Malariamittel ARINATE / ARTESUNATE

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fechter
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Ungelesener Beitrag von fechter »

mein beileid.

trotzdem: Riamet® sollte eigentlich bereits zwei verschiedene wirkstoffe enthalten und gut wirksam sein. habt ihr vor ort eingekauft (fälschungen, abgelaufen..)?

mfg
fechter
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Astrid
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Ungelesener Beitrag von Astrid »

Liebe Shamshun,

von dem tödlichen Krankheitsverlauf Deines Mannes zu hören, hat mich sehr betroffen gemacht :(.
Umso mehr möchte ich mich bei Dir bedanken, dass Du Dich an diesem Thema beteiligt und Deine persönlichen Erfahrungen mit Artesunate geschildert hast.


Bevor es zu Missverständnissen kommt:

Riamet ist NICHT gleichbedeutend mit Artesunate!

Artesunate ist - ebenso wie Arthemeter - ein halbsynthetischer Abkömmling des natürlichen Wirkstoffs Artemisinin, das als wirksames Mittel bei der Therapie der Malaria gilt.
Riamet enthält eine Kombination aus 2 verschiedenen Wirkstoffen: Artemether und Lumefantrin.


OT
Ziel einer Malaria-Behandlung ist nicht die Reduktion der Krankheitserreger, sondern deren Elimination, da verbleibende Erreger das Risiko einer Resistenzentwicklung bergen. Diesbezüglich hat sich eine Artemisin-basierte Kombinationstherapie (ACT) der Monotherapie überlegen erwiesen.
Die WHO warnt daher vor der Einnahme von Artemisinin-Präparaten als Mono-Therapie bei Malaria (s.a. Quelle).


Leider habe ich manchmal den Eindruck, dass das Risiko einer Malaria-Infektion häufig unter- und notwendige Prophylaxen oder Therapien falsch eingeschätzt werden. Gerade unter Berücksichtigung von Resistenzbildungen sollten finanzielle Aspekte oder die Angst vor potentiellen Nebenwirkungen auf die Einnahme von Medikamenten (in Absprache mit dem Tropenmediziner) eine eher untergeordnete Rolle spielen.
In diesem Zusammenhang ist auch der erst kürzlich dieser in der TIME erschienene Artikel interessant.

Liebe Grüße an alle
Astrid
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der Bär
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Ungelesener Beitrag von der Bär »

Hey, guten Abend,

ich wollte noch kurz ein paar ergänzende Anmerkungen machen zum Thema Artemisia/Artemisin.

Ich kenne ein paar der Artemisia-Annua-Projekte in Afrika (allerdings nur aus der "Ferne" - ich war selbst noch nicht da und hab mir das vor Ort angeschaut) und eine Entwicklungshelferin, die solche Projekte dort aufbaut/durchführt. Sie arbeitet mit dem erwähnten Arzt und der Organisation anamed zusammen. Sie baut selbst die Heilpflanze in ihrem Garten in Nordhessen an. Das Zeug wächst also auch in Deutschland.

Soweit ich informiert bin, ist für die Malaria-Therapie ein besonderes Hybrid gezüchtet worden. Ich gehe davon aus, darin ist der Wirkstoff Artemisin konzentrierter als in den Wildpflanzen. Allerdings, was MArtin ja auch schreibt:
MArtin hat geschrieben:Der Wirkstoffgehalt in Tees ist jedoch zufällig, weshalb eine Nutzung zu therapeutischen Zwecken absurd anmutet.
Weiß ich eben auch nicht, ob sicher gewährleistet ist, ob die Konzentration auch immer in jedem Fall ausreicht.

Aber und das ist das Wichtigste: es ist sowieso nur anwendbar, wenn man schon Malaria hat, also wenn die ersten Symptome auftreten. Das wurde ja hier auch schon erwähnt. Man muss die Dosierung dann sehr strikt einhalten. Es muss nicht unbedingt Tee sein, das Pulver kann so eingenommen werden oder eben ins Essen gerührt werden - was in Afrika sehr oft z. B. bei Babies praktiziert wird.

Die Entwicklungshelferin selbst ist bei einem Aufenthalt in Burundi an Malaria erkrankt. So wie sie es beschreibt, verschlechterte sich ihr Zustand innerhalb weniger Stunden dramatisch. Sie hat sich selbst mit Artemisa-Tee therapiert. Ein Einzelbeispiel von sicher vielen.

Trotzdem ist es fraglich, ob man als Traveller dieses Zeug mitnehmen will. Ich war auf Sumatra und hatte es mir vorher von ihr besorgt. Hab mich dann in erster Linie dagegen entschieden, weil es ganz einfach aussieht und riecht wie Gras, also: Drogen. Wollte damit lieber nicht bei der Einreise erwischt werden und dann in Erklärungsnotstand geraten.
Und sicher sind die Bedenken von MArtin und Astrid nicht von der Hand zu weisen.

Aber: ich sehe das ein bißchen differenziert. Denn: in vielen Buschgebieten Afrikas, wo die Malaria wirklich wütet (es ist einfach auch eine Krankheit der Armen!), macht es vielleicht doch Sinn. Denn dort haben die Kranken
a) keine Möglichkeit schnell genug zur nächsten Krankenstation zu gelangen und sich behandeln zu lassen oder mit Medikamenten zu versorgen
b) sie wissen nicht, wie man die Medikamente richtig anwendet und das wichtigste
c) sie können sich die Pillen garnicht leisten.

Eine Artemisia-annua-Pflanze können sie dagegen ganz problemlos neben der eigenen Hütte anbauen. Gut, es muss ihnen halt beigebracht werden, wie man die Therapie durchführt. Das gewährleisten die Projekte.

So wie es die Entwicklungshelferin beschrieben hat, ist es auch ein kulturelles Problem. Viele wollen keine Medikamente nehmen. Eine Pflanze aus eigenem Anbau wird dagegen viel eher akzeptiert.

liebe Gruesse
der Bär
...and I, I took the one less travelled by, and that has made all the difference. Robert Frost
mickey
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Ungelesener Beitrag von mickey »

Ich lebe nun seit bald sechs Jahren in Afrika und habe etwa fünf oder sechs Mal Malaria gehabt, das erste Mal übrigens trotz Prophylaxe (Lariam=Mefloquin).

Medikamentöse Malariaprophylaxe hilft nur gegen den Teil der Erreger, der noch nicht resistent ist, und da man sich gegen den anderen Teil ohnehin mit Mückenspray und Moskitonetz schützen muss, ist die teure Prophylaxe gegen Malaria eigentlich so gut wie nutzlos.

Sie hilft nur gegen nicht resistente Erreger, die einen trotz Mückenspray und Moskitonetz erwischen und begünstigt aber weitere Entstehung resistenter Malariastämme, worunter in erster Linie die lokale Bevölkerung zu leiden hat.


Alle Malariafälle bei mir wurden mit Artemisin/Lumefantrin behandelt, außer der erste, da es das Kombipräparat dort (noch) nicht gab; aber auch hier wurde Artemisin in Kombination mit einem weiteren Mittel gegeben (Immer Plasmodiae Falciparum = Malaria Tropica)

In allen Fällen war die Malariabehandlung bei mir schnell und erfolgreich, ohne erneutes Auftreten. Da ich die Vorsymptome der Malaria genau kenne (Kopfschmerz, Gliederschmerz, Schwindel, metallischer Geschmack auf der Zunge, Verdauungsstörungen), habe ich immer frühzeitig einen Malariatest gemacht und noch vor dem ersten ausgeprägten Schüttelfrost / Fieberschub die Medikamente eingenommen.
Malaria hat daher bei mir noch nie hohes Fieber etc ausgelöst.

Meine Malariaerfahrung aus nunmehr vier afrikanischen Ländern:
- Auf die Malariasymptome achten und wenn Verdacht besteht, sofort zum Arzt.
- Jeder lokale Arzt kann einen Test auf Malaria machen, innerhalb von 20 Minuten hat man meist schon das Ergebnis
- Bei bestätigtem Malariaverdacht sofort behandeln. Je schneller, desto besser
- Die Artemisin/Lumefantrin-Medikamente sind in der Regel in den Apotheken zu einem günstigen Preis erhältlich (ca. 5-7€ im Gegensatz zu ca. 47€ für Riamet)
- Artemisin/Lumefantrin wirkt im Gegensatz zu den meisten anderen Malariamedikamenten schon innerhalb von wenigen Stunden
- Bessere Absorption der Malariatabletten bei Einnahme nach fetthaltigem Essen.
DSCHOOII
Kiebitz
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Ungelesener Beitrag von DSCHOOII »

Wenn Artemisia annua als Tee eingenommen wird ( zur Behandlung einer Malaria tropica unkomplizierte Form ), so muss man die Halbwertszeit beachten ! Siehe Homepage anamed.org

Deshalb ist es erforderlich den Tee 4 x täglich zu konsumieren 250 ml als Einzeldosis ( 24 h geteilt durch vier, also alle 6 Stunden 250 ml )( insgesamt 1 Liter ).

Der Tee aus Artemisia annua Anamed kurz A3 genannt wird von verschiedenen Gruppen in Deutschland angebaut insgesamt wohl mehrere Hectar. Auch in Frankreich und Luxemburg ( Iwwerliewen fir bedrohte Völker ) wird der Tee von verschiedenen Entwicklungshilfe Gruppen angebaut und verwendet.

Der A3 Tee ( aus Hybridsaatgut, das von der Fa. Mediplant in der Schweiz entwickelt wurde ) enthält ca. 0,9 % Artemisinin.

Es gibt aus verschiedenen Publikationen auch Hinweise, dass Artemisinin nicht alleine für die Anti-Malaria-Wirkung verantwortlich ist. D.h. es gibt nahezu artemisininfreie Pflanzen von Artemisia annua, die trotzdem erfolgreich in der Malariabehandlung eingesetzt werden können.
In Dr. Duke´s Datenbank sind ca. 250 Einzelstoffe gelistet die in Artemisia annua nachgewiesen wurden.

Wer mal unter die Artemisiafrau googelt kommt zu Hannelore Klabes,Kassel, mittlerweile 85 Jahre , die über 20 Jahre in Burundi tätig war in der Entwicklungshilfe.

Auch bei youtube gibt man Artemisia annua ein und findet einiges Interessantes zur Anwendung,Dosierung Historie und wie man selbst ein Artemisia annua Projekt mit dem Starterkit iniziieren kann.

Auch Prof. Tu gibt bei youtube einen 2 Minuten Film in der die Wiederentdeckerin von Artemisia annua und ( 1973 ) Artemisinin zu Wort kommt.

Warnen möchte ich vor nicht in Deutschland gekauften Riamet oder wie das in Ostafrika heißt: Coartem Tabletten. Da kann in Ostafrika auch mal "nichts" drin sein.

http://www.bio-pro.de/standort/netzwerk ... index.html

bitte mal ganz durchlesen und man weiß mehr...

http://www.swr.de/im-gruenen-rp/-/id=10 ... index.html

und wer´s skeptisch sieht .... zum Start auf das Bild drücken .

http://www.namibia-forum.ch/forum/161-m ... =6&start=6

http://www.weiterbildung.uzh.ch/program ... ersion.pdf

http://www.malariajournal.com/content/10/1/84/


renricker7
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Ungelesener Beitrag von renricker7 »

hi,

ich habe nun einiges gelesen über die versorgung bei malaria und hatte dabei immer etwas im hinterkopf ...

ende der 90er/anfang 2000 lief eine doku über eine Benediktiner-Mission in uwemba/tansania, in der beschrieben wurde wie pastillen aus einer pflanze aus china dort für eine kleines geld menschen leben rettet. sogar sind dort aids kranke damit behandelt worden, deren schlechter gesundheitszustand sich so extrem verbesserte, dass sie wieder ein gewöhnliches leben, mit kl. einschränkungen, führen konnten. das ganze für ein kleines geld, welches sich jeder leisten konnte ...

ich hatte mich immer gefragt, warum in der welt wird das nicht öffentlicher ...

schön zu sehen, dass inzwischen die wirkung anerkannt wurde.

bei der recherche bemerkte ich aber wiederum, dass nun präparate auf dem markt sind, die nur isolierte stoffe daraus als wirkstoff nehmen bzw. abgewandelte formen davon.

desweiteren laß ich bereits von einigen berichten, dass schon gewisse resistenzen sich herausgebildet haben sollen, zumindest laut einer versuchsreihe in den U SA.

wobei ich mich als laie, mit einem gewissen gesunden menschenverstand frage, wieso immer und immer wieder der gleiche schulmedizinische fehler begangen wird, obwohl die konsequenzen (resistenzbildung) schon zig mal bekannt erlebt wurden, immer wieder auf das gleiche pferd gesetzt wird ...

"wer heilt hat recht!", heisst es doch im hypokratischem eid?

die reine pflanze wurde unzählige male eingesetzt und gezeigt, dass sie heilende wirkung hat. warum dann der eifer unbedingt ein irgendwie hochkompliziertes verfahren zu entwickeln, nur um ein produkt zu fertigen, welches wieder recht leicht von der evolution umgangen werden kann?

laut weiterer recherche und folgendem artikel, wird auch noch das intuitive verständnis möglicherweise bestätigt - die ganze pflanze heilt wesentlich besser, als der abgewandelte, isolierte wirkstoff:

http://www.welt.de/gesundheit/article11 ... ament.html


@martin

ich weiss nicht, ob in den letzten jahren deine einstellung eine andere geworden ist ...

warum bist du hier so erpicht darauf der schulmedizin und dem was man wissenschaftlich bestätigt hat, nur glauben zuschenken. es wirkt auf mich sehr abblockend.

nach der aussage und der gewissen herablassenden art, zum verwenden der ganze pflanze, wären die aussagen in dem artikel undenkbar ...

die heilende wirkung wäre auch schon vor den tests und resultaten der schulmedizin/westlichen wissenschaft da gewesen ... also warum die skepsis und nicht ein offenes prüfen?

wer heilt hat recht, heisst es doch!

die sonne war im zentrum, auch schon bevor galilei es eventuell wissenschaftlich belegen konnte und es früher oder später auch bei der kirche ankam.

nach meinem verständnis sind isolierte wirkstoffe viel effektiver zu umgehen, als die von der natur gegebene kombination von wirkstoffen in heilpflanzen.

an anderer stelle habe ich auch gelesen, dass es dir nicht schwer fällt vitamin b1 zur prophylaxe zu nutzen, obwohl verschiedene quellen schreiben, dass es nachgewiesen sei, dass es nicht wirkt.

dennoch habt ihr wohl scheinbar eindeutige erlebnisse und erfolge damit gehabt ...

warum also anderen ihre erfahrung absprechen, statt offen für neues zu sein und zu fragen warum eine erfahrung möglich ist?


rené

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