression. Bitte versteh meinen Tipp nicht falsch, ich halte dich nicht für verrückt, aber für Depressionen ist der richtige Ansprechpartner ein Psychater.
Depressionen haben die Eigenschaft, solange sie nicht behandelt werden immer wieder aufzutreten. Reisen als Flucht, halte ich nicht für empfehlenswert. Auf der anderen Seite spricht vieles dafür, dass dir relativ schnell geholfen werden kann. Wenn du erst mal deine Lebenssituation geändert hast (Umzug usw.) werden sich viele Dinge von selbst ergeben.
Ich habe den Eindruck, dass du ein Mensch bist, der sehr viel reflektiert und über sich selbst und seine Motivation zu Reisen nachdenkt - deshalb haben mich auch viele deiner Beiträge sehr bewegt. :wink:
Die Lücke im Lebenslauf ist sicherlich nicht völlig unerheblich, aber ich denke, die anderen Punkte (finanziell,ungebunden usw.) sprechen für eine Weltreise. Also kurz, erstmal das Seelenleben auf Vordermann bringen und dann auf Weltreise. :)
Viele liebe Grüße
Martin

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Christian.Rio
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Erstmal arbeiten oder neuer Versuch einer Weltreise?

Ungelesener Beitrag von Christian.Rio » 24 Jul 06 21:06

Tja, es kommen die unterschiedlichsten Meinungen zusammen. Du hast schon recht, Martin. Ich sollte eigentlich mal einen Psychologen aufsuchen. Aber wie du schon richtig angemerkt hast, werden sich viele Dinge auch wieder einrenken, sobald ich umgezogen bin. Das ist zunächst Grundvoraussetzung, damit das Ausmaß meiner Depression überhaupt abschätzbar ist - also fern von potentiell negativen Einflüssen. Im Optimalfall löst sich dieser Zustand von allein wieder auf. Trotzdem habe ich vor, zu gegebener Zeit vor-/nachsorglich mal einen Psychologen aufzusuchen. Doch zunächst muss ich hier raus.

Durch meine recht isolierte Situation, in der ich mich die ganze Zeit befand (hab mich binnen letzten Jahres extrem zurückgezogen), ist es sehr schwer für mich geworden, Entscheidungen zu treffen. Durch die viele Zeit, die ich so verbrachte, wurde ich sehr grüblerisch, sprunghaft, unentschlossen, leicht beeinflussbar und hochsensibel. Meine Gefühlsschwankungen sind sehr unberechenbar geworden. Zum Glück weiß ich aber auch: Das war mal anders. Vor allem, als ich in Neuseeland war, erlebte ich das erste Mal in meinem Leben eine innere Gelöstheit, Ruhe und Spontanität an mir, wie ich sie mir nie hätte vorstellen können. In dieser Phase meines Lebens traute ich mir plötzlich alles zu und war von konstanter Entschlossenheit geprägt. Aber das nahm ja durch die Rückreise, zu der ich gezwungen war, ein extremes Ende. Das hatte mich schwer gebeutelt und war am Ende Auslöser dieser Extremdepression. Zuvor hatte ich über die Jahre hinweg immer wieder Depressionen, kam aber noch zurecht. Aber diesmal war es sehr schlimm - und ist es auch immer noch auf längeren Abschnitten. Momentan gibt es aber den kleinen und feinen Unterschied, dass ich jetzt aktiv etwas dagegen tun möchte - wenn ich auch noch recht zögerlich und schüchtern gegenüber Fremdhilfe bin (das muss ich noch lernen).

Ich weiß, dass es besser wird, wenn ich wieder am Leben da draußen teilnehme. Das geht aber eben nur über den Auszug/Umzug. Zuerst wollte ich sofort nach Dublin fliegen und direkt Wohnung und Job suchen. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich mich dadurch unnötig unter Zwangserwartungen setze. Von heute auf morgen könnte ich in dieser Verfassung nämlich wohl keinen Job annehmen. Ein sehr guter Freund riet mir deshalb, erst einmal ohne Druck und Verpflichtung den Ort zu wechseln, vielleicht sogar nach Neuseeland zu reisen, wo es mir so gut ging. Doch um den Fluchtgedanken in mir nicht zu nähren, ist der Vorschlag, der hier schon angesprochen wurde - nämlich vorerst probeweise 1-2 Monate Auszeit zu nehmen, um mein Seelenleben wieder aufzupolieren - eine gute Alternative, denke ich. Vielleicht ist es am Ende ja der Auftakt zu mehr...

Nach Irland will ich am Ende aber schon, bzw. es auf jeden Fall ausprobieren, soviel steht fest. Denn mein Bauch sagt mir, dass dies mein europäisches Neuseeland sein wird (bei Neuseeland hatte ich vorher auch so ein Bauchgefühl). Und ich werde das wohl mit einem vorhergehenden Rucksack-Trip durch Irland oder sogar ganz Europa verbinden. Wenn ich dann merken sollte, ich funktioniere nicht, muss ich nach neuen Möglichkeiten suchen. Wenn ich aber wieder gesunde, dann war es ein voller Erfolg. Vielleicht bleibe ich ja auch wo ganz anders hängen, wenn ich losgezogen bin. In Europa ist das ja - und das ist ein Riesenvorteil - möglich. Tief in mir drin habe ich mir die Fähigkeit bewahrt, die wundervollen Feinheiten des Lebens zu sehen und ihre Schönheit zu bewundern. Das ist/war eine Zeit lang eben sehr zugeschüttet. Jetzt will ich mich reanimieren. Die Zeit ist definitiv reif.

Danke & liebe Grüße!

Christian

P.S.
Hier noch ein paar Smileys:
:D :D :D 8) 8) 8) :lol: :lol: :lol: :wink:

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